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Freies Blatt · 1896-03-01 · 204 (1.3.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
204 (1.3.1896)
Date
1896-03-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 201.t Freie» Blatt. Seit» 7. die Zudeo» welche er u»ter Berufung aus die wissenschaftliche Autorität seiner Freundes Schneider in Wien al- Bindeglied zwischen Assen und Menschen bezeichueie, nicht nur für de» preußischen-Cultnrkampf, sondern auch für den französischen Chauvinismus verantwortlich. Die Tynamiiexplosio» in Johannesburg ivor, als Ahlwardt diesen Bortrag hielt, noch nicht bekannt, und daher konnte er sie den jüdischen Schandthaten noch nicht beizählen. Aus antisemitischen Blättern. (Hermann Braß über den Deutschen Schulvereio.) Tie arme „Deutsche Zeitung", welche sich in de» Händen eines „christlichocialen" Drucker« befindet, muß die Hetze gegen de» Herrn Lueger verhaßten Deutschen Schtzlverein mirmachen. Sie muß aber auch, um de» Rest ihrer Abnehmer zu conservire», den Bsünschen der Anhänger S t e i » we n d e r'S entsprechen, welche in Sachen des Schulvereincs sich »iäft von antisemitischen Rädaugelüsten, sonder» nur von der Rücksicht auf den nationalen Borlheil leiten laste». Zn Folge besten sah sie sich vor Kurzem bemüssigt, ein Schreibe» deS Herrn Herma»» Braß, Führer« der nordmährische» Anhänger Stcinwender'S, abzudrucke», welches besagte: „Die Hauptleitung deS Deutschen SchulvereineS ist nach meiner Ersahrung aufrichtig bestrebt, eS Jedermann möglich zu machen, im Deutschen Schulverein seine nationale Pflicht eisüllc» zu könne». A» ihr Kohn!" Wie männiglich bekannt, werden Hirtenbriefe von katholischen Kirchenfürsten nicht mit ihren Familiennamen unterfertigt. Mit der Zeit dürste die« die „christliche Schwester", welche noch vor Kurzem al» „Posaune Israel»" ihr Dalei» fristete, auch -in Erfahrung dringe». (Im Reiche de« SchnapseS.) Ei» Aniisemitenblatt in der grüne» Steiermark »i»>mt von eiper russischen Statistik Uber den SchnapSverbrauch Rotiz, der zufolge im Gouvernement St. Petersburg allein int Jahre 1893 von der mit 1,899.600 Personen bezisserten Einwohnerzahl nicht weniger al« 147.000 Hektoliter Branntwein hinter die Binde gcgostcn wurde». Zn» genannten Gouvernement gibt e« »ach einem amtliche» Ausweise 3051 Braunlweinschänkeu, so daß schon ans 622 Leute eine Schenke kommt. Einem Ideal deS Bräuntweinschenker» P o l z h o s e r entsprechen diese Zustände in, Reiche de« LchuapseS. allerdings, denn Branutweinschank-Lieenzen /können dort nur „-Arier" erlange». Fculllcran. Zur Geschichte der liegt eS nicht, wen» es auch in Zukunft nicht gelingen sollte, alle Deutschen im Schuloereine zu vereinige». Brünn wurde nicht alS Ort der Hauptversammlung, wie e« dort heißt, .über Einflußnahme der Zndenliberalen' bestimmt, sondern nachdem sich Alle, die an der Sitzung de« erweiterten Ausschüsse« thcilnahine», dasür ausgesprochen haben. Die Hauptleitung hat also die Frage, wo die Hauptversammlung sei» soll, bp enveiterten Ausschuß entscheiden lasse», und gerade das Eintreten de« Schreibers dieser Zeilen für Brünn dürste für diese Stadt die Entscheidung gebracht haben. Ich cspreche zum Schlüsse den Wunsch a»S, daß inan eS vermeiden sollte, über den Schulverem falsche Rachrichten zu verbreiten. Leider wurde durch Berbreitung von falsche» Nachrichten gar oft dem Schulverem geschadet und damit aber auch direct der gute» deutsche» Sache, da dadurch die wirksame Abwehr an de» Sprachgrenzen theiliveise unter-' bunden wird.-/ (Dir Bergaugeuheit Wkißruböil'S.) Herr Johann W e i ß e n b L ck. welcher bei der GemeinderalhSwahl im September 1895 in den Eirculären der Amisemitcn den „christlichen Wähler» des ersten Bezirkes" als tüchtiger u»d ehrenhafter Geschäftsmann empsohlen worden war, wurde diesmal von der Ean ditalur auSgeschlosten. Ta sich Hecr Weißenböck gegen diese« Borgehen, welches er dein Führer Lueger zuschreibt, in einer an seine Wähler versendeten Broschüre zur Wehr' setzte, ivurde er vom „Deutsche» B o l k S b l a t t" mit den heftigsten Jnvecliven überschüttet und die Anssorderung a» die Wähler gerichtet, sich über die Bergangenheit Weißenböck'S in den Acte» de«.Landes gerichtes zu insormireu. Herr Weißenböck har, dem Bernchmen »ach, sofort die gerichtlichen Schritte gegen da« „Deutsche Bolksblatl" eingeleitet. (TaS gcnirt dcu Priuzcu nicht.) Dar „Linzer B o l > s b l a, t" verübelt de» Wiener Antisemiten, denen eS sonst sehr zugethan ist, ihre jüngste Hetze gegen de» Großgrundbesitz und cilirt auS einer in de» Siebzigcrjadre» vom Prinzen Alois L i e ch l e n st e i n veröffentlichten Broschüre Argiiinenlc sür die politische Existenzberechtigung des Großgi niidbesitze». Ten Prinz'», derzeit eine» würdige» Gcuoffen der Schneider und G r c g o r i g, geuiren derlei Citate nicht. Läßt er sich doch auch durch deii Umstand, daß er selbst der Sohn einer Gräfin Potocka ist, nicht abhalieu, in Favorite» oder Ottakring vor einem zumeist au« eingewanderten Tschechen bestehenden Publicum gegen „polnische" Wirthschast" loezuziehen und der „eisernen Hand" eine eiserne Stune entgegen- -zusteUeu, Einen echten Wiener Antiseiniie» genirl Nicht eininal seine leibliche Mutter, geschweige den» eine Flugschrift, die er vor viele» Jahre» geschrieben ober vielleicht bloß unter seinem Raine» heransgegebe» hat. Das „Linzer Bolksblatl" kennt die Schneider, Gregorig, Aloi« Liechtenstein rc. schlecht, wen» eS sich dein Wahne hingibt, eS werde sie durch deren eigene Woite beschämen. ^Hirtenbrief des Fürslerzdischofs von Llmiitz4 Ter Fürsterzbischof von Olmütz har eine» Hirlenbries erlassen, in welchem e« heißt: „Biel, nur zu viel wild heute von der Humanilät und der Menschenliebe gesprochen, und doch hat zu keiner Zeit da« Unkraut der Selbstliebe mehr gewuchert, und zu keiner Zeit gab e« niehr Herzlose als iu unseren Tagen! Wer weiß e» nicht, daß die Menschen, um daS vorgestcckte Ziel ihrer selbstsüchtigen Wünsche zu erreiche». Alles wage»? Weder die Religion, »och da« Batcrland, weder die Bande deS Blute-, »och der Sprache könuen dem selbstsüchtige» Treiben Hall gebieten, nicht« achten sie. Alles niißbrauchen sie. Der Gedanke deS Geineinivohle« ist vielfach eutichwunde», und an deffen Stelle macht sich die nackte Selbstsucht breit, der kein Mittel zu schlecht ist, dessen sie sich nicht bedienen würde. Was liegt dein Selbstsüchtige» an der Existenz eine« Menschen, ja eine» BolkeS. waS küinmert ihn der gute Name de« Nächsten? Alles, Alles muß weichen, muß in de» Koth gezerrt werden, wenn eS seinen Plänen nicht dient." Die Antisemiten sind mit diesem Hirtenbriefe ganz und gar nicht einverstanden, und eines ihrer Blätter macht zu demselben die komische Bemerkung: „Gezeichnet (Lmancipation in Deutschland vor dem )ahre 1848. IR a ch älteren O. n c l l e n b c a r b e i t e k i tz>. gorisetzcing.) Statt ciner iin Sinne de» Edikts von 1812 .fortschreitenden aUgenicinc» Gesetzgebung erschien in Preußen schon I8.'i0 jenes Gesetz, welches den neuen oder wiedererworbencu Landestheilcn die Wohlthatcn des Edikts, von 1812 wieder entriß, welche»! Rückschritte I8:»3 eine provisorische Pcrordiinug für Posen folgte. Seit 1841 dachte inan erst wieder an eine allgcincinc -Gesetzgebung, und 1840 erfolgten vorlänsig wenigstens einige allgemeine Bestimmungen, die man als Porläufcr eines nnifaffendcn Gesetzes betrachte» konnte. Es wurde die Annahme fester, erblicher Familiennailien seitens der Inden überall vorgeschricben 3 cs wurde», niit wenigen Ansnahnicn, die inannigsachcn Beschränkungen, welchen die Juden in viele» Landestlscilen in Bezug ans den Betrieb stehender Gewerbe unterworfen gewesen, aufgehoben; die Militärpflicht der Jude» wurde allgemein hcrgcstcllt und zum Entgelt dafjir, wie es scheint, durch allerhöchste kD-rdrc genehmigt, daß de» zu Ilntcrossicicren beförderten jüdischen Soldaten, welche durch die vorgcschricbene Dienstzeit sich EivilvcrjorgungSansprüchc erworben, gleich den übrigen anstcllnngsbercchtigten illitcrofsieicren der Eintritt in solche Snbaltcrnstcllen gestaltet werde, mit welchen die Ausübung einer obrigkeitlichen Autorität nicht verbunden sei. Der Anlauf, den die Regierung damals nahm, erklärt sich durch die um diese Zeit in den Provinzialständcversamuilungcn entwickelte Thatigkcit. Während die Regierung -gegenüber den im Jahre 1812 ausgesprochene» politischen Grniidsätzcn sichtlich im Rückschrcitcn zu feudalistischer Romantit begriffen war, g»rb sich in den ständischen Bcrsamnilungcn gerade die.entgegengesetzte Bewegung kund, und dfescr iinnier inächtigcr, werdende Geist mußte wenigstens geschont, er' dürste nicht gerade vor den Stopf gestoßen werden. Die Stände der Provinz Preußen B. verlangten Aufhebung sämmtlicher in cinzclneii LandcSthcilcn bestehender Jndcnvcrfassnngen mit Ausnahme der '.rheinischen, welche den Juden ansgcdchntcre Rechte bewilligte, und allgemeine. Einführung des Ediktes von 1812. Zugleich verlangten sie namentlich, unter Aufhebung der willkürlichen Declarationen von 1-22, die Wiederherstellung des tz 8 deS Edictcs, welcher die Jitden zur Pcrwaltung der akademischen Lehr und Schulämter fähig erklärte, weil es bei vielen solchen Aemtcrn nur ans das Talent, nicht aut die religiöse Anschauung ankommc und es im Jutcrcsie des Staates liege, alle Talente und Kräfte seiner Mitglieder für seine Zwecke sich nutzbar zu machen. Außerdem glaubten sic aber auch, daß man wenigstens einige Schritte über das Edict hinausthnn müsse, und beantragten deshalb: Aufhebung der Bestimmung des Ediktes, wonach in Eriminalsachcn bei ciner gewisicn Höhe der Strafe ein von cinei» Inden abgelegtes freiwilliges Zcngniß nicht volle Beweiskraft hatte; ferner Ausführung der im Edict vorbehaltcnen Regulirung des jüdischen EultuSwesenS; endlich Bor» lcgung eines Gesetzentwurfes über die AnstellungSfähigkcit der Juden im Staatsdienst, weil ein solcher im Edict Vorbehalten worden, die Juden sich in de» ihnen -übertragenen Gemeindeämtern tüchtig gezeigt

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