Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 203 (23.2.1896)
- Date
- 1896-02-23
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Rr. 203. > Freie» 8 I a 11. Seit» 7. Vorhandensein von Rädern bei den landwirlhlchastlichc» Maschine». Die Borschrist, daß HilsSar beiter, welche in Accord arbeiten, vor der Fertigstellung der bedungenen Arbeit nicht entlasse» werde» können, und die Bestimmung, daß eine Lohnzurückhaltung unstatthaft ist, was insbesondere sür verdorbene Maaren, für Beschädigung an den Arbeitsstätte», Maschinen und WerkSvorrichlungen gelte, öffne »ach der Ansicht des Boitragenden der Bosheit Thllr und Thor und überliefere de» Arbeitgeber mit gebundene» Händen der Gnade des Arbeiter-, Bei der Borschrifk, daß Bekanntmachungen zum Schade» bestimmter Arheiler verboten sind, vertheidigte Redner unter lebhafter Zustiinmung der Versammlung daS Recht der AuSkniiftertheilung seitens eines Gewerbetreibende» an den ander». Ei» neuer Paragraph würde einige» Leuten große Freude bereiten: die Bestimmung nämlich, daß die Regierung in Hinkunst aus da- Recht dex Bestätigung deS Vorstehers einer Genossenschaft verzichte; eS bestünde somit kein Hinderniß mehr, daß Mechaniker Schneider der Obinan» seiner Genossenschasr werde, was die Regierung bisher ve> hindert habe. Ob aber der Genossenschaft damit geholfen werden wirb, sei «ine andere Frage. Unbegreiflich sei e», warum die Verschmelzung von Kiankencassen fernerhin nnstallhast sein soll, während e« a«n beste» wäre, eine Eentralkrankeucasse sür dar ganze Reich zu errichten. Die übrige» Bestimmungen des EntivurfeS hält Abgeordneter Mrabetz für zweckentsprechend; sie zeige» den erlisten Millen,, de» Wünsche» der Gewerbetreibenden nach Möglichkeit gerecht zu werden. Redner plaidirtc sür die Schaffung von gewerblichen Beiräthen und hob anerkennend die Leistungen unserer Fach-, schult» hervor. „Aber alle Reformen", schloß Redner, .sind doch nicht imstande, eine» wesentlichen Einfluß ans da« mateiielle Wohl de« einzelneit Individuums auSzuübe», wen» daSjelle nicht die Errnngeiischasten aus dem Gebiete der moderne» Technik und Wissenschaft sür sich auSziinützen vermag.' Fachliche Tüchtigkeit, richtige Ealculation, kaufniänuischeS Wissen, reelle« Gebahren, technische und künstlerische Vollendung in den Erzeugnisse», Emsigkeit nnd Fleiß sind der beste BefähigungSuachiveiS und die beste Garantie de» ErsolgeS" Der Bortrag des Abgeordnete» Wrabetz wurde mit lebhafter Zustimmung aufge- »o»»nen. «Ter Berlin für Arbeitsvermittlung tzcgcu Lueger und Gregorig.) In der am I«!. d. M. abgehaltenen Generalversammlung deS Vereines für Arbeitsvermittlung wnrden die Angriffe, welche von Lueger nnd G r e g o r i g im Landtage gegen dcn Verein und seine Functrvnäre gerichtet worden waren, a««f da« Entschiedenste zurückgewieseu. Der Präsident gab im Rame» der gesammten Vorstandes folgende Erklärung ab: 1. Tie Behauptung, daß der Verein sich hauptsächlich mit der Besorgung von Arbeite» sür die Großindustrie besaßt, ist vollkomme» unrichtig.'Tie Vermittlung de« Vereins betrifft überwiegend gelernte gewerbliche Arbeiter sür daS Kleingewerbe und Mittelbetriebe. 2. E« ist durchaus unrichtig, daß zwischen dcn angemeldetcn Arbeitsuchenden irgend ein Unterschied ' je nach politischer Ansicht oder Gesinnung oder au« irgend einem ähnlichen Giunde geinacht, wird. 3. ES ist »»richtig, daß die Subvenlion deS niederösterreichischen Landtage« oder sonstirgend eine Einnahme der Wiener Ceniralc für die Filiale Brünn verwendet wird. Tic Filiale Brünn führt ihre eigene Rechnung und empfängt von Wien an« nicht die geringste Dotation. 4. ES ist vollkommen unrichtig, daß jemals in der Bcrwaltuug de« Vereins „geheime Conventikel" stattfandc», zu deneneinzelne Functionärc nicht beigezogen ivnrden. ES wäre auch gar nicht äbzufehe», welche» Zweck solche Eonventikel hätten. 5. Tie Behauptung, daß ei» Vorstandsmitglied „wegen Wechselfälschung im Eriminal" war, ist selbstverständlich vollkomme» umvahr. Aus antisemitischen Oereinen und Versammlungen. (Ter trügerische Schkill.) Bei einer der lebten Versammlungen der Relken-Tameli im Prater wurden zwei anständig «piSsehende Frauenspersonen sür Jüdinnen gehalten nnd deshalb mit Schimpf und Schande au» de», Ver sammlungslocale entsernt. Die so Gemaßregelten versügten sich in die Linke Bahngaffe »nd legte» der Schriftleitung de« Vergani-BlatteS „vollgiltige Beweise ihrer arischen Abstammung" vor. Die Forlgejagtc» waren brünette Süd- ,'lavi ine», nnd da« Organ, an welche« sie sich um eine Gcuugthuung wendeten, läßt sich nun vernehmen: „Ein anderermal dürste r«' cinpsehlenSwerth sein, nicht auf bloße Aeußerlichkeite» hi» bei solchen Gelegenheite» in dieser Art vorzngehen." Der Schein kau» ja trügen, nnd' wie dasselbe Organ einmal seststellte, sieht der „beste Mau» der Ostmark" einem jüdischen Pserdehändler zuin Verwechseln ähnlich. «Gin Teutsch-Bolklichcr über die christlich-sociale Gemeindrwirthschaft.) In, Den tsche n Bezirk-Vereine Margarethen besprach der Teutsch-Bolkliche E n g e r t h daS neue Waffergebührengesetz. Ec legte die Rothwendigkeit einer Rutzwafferleitung sür Wien dar und trat. sür die bereits unter dem re«storbenen Bürgermclster Dr. Prix inaugurirte Donau-RutzwafferleituNg ei», welche die christlich-sociale Partei nur auS politischen Gründen, weil sie von den Liberalen, von Dr. Prix anSging, bekämpft habe. Sie habe ihm aber nicht« Besseres entgegensetzen können als die Tiesizuellenlciruug, die heute bereits endgiltig abgethan sei. Er wolle nicht'etwa in den Verdacht kommen, daß er den Liberalen da« Wort rede, doch stelle er die Thatsache-sest, baß die Christlich-Sociale», als der Kamps um die Rutzwafferleitung vorüber war, die unzweisklhastrn Mängel de« alten Waffergebührengesetzc« zu ihrer Agitation auSgenützt haben. Der Redner erörterte diese Mängel de« Räheren und wie« insbesondere daraus hi», daß eS der Gemeinde nach diesem Gesetze unmöglich sei, die Zahlung eine« Mehrverbrauches zu erzwingen. Sie könne Niemandem de» Wafferbezug einstcllen, sie könne keine politische Execntion führe», nnd im gerichtlichen Klagewege sei nichtauszurichten. Beiralh S t r o> b a ch selbst habe den Hausbesitzern geratde«, die Zahlung des Mehrverbrauches zu verweigern,' da sie gerichtlich nicht dazu verhalten werden könnten. Exgerth betonte dann, daß die Hausbesitzer von den'Waffergebühren in Wahrheit keinen Schaden haben, da sie sich dieselben von den Parteien zahlen lassen. Die christlich-sociale Pgrtei werde, wenn sie an« Regiment gelange, einer Aenderung deS WaffergebühiengeiehrS nnd einer Rutzwafferleitung nicht ansiveichen können- Dabei werde sie freilich auch den Hausherren zu Leibe gehen müssen. Ob diese den schönen Augen de« H rrn L u e g er zuliebe dann freudiger zahlen werden, sei, sehr fraglich. Er wisse zwar nicht, ob die christlich-sociale Herrschaft am Waffergebührengesetz zerschelle» werde, aber daS wisse er: die ch r i st l i ch - s o c i a l e P a r t e i w e r d e a n d e r T n m in h e i t ihrer Führer zugrunde gehen. Die Bcisanimlnng 'pendele, dem Redner Beifall. (lkinschüchtkruitgsvcrsuch.) In einer Versammlung von Relkeii-Tamen auf der Landftraßc erzählte Lueger, daß Agitatoren der Liberalen jetzt auch zu Beamten gehe», und fügte hinzu/e« werde einmal eine Zeit kommen, in welcher „wir z» befehlen haben und diese Leute zur Verantwortimg-ziehe» werden". Auch drohte er „diesen Leuten" damit, daß er gelegentlich deren Raine» nenne» werde. P e r » e r st o r f e r aber soll in einer Jo'esstädler Antisenütenversainml»»g, in welcher er dcn Versuch »nternabi», - da« Programm der Social- Temokrate» zu vertreten, der antisemitischen Partei daS Znigniß gegeben haben, daß sie sich „in den meisten Fällen aus eine» freiheitliche» Standpunkt gestellt habe. Sind Li»schüch«eru»g4versnche wie der oberwähnte auch „sieiheilliche^ Kundgebungen? «Auch kill Kaufmannstag.) Unter dem Vorsitze deS antisemitischen Bei-1 ralheS P n r sch t versammelten sich am 20. d. M. etwa 25—3«) Delegirte auS Wien und der Provinz zu einem „Kausmannstage" »nd saßte» im Sinnt der „christlichen" Socialresorm Beschlüße, welche die Aushebung de« HansirhandelS, Einsührung des Befähigungsnachweises sür da« DetailhandetSgewerbc rc. de» zivccke». (Im Eircnö Busch.) Am 18. ds M. fand in Berlin im CircuS Busch die angekündiglc Gelieralversaininliiiig deS Bunde« d e r L a » d w i r t h e statt. De» Vorsitz führte Herr v. Ploetz In alle» Rede» wurde unter Belhcnerung der KönigStreue für den Aiftrag Kanitz in der gewohnten Weise Propaganda gemacht »nd zugleich die Behaufttuiig ausgestellt, die Landwirihschast wurde bei Richiannahine diese« Anträge« d^m Ruin anhkimsalle». A«S Herr v. Ploctz i» einer AgilationSredc gegen daS betaunle Wort deS Kaiser« Wilhelm, daß die Anhänger des Antrages Kanitz Brolwucher treiben, ohne de» Kaiser zu »«umen,^ Verwahrnng einlegte, sind alS er gegen die angeblich von der Regierungsbaiik gefallenen Worte' proiestirte, Deutschland müsse ein Industriestaat weiten, ertönte unbeschadet der KönigStreue demonstrativer Beifall. Ferner wiederholte Herr v. Ploetz die Fordernng »ach der Toppelwäbruiig »nd einem scharfe» Börscngesetze. Gegen die .Herren Koh» und Rosenbcrg sei noch! nicht da« Wärt von der Gci»ei»gefäh>lich)cit gesallen. Tie WirthschaftSpolitik im Jahre I8!»5 kritisirend, forderte er eine beschleunigte Durchsührnng der,sogenannten kleinen Mittel, ivenngleich sie den R»i» der Landwirlhschaft nicht verhinder» löniile». Ploetz bekämpste die Ablehnung deS HeinistättcngcsetzeS durch die Regierung, sowie de« Anträge«, betzessciid da« Aushören der Grnndsteiier- EntschädigluigS-Rückzahlung, und koidcrte die Eonvcrsion der Slaatrrcntcn und Rcichsreptc» behnss Peiininderilg deS H»>polhetzi»rsnße«, die Berichärsinig der Seuchcngesetze, Einfuhrbeschrän klinge» für Milch, Gänse, Schiveine :c. Rach dem Rechenschaftsberichte, welche» hieraus der Tircctor de» Bundes, Tr. SnchSl a u d, erstattete, hat der Bund gegen 187.000 Mitglieder, 08.000 davon östlich uiid 88.000 westlich der Elbe, war beweise, daß der Bund nicht nur eine ostclbische Eiiirichtling sei. Rur 2 Percent der Mitglieder seien Großgrundbesitzer. Die Caffe deS Buntes habe Ende D«cember ein Deficit von 22.000 Mark gehabt das aber jetzt nur noch 8000 Mark betrage. Wege» Richtzahlung dar Beiträge seien 24 000 Mitglieder im letzte» Jahre gelöscht worden, dagegen aber 2.5 000 neue. Mitglieder beigelrcten. Tr. SnchSland bemerkte, daß die agrarischen Besteebnnge» ans „wissciiithastlicher bisher unwiderlegter Grundlage" beruhe,,. E a p r i o i'S Abschied sei kurz, aber schmerzlos gewesen; der hievoli »nd von der Audienz deS Vorstandes de« Bunde« der Landwirlhe beim Kaiser erhoffte Erfolg sei aber leider nicht eingctreten. Fürst BiSmarck habe am 9. Juni 1895 gesagt, daß die kleinen Hilfen, welche man der Landwiribschast geivähre, nicht so angeivendet würden, al« die« wohl möglich wäre. Ten neugegrUndele» Siädtebund beurlheilte Tr. SnchSland abfällig; es sei schlimm/ wen» ei» Gegensatz zwischen. Stadl und Land construirt werde. (Dar wagte der Director de« Bundes zu f sage»!) Jnr Lause der DiSciission fiele» da»» von Seite mehrerer Redner scharfe Worte gegen die Regierung. Der zweite Bor- 'l