Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 200 (2.2.1896)
- Date
- 1896-02-02
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/4886575-5439173-5439265--2477-4888855- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 2-M. , Frei»» ö I a 11. Seite S. (Ein deutsch-nationales Blatt »der die Katholische Bollsparlci.) An« B r ii ii ii wird u»S geschrieben. Da« hier erscheinend« be»tfd)-iuitioiia(t Blatt - läßt sich vernehme»: „Uit« ist unser deutsche« Slammesbewußtsei», u»sere Zugehörigkeit zum große» und mächtigen deutschen Volk mehr werlh als die Grundsätze der «katholischen Bolkspärlei, welche b>ka»»llich zwar in deutscher Sprache abgesaßi, aber ganz vom römischen Geiste ersüllt sind, einem Geiste, der vom Deutsche» nicht« wissen will, dem Dentscher und Tscheche ganz gleich werlh ist und der am liebste» alle Deutsche» zu seinen Sclavrn, zu Römlingen uniforme» wollte." Diese» allerliebste Geständniß ist natürlich nicht ernst z» »ehmen. Bei ded nächstbesten Wahl werden, wie bisher immer, die Deutsch- Rationalen Schulter an Schulter mit den Römlinge» marschiren, um die t11 Deutsch-Liberalen zu Bode» zu schmettern Schönerer'» Worte von der Harmlosigkeit der „slavischcu Linde" und der „Gefährlichkeit de» jndüchen Borkenkäfer»" Helsen über derartige kleine Inkonsequenzen leicht hinweg, (Schwarze Taktik.) Man schreitt »»«: Die clericalc „Salzburger E h r o » i k" vom 23. Jänner erkärt die Abwehr B i r ch o w'S und srizier Anhängcr für A n g r i s s c auf Bischof Rößler, Roch erheiternder wirkt sie am 2t, mit einer mit 1k, chissirirle» Corresponden; au« Wien, in welcher e« heißt: „Zu der Erklärung de» hochwiirdigsten Heir» Bischof» Tr, Rößler gegen den Professor Birchow ist »achznlragcn, daß Michael P a ch t l e r, ans den sich der hochwstrdigste Herr Bischof beruft, als seine Quelle die Broschüre: ,Ter radikale deulsche Socialismu» und die christliche Gesellschaft', Wittenberg, E, Rust, heran«gegeben von R, Tod«, ansührt. Letzterer ist oder war zur Zeit der Herausgabe proteslanlischer Pfarrer in Barenlhin bei Zernitz (preußische Provinz Sachsen). Hossenllich ivird die .Rene Freie Presst' mit der unvergeffenen, gerichtlich constalirten Gotteslästerung aus dem Gewissen nun über den protcstantischen Pfarrer ihre Glosse» machen." Ta« ist ja da« reine „Pater leib' mir die Scheer-Spiel". Die Herren scheinen de» Mulh verloren z» laben, für die Cilale, welche sie iu die Welt geschleudert, persönlich einzustehen, und gebe» jetzt einem Protestaule» da« Ersinderpalent, (Rach dem an anderer Stelle »er össemlichlen Briese Birchow'« hat der Piotestant daraus auch volle» Anspinch, Die Red.) Die „Eiklärnng" Dr. Rößler'» aber ist wohl inehr eine verlegene Entschuldigung gewesen. Wen» er jedoch wußte, daß M. Pachllcr au« einer p >7o l e st a » t i s ch e » Quelle geschöpft Halle, so war e« gar nicht schön, de« Jesuitenbuch al« alleinige Quelle anzusühren. Unkluger hät.en die Herren nicht handeln könne». (Alltlseillitischr Löhne.) Ter „H a I» b u r g c r Z k i t » n g « h ä u d l e rverei» von 1672" hielt am 13. Jänner eine Generalversanimlung ab, in der man über den geringen „Bringerlohu" klagte, T i e s e r I e i, so berichtet da» „Hamburger Freindeublalt" vorn 14, Jänner, bei a u l i s e in i t i s ch e u Z e i t u » g e », z, B, de m „T c » t s ch e » B l a t l", derartig » i e^d r i g bemessen, daß man denselben in i r Fug und stk e ch l als „Hungerlohn" bezeichue» könne. Bei »»« in Wieii kan» da» nicht Wunder «rregen. Hier erhalten nicht nur die stlnSlräger, sondern auch die Schriftleiter der anlisemitischen Blätter oft wabrc -Hungertöhne, wenn sie nicht das Glück Hallen, Spitzer oder Gull m a n u zu heiße» und sich ihre allcrdiug« sehr kinseilig am eigenen Ich, aber desto ausgiebiger geschöpfte «ienntniß aller „jüdischen Unarten" im Dienste der anlisemitischen Piesse gegen hohen Berräiherlohn ablause» zu lassen, (Tcr christliche Staat.) Man schieibt »»S au« Berlin: Im hiesigen Eenlralverci» deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt vor Stürzen, Rechtsanwalt Sonuenseld eine» Bortrag, in welchem er », A, sag^: „Es ist ein überlebter Begriss und Unsinu, Teutschland al« christlichen Staat zu bezeichnen, eine conservaliv-anlisemilische Gepflogenheit, 'die leider durch de» mißverstandenen kaiserlichen Ausspruch: ,Jch brauche christliche Soldaicn' an Bode» gewonnen hat." Tie Trgane der deutschen Junker und Mucker, die „G e r m a » i a" und die „Deulsche Tageszeitung" re, können e« sich nicht versagen, gegen diesen Satz knergiich zn prolestiren und neuerdings zu belonen, daß sie „an der Forderung der christlichen Grundlage de« Slaatslebcn» sesthalleu". Die Richtigkeit diese» Schlagworte« ist schon oft, auch in Ihrem Blatte, »achgewiese» worden. Wenn ich »och einmal daraus ziirückkomme, so geschieht die» deshalb, weil ich an eine» treffliche» Au«spruch erinnern »röchle, der wohl schon in Bergessenheit geralhen ist, Al» im Jahre 1817 der vereinigle preußische Landtag über die Emancipation der Jude» verhandelte und dabei die Phrase vom „christlichen Staate", auch in den Argumentationen der Regierung, eine große Rolle spielte, erhob sich Freiherr v, B i n c l e und sagte, nachdem er eiklärt Halle, daß man nur dann eine» Staat a!» christlich bezeichnen könne, wen» dieser die Grundsätze der christliche» Moral realisire: „Ich muß gestehe», daß ich die Benennung eine« christliche» Staates für de» unserige» bestreiten muß. Die zehn Gebote sagen schon: Du sollst nicht lödleii, während der Herr Minister, de» doch die Armee in ihre» Reihe» zu zählen da« Glück hat, nicht beabsichtigen wild, i» strenger Anwendnng jener Grundsätze den Krieg zu verdammen. Es steht ferner im neue» Testament: Tn sollst nicht schwören. Unsere Rede sei: Ja, ja, nein, »ein, Wa« darüber, ist von Hebel, E« ist ferner da« Gebot de« Ehristenlhum»: Liebet eure Feinde, imt>: Wenn dir jemand einen Backenstreich gibt, so Halle ihm die andere Backe anch hin. Wie wolle» wir aber mit diesem Grundsatz die Gesetzgebung über die Injurien in Einklang bringen?" Ei» besserer Eommenlar zn der Lehre vom christlichen Slaale dürste kaum gegchcn werden lönne»! (Zur Fkuktdeftattullgssrage), Tcr „Badische Polksbore", ein wegen seiner Berlogenheit und Dummheit geradezu berühmt gewordene» Amiseinitenblällchen, da» überall de» schädigenden Einsluß der Judeii^hera»«- jchnüssell, schrieb n»längst: „W er i ft da« t > e i b e n d e E l e in e n t i n der F e u e r b e st a l t u n g S s r a g e? Im Heidelberger Ereniatorimn wurde» im abgelausenen Jahie ‘.»1 Personell veibrannt, 61 Mänuer und 27 Frauen, Ter Eonseision »ach waren eS 5>3 Prolestanle», 111 «lalholikcn, 5> Atikalholiken, 8 Juden und i> Freireligiöse. Tie Jude» mache» clwa ei» Achtzigstel der Geiaminibevölkernng aus, sie s i n d a l s o a » d e r F e u c r b e st a t l u n g 8 m a l stärker betheiligt a l « die übrige B e v ü l l e r u » g. DaS gibt z n denken!" Gewiß, aber wir möchten wisse», wie e« die Schrift leiler deS Antileinitenblättchenr angestelll haben,' da doch da» Tenke» idiist nicht zu ihrem Handwerk gehört. Fcuillcton. / - Zur Geschichte der Emancipation in Deutschland vor 1848- (*>* ad) alteren C-11 e ((e u bearbeitet) / - i. ssorl1et)ui»§.) Man liebt cs jetzt, von antisemitiickier Seile de» («llanben zu erwecken, al» ob die Emaukipation der Juden durch die Freiheitsbewegung des 1848er Jahres etwas Ilebcrstürztcs und IlcbcrciltcS ge wesen und mit Außerachtlassung so.ialcr und wirthschaftlichcr Thal sachc» der allgemein Humanitären und dortrinürcn Richtung jener Zeit gewissermaßen als suoritioio dcll’ intelt-tt» getzrackst worden wäre. Daß die rciil doktrinäre» Grulidanidiaunngcn auf staatlichem OVlncte in jener „Heit so gut wie die damals immer mehr zilnchmendc (Gleich giltigkeit in religiöse» Fragen die Lösung der Emancivationsfrage wesentlich erleichterte», soll n»d braucht nicht geleugnet zu werden. Die eben erwähnte» lcgistischc» Bcriuche zur Lösung der gleichen Frage von Seiten, die weder des liberalen oder demokratischen Doktrinarismus, noch jener viel geschmähten revolutionären ««nmanitätsdniclci verdächtigt werden konnten, beweise» aber, daß anch lchoiz, in dc» Tagen der finstersten Reaktion die Frage der Emankipalio» anch vom rein realpolitischen lRsichtSpnnktc nicht mehr kontrovers war. Daß man sich jn den weiteste» «kreisen der wirthichattlichcn Be dentling der Jndcn, und zwar nach der Seite des 'Butzens wie nach der des Schadens hin vollkommen klar war, unterliegt keinem Zweitel, Besonders in jenen Ländern, wo die («'ninbfiive -des Xusudöu» den Inden freien ^^piclranm gewährt halten, warf» die «klage» über"- die wirlhschastlichc, llcbcrnkacht des Jndcnthiims sehr laut und sehr hantig, was natürlich zn einer sehr eingehenden Diskussion gerade dieser Seite der Jiidentragc führte, ')lbcr cs bleibt charakteristisch, datz die ersten entschiedenen Maßregeln aut gesetzlichem Wege zu <Ri»stcn der Jude» just in solchen Ländern erfolgten, wo sich gerade der leb haftestc Widerstand gegendie En^nkipatio» geltend gemacht hatte. Der früheste Berfuch in dicier Hinsicht ist diewürttcmbcrgische Gesetzgebung von 1825) bis 1828, l^'rradc in Württemberg konnte man einem bcfonders lebhaften Widerstande gegen die Emankipation der Inden ciltgegenfehc». In dem feit dem -Mittelalter in Tentichland allgemein hergebrachten Jüdenhassc hatte sich die (Gesetzgebung des «ÖerzogthninS" Württemberg vor den Gesetzgebungen audcxcr Staaten »och besonders ansgczcichnct, Altivürttcmbcrg betrachtete sich alS einen fpecifisch protestantischen Staat, und wenn cS schon gegen andere christliche Glaubensbekeniltnissc mit hartnäckiger Ilnditldjamkeil sich absperrte, so war seine Antipathie gegen das Jndciithum noch in» so viel stärker, je älter sie war. Einer der beliebtesten wiirtteznbergischcn Regenten hatte in seinem Testainentc, und zwar als einzige öffentlich rechtliche Bcstimmnng ver- ordnet, daß im Fürftenthum keine Inden gchaltcil werden sollen. Beim Bolle galt dies gerade als eines her werthesten LandeSprivilegicn, dcmznfolgc kein Jude sich im Lande niedcrlassen, ja nicht einmal längere Zeit anfhaltcn durfte. Die Landcsordnnng vom Jahre 15>21 schrieb vor: „daß die Inden im Land nit gehalten, noch darin zu wandeln zugclasscn werden sollen," «kaiserliche Freilseitsbriefc von 15>21 und l'i.'lO bestätigten dies »nd fügten hinzu: „daß hinfiirtcr in ewig Zeit kein Jnd noch Jüdin», sic sitzen unter wem sic wöllcn, den Landsasicn