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Freies Blatt · 1896-02-02 · 200 (2.2.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
200 (2.2.1896)
Date
1896-02-02
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. .freies Blatt. Nr. 200. ineinderathe vorzeworsen worden, daß wir die Minorität nicht berücksichtige», ihr nicht die Gelegenheit schaffen wolle», miizuarbeiten. Ich werde Ihnen ober nun auch sogen, warum doS geschieht. ES ist eine Schranke zwischen un«, die nicht zn überschreiten ist, die Sie aber aus dem Wege schaffen können, wen» Sie wollen. Tiefer Hinderniß find Ihre Führer; da» ist in erster Linie der Redakteur de» .Extrablatt'! Wir können mit einer Partei, die den Namen Feichtinger Partei führt, mit einer Partei nicht gehen, die ein Blatt wie da- .Grazer Extrablatt' zu ihrem Organe hat. Machen Sie unS es möglich, mit Ihne» zu gehen, indem Sie, wie viele von Ihne» schon oft unter vier Augen zitgestanden haben, erklären, daß dieser Führer nicht dar Recht have, in Ihrem Name» seine Angriffe z» machen." Aus die Frage de» Hem, Feichtinge t: „Wer sagt da»?" erwiderte Herr v. S ch in i d t: „Wir hoffen, daß diese Herren das selbst sagen werden. Der Redakteur eine» Blattes, das die Stirne hat, andere Blätter Revolverblätter u. dergl. zu nennen, der aber selbst in seinem Blatte Tinge schreibt, die geradezu Entrüstung Hervorrufen, da« ist der Führer dieser Partei! Wie lange ist es her, daß dieser Herr in seinem Blatte dem Gemeinderathe vorzeworsen hat, daß sich die Gemeinderathsmitglieder, wie sich . sei» Blatt ausdrückt, .schmieren taffe»'." Hsrr Feichtinger sagte, das sei eine gemeine Läge, und al» ihn der Bürgermeister zur Ordnung rief, schrie er: „Bravo!" Herr v. Schmidt fuhr dann fort: „Sie erinnern sich auch ,,och„ wie vor nicht lai ger Zeit die in Gra; vorgekommene» Abscheulichkeiten in jenem Blaue ausgebcutet worden sind, wie da ge>agt wurde: .Das sind unsere Gegner! Ta» hat damals das ,Grazer Extrablatt' gesagt. So lange diese Herren nicht selbst erklären, daß sie der Ansicht sind, daß das Vorgehen diese» Führers der Partei nicht nur ein ganz ungerechrfertigtrS, daß e-5 geradezu ein gemeines ...." Der .Vorsitzende erinchte, solche Ausdrücke nicht zu gebrauchen, worauf der Redner mit de» Worte» schloß: „Wenn die Herren-diese« Stigma, dieien Fluch, der auf Ihnen lastet, ent'erirerr, dann werde» wir gerne mit Ihnen gehen. So lange aber sich die Herren nicht lossagen, so lanae aber sie sich ein derartiges Parteiorgan gefallen lasten, so lauge.sic die Bezeichnliiig Feichtinger Partei an sich trage», können wir nicht mit den Herren von der Minorilät gehe». Mache» Sie uns ein Zusaiiunengkhen. mit Ihnen möglich; es wirk, u»S mir freuen, aber da» eben Erwähnte ist die hiezu unerläßliche Vorbedingung Sie müffen also früher erklär«», daß Sie nichts Gemeinsame» haben mit dicser Art von Journalistik!" Herr F e i ch t i n g e r drohte, da« „Extrablatt" werde die Sünden her Majoriiät schon noch annageln. und Herr W i l f i n g e r erklärte, seine Partei sei stolz ans Feichtinger, hinter welchem zebntauseiid Menschen stündrn. Im Ucbligcn besteht im Grazer Gemeinderaihe, wenn es sich darum bandelt, „mißliebigen Zuzüglingen" den Ansenihalt möglich» unaiizenehm zu machen, kein wesentlicher Unterschied. , Antisemitismus am 18. Jänner.) In Dresden fand am 18. Jänner eine Reichs Iiibilämnsseier statt, bei welcher Oberlehrer Dr. W e i d e n ba ch alS Festredner fungirte. Tiefer Herr konnte es sich nicht versage», seinem antisemitischen Herze» Luft zn machen, »nd ließ sich vernehmen: „Tics kränkt cs uns, daß der inneren Feinde io viele ec standen sind. Leicht von denen will ich r>üe», die sremde» Stamm.« in unserer Mitte leben, um ihres persönlichen, iilaterieUen Vonbeiles willen — es ist begreiflich, daß sie mit wenige» rühmlichen Ausilahmen für uinereS Vaterlandes G>öße und seine Ehre kein Herz haben: aber wider die Natur und schier unbegreiilich ist es, daß deutsche Männer, die;»»> Tbeit auf Frankreich» Schtachtseldern mitgefochte», daß ''olcher Männer Söhne, an deren Wiege deni'che Mutterliebe gewacht und deutsches Lied gektiingcn bat, in tlörichter Veiblendnng vaterlandslos geworden sinh und, gleißnerischc» Irr. lehre» folgend, mit den Früchten tausendjähriger deutscher Cultnraibeit zugleich de» eigenen Vaterlandes Lestaird zu vcriiichten trachten..." Angesichts der Tbat'ache, daß Tausende indischer Jünglinge ls?U;71 in de» Reihen deutscher Heere g.käwpst baden, Hunderte gefallen sind und' eine große Anzahl ausgezeichnet worden ist. gebärt, wie unsere Berliner Abwehrcollegin treffend beinerkt. ein trauriger Mutb dazu, an dem Ehrentage der deutschen Nation einen kleinen The.l derselben ai zngr'eifen. — Irr Rakel (Regierung bezirk Bromberg i kam es bei einer am 18 Jänner zipüchen einem antisemitischen Rittergutsbesitzer und einem der jüdischen Lonseision angehörigen Gerichtsassrffor zu einem bcsiigen Wortwechsel und zu gegenseitiger thätlicher Mißhandlung: als 'Nachspiel folgte dann ein blutiger Zweikampf. 2!us antisemitischen Blättern. Bedrohte Nullen.! Der niederösterreichische Landtag bot am Schluffe der vorigen Woche zur Abwechslung das Schauspiel eines Kampfe», de» die Antisemiten unter einander iüh.ten. In seinen Angriffen auf die Landwirihichaftsgefell'chaft ging Lueger soweit, auch seine Freunde vor deo Kopf zu stoßen und unter Andelem die Behauptung aufzustelle», daß ei» Subventionsstier eigentlich ei» „BestechnngSstier" fei Tötz, Oberndorfer, R i g l e r, insbesondere aber Ritter v. Trollverwahrten sich gegen die Lueger'schen Auslastungen, welche der Litztgenannte ungenirt als .ganz und gar unquolificirbare Verdächiiguvg" kennzeichnete. Ein antisemitische» Blatt führt nun de» gegen Lueger sich auflehneuden Parteigenrffen zu Gcmüthe, daß sie i» den VertretutigSköiperN nichts bedeuten würde», wenn Lueger sie nicht „emporgehoben und unterstützt" hätte, mit anderen Worte»: daß sie blost Nullen find und erst einen Werth auSdrücken, wenn Lueger vor ihnen steht. Den „Störern der Einigkeit", da» heißt Jenen, die sich Lueger gegenüber ein Subordination«- vergehen zu Schulden kommen laffen, wird mit der „Rache de» Volke»" gedroht. Ei» köstliche» Faschingsstücklein da»! f (Josef Decke« ttnb Max Anton Löw) Im „B a t e r l a u b" und in der „Reichspost"' veröffentlicht Pfarrer Dr. Josef Teckert eine Erklärung, iu welcher er seinen Bertheidiger Dr. Max Amon Löw wider die gegen ihn gerichteten, „bei Juden selbstverständlichen schmählichen Angriffe" in Schutz nimmt 'und ihn al» „einen begeisterten und zugleich hochtalentirten Anhänger der christlich-sccialen Partei, den dieselbe al» einen ihrer Besten zu schätzen allen Grund bat", lobpreist. Tie Eiklärung schließt mit folgendem Satze: „Gxradezn un- ' vernünftig, ja lächerlich finde ich e», wenn inan mir al» Racenautisemiteu den Vorwurf macht, den Mann zum Bertheidiger gewählt zu habe«: man kan» Racenantiseinit sein, ohne auf dem zwar radikalen, aber recht tal nt udi scheu Standpunkt derRace zu stehe u." Also man kann Racenantisemit sein, ohne — Racenantisemit zu sein, meint Herr Dr. Teckert. Damit ist das schwäbische Bäuerlein aus dem Badeuer Lande, das sich im Jahre 1848 für die Republik, aber mit dem Großherzog a» der Spitze au»sprach, jedenfalls geschlagen. Tr. Teckert aber geht »och weiter und erklärt den Racenstandpnnkt al» einen „echt talmndischen". Temnach wäre e» also eine Alt Verjndung des Antisemitismus, wenn man sich gegenüber den Juden auf den Standpunkt der Race stellt?... Tiefe treffliche Erläuterung des Appreti»Verfahrens, welchem Teckert zum Pcivatgebiauche die Racentheorie unterzieht, verdanken wir der „christlichen Schwester" au» der Beatrixgaffe Allerdings war sie vor nicht langer Zeit die „Posaune Israels" und bewahrte sich > och einen Rest gesunden Menschenverstandes, von welchem sie in Augendlicken, in denen sie ihre jetzige Ausgabe vergißt, Gebrauch macht. «Stehlt nur bei Gesinnungsgenossen!) Ter Schriftsteller Herr Rudolph Kraßnigg eistaltete gegen das „Deutsche B.o l k» bl a 11", und zwar wider den Herausgeber des Blatte», B e r g a n i, und den verantwortlichen Redakteur eine Strafanzeige wegen Verletziing deS Gesetze» vom 18. December, 1895, weil da» antisemitische Blatt ein in der „Oesterreichischen Volkszeitung" erschienene» Feuilleton im vollen Wortlaute »nd mit Beibehaltung der Ehiffre ohne Onellenaiigabe nachgedruckt hat. Tie „Oesterreichische Volkszeitung" begleitete eine 'Notiz, welche sie über diesen »»berechtigten Abdruck brachte, mit der Mahnung: „Stehlt mir bei Gesin»»ngsgenoffe»!" ■' «Dringend.) In »»bewacbten Augenblicken sind unsere antisemiiischen Teutonen naiv wie die Säuglinge. Richtete da da» hiesige Tagblatt für Urgermanen an seine Leser alle» Einste« folgende Anfrage: „Ein Schlagwott," das die merkwürdige Eigenschaft der Deutschen: sich von Pariser», Katzelmachern, Polen und Juden nasführe» zu laffen — trifft, wird dringend gesucht. E» soll kuapp und klär sein und uns auch nicht gar zu wehe thu». Gefällige Einsendnnge» werden an jeden deutschen Michel höslichst erbeten von einem gisiniiuugSginö'sischk» Schrisisteller." Ter gesinnungsgeiiössische Schriftsteller muß von der Sprackfabiicatio» eigenthumliche Begriffe habe»; nun habe» die deutschen Micbel Postatbeit, nach Maß .ein solche» Wort herzustelle,,. Uni dem armen Teufel von einem gesiniiiingSgeiiLssischen Schriftsteller rascher zu helfen, übeinimmt Liescrungen der bestellten Waare auch das „Freie Blatt". (Ilrteutliuischkr Blödsinn.) Ein jetzt Ivenig mehr gelesener Schnick Schnack- Blätichen tischt seine» Lesern folgendes Schriftstück z»m deutschen Reichrjnbiläum auf: „Reindeutich und alldeut'ch! So muß dar Schlachtgeschrei aller germanische» Gaurotteu (!) heißen, oder wem unser Sprüchlein besser gefällt: Durch Reinheit zur Einheit. Ter Aelpler ruj'S gen Helgoland, der Wasgauer zum Eisernen Thore und der Rllttlihirt sog's dem Ostsecfischer. Tan» wird's ein lieber Rannen (!) werden und d e Seelen werden auffliege» zum dämmerndc» Festmorgen der Teutschheit (!) und die Sippen ausbrechen zuin letzten Germanenzuge. Ta ist der neue Pclarstern, »ach dem zu steuern ist. Unsere Sagenberge dürfe» zu keinen Sagengrüsten werde». Noch ist nicht der Heerschild an den dürren Birnbaum der Walserfeldes ^gehängt worden, Mitgard, da» Reich der Mitte, Germanien, in seiner Gesammtheit also noch nicht geschaffen. Tenken »nd sinnen wir daher einstweilen, diese grüne (!), deutsche Hoffnung durch in »»seren FeiertagsstuiiLkn und halten wir unser Geniüth hübsch worin und frisch. Unser heimlicher Glück ab)v kleide» wir in die Worte der Hoffnung: Alldeutschland Heil! Auch am deutsche» Kaisertage fei so gerufen und gemahnt. Möge der neue Magnetberg recht viele deutsche Herzen in seinen Bann ziehen. Graz, in der 12. Rauhnacht (!) 2009 (!) 8'. X. \V—sl." — Die beste Sache wird durch sich breitinachende» Narrenihnin herabgesetzt und verfällt einfach der vollständigen Lächerlichkeit. Sicher witd auch bei dein Lese» dieser albernen Schwulste«, der wahrscheinlich „nrdeutsch" sein soll, ein konvulsivische« Gelächter nicht aurgebliebe» sein. Wann mag der Turst diese« „rothhaarigen Barbaren" zu Ende sein? Wohl nie! Oder trinkt er > ur Milchkaffee, de» ihm seine „srouwe" jedenfalls mit den Worten Vorsitzen muß: „Trinke teutscher Teutcrich two Taffen teutsche Tunke!" — Vorstehendeentnehmen wir wortwörtlich dem „Teutschcn BolkSblait". Ja, wenn e« sich darum handelt, dem Enkelmann Schmuel Leeb Koh»'« ein« aufs Zeug zu flicken, wird sogar das Organ de« Ehrenbürgervon Mühldorf vernünftig.

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