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Freies Blatt · 1896-02-02 · 200 (2.2.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
200 (2.2.1896)
Date
1896-02-02
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. £00. > Seit» 5. Sj eiea geflüchtet vor de« Feinden der Bildung. Er gleicht einem consequenten Menschen, der da» hält, wa» er verspricht, aber auch nicht mehr versprach, al» wa» er Hallen konnte. Sie habe« redlich da» Erreichbare versprochen und e» auch wirklich erreicht. Wa» da» Seeielariat seit siebzehn Jahren zur AnSsührung brachte, mit welcher Fülle von Wohlwollen und Ausdauer e« handelte, mit welcher Liebe zur Sache, da» konute ich, wen» auch ferne, fiel» den Resultate» entnehmen. Zum Forlbaue», zur corrccten Arbeit traten Sie an, Ziegel auf Ziegel legten Sie, immer höher wurde die Mauer, di» hinaus zum krönenden Dache! Meine Herren, da gehört mehr dazu, al» bloß drei Jahre Pläne schmieden und Fundamente legen! Ich Hobe von der Zukunft de» Kindc« phantasrrt, Lustschlösser im Geiste geplant; Sie arbeiteten für die Gegenwart, für da» Leben, wie e» ist. nicht wie es sei» könnte oder solltet Sie haben au« dem Kinde eine» Mann gemacht, der auch im öfsentlichen Leben seine Rolle spielt. Nach diesem kurzen Rückblick auf eine Zeit, al» wir, im Schassen verbunden, tin» gegenseitig kennen und schätzen gelernt, laste» Sie mich mein Gla« leeren vor Allem den Manen Jener, welche nicht mehr sind, dann aus Jene, welche als Erzieher, Erhalter und wahre Freunde d.e» Club zu einer Höhe gebracht, aus welcher er heute steht, eine Zieide »userer Batersiadt, ein Ayl de» Geiste» und der Bildung, eine Siülte-wahrer Humanität und Gleichberechiiguvg. Unter der Devise: ,Wiste» ist Macht" ruse ich: Ter „Wiffenschastliche Club", seine Paihen, seine Führer, seine Lehrer und Ralhgeber, seine wistenschäsllichen Freunde und seine „alte Garde" von 1876, sie Alle leben hoch! I. D ob l hass. (Strasgerichlliche Bersolgnng ^negcr's.) Gegen Tr. ti-nvi Lueger war wegen cincr anläßlich einer Franenversammliing in der Brigittenau gehaltenen Rede das Borverfahren wegen BergehenS gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung eingeleitet worden. Tie Staatsanwaltschaft hat jedoch die Einstellung des Bersahpeus »ach ‘JO St.-P.-T. beantragt, gleichzeitig aber auch die Abtretung des Actes an das zuständige Bezirksgericht Leopoldstadt zur Amtshandlung wegen Beleidigung der Regierung nach Artikel f> des Gesetzes vom Jahre 1802. Tas Bezirksgericht Leopoldstadt hat nnn beschlossen, bei den Präsidien des Abgeordnetenhauses nnd des Landtages »in die Auslieferung Tr. Lueger's einznschreite». (Was schickt sich sür einen Geistliche»?! Ei» führendes Anti femitenblatt in Tentschland hat es jüngst einem protestantischen (geistlichen schwer angerechnet, weil er der Einweihung einer Synagoge anwohnte und dabei die Anfangsworte des -,'Bater unser" sprach. Heute ist es schwer;n sagen, was sich nach den Ansichten gewisser Leute für einen christlichen Priester schickt. Bielleicht folgendes Borgehen, das sich jüngst in der Bolksschnle zu Hietzing ereignete. Ter Katechet Eooperator Hiinnielba ne r machte »ämlich in der Religionsstunde die Schul kinder darauf aufmerksam, daß die neue» Inhaber der Tabaktrafik am Hanptplatze Juden seien »nd daß die Rinder deshalb dort ja nichts kaufen solle». Ta erhob sich eine Schülerin, die kleine Marie An er. nieldete sich nnd sagte weinend: „Aber ich b i t t', H e r r K a t e ch e t, mir 's an ja Ehristen!" Trotzdem wiirde das Mädchen von den Mitschülerinnen als „Jüdin" verhöhnt: die Schulkinder verbreiteten im Bezirke, daß die Trafik am Hauptplatze Juden gehöre, ynd einzelne von ihnen machten wiederholt den Spaß, die Thür der Trafik zu ösfnen nnd hineiiizurnfen: „Ta sitzt, die Jüdin." Tie Inhaber der Trank, die Eheleute Auer, erstatteten nnn über dieses Borgehen deS Katecheten die Anzeige beini Schnldirector Herr» Mandl. Ter Katechet erklärte, er habe die Marie Auer für „eine Jüdin" gehalten, weil sie nicht im Katalog eingetragen war. Wie der Katechet sein Benehmen auch in dem Falle rechtfertigen zu können glaubte, wenn die betreffende Schülerin und ihre Eltern thatsächlich Inden wären, ist uns nicht bekannt. Tie Vorgesetzte Schulbehörde wird sich aber jedenfalls mit dem Borgehen des Katecheten Himmelbaner zu beschäftigen haben. (Rcichenberger Handelskammer.) Bergangene Woche erfolgte die Reuwahl des Präsidiums in der Reichenberger Handelskaiymer, aus welcher der bisherige Bicepräsident Alois R e n m a n n, der bisherige provisorische Borsitzende Earl Kirchhof und Herr Gustav I a n t o s ch als gewühlt hervorgingen. Alterspräsident Friedrich Freiherr v. Leiten berger richtete an den nengewählten Borstand einige markige Worte der Anerkennung und deS Tankes und fügte deni hinzu, er fühle sich 'auch von seinem persönlichen Standpunkte «ins gedrängt, dem Gefühle der Genugthnung darüber Ausdruck , z» geben, daß die Kammer bei dieser Wahl sich lediglich von sachlichen Erwägungen leiten ließ, nur die persönliche Eignung des zur Führung einer so hervorragenden Körper schüft Berufenen zu Rathe zog nnd sich frei und n n b e e i n f l n ß l von verwerflichen Tagesströmungen zeigte. Tie Kammer habe damit aber auch zum Ansdruck gebracht, daß sie gewillt sei, auch fürderhin ihre unabhängige Stellung nach allen Seiten hi» zu wahren und ihrem Präsidenten hiedurch die Gewähr zu bieten, daß-er bei 8 l a««. Abwehr aller, solchen v e r d a m m e n ö w e r t h e» Tendenzen entspringenden Angriffe die Kammer einig hinter sich finden wird. (Tlltll.) Wie aus Brün» gemeldet wird, fand dort in Folge einer antisemitischen Aeußerung deS Tragoner Tberlieutem nts Joses Freiherrn v. S u i n i d e l l a P i e v e d' A l b i g n o l a zwischen diesem und dem Maschineningenieur Eduard Lustig, der zugleich Landwehr ofsicier ist, ein Säbeldnell statt. Baron Sniui, welcher an beiden Arme» schwer verletzt wurde, sprach nach dem Tnell sei» Bedauern über den Borfall ans, worauf die Tuellanten versöhnt schieden. ($lir Frage Der Soillttagsrnht.) Ter Gemeindet all, von Lemberg war vor Kurzem der Schauplatz stürmischer Scene». Es handelte sich um mehrere Petitionen dortiger Kaufleittc nnd Handwerker ohne Unter schied der Konfession, die unter Hinweis darauf, daß sie durch zahlreiche Bestimmungen des Gesetzes über die Sonntagsruhe überaus nachtheilig betroffen find, um Abhilfe baten T er Berichterstatter befürwortete, fümmtliche Petitionen als gerechtfertigt anznertennen. Ein Kanfmann Markiewic; nnd der Reichsrathsabgeorduete Tr Pilkntat stellten sich aber auf. den Standpnult der Sonntagsheilignng, nicht ans dem der Sonntagsruhe. Ja, Herr Pienlat, der Universitätsprosesior, Hoiralh :c ' ist, zeigte sich als Meister der Jnterpretalionskunst nnd wagte die kühne Behanptnng, daß das «besetz über die Sonntagsruhe nicht so von socialer als von religiöser Bedeutung sei, indem es docnmeuliren solle, daß wir in einem christlichen, nicht aber in einem jüdischen 'Staate leben. Tem scharfsinnigen Professor, welcher seinen Wunsch in das bestehende Gesetz hineininterpretirte, trat aber siiaviter in modo, fortitcr in re der jüdische Gemeinderath und Landlagsabgeordnete Tr. Goldmann ent gegen, nnd schließlich wurde der Antrag des Berichterstatters angenommen. (Birchow gegen Bischof Rößler. Mil Bezug auf die Erklärung des Bischofs von St. Pölten, daß er seine Kenntniß angeblicher Ans' sprüche Birchow's ans einer Schrift de» Jesuiten Pachtler ge schöpft habe, veröffentlicht der berühmte Gelehrte folgende vom v. M. datirte Erwiderung: „Meine Auseinandersetzung »sit dem Bischof von' St. Pölten nimmt einen sonderbaren Berlans. I» dem Abdrucke seiner Rede in der sogenannten Universitäksversaminlung hatte der Bischof mehrere Anssagen von mir in Anführungszeichen angeführt, wodurch der Eindruck entsteheu mußte, als feien diese Anssage» wörtliche Eitate aus meine» Rede». Rachdem ich die Richtigkeit dieser scheinbaren Eitate bestritten und den 'Nachweis der C.uedeii, von wo dieselben entnomnlen seien, verlangt hatte, theilt der Herr Bischof in einem öffentlichen 'Schreiben vom -I. Jänner mit, daß diese Eitate ans einer Schritt ' von Pachtler entnommen seien. Ich habe »nin diese Schrift nachgesehen. Auf der angezogenen Seite 17 derselben stehen allerdings die von dem Heryi Bischof benützten Stellen, aber, wohlgemerlk, keine einzige in Aufiihrungszeichen. Es ergibt sich daraus, daß die von dein Herrn Bischof citirten Aussprüche wörtliche Eitake nicht von mir. sondern von Pachtler sind. Ta Pachtler nur für eine einzige dieser Anführungen eine T.uelleangibt,' so fallen an sich alle anderen ans der Betrachtung. Tie, eine mit T.uellenangabe ausgestalkete iü aber nicht einer Ciigiimlgnette von mir entnommen, sondern einem Buche von R. Tods. Ta aber ans diesem Buche Seile 04 eitut wirdwährend die betreffende Stelle ans Seite!«)«> fiel», und ans Seile '.'1 von mir gar nicht die> Rede iü, so liegt der Berdacht nahe, daß Herr Pachtler das Buch von. Tods gar nicht znr Hand gehabt hat, sondern daß er Iviedernm ans einer anderen Schrift citirt hat Es wäre nnn . iir der Thal etwa« wunderlich, wenn ein Priester der «Gesellschaft Jein den proleüantischeii Pfarrer in Berelithin bei Wittenberg als seine Hauptguelle benützte nna wenn der Herr Bischof von St Pölten >'o sehr, autorilätsluüig wäre! daß er unbesehen eine aus der «(«egend von Wittenberg stammendl : Angabe als zuverlässig ansieht. Indes; erscheint dies vielleicht verzeihlich! i wenn man erwägt, daß die Schritt von Pachtler in die Sammln»! der Stimmen aus Maria-Laach ausgenommen ist. Aber mau wird doc>! nicht übersehen dürfen, daß dieses ganze Kunüwert schließlich zu! Täuschung der öffentlichen Meinung dienen muß.. Was nun Herr» Tods anbetrifft, auf dem zuletzt die ganze Beweisführung beruht, fl ■ hat er auch nur ein allgemein gehaltenes Res»»»'' einer Rede gegebei» die ich -1874 auf eines Ratursorscherversammlnilg gehalten habe. 3| diesem ResnniGloiiinieil nur fünf Worte vor, die er in Anführung^ - zeichen setzt, die also ans meine -Kappe kommen Ich erkenne dieselbe! . als richtig an. Er sagt, ich hätte als Universal Erziehnngsmittel d»! naturwissenschaftliche Methode angepriesen, die nur das Wesen anstreb! 1 nnd die Erkenntnis; der fortschreitenden Entwicklung des ganzen All! 1 und den Znsainnienhang deS Eiuze.ln.en mit dem Ganzen. Also ich habt die »aturwisienschaftliche Methode als Erziehungsmittel augepriesen. Tal! thne ich auch jetzt »och, und zwar, wie ich damals anseinandergese»! habe, weil diese Methode die dem menschlichen Geiste entsprechende i und weil sie die Aufgabe jeder Erziehung, die Entwicklung des felbs

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