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Freies Blatt · 1896-01-26 · 199 (26.1.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
199 (26.1.1896)
Date
1896-01-26
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Freie» Blatt. Nr. 199. schiedensle zurückgewiesen werden niüffen; sie halten fest an den Grün dsützen des Liberalismus, dein Geiste' der Freiheit und des Fortschrittes, an den ini harten Kampfe errungenen Staatsg r u n d g e fetz e n, insbesondere an der Trennung der Schule von der Kirche, der Hebung deS Unterrichtes und der Verbreitung wahrer Humanität, der Förderung deS wirthschaftlichen Wohlstandes des gesammten Volkes und insbesondere der wirthschaftlich Schwachen. Temgemäß sprechen die versammelten NeichSrathswähler ihrem Abgeordneten, Herrn Tberbergrath Fran; Korber, für die mannhafte Vertretung ihrer Interessen im ReichSrathe in obcrwähntem Geiste ihren aufrichtigen Tank ans und versichern ihn ihres steten und unerschütterlichen Vertrauens." , (Ter Antimammonismns des Pater ^piy.) Ter bekannte antisemitische Preßpater Spitz hat nnnmehr dem durch seine Verrätherdienske an die Jesuiten zu einer traurigen Berühmtheit gelangten I Schapl, dem Verfaffcr einer Broschüre über „die Eorruptiün in der Social Tcmokratie", in seinem WarnSdorfer Srgan Unterschlupf gewährt. Tas Srgau der social demokratischen Partei RordböhmenS, „Ter ,rreigeill", bringt aus diesem Anlasie folgende Aufklärungen über das aiitiinaiiimonistiichc Vorleben des genannten antisemitischen Preßpfaffen: „Pater Spitz, vor einigen wahren noch ein armer Kaplan, bat sein geistliches Gewerbe an den Nagel gehängt, ist Buchdrucker und Zeitnnqsherausgeber geworden. Heute ist er im Besitze niebrcrer großer Häuser! Fm Weinberge des Herrn wäre cS sicherlich nicht so rasch gegangen. Sb er als christlich socialer Agitator so hohe Einkünfte hak, um sich die Häuser zu ersparen oder ob er von seinen Arbeiter» so viel Unternehmerprosit nimmt, diese Frage haben liniere <Genossen in Warnsdorf bereits einmal an Pater Spitz gesiellt, aber keine Antivort erhalten. Seinen Schäfchen sagt er stets, daß dieses Vermögen von <>'ott geschenkt sei und Allen gehöre. Gr selb» sei nur der Vermögensverwaltcr. Natürlich auch der von Gott eingesetzte. Na. Herr Verwalter, wir gönnen Ihnen die .geschenkten' Häuser! Bevor Sie aber wieder zu unserer Thüre kehren kommen, fegen Sic erst bei Ihrer eigenen rein." lSrganisatlon dcr jüdischen Konfession in Ungarn.) Minister Präsident Banffii und Eiiltiisininister Tr. Wlassics empfingen am I'.s d. M. in Budapest eine Tepntation von israelitischen Tittrictsvräsidenren, welche eine Tenkichrift wegen Einberusnng eines ungarischen israelitische» Eongresses behufs Schaffung einer Vandcsorganisation überreickiten und zugleich den Tank für die Neception der Juden ausdrücktcn. Ministerpräsident Baron Banffii erwiderte auf die Ansprache, die Negierung habe nur ihre Pflicht gcthan, indem sie Landesbewohner recipirte, welche gleich anderen Eonfeisionen stets in nationaler Patriotin scher Richtung gewirkt haben. Tic ungarischen Inden gravitiren nicht nach außen, und cs sei nur rcän und billig, daß sie eine Landesorganii'ation anstrcben: die Negierung werde sich daher mit der Frage beschäftigen und werde behufs Lötung derselben Zeit und llmstände in Erwägung riehen. In zwangloser Eouversation mit der Tepntation drückte der Ministerpräsident seine Freude darüber aus, daß die Israeliten Ungarns keine besondere Nationalität, sondern nur eine besondere Eonsession bilden, was zu der so nothwendigen Ausgleichung der ge sellschaitlichen lGegensätze wesentlich beitragen werde. Eultnsminisker Tr. Wlanics sprach sich ebenfalls sehr zuvorkommend aus, meinte aber, daß das Millenninmsjahr für einen solchen Gongrcß nicht geeignet erscheine. Er dankte der Teputaiion dafür, daß die israelitische LandeSversaniiiilung einen Laildeseonds l'ür nationale patriotische Zwecke geschaffen habe, was einer Eonfeision würdig sei, die sich stets durch Anhänglichkeit an die Nation und das Vaterland ausgezeichnet habe. Zur gewerblichen Bewegung. l Wirkliche Hilft.) Ter seil zehn Jahren bestehende „Seoein für A rb-ikSvermitlung in Wien* hat im Vereinsjahre 1894 nicht weniger ak?' 1812 Slelleniuchenden j^beit vermittelt: außerdem mußten 1366 Personen „ouSgeschaltei" werden, roeif sie einer an sie ergangenen Aufforderung, einen Posten zu übernehmen, nicht Folge leisteten oder — weil sie anderwärts Arbeit landen — sich abmeldeten. Welchen Tienst der Verein auch de» Unternehmern, Klciugewerbelreibeuden wie Großindustriellen leistet, geht daraus hervor, daß , in.dem genannten Berichtsjahre 4441 Aufträge von Arbeitgebern für stellen in der' Weise be>'orgte, daß 4812 Stellen — wie schon erwähnt — vermittelt wurden. Hievon entfielen ans Wien und Umgebung allein 4179 Stellenvermittlungen. lieber das Bereinsjahr 1895 liegt noch kein gedruckter Bericht vor. doch sind wir heule schon in der Lage, mitzutheilen, daß die Vereinsihätigkeit i m I ah r e 1895 inclusive der Anmelipungs stelle in Favoriten die ansehnliche Zahl von 5955 Vermittln ngsfällen (a l o 1143 mehr als im Vorjahre) erreicht hat. Seit Beginn der Thätigkeit im Jahre 1885 wurde durch den Verein in Wien im Ganzen 34.842 Personen Arbeit vermittelt. Außerdem ließen sich bei der Filiale in Brünn in den Jahren 1889—1894 in Summa 9598 Personen vormerken, und erhielten hievon 4794 Personen Stellen vermittelt. Und das ist der Verein, der von deu antisemitischen Rettern deS „kleinen Manne-"einer Subvention ans Landes Mitteln für nicht würdig erklärt wird. (Auch eine Hilfe für bas Gewerbe.) »Der Bund der Deutschen - in Bödmen," schreibt die deutsch-nationale Reichenberger „Volkszeitung", „hat es sich bekanntlich zur Aufgabe gestellt, nach besten Kräften zur Hebung de« arg daniederliegenden GewerbestandeS mit beizutragen. Als sehr gute« Mittel hiezu dient die Herausgabe von mannigfachen Bundesartikeln, welche theilS auf Anregung de« Bundes, «Heils von einzelnen Bundesmitgliedern geschaffen wurden und deren Vertrieb auch noch dem Bunde selbst einen ansehnlichen Gewinnantheil abwirft. Es ist daher auch schon an« diesem Grunde Pflicht eines jeden Bundesmitgliedes und jedes Deutschen überhaupt, solche (noch dazu sehr preiswerthe) Bundesartikel zu kaufen und für deren anderweitige VerbreiNliig zu sorgen. In erster Reihe gehören hieher die vorzüglichen BundeSzüiidhölzcheu, welche in unserer Stadt fast bereit« in allen Kaufläden und Tabaktrafiken zu habe» sind. Deutsche, verlanget in allen Gasthäusern stet« die BundeSzündhölzchen > Sehr preiswürdig und äußerst schön ausgestattet sind auch die BundeSpostkarten (Stück 3 kr.). Für Pfeifenraucher hat die heimische Porzellanfabrik von Josef Mazel in Neustadt! gesorgt, indem dieselbe schöne Tabakspfeifen auS weißem Porzellan, mit farbigem Bundeswappen und sitönem Beschlag versehen, um den mäßigen Preis von einer Krone für das Stück liefert. Ebenso wie die > Buudeszündhölzchen möge Jeder auch in den einzelnen Tabaktrafiken die Bundescigarrenspitzen verlangen und für deren Einführung bei Gast- und Kaffeehauskellnern sorgen. Bundesliederbücher sind von der Ortsgruppe Leitmeritz zum Preise von 30 oder 50 Hellern zu beziehen. Deutsche, kaufet die BundeSartikel!" Wenn damit dem Kleingewerbe noch nicht anfgeholfen sein sollte, so ist wenigstens der. Bund d e r D e » t s ch e n in Böhinen nicht Schuld daran. Aus antisemitischen Vereinen und Versammlungen. (HosfllllllgSreich.) In der inneren Stadt fand vorige Woche eine Antiseiniteiiversamnilimg statt, die zwar äußerst schwach besucht war, deren Redner aber sehr zuversichtlich'austraten. Der „Arier" P o r ze r fand e« selbstverständlich, daß die bei den letzten Gemeindewahle» im dritten Wahlköiper aufgesiellleu Eandidaten, zu denen auch seine Wenigkeit zählte, wieder durchdringen müffen. Ter „Arier" G e ß m a n n meinte, daß der größte Theil der durch die geplante Wahlreform hiiizukommenden Mandate den Antisemiten znfallen werde. Und schließlich gab Prinz Alois Liechtenstein, der Genkahl der „Arieriu" Johanna, geborenen K l i n k o s ch und geschiedenen Haupt, der christlichsoeialen Hoffnung Ausdruck, daß die eiserne Hand des Grafen B a d e n i sich nicht als stark, sondern als schwer und ungeschickt erweisen werde. tlr-ristlich-Soeiale im Kampfe mit Social-Temokrateu.) Die sogenannten christlich-socialen Arbeiter hielten am 19. d. M. im Saale zum „Goldenen Luchsen" in Neulerchenfeld eine Versamnilung, in der es zu einer heftigen Schlägerei mit Social-Demokraten kam. Der erste Anlaß dazu war schon eine Woche vorher in einer Versammlung der Soeial-Temokraten im Hernalser Brauhause gegeben worden, wo sich auch Christlich-Sociale eingesniiden hatten. Dort war ihnen der Vorwurf gemacht worden, daß sie ihre Berathungen immer bei geschloffenen Thüren abhalten und daß er den Social-Temokraten unmöglich gemacht werde, ihre Meinungen in den Versammlungen der christlichsocialen Arbeiter kundzugeben. Daraufhin hatte der antisemitische Arbeiter M o r a w e tz, der in jener social-demokratischen Versammlung eine Rede hielt, erklärt, daß künftig die christlich-socialen Arbeiterversammlungen auch den Social- Temokrateu zugänglich sein sollen. Im Vertrauen aus diese Zusage fanden sich nun zu der Versammlung beim „Luchsen" etwa 300 Social-Demokraten ein, die aber von den am Eingang aufgestellieu Ordnern zurückgewiesen wurden, und eS kam schon deshalb zu j lärmenden Streitigkeiten, so daß die Polizei wiederholt einschreiten mußte. Trotz der Abweisung gelang eS aber etwa 30 bis 40 Soeial-Temokraten, in den Saal zu kommen, während die übrigen sich im Schankzimmer und in benachbarten Gasthäusern ansammelten, um den Verlauf der Versammlung abzuwarten. In derselben sprach der Abgeordnete Geßm ann über die Arbeiterschutzgesetzgehuug und die Wahlreform, und seine Rede wurde von den Social-Demokraten mehrmals durch Zwischenrufe unterbrochen. Der Vorsitzende, ein gewiffer Carl R e g o r a n « k y, erkläret dann, daß Jeder, der die Versammlung durch weitere Zwischenrufe störe, aus dem Saale gewiesen werde. Trotzdem rief, als Geßmann feine Rede sortsetzte, ein Social-Demokrat neuerdings dazwischen. Daraufhin fiel eine Anzahl Christlich-Socialer über ihn her; sie wurden mit. ihm handgemein, versetzten ihm Stöße und Schläge und schleppten ihn zum Ausgange. Die im Saale anwesenden Social-Demokraten nahmen sich aber ihre- Genoffen an, und e« entstand eine Schlägerei, in der nicht nur mit den Fäusten, sondern auch mit Stöcken, Regenschirmen und Bier-

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