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Freies Blatt · 1896-01-26 · 199 (26.1.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
199 (26.1.1896)
Date
1896-01-26
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Frei«, Statt. Nr. ISS. Seite «. saal wird dir Dreistigkeit und Niedertracht dieser Verdächtigungen klarlcgen. Bis dahin enthalte ich inich jeder Polemik." lieber die Thatsachen, welche dieser Erklärung zugrunde liegen, theilt die „Neue Freie Presse" mit: Tie in Hast genommene Person, von welcher Herr Dr. Granitsch sprach, beißt Johann Neu mann und ist Lollicitator debekannten deutschnaticnalen antikemili'chen Advocaten Tr. Vincenz v. Berger, welcher gegenwärtig Maffeverwalter ' in dem. Ignaz Ä1 i f r'schen Loncurse ist. Tie Angeleqenbeit dreht fich auch um Ignaz Klier, welcher im Jahre 1887 wegen fal'chen Eide» zu drei Jahren schweren Kerkers vrrurtbeilt worden und auch sonst wiederholt im Gericht«saale sowie ferner im ReichSraihe bei Gelegenheit der Tebatte über die Prag Tuxer Bahn erwähnt wurde. Tiefer Ignaz Klier reichte nach der Entlassung anS seiner Kerkerhaft im Jahre 1890 gegen das Han» La n na in Prag, Frau Maria Grobe äl» Witwe de» Procuristen Lanna's, Herrn Moriz Gröbe, die Firmen Weninger sowie Schon »ud Wessely i» Wien sowie andere Per'önlichkeiten eine Klage auf Bezahlung von 800.000 fl. ein, indem er behauptete, er habe in den Jahren 1881 bis 1884 während seiner damaligen Thätigkeit al« öffentlicher Agent in Angelegenheit von Eiiendabnen. Privilegien »nd dergleichen fich einen rechtlichen Anspruch an die geklaqien Firme» ans diese Summe «rworben. Tie Forderung wurde von den Ge lagten al» unbegründet zurnckgewieien; doch kam e» schließlich zu einer Vereinbarung. bei welcher Klier 77.000 fl. empfing »ud sich hiemit m« vollkommen befriedigt erklärte. Nach drei Jabren erhob jedoch Klier, welcher fich inzivischen mit einem Lonsoninin verbunden batte, um die Kosten eines Proceffes bestreiten zu können, eine neue Klage gegen die erwähnten Firmen, -verbunden mir dem Begehren der Anniillirung des abgeschlossenen Ankgleiche«, welche einen kühnen Versuch bildete, 300000 fl. von den Geklagten zu erlangen. Er berühmt» fich nämlich darin, er habe mit dein Handtl-ministerium Berhaiidlniigeu zur Verstaatlichung der Bahn Pilsen-Priesen eingeleitet und °da» später eingetretene günstige Nekultat berbeigessthrt, wodurch er aus eine ihm znge'agie Provisionssumnie von 300.000 fl. Anspruch habe. Er halte jedoch in Wahrheit in dieser Angelegenheit kein Resultat erzielt, da die Ibalsächlich durch ihn erfolgte Intervention, bei welcher er sich durch seine Beziehungen zu dem Hantelsministerinui Eriolg erhoffte, vollständig gescheitert war. Um dieser Klage, welche iyi Bo-binein obne Ebancen war, noch auf andere Art zu Hilfe zu kommen/ suchten Klier und die mir ihm verbündeten Eousortiumsmitglieder »och dadurch auf die GeNagten einzuwii ken, daß sie Aukgleiche anboten, während sie gleichzeitig auf direct» oder indirecte Weist mit der Herbeiführung oo» Scantale» drohten. Jn-besondere wiest» sie in Briefen, halb verhüllt, halb ossen aus Beziehungen Klier's zu dem früheren Ha»del«mi»ister. Freiherrn von Pin^bin, in der Erwartung, daß die Geklagten diese Veröffentlichnngen würden verhindern wollen. Diest Bestrebungen scheiterten indessen an dem Widerstande der Geklagten. Tie Kläger ließen auch behu?» einer Beweisaufnahme znin ewige» Gedächtnisse die Minister sowie jene böheren Beamten deS Handel»- ministeriiim». welche in he» Jabren 1881 bi« 1884 fungirten,' endlich auch Herrn Tr. Granitsth vernebmen, der bei dem Abschlüsse der Verstaallichung al» Rechtssteiinb tbätig war. Auch dieie Schrilte, die einen Truck ans die geklagte Proceßvartei übe» sollten, _erzielten die gewünschte Wirkung nicht, und der Pr^ceß nahm seinen weitere», der Natur der Sache nach langsamen Gang. Ta ereignete sich ein Zwvchenfall. Im Sommer vorigen Jahre» wurde über das Vermögen Jgna, Klier'« der Eoncur» e>öffnet. Tie Gläubiger Klier'», welchen derselbe eine Viertelmillion schuldete, batten die in dem Processe geltend gemachten Pi-ovifionsrorderungen ihre» Schuldnerschon früher gepfändet »nd traten jetzt bei der Klage an dessen Stelle, sowie sie ihm schon bi» dahin bei seinen krüberen Schritten zur Seite gestanden waren. Tie Bemühungen der Kläger gingen jetzt abermals dahin, einen Ausgleich herbeizuführe», wobei sie j-toch »och immer keinerlei Entgegenkommen fanden. In diesem Stadium der Angelegenbeik wurde auch -Herr Tr. Granit'ch al» Zeuge vernommen Herr Tr. Graniilch batte in einem Zeiipunkie »ach dem Scheitern der Klier'ichcn Verbandlungen, jedoch obre jeden Zusammenhang mit denselben, al» S.udstitnt d?s P ager Vertreter» de» Haust» kanna Verhandlungen mit dem Handels- Ministerium wegen Verstaatlichung der Pilsen Priestner Babn eingeleitet, und die'st ssihrken zu einem Abschlüsse, bei welchem der Staat eine viel geringere Ablö-'ungrsumme bezahlte, al» diejenige war, welche früher die. Basis der Belvrechungen gebildet batte. Herr Dr. Granitsch sagte nun al» Zeuge unter Eid au», daß er von den Maiiipnlalioiien Klier's in dieser Sache nicht das Geringste gewußt bab-. daß er überhaupt zur Zeit der Bestrebungen. Klier'» die Herren Weninger. Wessely und Schön, mit welche» allein fich jener Agent in Verl-indunq geletzt batte, nicht kannte und auch zu dem Haust Lanna erst Ende 18*3 nachdem Klier stine Ermüdungen schon eingestellt baue, als Substitut de» Prag-r Anwälte» in Beziehung trat. Für seine Tbä'igkeir -baue Herr Tr. G-auiisch ein ganz gewöhnliche« rechisfreundliche» Honorar bezogen.. Ta die Hossiiiiiig-lossgkeik der Angelegenheit für die Kläger immer deutlicher hervortrat, wurde nun zu einem verzweifelten Mittel gegriffen, nm denn doch dc» erstlinkeu Au»gleich zu erlange» Herr Dr. Granitsch sollte eingeschüchtert werden, »m auf die Geklagten, wen» er sie auch gegenwärtig nicht mehr vertrat, einzuwirken, damit sie den Proceß freiwillig durch ansehnliche Geldopser beendeu möge». Der anfangs diese» Berichte» erwähnte Sollicitator Johann Neumann, welcher 15.000 fl. von Klier zu fordern hat, schickte Herrn Dr. Granitsch die angebliche Abschrift einer vom Jahre 1883 datirten Urkunde, in welcher die Herren Weninger, Wessely »nd Schön dem Jgnaz Klier 300.000 fl. al» Honorar für seine Wirksamkeit im Interesse der Verstaatlichung der Pilsen» Priesener Bahn zusage»; in einer Nachschrift diesefingirten Document» heißt e», daß 40.000 fl. von dieser Summe Herrn Dr. Granitsch zukoinmen, damit er die Sache im Reichsrathe. durchbringe und de» Sectionsches de» Finanz Ministeriums (einen seither verstorbenen Man», dessen Name ein makelloser mid hochangesehener geblieben ist) günstig für die Angelegenheit stimme. Tiefe freche Fälschung veranlaßle Herrn Dr. Granitsch, die Strafanzeige hierüber zu machen, welche auch am 17. d. M. die Verhaftung Neuniann's zur Folge hatte. In der Sitzung vom 22. d. M. brachte Gregorig eine Reihe von Stellen ans handclsgerichtlichen Acten zur Verlesung, ans welchen hcrvorgehcn soll, daß Tr. Granitsch im Aufträge von Wessely und Lanna dem von ihm seinerzeit erwähnten Agenten über 70.000 fl. bezahlt habe. Dr. Granitsch erwiderte, es sei schwer, bei solchen Dingen ruhig zu-bleibcn. Aber ein Entschuldigungsgründ für Gregorig liege darin, daß er gar nicht die Fähigkeit besitze, das zu beurtheilcn, was rr gesprochen. Es sei erstens erlogen, daß er mit der betreffenden Localciscnbahngesellschaft in Beziehung gestanden. Was aber den angeführten Vergleich betreffe, so sei derselbe in loyalster Weise abgeschlossen worden. Er enthalte sich aller weiteren juristischen Ausführungen; Gregorig möge sich mit seinen vorgefaßten Angriffen gedulden, bis das Gericht gesprochen haben werde. Greg orig erklärte hierauf, daß er alle seine wichtigen Acten, ins Ausland gebracht habe, nm vor einer gerichtlichen Beschlagnahme sicher zu sein. In derselbe» Sitzung,, exccdirten die Antisemiten in einer Weise, die alles Bisherige übcrtraf. Sic brachten zwei Tringlichkeitsanträgc ei», von denen der eine forderte, daß es zulässig sei, an eine JiitcrpellationSbcantwortung eine Debatte zu knüpfen, während der andere die sofortige Ausschreibung der Wiener Gemeinderathswahlcn begehrte. Die „Dringlichkeit" ^vermochten die Antragsteller nicht dnrchzusetzcn, allein diese war nur ein Mittel zum Zwecke; ihnen war eS ja bloß um Radau zu thun. Tic Antisemiten ergingen sich in Drohungen gegen die Landtagsmajorität, beschuldigten den Ministerpräsidenten des „Hochvcrrathcs", gebrauchten der Regierung gegenüber Ansdrücke, wie „Schmach" und „ehrlos", verlangten die Austreibung der Inden und warfen einem seit der Berurthcilnng Georg Schöncrcr's ihnen mißliebigen Richter „gewohnheitsmäßigen Justizmord" vor. Als ein Versuch, die Fälschungsfiction bezüglich der kaiserlichen Ansprache auf dem Balle deS Schnlvcreins für Bcamtenstöchter (siche die Rubrik: „Aus antisemitischen Blättern") im Landtage zu verbreiten, vom Statthalter vereitelt wurde, welcher den von der „Wiener Zeitung" publicirten Wortlaut für anthcntisch erklärte, nahm der Bürgermeister-Aspirant keinen Anstand, zu sagen, daß man ans dem Kaiser einen „Agitator" mache. Ist das eine Sprache, welche sich für einen Menschen ^schickt, dessen Srgane Andere wegen „antimonarchischcr (Besinnung" denunciren'? . . . Auch am Schlüsse der Sitzung bei Verhandlung von gerichtlichen Eingaben wegen Zustimmung zur strafgerichtlichen Verfolgung antisemitischer Abgeordneter gab cs Scandal. Nachdem die Auslieferung Ernst Schneidens nicht bewilligt worden, weil die Strafbarkeit bereits durch Verjährung erloschen sei, wurde einem Ansuchen wegen Einleitung des Strafverfahrens wider Ferdinand Loqnai wegen Uebcrtrctung gegen die Sicherheit der Ehre statt gegeben. Gr cg orig benützte diesen Anlaß, um über Juden nach .Herzenslust zu schimpfen und ihnen das Recht abzusprcchen, gegen antisemitische Ehrabschneider gerichtlichen Schutz anzurnfen. — Am 23. d. M mißbrauchte» die Antisemiten die Immunität, indem sie anläßlich einer Debatte über eine kleine Subvention für die Meister fachcurse am Technologischen Gewerbemnseumdieses gemeinnützige Institut mit Schmähungen überhäuften »nd die österreichische Industrie vor dem Auslande zu discreditiren suchten. Tie antisemitischen Angriffe wurden von liberaler Seite entschieden zurückgewiesen, insbesondere vom Abgeordneten Kitschclt, welcher auch den Werth der „christlichen" Socialresorm in klarer überzeugender Weise darlegte. (Aus dem böhmischen Landtage.) An, 20. d. M. kam cs im böhmischen Landtage bei der Verhandlung über einen Antrag auf Behebung des der Landwirthschaft angeblich schädlichen Einflusses der Productcnbörse zu Radausccnen, wie sie bisher nur in den Wiener Vertretnngskörpern üblich waren. Herr Gedler, ein Genoffc der, Barcuthcr und Prade, begründete den Antrag, indem er unverfroren antisemiteltc, und ihm sccundirte der „Unverfälschte" J ro. Die Abgeordneten Scharf und Tr. Rnß protestirten gegen die antisemitischen Auslassungen, fanden jedoch, daß es sich nicht verlohne, dieselben einer Widerlegung zu würdigen. (Kein Grund zur Verzweiflung.) Im politischen Fortschrittsverein in Simmering hielt Dr. Grübl am 22. d. M. eine treff- I

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