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Freies Blatt · 1896-01-12 · 197 (12.1.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
197 (12.1.1896)
Date
1896-01-12
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 197. .frei*» Blatt. Seite 9. Dr. B ö ck e l' Halle mich engagirt, und es war ihm auch kekanm, daß ich mich von jeder antisemitische» Partei loSgeiagl hatte. (Ich erklärte ihm, waS er mir auch bestätige» wird, zu wiederholteninale». kein Antisemit zn sein. Auch Bo deck wußte e», und wen» er mir jetzt da- Epitheton eines JndaS Jichariot beilegt, so ist baS lächerlich Tenn wie konnte ich durch die Ler Sffenilichung jenes Artikels im „«leinen Journal" eine» Berraih a» der antij semitischen Partei begehe», der ich weder atS ParleimilgtieS »och meiner Ge- > fiiinnttg »ach angthöre. — Zn meinen Enlhüllunge» im „«leine» Journal"! Uber die haarsträubenden Zustände in dem ehemal» Ahlwardt-Böckel schen Organe j »eranlaßie mich vor Allem die Handlungsweise Bodeck« gegen mich Recht nur,! daß ich von meinen Honoraren, respektive später dann von meinein Gehalte,! nur de» kleinsten Thcil im baaren Gelde erhielt, daß serner, weil Bodeck bereits im September d. I für mich als Redactcnr wie sür einen Herrn Werner, der viel sür das „Tenljche BolkSrcchi" als Mitarbeiter thälig war, »ine N a t n r a l v e r p f l e g u n g in seinem „Tculschen WirlbShanS" im wahrsten Sinne des Wortes eingesiihrt Hane, ich mir einen ganzen Monat nicht einmal ein Zimmer mieihen konnte, sonder» ich mußie mir auch von Bodeck, der nicht einmal orthographisch und siylisli'ch richtig deutsch zu schreiben versteht, soitwähreud in die Redaktion hineinichwätzen lasse». Auch sonst leg:c Bodeck mir wie Dr. Bücket gegenüber nicht« weniger als anständige Handlungsweise an den Tag. Uedrigens lag auch im Interesse der politischen Moral die Ausdecknng solcher Zustände. Doch iväre zur Eharakeeristik de« „dcm'chen Gastwirths" Bodeck »och Manche» z» ergänzen. Wen» er sich z. B. dagegen vec wabrt, ein GeschäslSantisemit zn sein, und bebanplc«, au« purem Ideales,»»« J0.0M Mark in daS „Deutsche BolkStecht" gesteckt z» haben, so wäre die Frage auszuwersen, aus welchen Quellen er denn diese Snmine geschöpsi habe? Als er vor drei Jahren da» „be—rühmte" „Deutsche WirlhShaus" in der Friedlichstraße aufmachte, besaß er keinen Psennig Bermöge». Wohl aber hatte er eine „geniale" Idee. Er richtete seine Gastwirlhichusl z» einer wahre» Amneniilenkneipe ein, betrieb dep Radau-AnliseiniliSninS in de» rüdeste» Formen — und da« zog. A h l w a r d t'S G e s o l g j ch a s k, der bekannte anliskiniiische Pöbel, aber auch die S t ö ck e r - G e in e i u d c stillten da» l'ocal Abend sür Abend bis auf den letzten Platz und eigötzle» sich an de» gemeinste,> Hetzliedtt» gegen die Jude». Bodeck aber lachte sich ins Fäustchen. Er haue sei» Geschäft gemacht. Aeußcrle er sich doch selbst sehr oft Gesinnungsgenosse» gegenüber, daß ihm daS „Tkutjchc WirthshanS" jährlich gegen 10.000 Marl Reiugewin» abwersc! Freilich, wa» diese Aniistiniitulneipe mit deutscher Sille 1N>d Tugend, sür welche zn kämpfe» sich Bodeck so gerne brüstet, zu lhu» hat. ist eine andere Frage. Wer die größten Zoten i»l „Deutschen Wirlhshaus" siizge» gehört Hai, wer zugegen war. wenn die ^deutschen" (!) Tugendheldeu ii» EhornS brüUlcu: Ja, beim Souper, da kann mail was erleben — der konnte Himer die Eonlifsen blicke»! Aber Bodeck begnügte sich nicht inil dein Rnhnre, ein „deutscher Gast wirih" zu sein, er wollte höher hinaus. ParleisüKrer, ReichSlagSabgeordneier und Zeitnngsdesitzcr — das wollte er werden. So Harle auch sei» Haß gegen den ReichSlogSabgeordiielen Z i >» in e r ui a » n de» egoistischen Beigeschmack, daß dieser ihm versprochen hgtte, er werde ihn als Eandidalcn für de» Reichstag ansstellen Aber bekanntlich paßt aus Zinlinerniann daS sia»;ösische Lprichivort: ProuieUro et lenii en sont «lens! Deshalb zog er sich die Feindschast be« „deutschen Gastwirlh«" zn! Woher hat also Bodeck da« Geld, ivelches ec in daS „Deutsche Bollsrecht" hineingesteckl haben will? R»r von Antisemiten. Wo bleibt da der deutsche „Ideal,sinn»" / An den Sninnieu, die mit dem Verkrache» dieser antiseinilischcn Zciuing aus Rimmcriviedeisehen verschwände», klebte der blutige Schweiß gar inanchen kleinen Handwerkers, linier allen »eöglichen Borspiegelnnge» bat man die feine zu bewegen «erstandeli, ihien Spacpsennig für da« „Deutsche Bollsrecht" zu ops.ru. So verliert ei» Tischleriueister in Berltn S. W. 1000 Mark, cm Herr Thomas 40UO Mark, ein Andel er wieder 200 Mark u. s. w. Doch auch die Journalisten, ivelche sür das genaitiile Blatt arb ilete», müssen Berlusle llage». hinein Eorrespondenle» sür foeale« schuldet Bodeck z. B. »och über 100 Mark. Und aus welches Endziel lies schließlich die ganze Gtündnng hlnanS? Rur auf daS Eine, den Giößenwahnsinn eine« antijeinilischen Gernegroß zu befriedigen, welcher aus «oste» Dr. Bücket'« eine Rolle spielen wollte. An Bodeck ist ein Finanzniinisler verloren gegangen, den» er versteht eS, uotzdenl die Druckerei nnd das „Deutsche WirthshanS" über iind über verschuldet sind, Alles, was uietnnd nagelfest, inehrelemale verpsändel ist, immer neue Schulde» zn coiilrahircu. So ' klebe» gegenwärtig aus dem Piano im „Deutschen WirihShau«" allein sechs GerichtSvollziehcrsiegel. Tie 4JXX) Mark, mit welche» Thomas am „Tkiivcheu Bolksrecht", icspcclive der Druckerei engagirt ist, wollte Bodeck i» inonallichcn Accepien von 100 Mark zniückzahlen. Aber keines ist noch eingelöst wölbe«. Der Geschäftsführer dcS „Deutsche» WirthShanjeS", ein Herr G o t t j ch a l k, will Bodeck 1000 Mark Eaulion gestellt habe»! Bis jetzt will er sei» Geld noch nicht znrückethallen haben! Joses Stolzing, Eharlottenstraße 9611. tMajrskäkebtlcidigUNg.) Ter HeranSgevi-r des „A n t it IN i t i s ch e II Deutsche» Generalanzeiger»" in Berlin, Earl Sedlatzck wurde wegen MajestätSbeleidigung zu einer F e st n n g « st r a s e von drei Monaten vcrurlheilt. FfttNIrrnil. Aur (5vKbLf>tc der v£.mancipation in Dculschlnnd 3-ihiv IS-JS. por dcin (R a ch ältere» Quelle» b e a r b e i l e - ) - l. «’Voi licc^tt> Tieic auslösende nnd zu jeder inneren flengestaliung des Judenthnins unträflige Tendenz in der Masse der Halbgebildeten wülde ' schwerlich zu einer solchen A„sdA>»,i„g und Herrschaft gelangt sein, ivcnil in de» einflußreichen und licscr gebildeten Männern jener Zeit ' ein positivere«, aus der eigenen - -Niraft des Jndeulhunis enliprnngcncs Streben hcrvorgetretcn und nicht vielniehr auch hier eine ähnliche, wenn auch »linder scharf »nd würdelos sich ansprügendc sttichlnng sich geltend gemacht Hütte. Tic Wirkung der herrschend gewordenen französischen Philosophie und sticht minder der ersten Erzeugnisse der Rant'schen Eritik >var auch hier nur negativ gegen die bestehenden Zustände und die anerkannten Anlorilälen gerichtet, aber ohne eine positive (Grundlage sür »enc Schöpfungen darzubielen, ohne sür den iiolhivendigen geschichtlichen Zniainmcnhang mit der Vergangenheit eine» Anhalt z» gewähren, dessen jede neue Entwicklung bedtirk, wenn sie selbstgestaltcnd aus dein Boden einer nenen Zeit Wurzel sassc» soll. Tic allgemeine Stl-ömung der geistigen „Zeitbewegung, die auch im Ehristenthuni nnd in den politischen «kämpfen aus Bejcitignng alles Specifijchen, ge ^schichtlich und cigcnthümlich (Gewordenen gerichtet war und statt dessen allgemein gjlkigc und nntcrschiedslosc («Gestaltungen sür alle Böllernnd sür alle Religionen zu schassen versuchte, crgriss natürlich gerade die hervorragendsten jüdischen (Geister am gewaltigsten. Sic warfen sich mit vollem Bewnsttiein in diesen imnicr mächtiger dahcrbransendcn Strom, um, wie sic hossten, von seinen Hellen in das Meer einer, linterichicdsloscn l^cmcinichast nnd einer allgcmciiicn Gleichberechtigung getragen zn werden; nnd um in diesem Strome nicht untcrzngehen, - waiten sie ohne Scheu Alles von sich, was sich als eine nicder;iel>«ndc fast der Bergangenheit fühlbar machte oder als ein Hcmmniß der »ntcrschicdsloscn («'eincinschaft in dem Meere der Znknnft erscheinen konnte. Tas sprechendste und charakteristischeste Erzeugniß und Zcugniß dieser Tendenz ist Tavid Frie?lä»der's berühmtes „Sendschreiben einiger Hausväter jüdischer Konfession an den allgcnicin hochverehrten Propst cllcr". Ticier ansgezcichnctstc und charattervollste unter -cn jüdischen Tcnker» seiner Zeit nimmt in dem Schreiben nicht Anstand, den Mangel an Befriedigung und die Raihlosigleit zu bekenne», mit der er sich im Jndcnthum bcfindel, nnd erbittet sich von dem christlichen Theologen den Rath, den der jüdische Gelehrte für sich und seinen (^landen vergebens gesucht hat. Er fühlt sich gedrückt von dem Anspruch des Jiedenthnms auf die Ans'chliestlichteit eines Besitzes, den er mit der ganzen Menschheit zn lheilcn bereit ist, von der fast des Ecremonialnud Rilnalgesetzes, die er von fidj z» werfen für fein strecht hält. Er will nur das allgemein Menschliche nnd Bernünslrge der mosaischen feine erhalten wissen nnd ielml sich demnach in die große l^eincinichaft, die sich die christliche nennt,, einlreie» z» tönneii, ohne jenes anfzngeben und eine »ene fast des Togmas und des Ritus ans sich zn nehmen. Er hofft, in dem christlichen Theologen ebenfalls den »len'chlichcu Philosophen zn finden, der ihm unter diese» Bedingungen nnd Boraus setznngen ohne Bedenken den Eintritt in das Ehlistcnthni» gestatten und dieses als die Religio» der freien Mcnichenvernunft prorlamiren werde. Es ist bekannt, wie wenig die Entgegnung des sreisinnigcn Propstes Teller nnd anderer christlichen Theologen diesen Erwartungen Friedläuder's entsprach nnd wie ungünstig dessen Schritt von beiden Seite» bcnrtheill wurde. Tie niessianischc Zeit der ungcsonderten O'cincinschaft Aller >var nnd ist noch nicht gekommen. Tas Judcirthltt» mußte zunächst erkennen, daß es in sich selbst seine Rengestallnng zu schassen und die verlorene Befriedigung für seine Bekenner wieder zn finden habe. Aber auch hiezu war damals die Zeit noch nicht ge tvmmen. Eine negative Zcitbcwegnng, wie die eben geschilderte» kann in der allgenicinen Zeiteutwicklun>z bedingt sein und in derselben ihren nothwcndigeu Platz finden,, niemals aber von langer Tauer bleiben: sic wird vielmehr inimcr bald einem Umschwünge zn positiveren Tendenzen Platz machen müssen. Diese Rückkehr des Jndenthums zu sich selbst und znm Bewußtsein seiner selbständigen Ausgabe begann ii,' dem ersten I T

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