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Freies Blatt · 1896-01-12 · 197 (12.1.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
197 (12.1.1896)
Date
1896-01-12
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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r feite 8. freies 2? 1 a 11. Nr. 197. ©cbroeWftaftt marschirten, um für Lueger zu demonstriren, wurden ihre Rufe durch,lebhaftes Pfeifen und Zischen »merbrochen. — Ei» angesehener Partei genösse schreibt un«: Tie letzte Aiitisemitenversammlunq in Baden soll im ^.Saneihose", einem direct dem k k Militär-Spitalr-Commaudo zu Bade» linterstebenden und nur Heilzwecken" dienende» Etablissement abgehalten worden sein ES wurde einen üblen Eindruck machen, wenn der Restaurationspächter in dem der-Humaniiät geweihten Hause von seinem Verpächter (dem k. k Militär Aeroi) keine Rüge wegen deS Arrangements solcher durch die Ver hältnisse, die Haltung der Regierung und die VertretungSkörper längst ge brandmarkter Hevconvesitikel erführe. Wir hoffen, daß man dem Gastwirthe sein iakuose» Vorgehen nahelegen werde. Tie gebildete Gesellschaft Badens liebt /eine Scandalscenen unter ihren Fenstern. Tie „Ternsche Volkeparkri tu Mährca") Man schreibt un» ans O l IN ü tz: So hätten wir den» iu.Mähreu auch eine ^.Deutsche Volkspartei"! Im Rovember vorigen Wahrer tagte hier kaS Häuflein der Teutsch-Nationalen und constituirte sich alS ^T rutsche BolkS Partei in Mähren" auf Grundlage deS en bloc angenommene» Liuzer Programms Schönerer«, das ganz verschämt in ..Olmützer Satzungen" uingetauft wurde. Obenan steht die für gewödnliche Ltetbliche etwas dunkle, für jeden in den Jargon der Anti semiteu aber Eingeweihteii nur allzu klare Forderung nach „Sicherung der Volkseutwickiung vor jedem fremden-und volksfeindlichen Einfluß". Wie die Herren Hermann Braß aus Hohenstadt, Eduard G a n » au» Bär». Tr. Heinrich »i a n i a k ans Mähri'ch Kroniau, Jofts X l ä r aus Brünn ufld Tr. Victor W o e.l h e l m ans Mährisch-Schönberg die. Durchführung ihrer „Olmützer Satzungen" sich verwirklicht denken, ohne baß hiebei die Teuischen Mährens au die Wand gedrückt werden unk ihnen der Todesstoß versetzt werde, da« wisse» die oüM’tet! Tie ganze Tbätigkeit der „Teuffchen Volkspartei in Mähren" ivird aller Wahrfcheinlichkeit nach darauf dinauSlausen, zuin allgemeine» Gaudium der Tschechen und Elericalen gegen Juden 1:»d „Jndenliberale" Mährens loSzuziehe» Tschechische xreise wünsche» der neuen Partei Glüa und Gedeidezi. lTtntkruigg'S Roldwchr.) In einem «i l a g e n s u r t'e r Antiffmitenvereitre sprach neulich der Abgeordnete von Lteuiwender's Gnaden, Herr T o d e r n i g g. über de» Antisemitismus. AuS Unwiffcnheit oder Likangel an Wahrheitsliebe sagte dieser urteut'che Man»; welcher sogar mit Goethe und Mozart etwas gemeinsai» hat, nämlich dcn Vornamen-Wolfgang, daß die antiieiiiiti'die Beivegnng ein „Act der Noihwehc" sei, daß eS Riemandem beifalle, die Juden zu vernichten, sie köiperlich zu vergewaltigen, ihnen Hab und Gut zu entteißen. Liest dliin Toberuigg, der ja ein Blättchen mit Hilfe von Scheere und Gummi beranSgibt^-kevie Zeitungen'? Weiß er nicht» vom Pueger'schen Köpfen oder Hänge», von Schneider'- Anträgen auf Beschlagnahme der in JndenKänden befindlichen Güter? Hat er nichts von gerichtlichen Verhandlungen erfahren, welche von beispielloser antisemitischer Rohheit gegen Greise und schwänzele Frauen Zengniß ablegten? Als literarischer Kleingeirerbetreibender beschwerte sich Tobermgg auch über die große „jüdische" Prelle, welcher er die „schon widerliche Aiipreifniig Heinrich Hdine'j auf Kote» wirklich deutscher Tichter" als schwere» Verbrechen anrechnete. „Ich erinnere nur," ries er au», „an da« Stettelttcibe,,. welches gegen Peter Rosegger seiten» jener Presse veranstaltet wurde, als er sich herausnahm, öffentlich zu erklären, daß er Heine nicht kenne. Sofort war dieselbe Presse, die Rosegger stets als bedeutendes, liebenswürdiges, echtes, alven'ri'ches Talent gepriesen, mit dem Hohnworte von .Schneiderbildung' zur Hand. .Roiegger babe da» Schneiderbandwerk verlernt und hatte e» als Poet zu nichts gebrachte So kießen sich der terroristischen Beispiele hunderte »nd hunderte lterauSgrejsen. Toch geistig davon." Ja, wir erinnern un« auch, der „Jude" Ludwig Speidel hat es damals wirklich gewagt, Petri'.Hetteireiet beiinzitlenchten. Schade, daß Toberuigg nicht auch andere „terroristische" Beispiele" angeführt hat Wahrscheinlich baden Wiener „jüdische" Blätter auch feine, Toberuigg», „drahtliche und briefliche Beiträge" off genug in de» Papierkorb geworfen, -und gegen eine solche „Knebelung der ge>ammten deutsche» Literatur und Kunst" tnnß mau sich selbstverständlich zur Wehr setzen. Heil! . lBom vollardursligktt Ablwardk.) lieber Ahlwardt's FiaSco in Amerika nndeii wir in reichsdeutschen Blättern folgende Mittheilungen: Zur ersten Ber- 'ammlung Ablwardt'S in N e w -?) o r k hatten sich nur 2!» Personen ein» gefunden : der Eintrittspreis betrug 5o Cents, die Saalmiethe aber 2.'ü) Tollars, Ahlir ardt batte alw ein ganJ gebäriges Deficit In Brooklyn erging eS >bm noch schlechter, da er überhaupt keinen Saal bekommen konnte. In Jersey- E 11 n erhielt er zwar einen Saal, aber obgleich er de» Eintrittspreis auf La Cents herabsetzte, fanden sich im Ganzen nur 125 Personen ein. Ahlwardt batte eine große Toürn>-e nach dem Westen angekündigt, aber auS ihr konnte nichts werden, da er kein Reisegeld besaß So ließ er denn mittheileu, daß ec vorläufig ju New .York bleiben und erst nach Gründung einer antisemitischen Organisation nach dem Westen abreisen werde. 2lus antisemitischen Blättern. ((fine Warnungstafel.) In dem „L in; e r Vs l ks b l a 11" sprach sich einer der Gründer der katholischenBolkspartei, ddrFreund Lueger'«, Tr. Ebenh o ck-. mit aller Entschiedenheit dagegen auS, daß bei der Erneuerung des Ausgleiches zwischen Oesterreich und Ungar« mit der Personalunion gespielt werde. Fisr un», sagte er, stehe hinter dieser Frage mit allen ihr«» Nebensragen eine »große Warnungstafel" mit der eindringlichen Schrift: „Nur nicht die Personal« Union!" Die Wiener Amisemitenorgane aller Rite» nehmen e« dem oderösterreichischen Abgeordneten sehr übel, daß er eS gewagt habe, diese Warnungstafel auSzuhäiigeu. i Schlecht aagepackk) Man schreibt un»: TaS „S a l z b u r g e r Tagbla 11", dazu destiinmt, den Antisemitismus i>» Salzburgifcheu zu verbreiten, Kat, feine Sache,. insoweit die bäuerlichen Viehzüchter in Betracht kommen, schlecht angepackt; eS ist nämlich für die Zulassung der Bieheinfuhr au« Ru mänie» eingetreten. Tie Bewohner von Wien, allenfalls auch von Troppau, find fast durchgehend« Gegner der _ji, Gunsten einheimischer Agrarier verfügten Abwehr der riimünischeu Concurrenz. Der Bauer i» den Alpenländern hat aber für die billigere Appiovisionirung der größere» Städte weniger Berständniß als. für seinen geschäftlichen Nutzen. Bei der Methode der antisemitische» Publicistik, die jeweiligen Local- und Elaffenintertssen als unerläßliche Forderuiige» zum Wohle der Gesammtheit auSzuschreien, wäre sicherlich das Plaidoyer für die rumänische Eoncurrenz unterblieben, wenn die Schristleitung de» neue» Aiitisemitenblatte« mehr Ort«, und Sachkenntniß besäße. Ein Pinzgauer Bauer ertheilt ihr »un im liberalen „Salzburger Volksblatt" folgende Zurechtweisung: „Durch'Zufall kam tnir heute die Nummer '1 des jetzt i» J Salzburg erscheinenden Salzburger Tagblatte»' z» Gesichte, uachdei» ich früher schon auch die erste Prodsnummer, in der ein io schönes Programm enthalten > war, gelesen hatte. Tas Programm riest in mir gleich de» Gedankeu wach:! .Schau, wiederum ei» Blatt, da» auch dem Bauernstände da» Alle» beste verj spricht! Wie wird'S aber n.it dem Halten fei» V* lind siehe da, die Nummer 1 j gibt mir daraus die Antwoit. Ta wirb in einem lange» Artikel sehr viel über I den österreichisch-ungarische» Ausgleich geschrieben u»d derselbe alS eine Quelle aller Hebel bezeichnet, a» welchen unsere Volkswirthschast leidet. Merkwürdigerweise wird in dein Artikel aber auch darüber Klage geführt, daß durch da? österreichisch-ungarische Zoll- und Handelsbündniß ,;um Schade» unseres Beda>f«s unter dem Titel der Verhütung der Seucheneinsuhr die Vieheinsuhr au» Rumänien systematii'ch verhindert wurde'. Also dem .Salzburger Tagblatt' ist oidentlich leid darum, daß die B,eheinf»hr au» Rumänien bi« heute »och nicht erlaubt worden ist? Schau, schau! Und Solche» schreibt ein Blatt, das auch den Salzburger Baueinstand rette» will, der doch nur von seiner Viehzucht lebt und daher seinein Herrgott und dem Kaiser dankt, daß die rumänische Grenze für die Vieheinsuhr gesperrt ist; d«»» nur dadurch bekommt er bessere Preise für das von ihm gezüchtete Vieh. Ta» müsse» eigene Herren sein beim .Salzburger Tagb.atf: die jüdische Concurrenz verwünschen sie bi» in die Hölle, aber die rumänische Concur erz möchten sie nuS-aus de». Hals setze» Für diese Art von Reitung bedanken wir Salzburger Bauer» u»S recht schön. Tamil sollen sie uns nur vom Halse bleiben." (<5otivkrsioa.) Tie „Deutsche Wacht" in E i 11 i, durch eine Reihe rou Jahre» ein anständiges liberales Blatt, ist am 1. Jänner mit einein Schimpsarlilel gegen die Liberalen zur „nationalen" Anliseniiterei Ubergetrcteu. Simiiis siuiili jt.-itiilet. Tie einstige „Posaune Israels", die „Deutsche Zeitung", verräth darüber g'.oße Freude. flfhammtrslkin.) Tie Berliner „S l a a t S b ü r g e r - Z e i i u u g" hatte nach der VerKastuiig ds- Freiherrn v. H a m m e r ft e i n eb«nso wie die Wiener „Teuu'che Zeitung" die Behauptung ausgestellt, daß der verhaftete Tesraudant jüdi'cher Abkunft sei, und sich dabei auf de» socialistische» „Vorwärts" berufen. Tiefer batte allerdings seinen Lesern einmal erzählt, daß Hammerstein der Abköniniling eiiiis polnische» Juden Namens- Chammer alias Stein sei. Nur erschien dieser Scherz — Chaminer ist die hebräische Bezeichnung für Lang ohr — a» einem 1. April tTrr Fall Frtcdmana.» Ter-Rechtsanwalt Tr. Fritz Fciedinaun in Berlin ließ sich Betrügereien zu Schulden kommen und flüchtete hierauf in» Ausland. Tie Aniijemitenpreffe in Teutfchland und Oesterreich sucht nuii, um für den Fall Haininerstein „Revanche" zu nehmen, den Fall Friedman» an die Rockschöße der Liberalen und Juden zu hänge». ES wirb zu diesen, Zweck sogar ersunden, daß Friedman» noch Stadtverordneter von Berlin sei und als solcher Tank der „freisinnigen Mache" candidirt und gewählt wordeu iväre. Tr. Fritz Friedmann ist weder Berliner Stadtverordneter, noch hat er jemals als solcher candidirt. Ec ist auch niemals in einer politischen Versammlung ausgetreten. Was übrigen« seine Cönfession betrifft, so ist er kein Jude; sein Protestantismus^ist'ebenso echt, wie z. B. der KatholiciSmus Spitzer Weimar'«. (Tie Zustänük bei dem ehemals Ahlwardk-Böckel'schen Organe.) Ein ehemaliger Schriftleiter de« „D e u t s ch e n L o l k S r e ch t e «", welcher neulich im „kleinen Journal" eine Schilderung der Zustände der genannten Antisemiteublatte« veröffentlicht hatte, richtete an unsere Adwehrcollegiu, die „Mittheilungen auS dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus", nachstehende Zu schrift: Durch den Kampf umS Dasein gezwungen, hatte ich im Juli d. I. die Stellung eine« RedacteurS beim „Teutschen Bolksrecht" angenommeu, d. h. ich -war mehr alS Correclor den» atr Redacteur beschäftigt. Reichstagsabgeordneter

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