Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 197 (12.1.1896)
- Date
- 1896-01-12
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 80% known words query
- IRI
…/4886575-5439173-5439259--2435-4888816- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Nr. 11)7. freies beiagc nur, daß die Skaatsanwaltid>aft feine .'ienntniß von den Bergeben des Freiherrn ». Hammersteui gehabt habe, daß sie diese Kenntniß aber balle baden können. Tie Verhandlung schloß zwar mit der Per nrkbeilnng des Angeklagten und der Rechtfertigung der Staatsanwaltschaft. aber mit einer für das „>i reu; zeit» ngs" Eomitß deich amen den Klarstellung des Sachverhaltes durch eine ' längere Rede des Berliner Oberstaatsanwaltes Drescher. Tiefer, als selige eiiivernoinmeii, sagte ans: siegen Hainnierstein seien zunächst in der Presse Borwürfe erhoben worden wegen Unterschlagung des PensionS iondS, des betrügerische» Perfahrens bei der Papierlieferung, der Schädigung des Grafen Wal der fee durch ein angeblich für die ..'trenzzeilung" anfgenouiinenes'Tarlehen von 100 (XX) Mark, weiters ivege» Unterschlagung des Stöcker Fonds sind endlich wegen Berbrechens gegen das Velten fm Perhältniste mit Flora (>' a ß. In allen diesen Bällen sei der Zeuge lediglich von amtsmege» und auf die Zeitnngs > »achrichle»,. nicht auf eine Anzeige hin eingeichritten. Toch habe nach i Cridteiiicu jener Artikel uierit von einem Strafantrage Hammerslein's verlautet. Sodann habe «''raf 'kanip am 0. Avril l^'.'s) erklärt, daß : die .. >ir>»;zeikn»g" nicht geschädigt sei. Ans die Anfrage der Vorgesetzten! Staatsbehörde an das 'iammergericht, was Trescher bezüglich dieser j T mge getlian, habe er geantwortet: Rach dieser Erklärung des i „ 'irenzzeiiungs" Eomil' s könne die Sache nur im Auge behalten werden. \ Tollte die Enthebung Haiuiiiersiein's erkolgen, so werde mau die Mit glieder des Eomik's vernehmen laue». Tieier Fall tei am oiili ein getreten, und' obichon der Zeugevon Mitte ouli bis efiibe Angnsi , beurlaubt war, »ei die Ta che durch teilte Perkreter weiter verfolgt worden. Während der ganzen Untersuchung sei keinem betheiliglen Junizorga» auch nur der ('hdanke gekommen, daß in dieser Tache anders als in jeder anderen zii verfahren tei, vielmehr habe man allseitig der Meinnng An-.'-rüi! gegeben, daß gerade hier der Tchein vermiede» werden niiiiic, 1 als wenn zu ^'nntten des höher gestellten Augetiaglen eine andere Be Handlung einkreieii würde. <''vnf ,vimfcnftciir, der am 2.‘>. Onlt ver nominen ivnrde, hal>e entlastend für Hammerslein ausgeiagl, nämlich, daß der Penfionsionds nicht -l>)0(üA», sondern 120.000 Mark be ' tragen habe, daß davon-i<:(> >KX.) Mark zum Ankäufe des „Trutschen g. a g eblati e s " verwendet worden icieit und daß (''rar Aiintenüciit auch bezüglich des Renes von 20.000 Mark sicher aunehme, die linier nichnng iverde ergeben, daß Hammerstein auch diesen Betrag für die ' jirentzetlung" und nicht nie sich verwendet habe. Bezüglich des Papier! lieferungsverirages gab (''rar AinckeiiiVein an, es ni'ihni vom Vieferanten Vanftnann ,vlinfch der Bertrag vorgelegk worden, worin Hammer j stein Laut üiechnung von Flinsch ein Tarlehen von 200000 Mark anfgenommen habe, angebl'ch rür dte „'ireuzzeitung", welche Tuninie : dadurck) anuntmi't iverden sollte, daß 2Ä Pereenr auf das Papier würden anigeichlagen iverde». Bis jetzt, ßigce N'raf Ainckenslein. habe man r nicht ieüüeileit könne», ob dies Tarleheii thatfächlich für die „.'treu; Zeitung" verwendet worden >ei: er habe jedoch zur Prüfung der Tache nodi »idir Zen gehabt. T icfe Aussage machte (''rar Aiiufenitcin am 2."> Aiai, obwohl er am 17. Juli dnrck) Alinidi' von dein Papier- : "vertrag und Per Criiicn; der anr deii^Ramen Finckenstein s ausgestellten, - in Alinidi's Händen berjndlichen Wed)selaeeepte, die dieser von Hainnier stein erhallen balle, erfahren und dem Alinsch am 10. Juli miigetheilt > habe, daß sowohl der Pertrag als die Wechsel gefälscht seien. Be- | ziiglid) des «'hären 'kanitz theilte (''rar Finckenstein bei seiner Per nehniung am 2'i Juli mir, daß (''ras 'kanitz »ad) dein Tode von .'klein Rei-om alte Rechnungen gevrürr und Hainmerslein Techarge eil'.illeii h >be Hammersieins Tnspension, fügte Finckensleiu hinzu, sei ittdit ans Ueberzeugnng von Hammentein's Tchuld erfolgt, sondern um ihn nidil an leitender Stelle zu belassen, »ährend der Hammerslein- Proreß gegen die Arankiurter .7'kleine Presse" schwebe: (''rar' Finckenstein hatte, nadidem er dem Vieferanten Alinid) am I!>. Juli idirifklid) er tlärt batte. Perkrag und Aeeevte müßten gefälscht lein, am 21. Juli denselben veriönlidi gesprochen und war, als dieser ihm den Papier- , vertrag und die Arreple. vorlegte, außer sich und erklärte, so etwas hake - man Hammerslein nicht zugetrant. Als Tytitn'ef) den (''raren Finckenstein 1 hv.'.te, ob das .. 'irenzzeitniigs" Eomu- Hainnierstein zur Anzeige bringen wnzde,, erklärte >''raf (vrndetiitciit, wenn Haisimersieiu gesündigt habe, j iiln'ie er and, benrafl werden. Tb die Anzeige gegen Hamnierstei» erj. io.gen ioae, darüber werde das „.'krenzzeitungs" -Eomilß verhandeln. I Alinid, habe erwidert: „Wenn das (äomitö ihn uid)t anzeigt, dann [ thi.fc ,>ch es " (''vai Auirfcnitei» lehnte es jedoch ab, dem srlinsch ein 'chrirtlidres Anerkennmiß zu geben, daß der Bertrag und Wechsel gefälscht; 'eien. Abs dann am 1. Augnst das (äomitß durch den Grafen Finckenilein dem (''eridUe die Anzeige iuad)te, war diese so uukiar und zweij bentig, daß man sich nicht zurechlsand. Tie sprach mir, daß Beitrag und Aceepte gefälscht seien, nicht aber, wer der Aäljcher sei. Ta unter dem Bertrag auch Hautinerslein's Raine stand, erzählte (i'raf Tvincken- V- I a I I. stein, habe er sich am 27. Juli telegraphisch mit diesem in Perbindung gesetzt. Oberstaatsanwalt Drescher schrieb die geglückte Flucht Hammerflein's der bedauerlichen Thatsache zu, daß Graf Finckenstein bei der gerichtlichen Pernehmung am 20. Juli kein Wort von den Fälschungen sagte— obwohl er nach den Perhandlungen vom 21. Juli darüber und über den Thäter nicht im Ziveifel sein konnte — ferner besten Telegramm an Hammerstein vom 27. Juli nach -Tistranz, wodurch dieser gewarnt worden sei. Ter Oberstaatsanwalt theilte noch mit, daß Graf Kanitz^ auf den I. August geladen, die Pernehmung bis 18. August hinzog, ferner daß das Gericht die gefälschten Urkunden erst am -12. September erlangen konnte, weil Flinsck) verreist war. Tann sei gegen Hamnierstei» der Haftbefehl ergangen, und zwar zunäd)st nicht steckbrieflich, weil man besorgte, Hainnierstein ivürde durch einen Streckbrief gewarnt und zur Flud)t ins Ausland bewogen werden. Zuerst sei eine Depesche an das Bezirksgericht Sistran; ergangen, Hainnierstein festzunehme» und zum Zwecke der Anslieferung an das Innsbrucker Vandesgericht einznlicfern. Diese Tepefche, vom 2!>. September 18U5, lautete: „Gegen den fliickitigen Redaclenr der ,.h renzzeilnng , Hammerslein. Er soll sick) in Sistran; anfhalten. Tr. Maasien ist angeblick) mit ihm verwandt. Rod> am lii. ist ein Schreiben von ihm eingegangen, besten Adresse von anderer Hand ist. Auf besondere Besdileuuigung wird besonderer'. Werth gelegt. Bitte möglid)st Trahtantwort." Darauf erfolgte die Antwort, daß.Haminerstein seit drei Wochen mit seiner Familie abgereist sei. Oberstaatsanwalt Dresdier^fügle hinzn, daß Hainnierstein sich schon im August versteckt hielt, wie man jetzt sage» könne. Tie Absendung eines Teteetives nirt’ Per. 21 tiftreifl an diesen, eventuell »ach Athen zu gehen, sei nicht von der Polizei, sondern von der Justizbehörde ergangen. Rackidem Drescher nock) erwähnt, daß :1ied)rsanmalt E scheu ba ch ihn ansgesnchl »nd die polit,id,e Bedeutung Haiumerstein's hervorgehobe», Treidler ihn-aber unter Betonung seiner Amtspflid>t abgowiesen hatte, i'diloß er seine Zeugenaussage: „Ich muß es dein (Gerichtshöfe überlasteii, zu entscheiden, ob ick) meine Sdiuldigkeit gethan habe." Pertbeidiger Venz borg anerkannte das eorreete Perhalten des Zengen, meinte jedod), seit August sei das Porgehen der Justizbehörden langsamer gewesen, und führte in seinem Plaidoner an, daß der Angeklagte höchstens z» einer (''eldstrafe. zu vernrtheilen sei. Ter zweite Bertheidiger, Rechtsf anwalt Jonas aus Berlin, brandmarkte das Perhalten des „.'treuzzeitungs" Eomit''s und meinte, besonders sckineidig sei seit der Straf anzeige vom I. Angnsi »ickik verfahren worden: wäre Oberstaatsanwalt > T resckier iiid)t beurlaubt gewesen, so wäre man jedenfalls energischer vorgegangen. Ter Artikel spreche eine Stimmnng ans, die sich durck) Unkenntniß der Thatsackien erkläre, welckie die Aetion der Staatsanwaltschaften hemmten. Jonas beantragte die Freisprechung. Der Gerichtshos verurtheilke Rand) wegen öffentlicher Beleidigung zu drei M o n a t e» ("efängniß 'Zekraut'S Wahrbtitsliclic.) Bor dem Schöffengerichte in Mar b tz.r g kam am 2. d. :W. eine Ehrenbeleidigungsklage, welche der anrirenfttitdre Abgeordnete Pfarrer Iskraul gegen den Universitäts Pror'estor Dr. S'tengel, seinen Gegenrandidaten bei der Ersatzwahl im Reichstagswahlkreise Eschwege Schmalkalden, angestrengt hatte, und zugleich eine Widerklage Professor Stengel's zur Perhandlnng. Während der Wahleampagne hatte, der letztere als freisinniger Eandidat in, Huntershausen im -'kreise Witzenhausen am 8. Februar 18‘Jö in einer öffentliche» Wühlerversainnilung über seinen Gegner geäußert: Pfarrer^ Iskrant fdieine mit der Wahrheit auf gespanntem Fuße zu stehen, denn in einer östentlichen Persammlnng in Waldkappel habe er ent weder die groben Vügen eines Anderen verbreitet oder sich selbst soldzer fck>nldig gemad)t, um einen politischen ("e'gner, einen kleinen Eigarrelsfabrikanten in Waldkappel, um Beruf und Brot zu bringen. T ie Widerklage mar wegen ehrenrühriger Auslastungen in de» von den Antisemiten damals verbreiteten Flugblättern erhoben worden. Der Widerklage wurde zwar nidjt stattgegeben, nichtsdestoweniger sck)loß die gerichtliche Perhandlung mit einem für Jskrant höckst't ungnnstigein Unheile. Dasselbe besagt: Die Angeklagten,, sowohl der Privatkläger als auch der Perklagte, sind frei;nspred)en. Tie Kosten trägt der Privatklüger, soweit sie »id>t die Anwaltskosten betreffen, die beide Theile allein zu tragen habe». Der Kläger Pfarrer Jskrant hat gegen den Profestor Stengel Klage erhoben,-aveil er in öffentlicher Persammlung die Behauptung ansgestellt hatte, Pfarrer Jskrant scheine mit der Wahrheit auf gespanntem Fuße zu stehen. Der Angeklagte hat diese Aeußenmg eingestanden, er hat aber geltend gemacht, daß er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe und daß er auch den WahrheitSbe>veis antreten wolle. Ter Angeklagte hat geltend gemacht, daß er nicht die Absicht der Beleidigung gehabt habe, sondern daß er im Jntereffe der Wahl hie unwahren Behauptungen habe abweisen niüsten. Er hat. aber auch Widerklage erhoben. Um sich zunächst mit dieser zu beschäftigen, so hat das Gerid)t als restgestellt erachtet, daß