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Freies Blatt · 1895-12-29 · 195 (29.12.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
195 (29.12.1895)
Date
1895-12-29
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seife 6. .freies Blaff. Nr. 195. Länder;u perbferctt — und dieser Feind ist weif gefährlicher — den» er kämpft mit n»ehrlichen Waffen, mit den Waffen der Lüge und Verleumdung. tVitr bei friedlichem Einvernehmen aller Inwohner können Cultur, Z„dn>lrte, Handel und Wohlstand gedeihen: nur durch gemeinsame Arbeit, durch >olidari>che Ltertretuug der Allgemeininteressen kann ein Land ans die Stute der Blüthe gelange» — nicht aber durch Racen- und Elasseozwist. Tie«. geehrter Herr Bürgermeister, erlaube ich mir Ihnen als österreichischer Staatsbürger. der sei» Vaterland liebt, vorzubringen, und gleichzeitig gestatte ich mir. Sie i» meiner Eigenschaft al» Präsident des Vereinezur Abwehr deS Antnentttismus zu ersuchen. Ihren Mitbürgern diese« Schreiben mit der Bitte inilziitheilen, »»sere Bestrebungen, die gewiß wahrdast patriotische find, zu nutet stützen. Zn rorzüglicher Hochachtnng Arthur 18. Freiherr o. Suttner. Aus umiseinitischen Blättern. - Tic Hose mit Sen zwei Siicken.f Eine zeitgemäße Variante zu dem bibliffbeli Worte, &ay - Bte rechte Hand nicht wisien solle, was die linke gibt, hat V e r g a » , geliefert, indem er, zu 'Jlue und Lehre aller EorruptionSiournalisten den Sai.> binstellte, eine Zeitung gleiche einer Hofe mit zwei Säcken, der Redae'ion und der Adiuluistration, und was uiau in den einen Sack stecke, davon 'uv’e cder brauche der auderc Sack nichts zu winen. 'Rach dieser brahminiichen '.'ebenst eget geht er auch mit eherner Sonieaueiij vor. Im Artikeltheile seine« ' Blattes B fftbri er gegenwärtig einen journalistischen Xreuzzug gegen die lttdäoinagtiari'chen Finanzen lind räth wiederholt und in eindringlichster Weise dem rolituch-reiten Voll von Wie», die ungarischen Werthvapiere zu verkaufe» und sich daffir entweder iolide österreichische Wende anzuschasien oder da« Baargeld - in et:;: Sturcaife zu legen. Zn derselben Rümmer aber, in welcher in flaniinen» de:: Warten .der .stampf gegen die ungarischen Werthpapiere" geiuedigt il'itd, leien wir an einer anderen Stelle eine groß», auffällig gedruckte Te:tei„ichaff:llta der „indischen" Uuionbauk, in welcher dieselben Leser desselben Balleblaitrs davon verständigt iverkeu, daß „die in Sesterreich Ungar» zur Ausgabe getaugten Bezugsscheine über Schuldverschreibungen der dreipercentigeu t. ltigl.ch ungarischen Staatsanleihe vom Zähre 1895 in Gold vom 20. Teceinber I-:C> ab bei den Ausgabestellen der Bezugsscheine gegen dennitive Schuldver chreibangen 'ammt zirgebörigen Eouvons, deren erster am 1 Jänner 1896 ".:ll:g'w:rk>. umgetanichr werden " Wenn nun etwa die christlich-arischen Leser des ..B.'lksblatte»" nicht wisien sollten, ob sie ihre'ungarischen Papiere verkaufen, wie ibuen vor Biittaten gerathe» wurde, oder gegen dennitive Schuldchreibungeu umtäuicheu sollen, so haben sie sich ganz einfach da« schöne Wort v.u .der \vre mit reu zwei Sacken" vorzuhalten und sich zu erinnern, daß r e Tezteüt'chaltung der llnioubaiik Herrn Vergani vielleicht ein opulente« Seuve: nint H'i'.t.Kber Bedieuuug getragen bat - 'Sic Ifliicn cinauDcr nickt auskommen.» 'Roch rubt da« christlich-sociale, M.'itta.tsd.att aut fedr schwachen Füßen, und schon betritt eine „nationale" W teuer X e .itscheMontagsze.it u u g", welche ein Heinrich Schulye a:c H. l .tlts.z'ber und der Urgermane Earl P t u! als verantwortlicher Redakteur zejchtteu.' k,n attnfetntttschdn Zeitungsmarkt. Sie führt sich mit einem Artikel ein, ei: >: ■;;.i: ler Unterschri't verstehn „Tie öffentliche Meinung", und worin es leiht. „Z e Verach.ung der anständigen Formen auch dem Widersacher gegenule:. du b'.n-.de Totruvtions-schnüsielei und zeloti'che Verfolgungrwuth, eine oft ::: Ze; e. Ismus ausartende llnduldiamteit, gepaart mit einem sclavische» Per- . :. neultns. e:n Stchverlieren in untergeordnete locale Zittere,sieufragen, gänzliche "A.:ßctach.tla:ng ernster Rc'orme» auf socialem, wisieuichaftlichein und lünstle- . : t ti: "s-bt-'te, Bertvildernng des Geschmacks und Susis in Wort und Schrift, d:ke und ti.ch Schliinmere« i Bnzatttinerei und dergleichen, sind die Schäden, t:> einem Zweite der aittiiemitiichen Partetvreff'e eingerisieu sind, weil diese wobt den Mtud b.-taß, den Juden selbst zu bekämpfe,», nicht aber den Muth, ti Hebenden Spuren, welche eine lahrzehntelauge Fremdherrschaft in Volke bintetlasitu hat, auch nur mit dem Finger hinzuweisen " Run, wollen de., neuen Wundertliätern, die übrigens einen Theil derAutnemitengar nicht übel schildern,-genau aus die Finger sehen. Ilulautcrc (ioiicitrrcn',., Tie „C stdeIIIiche Rundschau" ließ sich von den . A: n ennten, er aiii'niungeit am 28. 'Rovember als „christ iches" Blatt ein« *t H. Ws:' tut 'ogar aitt ctttem lener Meetings als Redner auf. Tie>e : . .: inanliteu B atte wenig genützt zu haben, den» es er-! . '. :n ichdu'-ision „btzchst Zchnuvve" tei, äußert sich darüber, eines Vergant und der ansgeiprvcheite ülerica- . °! -ranirdenen „R e'i ch s p o st' dem Ami- ' : ...: davci. das von der „st»chotiicheuBotks- -.:.S : . „V 1 i * b,;'a t r Mir S t a c> t und Land" , ' •.«'•er.arzu e: -ti vr« ist Cabeine unlautere : u: o't-'c S. 'e, sich " bst ata „christlich" auvrei'en z» lanen, d.i - ch ch:': lchiidn , zu letigi'ett un^- noch dieienigeu anzuschwärzen, denen die Confessio» nicht „höchst Schnuppe" ist. Wie sehr die . „Ostdeutsche Rundschau" dar „Volksblatt für Stadt und Land" fürchtet, geht aus salzendem Absätze seine« Sonntags-Artikel« hervor t „Bisher konnle man beit Lapsus linpuae .christlich' in der amiseinilischen Agitation als ein Bielen bequeme-, als Programm nichlssagendes Schlagivort noch hingehen lassen. Nun aber erfreut sich sdie antisemitische Bewegung in ihrer fälschlich sogenannten .christlichen' Presse auch eme« geschickt unterschobenen Wechselbalgs, eines Blattes, das nicht mehr vom Christenlhum, sondern vom .Katholicismu«' spricht, und damithört da» Wort .christlich' aus, ein geläufiger, harmloser Sammelname für die antisemitischen Parteien und deren Presse zu sein. Entweder die Bewegung ist .christlich', d. h. antisemitisch, dann ist sie noch geschlossen, oder sie ist katholisch, richtig clerical, dann hat sie eS neben der liberalen Partei noch mit der deutschnationalen und deren Presse zu lhun." Au« dieser Drohung spricht Angst, und die Christlich.Socialen lächeln darüber; au« ihren Weihnachtsblättern ist zu ersehen, daß der EinschnchterungSveriuch gänzlich mißlungen ist. Es muß übrigen« der „Ostdeutschen Rundschau" sehr schlecht gehen, denn abgesehen von dem unlauteren Wettbewerb, mit welchem sie andere Antiseinitenorgane zu schädigen sucht, mnlhet sie ihren Freunde» zu, bis zum 1. Jänner wenigstens eine» Abnehmer einem liberalen Blatte abspenstig zu machen und ihn ihr zuzusühren. Diese Znmuthung läßt aus große Roth schließen, durch welche gemeiniglich daSAnstaiidSgefühl abgestumpst wird. Ein Hausirer au« Wallachisch-Mrferitsch oder .au« Tarnopol würde sich wohl schämen, eine derartige GeschäflSprapis cinzugesteben ... Auch in B r o in b e r g erscheint eilte „Ostdeutsche Rundschau", die ihrer Wiener Namensschwester würdig ist. Ter Herausgeber de« Brbmberger Blatte«, ein gewisser - T i t t in a n ii, begann den Geschäftsbetrieb damit, daß er Probennminern ausgab, in welchen ganze Spalten Inserate aus dem „Gtaudenzer Geselligen" unberechtigt abgedrnckt waren. Das Publicum sollte glauben, der „Ostdeutschen Rundschau" werde ein ganz besonders große« Vertrauen in Bezug auf ihre Publicationskraft entgegei,gebracht, Jnserenlen und Abouiienten sollten dadurch angelockt werden. 3in Anschlüsse an die vorattstehendcn Proben iinlatiterer Eoncurrenz geben wir eine Beschwerde wieder, welche B o d e ck in seinem Blättchen über „F r e i - D t u t s ch l a n d", daS Organ Förste r's, bringt. Ter „deutsche Gastwirlh" und „Schriftleiter" schreibt: „lieber fast alle Spediteure kommen uns die Klagen zu, daß ,Frei-Teulschland' utiieten Leser» geliefert werde, daß also die sonst von diesem Organ jo scharf bekämpfte .freie Concnrrenz' in ihrer ekelhaftesten Gestalt von diesem Blatte selbst betrieben wird. Wie stände sonst den Spediteure» diese große Zahl von Zeitungen zur Verfügung > Wir sind e», ja sonst schon gewöhnt, von unseren Gegnern rücksichtslos in der schärfsten und gehässigsten Weise angegriffen zu werden, solche Gemein heilen, die da« Feld deS unredlichen Wettbewerbes ganz für sich eiiinehmen, tnnßiCn unS erst von dieser Seile geboten werden!" Bodeck ist som t nicht der Meinung, welcher neulich Paul v. Pacher zum Ergötzen einer Versammlung lieblicher Relkeit-Tamen Ausdruck gab. Bodeck erzählt, er habe die größte Gemeinheit und - Unredlichkeit bei eiktem Mitstreber, bei einem Bruder in Antiscinüismns, wahrgenommeu, während Pacher die Stirne hatte, zu sagen: „Der Znde war es allein, der von der Natur darin verkürzt wurde, daß ihm das Bewußticiit der Ehrlichkeit fehlt." Unsere« Erachtens weiß aber auch der geschäftskundige Pacher sehr gut, daß zahlreiche Juden nicht im Geringsten von der Natur, dagegen recht empfindlich durch Kniffe arischer Gründer uiid Specnlatttcn verkürzt wurden. („Salzburger Tagblalk."» In der Saison und Fremdenstadt Salzburg wird ein nette« Antiseinitenblalt gegründet: dasselbe erhält den Rainen „-Salzburger Tagblatt", und deffen -.Schriftleitung" übernimmt der bisher in Troppau bei der „Teutlchen Wehr" bediensteie Josef F r e i s i n g e r. Zum Nachfolger deS Letzteren ist ein gewiffer Carl Joses Zweck, vormals Schriftleiter des „Obersteirerblattes", ausersehen. <Tik GcwädrsmällNfr der Httzpresse.» In der Verbreitung von Tendenz, lügen sind die antisemitischen Hetzblätter allerorten sehr fleißig: es verstreicht fast kein Tag, an welchem sie nicht ih:en Lesctn Entstellungen dc« Sachverhaltes oder.ganz freie „Tichtungen'^ als wahrheitsgelreue Mitthciluitgen bieten würde». Jener Han« P ti.-ch st e i tt, der in Wien al« Schilfe Vergani'« in Kunst machte, ging von hicx nach Breslau. Tort spielte er sich mit derselben Uuversrorenbeit, welche er in seinen Wiener Theaterberichte» an den Tag legte, aus den Politiker hinan«; er trat sogar als Reichstagscandidat in Oel« auf, und zwar al« „reiner" Antisemit gegen einen „vcrsälschten", fiel aber jämnierlich durch. Jetzt soll sich Puchstein in Berlin aushalten. Wenigsten« sind bercil« Proben ieiner Berichterstattnngkart in einem Berliner Blatte erschieneti. Tie „T e ü Ische Tageszeitung" brachte über die pecuniäreii und redactionellen Verhäliniffe der „Germania" Nachrichten, welche sich als erlogen heransstellleit, woranf das in die Enge getriebene Organ deL- „Bunde« der Landminhe" den vielseitigen Puchstein als seinen Gewährsinatin itanule. — Für eitt anderes Aiilisemilenblatt, die in Tüsseldorf erscheinende „T e u t.s ch - n a t i o ii a l e Zeit» n g", sind, wenn e« sich uin eilte jüdische Firma handelt, auch die von Rachsucht dicticteit Attslaffnngen eines wegen Pslichtvergeffetiheit iortgejaglen Eoinmi« Toctnneitte, aus Grnt-d deren sie gegen „iüdi'che Geschäfte" iiberhaupt losziehen. Am 22 November war in dem genannten Tüffeldorfer Hetzblatte zu lesen: „Wie eS christlichen Angestellten in /

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