Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 195 (29.12.1895)
- Date
- 1895-12-29
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 195 1° Freies Bl alt. “•eite ft. 1 Privatdetcctiv und 2 Tänzer. Was nun. die glücklichen Inhaber von Titeln und Würden betrifft, so finden.wir 20 Commercicnräthe, 9 Geheime Commercienräthc, 7 Consuln und 7 Gencral-Consuln, 2 Freiherren und 4 „von" in der Liste der jüdischen Gcincindemitglicder verzeichnet. Es befinden sich also unter den in der obigen Berufsstatistik angeführten 1479 Personen 1030 Angehörige gelehrter und freier Berufe, eine Zahl, die ihren Haupterklärungsgrund hauptsächlich in der Zurückdrängung der Juden aus gewissen Berufen findet; bloß 30 Beamte, ein sprechender Beweis für die Richtigkeit der eben geäußerten Ausfasiung, und 363 Handwerker, und Leute in dienender Stellung. Es ist aber ausdrücklich zu bemerken, daß gerade in dieser Richtung die Liste am mangclhaftestcu ist. Immerhin bilden auch nach dieser mangelhaften Statistik die Handwerker nahezu 25 Pcrccnt der öufgezähltcn Personen. (Blutabcrglanbc in Rußland.) In der Rahe eines Torfes im russischen Gouvernement Wjatta wurde, wie aus Krakau berichtet wird, in einem Sumpfe ciuc kopflose Leiche gefunden. Tic Untersuchung ergab, daß ein Greis RamcnS ,Di mitricw, zum Schutze gegen die Eholera und Hungcrsnoth den Torfbewohncrn den Ralh erthcilt hatte, einen Bettler zu tobten und ihn auf diese Weise Gott zum ^pfer zu weihe». Man wählte nun einen Torsbettlcr Ramcns M a t u n i n und schnitt ihm den Kopf ab Die biederen Landlcnte tranken dann das Blut des Ermordeten, lochten dessen Herz und Lunge und aßen sic. Es geschah dies im Jahre 181*;*). Aus antisemitischen Vereinen und Der sannnlunaen. zPfllchopalliischcr Eindruck.) Tr. R n ü meinte neulich im Abgeordnete!, hause, dag die Aeiißernngen V u ege x'S oft eine» püichopathischeii, Eindruck mache». Bald daraus wohnte der Wiener Anlisemiicusührer einer Beriammliing von tNenosien in W i e n e r - Li e n st a d I bei. Aach dem Berichte des Bergani Blanko über diele „Mnsteriiiig" sagte er wörtlich: „Wie -?ie sehen und böten, bin iäi kaut» in der Lage.;tt sprechen, nnb wen» ich meinem Aizie gefolgt .hätte, träte ich gewiß nicht in Wienet-Bkeitstadt. Allein, ich dachte mir, d a ß e i n. b e i i e r e r Lueger in W i e u e r - A c u st a d t d o ä> n o ch t m nt er b e > s er lei als gar lein L n c ^,c r." «Aach Wiener Muster.) Im Grazer Gemeinderathe >am es vorige Woche gelegentlich der Berathung über zwei Crime zur Ausführung einer ltetiriichen Traniwaii zu lärmenden Attstriiteu. Tr. Tlarlcl, dxr Advoeat eines der Csieremeit, des BantiieistrrS Andreas Franz, trat für die Interesse» seines lilienten ein und rief dadurch große Einnistung hervor. Es wurde ihm das 'Wort eittzogrn, und als dann sein Freund Feichtiuger zu iprechen begann, säirili die Majorität zu einem Erodus. Tie Galerie, die »nt Anhänger» Llarlots und Feichlinget's gelullt war, ergriff für dieielben in tninnl inarischer Weiw Partei. worauf der Borstvende deren Räumung verfügte lGeschiistsalitiseniitiSiililS. i In der demscheu Reichsmenopole fand tnrzlich eine Amtfeniitknverüiininlnng stau, welche über den Ge'chems.anliseniitismns zu Gericht saß. Ein .'taktniiann Michaelis, und ein Lchneidetmetster Ball man» wendeten sich mit beim,derer L chatte gegen die „Ltaatsb ärger-Jsiiiing", die vorn mit ihrem „Herzblut" gegen die Juden kämpfe und hinten jüdi-che üicclameü anfnehme. iGanz wie bei uns. Lieh' die- Blätternotiz: „Tie Hole mit den zwei -Lacken". T. R> E>n Redaeleur der angegriffene» Zeitung erklärte cs unter großein Lärm für eine „Anmaßniig und Arroganz", daß - die „Staatsbürger-Jeiinng" vor das Forum einer Beiiamtnlnng gefordert werde. Tie Lache könne von Leite der Partei geregelt werken. Bei der Zankerei kam die Thaliache zu Tage, daß der „Tiencr" A h l w a r d t s, der auf LtaatSloste» nach .Niel gefahren war, der Lchncidcr Bollmann gewk'en ist Es wurde schließlich. eine die „Llaatsbürger. Zeitung" veruribeilende -liefolulion an, genommen. Für den GeichäftSantisemitiSmn» scheinen in Teufchlaud überhaupt uugünüige Eoninneturen eingelreten zu iei». Tie „Tägliche Rtutd-chan" gibt detat auch das anlisemiti-chc Geichäfk auf und wird wieder „nnparteii'ch". d. h >arb- und geruchlos. Herrn Lange sammt sctnem Teittsäx.hnnt ist bereits der Ltuhl vor kix Thür gesellt worden. . 1 «Tas Schicksal einer neuerliche» Läiulchtin-Anich Pclition.j Wie vor zwei Jahren etn ,'t arlSr u h e r, so hat mm ein, Hcidclbe r g e r Anti seniilenverein bei der zweiten badischen'.nammer um Uebersebnng des Lchitlchan Aruch auf Llaalskostcn peliliouirt. Tie -iammer beschloß, ans Antrag der Pelilioiiscommiisioii, über die Petition zur Tagesordnung überzngehen. Tie dem Beschlüsse vorhergehende Tebattc bol aber einige interessante Motüente. Der conservälive Abgeordnete v. >§ t o ck h o r u e v erklärte, er werde gegen den Eomluissiousantrag stimme», da er eine unparteiische Uebersebnng des Werkes für uothwcndig halte. Auch im Talmud finde» sich, meinte er, viele Ansichten, die sich mit den heutigen sittlichen Begriffen nicht mehr deckten. Er citirte einige Lätze auS orthodoxen jüdischen Zeilschrislen und wie» auf die AIJiance Isravütu hin zum Beweis für das Bestreben nach Absonderung der-Jude» Ihm trat zunächst der demolralischc Abgeordnete Muser entgegen, Tte Be denken, denen d-r Vorredner Ausdruck gab, versolgten die ausgesprochene Tendenz des AittisetnitismuS in‘•bev niedrigsten Art. Es handle pch lediglich in» eine Lache tjes Rechtes und nicht'der Lnmpathie oder Antipathie. Wie es bei den Evnservtztiven Hammerstei»» gebe, so gebe ev auch anderswo räudige Lchase. Ta» Niederträchtigste des Ami>cmitisinns sei da» Generalisiren der Execsie Einzelmr. ' selbst wenn Alles richtig wäre, was man von dem Inhalt des Lchnlch.m-Aruch sagt, waS tolle dann die Eonlcgnett; sein? Auch dann liege noch nicht das Recht vor, irgendwie zu intervcnire». Warum spreche man nicht von der verderblichen Wirkung der antsieiiiiti-chen Pr, ne- Abgeordneter von L t o cf I) o v n e r tagte in einer Erwiderung, daß . noch vor zwei Jahren in zwei badischen Schulen nach dem Lchulchaii Arnch gelehn worden sei. T>e antveniitiiche Picsse ü ln Ahlwardt sei ihm, nigte er hinzu, im Innersten zu wider. (Tas glauben wir dem Herrn anss Wort, da ja Ahlwardt und Ge ' noffen gegen Inden nnd — Junker hetzen., Ter national liberale Abgeordnete Frieser dankte, der Eommitsion für die taktvolle Art der Behandlung" der Petition, mit der in verschämter Form eine aitti-cmitikii.' Agitation in dieses Hans gebracht werden >ollle. Er stinime iedem Worte Mnsi-r's bei. Tie Bx weguiig sei ein Fansvchlag in das Gesicht der heutigen Eiiltnr. i!Ze»n das Buch selbst alles das enthalte, was die Antisemiten aniührten, id iet das die Folge - des jakrhiitidertelangen Trucker, ded ani de» Inden getastet habe. Ter Neid sei die wesentliche Grundlage des AitiilemittSimts. Au' dem .'Aistha„>e.n der Be streblingeii, die Inden ihrer Reätle;>t beraube», -es der Ainveinitisimis groß geworden. Habe denn der Amisi-tnitistitns nicht >o viel Pittiel, um -eine lieber ietzttng selbst zu bewerkstelligen, und waS solle »tan denn tim», ipenn bie'-s Bnäübersetzt sein werde? Zn solche". Fragen mime man ltare Li-liimz ,-.chmen> Er halte kiese äntiiemittiche Bewegung für eine Lchandr des Jahrhunderts. nt-.d er balle es kür geboten, daß »tan nach kräftigen Mttieln suche, die-e Beirrgniig zu unterdrücke,>. Ter einzige „reine" Antisemit des Hanns' enisicher., Piist-erer, ell>ärte.uinter allgeimstner flttrini'cher Henerleit, daßvollständig mit Herrn v. Ltockhortter ühcreinstintiiie. Wer Ebrist-.i-Z l ebe, mit" - Anti-emit fein. I Tührtug ist ui Bezug auf Ehristenthnm nnd Aititieitttusliiiis anderer Ansicht als/, dieser Herr Ptistcrer - Abgeoidurter >t v h l e r ma.-l-ie -einen Eolleggti ' Fricier animerksitm, daß derirlbr itach inner Rede vo» der eomervaltveit Prevr twetjellos zu der große/ Geiellsichait der Jndensichntzirupvwerde gewotieiit-erden. Ahlwardt n-i/nnj drn L-chulterit der Eoit-rivattvrn tu den R.-ichstar gelommen-, zwei z'andräthr haben feilten Wablanitui nmerzcichnel. Wem, drr ' Eon-civativen heule auf kieien .Herrn-etwas weniger gut zu.'vrechen'-ej.-n. ] t.'inniidas daher, daß die Anii'emiteit sich der Ernte er>rt'.uen. d>>- atis-de.! Laat der Eoii'evvativen hervorgegangen. Abgeo-Ji-.eier .'io eite bemerkte Herr:-. I,Pfisterer gegenüber, daß gerade. Je-sits Ebristus die Ber-obn-.ing aeveedigi li.tb - ^'-Rach dem Lchlußwone des Berickterstatlers L t r ü b - ti-n ddann d-r Eon' , miisidnsamrag gegen, die Ltimmen der Avgeotdnelen r i ■| Pfisterer angenoMmcit. T>i zweite -oniervatwd. Abgeatei rie lin der Lttznng. In Baden ist reiimnkilich das läinm tt-I! ''emileuvereine mu der Ltchit.a-a» Arn.lt Petition ritt - Ni-.-r »»--! t-'d!'i - ' . Aiilt Mid dLlussonzinitt. . ' Tem W-vttchtueit nach beabsichtig! Tr V n. .| r in' d-,i n Tagen Egge » b u r g auszusuchcn, uw auch dort ^z-.-tchrttsminr? fui da« anlifeulitiichc Heer zu rühren. Ter PrästSenr t?s Abw.-I rvereines. Arthur G. Freiherr v. Suk-tner, 'al> >ich in Folg.- i.m t veraniafzt, an boti Biirgermrisscr vo» Eggenburg'seize-.-.des LA-...i.n zurichten: G - e h r l e r H e r t- B :: vg . v m ■ 1 Wie verlautet, >'oll Tr. Lueger in T.rgi: >-etuer be tamilen Borträge in Eggeubnrg baiieiil ,, Bis jetzt haben sich die Burger eggenrärgs? allen Tradilionen treu, dadurch ausgezeichnet, daß sie nur berSortagetide Biänner drr Wlssej,fcha>t und der Politik, d. h. Vertreter des Foriiäntttes und des F-reifimis einlndrtt.' vor" ihnen zu sprechen, und ich glaube auch, daß in die>er nt.-vilogenlie-.: lei»,- Aerdening eingelreten ist - Lie haben im verstossenen Jabre ein 'chönes Fest l gefeiert, und, zu, bleibenden Erinnerung an dielen Tag ivltrde ein Buch herausgegebe», de»,-!: Mitarbeiter —; Eggcnblirger .Hmbci- *— durch ihre ernsten undsizr.nndlichen Beiträge iienerdings den Beweis lieferten, daß der alte Geist nicht ansgeitorhen ist Ihre Borgängcr haben sich nnvergängltchc Betdienste dadurch erworben, daß sie'dem aitstürniendeit Feinde furchtlos die Ltirne boten und seiner Erobernngslnst ein eitergiicheS Halt geboten. Auchheute sucht ein Feind die östertetchisiben kriegen *) Ti? Fahnenweihe der Bürgergarde, deren Cisieiere >eit den Lanved m das Privilegium genießen, das goldene Porleö-poe zu nagen.