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Freies Blatt · 1895-12-22 · 194 (22.12.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
194 (22.12.1895)
Date
1895-12-22
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Freies Blatt. Nr. 19t. Seite 14. Und Kan rumorte: „C, 's iS mir glei verdächti Vorkommen, alS ich von Hungrigen Hyänen, von Hetzen und Wetzen g'hört Hab'. Sein'S nil bös, lieber Herr Haffner, aber daS war do a bißl (stark! . Nun erst ■ erzählte der Briefträger die geschilderte Scene mit dein Cfficitr und bat den Schriftsteller nochmals, zu fliehen, denn die ExccutioiiSinannschaft sei wahrscheinlich schon auf dem Wege. Als der Schriftsteller lachte, entfernte sich entrüstet der Briefträger, um nicht mitgefangen und mitgehangen zu werden. Schon am nächste» Morgen erhielt Haffner ein Schreiben vom Obristen Hardt, der ihn'in die General-Adjutantur in der Kaiserburg beticr.- Dort empfing ihn der genannte Obrist auf daS Freundlichste, lheilte ihm mit, daß Se. Majestät das Gedichtchen gelesen und befohlen habe, dem Berfasser ein namhaftes Ehrengeschenk zu überreichen. Haffner konnte sich nicht enthalten, sein Erstaunen zu äußern, daß der Kaiser sich mit einer solchen Lectüre befasse, wogegen der Obrist erwiderte, daß Se. Majestät den Auftrag gegeben habe, alle patriotischen Dichtungen ihm vorzulegen. * * . * Das war heute ein Feiertag für den Dichter, der nun mit seinen Kindern nachträglich das Weihnachtöfcst feiern konnte. Aber auch für de» Briefträger Kan war's ein Freudentag, denn er konnte mit Recht darauf stolz sein,, daß der Kaiser so ein großes Wohlgefallen an seinem „Postbüchl" gefunden. A. II. Srile puffl. Bon Tr. F. «. Krauß. Unter den serbischen Hajduken in Slavonien besteht eine alte Fradilion, daß jeder Hajduk, d. h. Wegelagerer, der sich a» einem Traucnzimmer, einem unmündigen Aiiitbe oder dem einzigen Sohne seiner Eltern oder an einem Juden tödtlich vergreife, längstens noch ein Jahr leben werde. Im Allgemeinen , glaubt daS Bauernvolk, daß der Fluch eines Juden in Erfüllung gehe. Wie so oft im Bolksglanben, wirkte auch in. diesem besonderen. Falle ein seltsanieS Ereigniß mit, den Glauben an die unheilvolle Begegnung mit einem Inden zu bekräftigen. Ich habe die Geschichte wiederholt von glaubwürdigen Leuten erzählen gehört und will sic nun schriftlich fcsthalten, um sie vor Bcrgcffenheit zu bewahren. * Im Jahre 1841 machte ein Räuberhauptmann mit seinen zwei Genossen das Po2egaer Eoniitat in Slavonien unsicher. Wie die drei . Gc'cllcn eigentlich aussahe», wußte die Behörde nicht genau, denn alle diejenigen, die eine zuverlässige Personalbeschreibung hätten liefern können, waren entweder verschwiegene Hehler oder die Opfer, diesen aber war daS Reden für immer verschlagen. Ter Hauptmann hatte nämlich den Brauch, diejenigen, die er auSraubte und auSplünderte, langsam und grauenvoll zu Tode zu martern. So suchte er z. B 'einmal, obgleich selber ein Serbe, einen reichen, verwitweten Popen hcini, hing ihn bei den Füßen an die Eisenkette oberhalb deS niederen Feuerherdes und schmorte ihn zu Tode. Tie im Zimmer eingcspcrrte Wirthichafterin des Popen, die sich der Hauptmann für irgend eine ausgesuchte Ouälerci aufgesparl hatte, entwich glücklicherweise.durch ein Fenster, aus dem sie mit 'der Kraft, die ihr die Berzweiflung verliehen , die Gikterstäbe auSgehoben. Ter Hauptmann war auch von ungewöhnlicher Stärke. Einmal lauerte er dem Stuhlrichtcr von Pakrac auf offener Landstraße auf. Trotzdem der Kutscher wie rasend auf die Roffe einhieb, hielt der Hauptmann den Wagen sammt der Bespannung fest, schnitt dem Kutscher Rase, Ohren und Extremitäten ab, den Richter aber beraubte er und schnitt ihm die Zunge heraus, nachdcni er ihm vorher beide Arme im Obcrgelenke zermalmt. In Pakrac und Taruvar waren 600 Mann Jäger und in Po-ega 40<> zur Räubcrhcne stationirt, außerdem alle Gendarmerieposten bedeutend verstärkt worden. Trotz der eifrigsten Bemühungen konnte es aber nicht glücken, dieser Bande habhaft zu werden. Ihre Spuren fand nian überall, doch den jeweiligen Aufenthalt nirgends. Zuletzt entschloß - sich die Behörde, auf den Kopf des Hauptmanncs einen Preis von 1200 Gulden Münz und auf den jeder seiner zwei Begleiter von se >-00 Gulden auszuschreiben. Tie Antwort des Hauptmanncs auf diese Herausforderung war, daß er in eineni größeren Orte — in welchem, weiß ich nicht mehr — bei helllichtem Tage die Stcuerbeamtcn zwang, ihm alle vorräthigen Steucrgelder einzuhändigen. Tanach verstüinmelte er die armen Leute und zog ruhig'ab, ohne daß es irgend jemand gewagt hätte, ihmn entgegenzutreten. Um diese Zeit war im Jude,dörfchen Alaginci bei Pottga — in Porega, der königlichen Fxeistadt war Juden das Wohnrecht nicht gewährt — aus dem Slovakengebiet Oberungarns ein etwa dreißigjähriger Hausirer Namens Israel mit seinem, zwanzigjährigen Neffen Schmul eingctroffen. Den Zunamen beider Herren will ich absichtlich nicht" nennen. Beide hatten ihre Frauen und Kinder in der Heimat zurückgelaffen auf die Kunde hin, daß man in Slavonien als Dorfgeher viel Geld erwerben könne. Da sie flovakisch verstanden, erlernten sie bald die serbische Sprache, und weil sie einiges Baargeld mitgebracht, konnten sie gleich mit der dazumal sehr thcueren Baumwolle zu handeln anfangen. Israel oder Srile erhielt den Beinamen Puffl, d. h. der Büffel, weil er auf seinen breiten Rücken ausfällig schwere Lasten aufladen durfte. UebrigenS gab ihm sein Neffe Schmul an Leistungsfähigkeit nur wenig nach. Im Morgengrauen eines jeden Sonntags machten sich Beide mit je 20 Bündeln Webgarn, Strickgarn, Roth- und Blaugarn beladen zu Fuß auf den Weg ins Gebirge gegen Pakrac auf und kehrten regelmäßig spätestens Freitag Abends wieder nach Alaginci zurück, um den samötägigen Gottesdienst nicht zu versäumen. An einem Sonntag im October des Jahres >841 machten sich die Beiden vor Taganbruch auf die ihmndcrung. Mit dem Hellen' Tag und Sonnenaufgang trafen sie in Brestovac ein und hielten beim Arendator MoseS Hofmann zum Frühstück Einkehr. Frau Hofniann warnte die Hausirer, weiter, zu gehen, da sie von Bauern im Vertrauen vernommen habe, daß sich der Hauptmann derzeit in der Nähe von Viliä feto aufhalte. Tille Puffl nahm die Mittheilung kalt auf. „Ich und Schmul fürchten uns vor den Räubern nicht. Was können sie uns den» wegnehuien? Die Woll? Räuber geh'n nicht hausiren. Und wenn es zum Drcinschlogen käme, wir Zwei nchuzen es noch immer mit einem ganzen Dorfe auf." Nach kurzer Rast zogen sie auf der Fahrstraße Schritt für Schritt weiter. Gegen, zehn Uhr, sic befanden sich etwa eine halbe Stunde vor Viliö felo, kamen ihnen drei mit Flinten und Pistolen wohlbewehrtc, phantastisch aufgeputzte Bauern entgegen, der Hauptmann mit seinen zwei Gefährte». Mit einem Gruße wollte Sril an ihnen ruhig vorbei, doch den Hauptmann wandelte die Lust an, zu seinem Morgenvergnügen die beiden Hausirer zu ängstigen. Er gebot ihnen, zu stehen. „Ihr Juden, gebt das Geld her. Mir muß Jedermann von seinem Gewinn abgcben, also auch ihr!" Srile gab Schmul einen Wink. Im Nu ließen Stile und Schniul ihre Bündel zu Boden fallen, und im zweiten Nu fuhr Srile mit seinem wuchtige» Knotenstock, dessen Kopf niit Eisen beschlagen war, dem Hauptmann unter das Kinn, und die Kinnlade war zerschmettert. Ter Hanptmann sank bcwüßtkbs rücklings nieder. Schmul war im Stoß etwas ungeschickter. Sein Stock riß dem anderen Räuber die Nase weg und schlug ihm ein Auge aus. Der dritte Räuber legte die Flinte gegen Srile an, doch siel er mit einem Fußtritt in die Weichen, den ihm Srile versetzte, früher zu Boden, ehe er »och abdrücken konnte. In wenigen Augenblicken hatten Srile und Schninl die Räuber kunstgerecht „gerädelt", d. h. jedem aus dem Rücken die Ellenbogen so fest aneinandergeschnürt, daß die Hände braun unterliefen. Mit Tritten und Puffen trieben sie dann die Drei vor sich her nach Brestovac zurück und von dort weiter nach Poiega. Das ganze Städtchen war bald versammelt. Von allen Seiten drangen die „Purgari" (Bürger) auf die Räuber ein, um an den Wehrlosen ihr Müthchen zu kühlen, doch das Militär bewahrte sie vor der Lynchjustiz. Srile erhielt 1500 und Schmul 000 Gulden Münz als Prämie. Sie sagten- „Wir haben unseren Herbst gemacht, wir gehen in unsere Heimat zurück." Sie errichteten in einer größeren südungarischen Stadt ein Kleiderwaarengeschäft und gelangten zu bedeutendem Wohlstand. Srile's Sohn gründete in Pest Zeines der noch jetzt angesehensten Tagblättcr und lenkte wiederholt durch reiche Stiftungen zur Hebung der magyarischen Culturbestrebungen die Aufmerksamkeit auf sich. Zum Schluß will ich noch über daS Ende der drei Räuber berichten. Man hielt sie im ComitalSgefängniß so lange cingespcrrt, bis sie ihre Hehler im Bancrnvolke angabcn, dann aber kamen sie an den Galgen. Tie Gefängnisse zu PoLega waren in der ersten Hälfte des Jahres 1842 gesteckt voll Mitschuldiger der drei Räuber. Im Hochsomnier desselben JahreS sing eines Tages daS Städtchen an zehn oder zwölf Pnnktcu zu brennen an. Es gab im Orte weder eine Feuerwehr, noch ausreichend Wasser zum Löschen. In dem ungeheueren Tumulte ließ nian auch die Gefangenen frei, damit sic sich am Rettungswcrke bctheiligen. Die Stadt brannte nieder bis auf wenige Häuser aus Stein. Was bei Zeiten an Wcrkhsachen gerettet wurde, verschleppte daS aus der Umgebung zur Hilfeleistung herbeigeeilte Bauernvolk. Tic Gefangenen aber entwichen nach Bosnieii.

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