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Freies Blatt · 1895-12-22 · 194 (22.12.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
194 (22.12.1895)
Date
1895-12-22
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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.freies Statt. Nr. 191 reite 8. Beinkleid zerrissen und geschrien„Der Saujud darf mir nicht lebendig hinaus!" Tiefe Anzeige des Calculanten hatteeinen merkwürdigen Cliotg. denn die gegen de» Gastwirth Kreil eingeleitete Borunter- 'sucknng wegen boshafter Beschädigung und gefährlicher Drohung wurde eingestellt, gegen den Anzeiger aber die Anklage wegen Verletzung der Sittlichkeit erhoben, worüber am 18. d. M. vor dem Bezirlsgerichre Alsergrund verhandelt wurde. Wie der Richter bekannt gab, wurde die Untersuchung gegen den Wirth deshalb eingestellt, weil die Beschädigung deS Beinkleides keine beabsichtigte, der Wirth aber zu der Zeit total betrunken gewesen sei. Da jedoch der Anzeiger damals laut Aussage der Stammgäste — daS Local wird von Damen der Halbwelt betucht — unsittliche Redensarten gebraucht habe, wurde er in den Anklagestand versetzt. Der von Dr. Puvovac vertheidigte - Angeklagte versickerte, daß er vom Wirthe unausgesetzt durch anlisemitische Beschimpfungen auts Gröblichste verletzt wurde, ja derselbe habe verlangt, der Angeklagte solle beweisen, daß er kein Jude sei, woraus er eine Bemerkung machte, die man anstößig finden könnte, allein er habe naturgemäß darauf antworten müssen, und nicht er sei es. der ein Aergerniß Hervorrufen wollte. Da Kreil jenes GasthanS in der Weiltburggasse nicht mehr inne hat nnd gleich feinem Kellner bisber nickt aussindbar war, beschloß der Richter die Vertagung der Verltandlung. PtttjestiilsbelcivigNIlgJ Bei Empfang der Rachricht von der Rickibenatigung deS Dr. Lueger äujjgrtc sich der Bauer Franz .Hirschau er im LiebharlSihal ineiner Weise, welche seine Versetzung in den Anklagestand rvegen Majestätsbeleidigung zur Folge Hai!.- Hir'ckauer hatte am 18. d. M. vor einem Ertenntnißsenate sielt in geleitner Sitzung zu verantworten und wurde im Zinne des von 1 er Ztaatsanwalttchask gestellten Antrages zu drei Monaten : t t e r s v e r u r i d e i l k. Proctß Telkcrt Die für Sainsiag den LI. d M anberaumt gewe'ene Verhandlung gegen Pfarrer Tr. Deckert wegen Vergehens der Aufreizung im Zinne' dcS £ ">0L, - begangen durch seine anti setpitischen Predigten, ist auf Ansuchen des Angeklagten, der Erkrankung geltend machte, vertagt worden. ilMföcr (iilicr. i Das Badener Bezirksgericht vexurrheilte den Ol'imrmi deS dortigen antiieuiititebcn Wählervereines, de» Kohlen Händler Jebaiui Zpörk, wegen Gewichtsverkürzung btcim Verkaufe von Vobleu zu einer a ck t u n d v i e r z i g st ü n d i g e» A r r e st st r a f e I5iit Brief des Professors Kick.) Die fortschrittliche deutsch? Ztttd-.ntenseliist -Prags richtete an den Rector der Wiener technischen Hcchschnle, Professor K i et', anläßlich seines Verhaltens gegenüber den aittitnittti’dKt, Ziudenlen eine Znstimmuiigskutidgcbnng, worauf ihr felgendes Antwortschreiben zuging: tz' e: v-r. -n! JUtie Zwchrssi bat mich herzlich gefreut. De» verkehrten 2 g.n ,5eit 'ckrreiaend zuuiteben, ist nicht meine Zache, und ich : .-.nch tncht, dass d..ri> Untbätigkeit eine Wandlung einirikl. Darum .n.l .n e.n d.. in 'einem H -?iic solchen Ausartungen mit aller Ent'chiedenheit :j:-.-e;:en. Wer ■ ::re eigenen Pfticki-n erfüllt mit all seinem Vermögen, wer in; ,;e::t •!•. eiv Z-.^nitng bäli, der dark auch ein Wort finden gegen die Prediger - deo f.i' : : Wächter Cc-J Deut-chtbum». welche sich bier und andertväitS ' hrenii'ü.!>!I. Zieht man tr.-g-! in dar Getriebe, so erblickt man hoble Pbra'en 11- : den darin', addr kein? erliche bemeikenSwertbe Arbeit. 2eie» Sie NN. ::t. Z'.c niiin zn'ain'.nen. Ihr treugesinnter i cf. (yill lüillfcrcr Zubillir. Das feit vielen Jahren unter der bene. I ll.ti Rituiig des Herrn R. v. FreiSanff stehende „Salzbnr.l.'r Velksblati" vollendet in diesen Tagen seinen fünfutidzlranziastr» I igaug. Das „VolSblall" ist ein Jubilar, der mit El:.:: auf Wirksamkeit zurückblicken kann. Vom ersten Tage '.m s Ez'cheinens an har, sich in den Dienst des Fortschrittes get':...' und in d?: " -che desf-Abe» unentwegt treu geblicberi bis zum' l.itt .ze.ii Lag. '. >>. iinielangeii Ringens, unermüdlicher Arbeit hat ' t-.eitiü, mit 'int-, m Blaue jene Stellung zu erringen, welche es . k:»h ii'.il".'.::»!.-" :-.'ßk es in einem, fKcdächtnißartikel, »große tapfer .... -z.:r n.ie «ä'eld mußten gebracht werden, um dasselbe endlich lebens- 1 > , :>.: gestalt u. Mil umso größerer Befriedigung können wir daher ,!' e.'s :v.z.'lausene Vieti-. jahrduudert zuruckblicke«, denn unser Strebe» wär -i-e-s.vom Crfoig'e gekrönt, als wir sagen könne»; daß Iviv er i.a't :as geworden, was wir sind: ein unabhängiges C r es a o vt ’;t)r i 11 e$ und der Freiheit. Unter den! . ' V.'ik' i'.tn.sscn it es einem liberalen Blatte in der Provinz n?. .. ch lchn.> eemt.; .gniacht, sich mit Ehren behaupten zu können; der Vil:.' .Staus tit;a IN Acht und Bann erklärt, und feine Verfechter wer een ran' d.r junge» üienevation wie Auswürflinge behandelt, die j mV ui."?! n-lt ihnen dieselbe Lust zu athinen. Judeiistämniliirg und Judenknecht wjrd derjenige genannt, der nicht auf die antisemitische Heilslehre schwört -'und der ehrlich genug ist, an seiner wahrlich besseren Ueberzeugung festzuhalten. Man schleudert der liberalen Partei bei jeder Gelegenheit den Vorwurf entgegen, daß sie daS Volk nur mit schön klingenden Phrasen gefüttert habe. Ist aber daS, waS heute die Antisemiten und die ihnen so innig verwandten Deutsch-Nationalen und Clericalen thun, nicht im weitausgesprochenen Maße ein Phrasendreschen, ein Umsichwerfen mit billigen Schlagworten oder — trocken , herausgesagt — ein Gimpelfang? Mehr gesündigt auf die Leichtgläubigkeit des Volkes wurde nie zuvor als heute, da ein Lueger, ein . Geßmann, Schneider und wie alle die antisemitischen Größen heißen mögen, das große Wort führen und der Erstgenannte sich geradezu geberdet, als wäre er der Auserwählte seines Volkes, ein menschgewordener Gottessohn, vor dem Alles, was da kreucht und fleucht, : im Staube liegen muß. Der Personencultus, welchen man seinerzeit i der liberalen Partei zum Borwurfe gemacht, wird heute schamloser! denn je von ihren Feinden betrieben. Man verhimmelt einen Lueger; in Votivbildern, nennt ihn den ,Vater deS Volkes' und schraubt ihn! künstlich zu einer Bedeutung hinauf, die ihm wahrlich nicht zukommt. Wir beugen uns aber vor dieser Größe nicht. Das »Salzburger VolkSblatl" hat seinen Racken überhaupt immer steif, gehalten i und um seines Bortheils willen nie um den Beifall der Menge gej buhlt. Mehr als einmal hat eS wegen seines Eintretens für daS bedrängte Volk die Hand des Staatsanwaltes zu fühlen bekommen, aber i alle die Consiscationen und selbst die vor dem Schwurgerichte erhobene Anklage haben nicht vermocht, eS zum Schweigen zu bringen,! wenn es galt, die Steuerträger, den Gewerbe- und Bauernstand, in ihren beleidigten Rechten zu schützen. Und so wollen wir es auch in Zukunft halten, unbekümmert um Gunst oder Mißgunst, nicht fragend nach den hämischen Angriffen unserer Feinde. Freilich .deutsch-national' zu sein in dem Sinne, wie es unsere Gegner meinen, dazu werden wir unS nie. . verstehen. Wir fühlen uns durch und durch als Deutsche, die eS wahrlich auch ehrlich mit ihrem Volke meinen und jederzeit für dessen nationale Rechte eingestanden sind und auch fürderhin einstehen werden. Wir achten aber den deutschen Bolksstamm viel zu hoch, als daß wir meinen könnten, die urwüchsige Kraft desselben hätte keinen edleren - Anlaß zu ihrer Bethäligung, als den Kampf gegen das Judenthum.; Wir erblicken in diesem Kampfe nichts als das beschämende Bckenntniß; einer Schwäche, die doch wahrlich eines deutschen ManneS unwürdig! ist, und sagen uns, daß alle die Heldenthaten, welche deutscher Muth und deutscher Geist im Laufe der Jahrhunderte vollführt haben, nicht vollbracht worden wären, wenn unsere Altvorderen nicht edleren und höheren Zielen zugeftrebt hätten als unsere heutigen Jungdeutschen. Eine Bewegung, die draußen im Reiche einen Stöcker utzd Ahlwardt, bei uns in Oesterreich einen Alois Liechtenstein, einen Lueger und wie sie sonst noch heißen mögen, zu Führern hat, kann nicht zum Wohle des Volkes ansschlagen. Wir haben einen viel höheren Begriff von dem nationalen Teutschthum, als daß wir uns Jenen anznschließen vermöchten, welche sich zwar deutsch national nennen, aber mit den ärgtten Feinden unseres Vol'sthuniS, mit den fanatischen Widersachern echt freisinniger Gesinnung — den Clericalen — gemeinsame Sache machen. Der echte Deutsche wird sich mit dem Römling nie und nimmer verbünden, weil er sich dadurch nur selbst schändet. Diese Gesinnungen haben wir im .Salzburger VolkSblott' allzeit zum Ausdrucke gebracht und wollen ihnen auch für alle Zukunft treu bleiben. Ja wir huldigen dem in unserer heutigen-Zeit so sehr verfehmten Liberalismus, aber nicht dem doctrinäreii, sondern jenem unverfälschten Liberalismus, der allezeit ein Port wahrer Freiheit gercjefcit, jenem Liberalismus, der freudig Gut und Blut geopfert hat, uns das geistig geknechtete Volk seiner Fesseln z» entledigen, in die es ein absolutes und kirchliches Regiment einst geschlagen hatte, jedem Liberalismus, der die Macht der nbermülhig gewordenen Hierarchie zn brechen vermocht, dem Volke den Born geistiger Bildung erschlossen hat und unentwegt die Bahnen des Fortschritts aus allen Gebieten des menschlichen Schaffens gewandelt ist und noch wandelt. Mit diesem unserem Glaubensbekennlniffe treten wir such heute vor unsere Leser bin und appelliren au ihre uns durch fünfundzwanzig Jahre bewiesene Freundschaft." (Keilt Zlldc.) Gegen den katholischen Pfarrer Ernyilvon Also- Korompa im Preßburger Comitat wurde die strafgericht!liche Untersuchung wegen einer Reihe unsittlicher Delicte eingeleitet. iSchwcinhaqcll in Sicherheit.) Der antisemitiseüe Agitator S ch wei n hagen, welcher seinerzeit )>ie Hetzartikel gegen! die Juden in der »Kreüzzeitung" geschrieben hatte und später wegen Beleidigung des preußischen Finanzministers Dr. Miquel zu sechs! Monaten Gefängniß verurtheilt worden war, wurde vor einigen Tagen nach seiner Auslieferung aus Oesterreich am Bahnhof in Rasibor von

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