Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 194 (22.12.1895)
- Date
- 1895-12-22
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 194 Freie» Blatt. Abgeordnetenhaus« einen so großen^ HeiterkeitScrfolg wie einst int Gemeinderathc mit seinem „Peter peccavi“. ' Er sagte nämlich, die Antiscmitenblälter wären nicht in einem so rohen Tone geschrieben wie die „juden-libcralen". Als diese unfreiwillig komische Leistung von der Linken mit schallendem Gelächter ausgenommen wurde, suchte sie Steiner zu rechtfertigen und bemerkte unter Bravo-Rusen seiner Gcnosien: .Die alte .Presse', welche, so lange Gras Taaffe am Ruder war, au« der Regierungskrippe gefressen hat, hat ihn, als er gestorben war, in unqualificirbarer Weise angegrisfc». Eine größere Rohheit gibt eS nicht." Da» angegriffene Blatt richtete aber am folgenden Tage an Leopold Steiner folgende kategorische Aufforderung: .Es hat dem Abgeordneten Herrn Leopold Steiner gefallen, gegen uns den Anwurf zu schleudern, daß wir den Grafe» Taaffe, nachdem er gestorben war, ,in unqualificirbarer Weise angegriff-n' haben. Unsere Leser wissen, daß diese Behauptung eine freche — Unwahrheit ist. Den Abgeordneten Herrn Leopold Steiner fordern wir aber hiettiit in aller Form auf, seine Behauptung, daß wir den Grafen Taafsc nach dessen Tod in unqualificirbarer Weise angegriffen haben, mit irgend einer Stelle aus irgend einer Nummer der .Presse' zu belegen, oder, falls er nicht in der Lage fein wird, dies thun zu können, Widerruf zu leisten." Steiner that weder daS Eine noch daS Andere, und in dem Morgcnblatte der „Presse" vom I*. d. M. war zu lesen: „Der Herr Abgeordnete Leopold Steiner hat die gegen .Die Presse' in der Samstag-Sitzung des Abgeordnetenhauses vorgebrachte beschimpfende Unwahrheit in keiner Weise widerrufen. Der Lügner beharrt verstockt auf seiner kühnen Lüge, obwohl er von der vollständigen Unwahrheit seiner Behauptung, wie wir mit gutem Grunde annehmen dürfen, sich zu überzeugen Gelcgencheit hatte. Wir constatiren diese Thatsache, um unseren Lesern, welche unsere Nekrolog-Artikel und Feuilletons über den Grafen Taaffe sehrgenau kennen, zu zeigen, wie die elementarsten Sittenbegrisfe dem Abgeordneten für die Landstraße abhanden gekommen sind." (Aus der Neubauer Bezirksvertretung.) In einer vorige Woche abgehaltenen Sitzung des Bezirksausschusses Neubau stellte der Bezirks! auSschuß K reib ich den Antrag, um die schleunige Errichtung einer neuen Schule im Bezirke anzusuchen, denn die vorhandenen Anstalten reichten für die schulpflichtigen Kinder nicht aus, und besonders die Schule in der Zollergasse sei geradezu sanitätSwidrig überfüllt. Schon vor Jahren sei die Nothwendigkeit der Entlastung dieser Schule anerkannt »nd aus diesem Grunde daS Haus Hermanngasse Nr. 24 zum Zwecke eines Schulbaues angekaust worden, doch habe sich leider der Platz als zu klein, erwiesen, und so habe der Bau bis heute unterbleiben müssen. Jetzt sei auch das Nachbarhaus, Hermanngasse Nr. 26, z» haben, und man dürfe sich die Gelegenheit zur Gewinnung eines ausreichenden Bauplatzes nicht entgehen lassen. Der Bezirksausschuß Sahann, Director der Schule in der Zollergasse, bestätigte unter lebhaftem Bedauern die Angaben Kreibich'S über die sanitätswidrigcn Zustände in dieser Schule und bemerkte: „Längst hätten wir schon die so nothwendige neue Schule, wenn der leidige politische Parteihader sich nicht überall geltend »rachen wükde. In übel angebrachter Connivenz gegen die Vertreter der antilibcralen Partei hat man deren Antrag auf Ankauf des Hauses Hermanngasse Nr. 24 angenommen, und nachträglich stellte sich heraus, daß die Herren Antragsteller gar nicht wußten, ob dieses Gebäude sich auch für den beabsichtigten Zweck eigne. So erwarben wir ein HauS, mit dem wir nichts anfangen können, und haben noch immer keine Schule." Der antisemitische Bezirksausschuß Nießner vcrwahrte seine Partei gegen diese Borwürfe, worauf jedoch Bezirksvorsteher-Stellvertreter Granadia actenmäßig constatirte, daß ' das Haus Hermanngasse Nr. 24 nur aus dringenden Wunsch dcS Herrn Gregorig um 56.000 fl. angekauft worden sei. Wenn ei» liberaler Wortführer eine solche Verschleuderüng des Gemeindevermögens verschuldet hätte, so würden die antilibcralen Herren nicht wenig Lärm über diese Angelegenheit schlagen. Der Antrag Kreibich'S wurde angenommen. (Wer unterstützt die Hetzpresse?) Wir erhalten folgendes Schreiben: „Löbliche Redaction des .Freien BlatteS', Wien! In der Nr. 103 Ihres geschätzten BlatteS bringen Sie im Leitartikel unter der Ausschrift .Ein wunder Punkt' wahrlich wackere Worte 'über das Vorgehen jüdischer Firmen, die die antisemitische Schandpresse, wie Sic treffend sagen, mit Jnserotengeldcrn mästen und sich so ihre eigenen Schergen großsüttcrn. Es ist beschämend und erniedrigend zugleich von diesen Firmen, und ich als Jude und mit mir die große Mehrzahl der Juden können estr solche» Vorgehen nicht begreifen und verdammen eS entschiedenst. Sie sollten die Namen jener Firmen, die sich nicht schämen, in dem Jnseratentheile dieser Schandpresse zu glänzen, öffentlich bekanntgeben, das heißt in Ihrem werthcn Blatte anführen, Seite 7. damit man diese wackeren Leute kenne» lernt, da w r doch irr der Provinz nicht Gelegenheit haben, die antisemitisch» Blätter zu lesen. Nochmals Tank für Ihre Worte und lasse» Sie dieser! .wunde» Punkt' insolangc nicht a»S de», Auge, bis da Wandcl gcschassen ist. Hochachtcnd .... Karlsbad, de» 16. Tcceniber l-B5." — Im Anschlüsse an diese Zuschrift geben wir im Nachsolgendc» nur eine kleine Auslese von solche» Jude» wdcr prononcirte» Partciliberalcn, welche die antiscmitische Presse durch Jnserlio» ihrer Firmen, respcciivc der von ihnen .vertretenen Aclicngcjellfchaflen finanziell unterstütze»: Juden: Aldi» F ö r st c l.I I., Bellariastraße 41 annoncirt im „ Deutschen VolkSblatt", „Weltblatt", „Kikeriki" ständig: F. A. Sarg'S Sohn im „Deutschen VolkSblatt": W. F. Heller (VII., Neubaugasse 75) im „Deutschen VolkSblatt". — Gesellschaften: Kaiser Ferdinands -'Nordbahn im „Deutschen VolkSblatt" vom 17. Deceniber; Wiener Versichern »gSgescllschast (VerwallnngSräthe: N^colauS Dumba, Friedrich Sueß, Sigmund Nitroy, H. v. Lcvayl int „Deutsch n Volksblatt" vom 15., Dccembcr; Wcchs cl st u b cn - Ac t ic n gcs c l lr cha fl „M c r c u r" (VerwaltungSräthe: Bernhard Rosenthal, Julius Reinitz, Carl Tricfch) - ständig im „Deutschen VolkSblatt" und „Kikeriki": — Ferner die der liberale» Partei angchörigcn Nichtjnden: Philipp Haas 4e Söhne, Arthur Krupp i» Berndorf, JnsiuS S clr a u >» a n n in Korncuburg, R. Geburth, Josef Vlazincic, August Knssc-xle u. A., zum Theile int „Deutschen VolkSblatt" »nd „Kiteriki".^ Fortsetzung folgt. . . " (Der Fall Cfiugcr-Ltcuwaldcr. > Im heurigen Frnhjalnc hatte . sich, wie seinerzeit gemeldet Ivurde, . der Hörer an der Hoch'chnle für Bodencultur Wolsgang Exinger vor dein LeuidcSaericlrtc rvegen deS Verbrechens der schweren Körperverletzung zu verantworten und wurde damals von der Anklage freigesprochen Gleichzeitig hat er gegen Herr» Carl 'Nenwalder und dessen Sohn Hugo, mit welche» er im Stiegcnhause dcS Hauses 'Nr. 3 des Bauernmarktes ein Rencontre hatte, die EhrenbelcidignngSklage eingebracht, über welche am 17. d. M. vor dem Bezirksgerichte Alsergrund verhandelt wurde. Die Klage' erzählte den Sachverhalt in folgender Weise: Am 7. Mär^ d. I. ging / der Hörer der Hochschule für Bodencultur und Rcserveossicier Wolfgang Exinger um 3/iÜ Uhr Abends zu seiner auf dem Vaucriinialkl 'Nr. 3 wohnhaften Großmutter. J»r dritten Stockwerke klopfte ein Stubenmädchen einen Unterrock a»S. Darüb r bemerkte Eringer, als er im Vorzimmer bei seiner Großmutter aulangte: „Die Judenbagagc klopit jetzt »och Kleider." Das hörte das Siubenniädchen und machte davon ihrer» Dienstgcber. Herrn Carl 'Nenwalder, Mittheiluiig. Als HeLr Exinger um 1/210 Uhr das dritte Stockwerk passtrte, traten ihm zwei Männer entgegen, und einer fragte ihn, ob er da» Wort „Judcnbagage" gebraucht habe. Herr Exinger bejahte dies, und in der nächsten Minute sei er von - den Beiden überfallen und geschlagen I morden. In einem Postscriptum wurde noch angegeben, daß Herr Carl I Nenwalder und Sohn wiederholt gegen Herrn Exinger Schimpsworte, > wie „Strolch", „Hin muß er lein" u. dgl. gebraucht haben. Ander» I schilderten den Vorfall die Angeklagten. Herr Carl 'Nenwalder sagte» auS, er sei auf den (Lang getreten, nm zu sehe», 'wer der Herr sei, I der ihn, ohne ihn zu kennen, beschimpft halte. Und als nun Herr I Exinger vorüberging, habe er ihn gefragt, ob er derjenige sei, derdicS » gelhan habe. Herr Exinger habe daraus erwidert: „Ja, -ihr seid! auch eine Judenbagage!" Zugleich habe er den Slock erhoben und! zugeschlagen. Als nun der Sohn sah, baß sein alter Vater geschlagen! werde, sei er auf Exinger loSgcstürzl nüd habe demselben einen Faust-! schlag ins Gesicht versetzt, so daß er' blutete,. Die Möglichkeit, die! incriminirlcn Schimpfwort«: gebraucht zu habest, gaben beide Angeklagte zu. Der Richter fand die Angcklagttn der wörtlichen Ehrcubeleidigungl schuldig und verurthcilte sie zu je 5 fl Geldstrafe. Von der thätM lichen Ehrenbcleidigung wurden Bcidc.freigesprochen, indem der RichteW als nicht erwiesen annahm, daß Garl Nenwalder, der' selbst einM schwere Verletzung davontrug, überhaupt geschlagen habe, und be> Hugo Ncuwalder den Freispruch damit begrünvetc, daß derselbe, welchcr> sah, wie sein Vater verletzt werde, in cirreni Zustande der NothwehrW respcctive unwiderstehlichen Zwanges gehandelt habe. Beide Parteien! behielten sich die Bedenkzeit offen. I (Beweist, daß du kein Jude bist!) Der- Calcnlant im Finanz-! Ministerium Bernhard Brelschneider erstattete^ am 6. September! bei der Polizei die Anzeige, er seigegen l l. Uhr Nachts zufällig ini ein Gasthaus in der Weihburggasse gerathcn, lum ein Viertel Wein zu I trinken.- Wiewohl er ein Katholik sei, habe ihn der Wirth Ludwigs Kre'il für einen Juden gehalten und mit den Worten empfangene „Einem Saujnden schenk' ich »ix ein!" Auf seine Entgegnung: „Ich bin zwar kein Jude, aber, wenn ich einer wäre, würde ich mich dessen auch nicht schämen!" habe sich der Wirth an ihm vergriffen, ihm dgS