Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 192 (8.12.1895)
- Date
- 1895-12-08
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. 192 reite s. .freies Statt. •'.■■.mitten Die ,V\iiirn Ivte au' litisichtbares EoMmando einen geschlossenen Zug, D.ie G.os Der Pieugc, zumetst &>eiber 'atu Dem Bolle mit Hüp'tiidieni unD '.»»liatt.itndiern, Dodi auch viele gutgekleidete Hilter ihnen, Marichirte, von zabl- : i.-ticn i1;aiutevn unD Hindern begleitet, Durch die AuSstellungkstraße deuiPrater- ■. ~\\ jtt. tt’D eine schwache Abtbetlnttg von etwa;ebn ilVaint Wiche-dem Meiiichen- •; eine-uid» Hall gebiete» tarnt. 2er Strom ergoß sich in die Praterstraße, ..;D nun begann eine rifetbe Der widerlichsten «eenen. Unter dein unaufhörlichen •■ebem .H'o d> V :: e g e r! ie: er mit Dett gut e n! .Häuft n tt r . i i ä b. r i ft e r.! tJl ’ b ti n g e n Die I iiDen! Hanf t's n i x bei o :t D e::walzte sich der etwa 2i,<»"'Hopfe zähtende' Metifchenftront längeder t itle» «eite der iDraterüiaße der «taD:;»: iüDisdie Paffanten, die nicht schnell .■einig anvii’t.teit, wurden aiigemudt, ni’iiltirt unD geftOBtn. «ie fluchteten . teiiDj aus Dein i;cveiäi Der Menge, die ihnen Die nnflächigsten Schimpfworte :• aäibtnute u::D teDe einzelne Die-er tHrbbciieu Mit ('Hjobl lind Gelächter be- . tetiete. Bei einem Branntweitici machte Der weibliche Mob zuerst Haut '.trete. i9e:wttmchitngeii trtnDen a;;-5go'toBe», die Hensierfcheibe» angefpudt. •^enn ..a'.iv tpicDerbolte »dl dao-ecbc widerli.che «diait'Picl: ein alter Jude, De; Deo iteegeo laut, wurde „gestellt" und mit den Worten tt „Rieder mil den ,,..De:t.mgehntllt Xauit et goß sich' ein .'Dobngetaditer jiber De» an allen intern fett irici-?. ntt9 die faitattitite Menge! eilte wejter. Bei Dem H.'.tierMire, I jeDein e»,"'cha':e, fao Juden gebärt, wurde gejohlt und t. t tt.lt S.' gelangte Die Mente dt»-zur A'verngaüe. wo eine lleine Abtheilung tt-.i'.dc t e -.'.'i',::. tbente. «in tiemerer Trupp;og-;nr •Jl'ptrnbrnde. wo eine ...'.nt .- t.etDcte. trat einem alteren Hergn tm. Gespräche »ebenDe Xante an ■ e r .1 t und D ■ r r i n tt 11 i r t :v u v D e, daß sie schreiend fluchtete.;e.e i«:e> Deo Zug.'S . ttra un» bio »< 0. Personen —I Drang in dichter l'lDie JV tDtnaitDvbt.ide Der Stadt zu Bor dem „East- Edison", denen t e.ia a.:’ die Straße eilten, begann wieder das Getobte, lind unter -.rt-.-.a!-. t-'-t:r Je. n :tnD «d> ct-'.n, Unter «sucten unD «dumpfen per Den . »a-s.-ettr.D Ge-ch.t'tt tdeatr» nahm Die Menge ihren Weg durch Die 1 er.-ä"- i::t> tKetletttluihraüe zum «ti'ättvPlan. Die genannten Straßen ' :.ve: .'.■.:e;.:tlet:D, Da; Bet lehr »edle An' Dem «tesankpiahe trdt der v';e t. eine t.e::tf i'lrte. tcnug Wache entgegen. Der ecgelang. Den Mewdien ».:» .•..■■zuhälten «und durch euergi-chee Bcrge"en i» Die Seite,tgafsen abzu ..t'tt^.-.i, .r »'ich zet't.ente. Es WinJet: niebrete Betbastutigett vorgettomtiten, Bödu-'.-: B. .ganae :.t::e etn anDerer Xbeil der anti'emitiidieu „Samen" ■ :..\i't;t «ch.-ti'Dit im •Krater l,;et.‘t. Beim .Eisvogel" fummelten sich etwa - S.an.m, Die dd.i in :>iDl>affer Wei>'c D:öeutirteu. Sr. Lueger und j. i t : : t i di '.’.uDeti »di gleichfalls Dort ein und wurden stiirnu-di beiubelt. .l.t.iin Det «diweutme Der lsiotDddhfchct stiestanration .'aitben sich viele J: e:;ne!-ufit:t;te:: Dev Versammlung et::. Än beiden Crieti; wurde Dem Wein 1 . D Bt. e Utba;; zuge-proche:'.. lieber-Die «gelten, welche Diesen Gelogen ■ ■ ..jten, uenchtet'nur Die ivama, und Darum wellen mir liebijr Davon schweigen. 0 diar.tt sich auch cl tteDie-? ZeDetn die ,'trage «»': Wer sind Die ijrai.en-J . . ar.at. Die sich ’d gebtTten, und wie wurden diele ..Xante»'' erst ereebirnt, _;;.n eir.xal Der i:t Adf.varDr Blatt anoge’prodiene Musisch Xbat uuD der .uwemtif che Mob in Wien Die SbdbbaetD gewinneti wurde— Eine «trauen arnw.ltuig int XV. Bezirke. Die am 4. D. M. üatf'atiD. verlief telatio : ... ■ g -.u-D brachte nur ri ctrrifche Än-;>chreirurigeti. - Boucoittruligs-Bcrsuttilitluitgcii.l Wetbnachten naben heran, und fo sinden ' ■ ■::: uueder Ber-amtnlnttgeu der b r i ft 11 di e tt JtatniS t e" zur Boycot- *: r;:::g t.idi'cher <si.■chäftelcnte statt. Ten Beginn machte ein Meeting an' Der , iv ireu mit Dem^rinyn V t e * t e tt » e i tt alo HevreDner, weicher DaO Ibettia :; :■», bet chsdristen " zum ’ounD ’scteltenmale bearbeitete. Zn Die-er 1 Dvu'iuu .: i at sich Der Stand Der Iitige/wie er sich unter agane herausgebtldet; ::.D untre WtnDi'chgräp forseuttpidett bat, nur inchfenie I geändert, als die Br:..D!!t:::::.'.-5.Brv'am:!ilutigen!et>: uidij mehr imiHatbbaufelabgebalten werden. - Tic Bttbokrutir gcgctt Brvsksioreti.» Zm «opluensaale fauD auf-', d. M. ■:: «rrnmer-:- D.e /'tuDentf'.ien Le-eunD dieDcpereiitc*- „(? e v nt a tt t a" statt.! .1;: :-.r El retttav- De: si rsisforeti batte neben einigen PriPäitoeeittett Der Renor i Der techui'chcu Hc.ch'chule,-'Friedrich nid, otS Der einzige Brsi'enor, welcher Der; i; laD..: , -: . 'tuDen.lcn gr'rl.'t war, Play genommen. (Sin Student toieo 'evn auch tu •>:::••; „eteftreDe" anf Die Lüden am Broses>orenn-che bin und •‘•atu-tete, daß :: Die „Liebedienerei nach eben’' -ei, welche Die akademischen ...r .■.tl.-..:e. Der EittlaDttttI in einen «aal zu folgen, welcher au-; der ' D.»,: 1. - beticD.- ber eine gewisse ÄeDentniig für die deutsche «Indenten : 1 ab ■ i’le.tcr biofzssor Hid blieb sie Antwort nicht schttldig. Er verwies I ■ .' : ■’.. eerttge BanD, welche- Studenten und Prokeküoren einigen solle: J i ’ . gerne.matne «treten noch Erkenmniß unD Litdung. Auch er de»; .’tb.i Zenuiu D’r ■bfefefioreu nett einem studentischen Hefte. Xie>'e Ab- ..»■enbctt D-..:d-> ober nur Da! BeDaueru Darüber au». Daß jene einträchtigen , .1t; e:.i--> •enter',ei: IN Der Deutschen «tnDenten chast Wiens bestanden, ■-"vattigen «.tcomimge» ■getrichcir sind, „Cie Solche ano>chließen, welche gleich Durch ,>abrb..i>::e:te im Lande wohnen,, welche deutsch Denken und mit unS »■v'frDen" Xie- und ksine-D-wegi- „Liebedteiteret" sei Der Grund für dao Hehlen >r Bra'''-'ci■:>. :te 'S rerbieit-h: wollen, durch ihr Erscheinen die gerügte 5::r :i.i::-: in ::v «t.r gleid|;a:n zu billigen Zum Schlüsse 'einer ÄnSführnngen tagte der Rector: „Es lag mir daran, die «tudenienschast über meine Anssassuag nicht im Zweifel zu lassen, damit ich nicht zu Bersaminlungen geladen werde, die meinem Wünschen und Seiden widersprechen. Mögen, i» zehn Jahren wieder dieselben Zustände hertschen wie vor zehn Jahren!" Hieraus ciusernte sich Rector Professor Hid. Ein Jurist Rameiis Schalk nahm dann DaS Wort zu folgender Aeußernng: „Mögen die abwesenden Professoren mit den Juden gehen, wir «tuDenten gehen mit unserem Bolle."' Auch der attip<!e„De Mittelfchullehrer H o s i» a n n v. W e 11 e n b o f, der den Christlichk Socialen nahestehende „dettf'ch-ttaliottale" Abgeordnete von Graz, sprach, und zwar int Sinne der Lubokratie, indem er sich für die „Einigkeit der deutsch-nationale» akademischen Jugend" begeisterte. Am folgenden Tage rächten sid) die vereinigten anliiemitische» Studenlen au dem Rector Professor Hid. Xiefer laS wie gewöhnlich von 12 bis I llbr Mittags für Hörer der Maschinenkunde des vierte,,! Jahrganges über mechaiiische Technologie. ES waren diesmal mehr Studenten als sonst zu Dieter Borlesung erschieneti, und der «aal war dicht gefüllt. In Demselben befanden fid, auch fremde Elemente, was Rector Professor Hid, Der seine Hörer kennt, sofort bemerkte. Hattnt baß der Rector den Saal betreten hatte, erhob sid> ein furchtbarer Lärm, und die Ruse: „l'vtetit Hid! Rieder mit Hid! -Abzug Hid!" wurden laut. And), einzetne Ptisse wurden hörbar, so Daß die von anderen Studenten zugleich ansgebrac^ten Prosit Ruse in dem Lärm nahezu verloren gingen. Mitte» . in diesem Trubel nahm Professor Hid ruhig , an seinem Borlet'epulte Plast und »virte unverwandte» Blickes die fdtreienDe Schaar Rach einigen Minute» verließen die Xentonstrauten, Dntdi Die ernste Haltung des Professors eingeschüchtert. den Saal, und nur seine Hörer blieben zurüd. Xie Xemonstranteu satntuelle» sich iiitu im Hose des Gebäudeau und fernen Dort ihr lärmendes Treiben fort, bis es schliesilidt Dem gütlichen Zureden mehrerer Ptofefforen gelang, sie zutn Berlasseu De- Hanfes zu bewegen, ■.tiachmittags um 4 Uhr hielt Professor Hid eine Borlefung für Die Hörer Des zweiten Jahrganges Als er in Begleitung seines Afsistentc» Den Saal betrat, in welchem sich wieder zahlreiche «lubenten, jeDpd) zumeist Hörer Des Rectorö, anget'ammekt batten, erschollen DonnernDe Prosit Rufe. Xie antisemitischen Studenten hauen sid> in einen Wurkel zurüdgezageu und mdtten eine Weile durch Gegeurufe eine «töruiig herpcrzurusen. Dies gelang ihnen aber nicht, und Professor Hid. hielt feine Borlesung, ohne Daß .ein wettet er Zwischenfall eiugetrcten wäre. eXic Crganiiatiou ber '-*(ittifcmitcu im Babcitcr Bezirke.» In Baden fand am 1. d. M. eine Bersamtnluttg statt, in welcher ebenso wie acht Tage vorher in Perduoldodors für die Trgatiifirnng Der Antisemiten im Badener Bezirke agittrt wurde, Wieder war das Erscheinen Lu.eger's angekündigt, uuD wieder glänzte er durch seine Abwesenheit. Baumeister Holler lind ein antisemitischer „Schriftleiter" zogen geiftij Die liberale Preise los, beschwerten ftd> aber auch bat über, Daß ihr Wirken von einem Wiener Antisemtlenblalle als „beimtüdisch" bezeichnet worden war. (Wolf Illlkcr Anklage.) Rach einer Pieldung der „Rarodni Listn" hat die Jitsihiner Staatsanwaltichast gegen den deutsch-nationalen Schriftleiter H. H. Wolf wegen deneii in einer antisemitischen Wählern,'rsantmlung gehaltener Landlags- Eandidatenrede Die Anklage nad) -f Jl»2 des Slratgelestes erhobene Es ist zwar Wol' nicht gelungen, ein Mandat zu erhäschen, vielleid)t strebt er aber auch nur. gleidr ^feinem große» . Herrn und Rieistcr, das „Martmsintn des nüchternen >s>a!tineus" an. Wie würde sich Bergani freuen, wenn ihm dies gelänge'? iGücr c»»kr:l «chilkliicr.» Xer Cbitiann des Gewerbegettossetii'chasts Verbandes Brnd a. D. Mur, Herr Eder,, hat vor Hurzein folgende HntiD inachung an die G e tt o i i e n i d) a f t e n T ber st eier markS erlanen : „In Bezug auf mehrfache schriftliche Anfragen, weld>e an mich betresis der verlenittDerischen und lügenhasten Angriffe ans unsere Partei und deren Hiihrer im S ch n e i d e r ' f ch e n Blatte .Wiener Gewerbe-Genossens ch a s t s t a g° am II. Tctober d. I. gemacht wurden, beehre id) mich 'Jiad) siebendes zu antworten und bitte alle Genossenschaften Tbersteiermarks, dasselbe zu berndsichtigen, «eil dem Ersdieineu deS .Wiener Genosseitschaslstages' macht Herr Schneider in demselben seine perftedten, anonymen Angriffe auf nn'ere sestgeschlossene Crganifation und bereit Hiihrer, ohne daß derselbe seine Angriffe mit seinem Mameu gefertigt hätte. Und warum macht Schneider ans unsere Parteiorganisation perftedte Angriffe? Weil dieselbe erstens eine dentsd)e ist und zweitens, weil sie seit ihrem Bestände schon Erfolge auszutveifen hat, und verweise ich nur ans den abermaligen Tringlichkeitsantrag, betreffend die Gewetberesorm, am 2!». Tctober d. I. vom Abgeordneten H o s nt a n tt p. W e l l e n h o s, welcher Erfolg nur hauptsächlich - ans unsere Action vom '8. September zurüdzusühren ist. Auch sucht derselbe durch falsche Settunciationen unserer Parteiführer und deren Preffe das Mißtrauen der Gewerbe treibenden gegen dieselben ztr schüren, um ans diese Weise unsere Organisation zu lodern oder zu zertrümmern. Sollte» wir nur das geringste Mißtrauen gegen unsere Führer-empfinden, so werden wir gewiß die Ersten sein, welche gegen dieselben öffentlich Stellung nehmen. Bisher haben wir nicht die geringste Ursache hiezu und können daher die Herren Gewerbetreibendett unseren Führer» und deren Preffe, so nnangenebm die« dem Schürer Schneider auch sein mag, DaS vollste Vertrauen entgegenbringen." Auch Antisemiten, die nicht jedes An,