Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 192 (8.12.1895)
- Date
- 1895-12-08
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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'Ilr. I!'2 j reit» Statt. ' feite' rr niedersten Clasic: die reichsten BanquicrS AlerandrienS, die Maladote j trachtet werte» >vnd" Wie >na» fiel». vollzieli sich der Gas-rmtgs unt dieser Handelsstadt sind fast durchweg Griechen, sowie die Krämer, > .nlänmgSvroecß unter den reaeiionären Paueicn »>»erziennich heiligen Ttannes Bictualtenhändlcr in allen größeren und kleineren Stabten cbcnsalls j Zeichen, und c-5 ist leiuedweg? ie andgema.si:, cl’ füll die Radaii-Aiiii'.-iiiiien ' Griechen sind. Die zahlreichen kleinen Wucherbanken, welche dein Weltall? werden auch nur mit einem Tbcile. der cliemaltgc» Grüne, dauernd vertragen zu enormen Percestitcn Geld auf seine Ernte vorschießen und die seine! tönnen. . ' - ' - wahre Landplage geworden, sind ineistcnthcils in griechischen Händen. > Tic mitlclloS nach Egypten kommenden Griechen beginnen ihre Laufbahn gewöhnlich als CafctierS, werden sodann Restaurateure, Kauf leute oder sic treiben Schleichhandel, um als Wucherer und Banyuierö reiche Leute zu werden. Die Griechen in Egypten sind sowohl von den anderen Europäern als von den Eingeborenen wenig geachtet, ja . sic werden ihrer Geschicklichkeit halber, ’ diese auSzubculcn, von den | IcllahS geradezu gehaßt. Sie verdiene» das harte Urtheil, welches der j Pcrfasicr von .I, Kgy|itc et 1,'Emope' über sie spricht: .Die Grieche», I welche daö Mittelmccr überschreite», um auf kosten der Egyptkr ihr Bcr.mögen zu machen, sind nicht die besten ihrer Nation, sie zeichnen > sich durch Lügenhaftigkeit, Betrügereien, Beruntrcuung, Mangel an | Würde und durch Frechheit aus Es gibt ohne Zweifel individuelle! Ausnahmen, aber teinc^ui^Bezug der verschiedene» BcrufSarten, sie j flößen allen Europäern, welche sie eingehender bevbachtclcn, cntschie-! denen Widerwillen ein. -Bor dmi Tribunalen machen sich die Griechen j durch die rafsinirtcstcn Chicancricn, durch untergeschobene Verträge, i gefälschte Urkunden und endlich sdurch den gemeinsten und erbarmnngS- \ losesten Wucher und durch den Mangel von Achtung vor dem Besitze! Anderer bemerkbar/ Griechen und Malteser machen sich den sträng : streitig in dem Eontingcnt von Mördern, Räuber», Dieben. >)« Eairo j und Alerandricn werden Spielhöllen von Griechen gehalten, in denen \ eS notorisch lebensgefährlich ist, Gewinner größerer Summen zu sein. Geradezu empörend ist der Betrug, den die griechischen Wucherer, cicl; seltener jene anderer 'Nationen, an dem armen egyptischcü Bauer auSüben.. Durch die während der Regierung JSmail Paschas sich vollziehende Berarmung der FcUahin sahen sich diese gezwungen, Iheils tun die Steuern.zahlen zn können, theilS um Saincn^zu kaufen .oder die zur BewäsiernngSarbeit nothwendigen Tbierc ersetzen zn können, 1 Baargcld anfzunchmen, welches ihnen zu einem Pcrcentsatz von oft .7 bis b Pcrccnt, durchschnittlich aber Pcrecnt pro Monat geliehen i wurde. 'Nicht zufrieden mit l:esem schwindelnden Zinsfüße, trachteten; die Wucherer, ihr Geld durch Eastitalisirung der Interessen zu vermehren. Zahlte der Fellah am BcrsallStage seinen Wechsel, f nicht, so wurde ein ncttcr aus die schuldige Summe plus die Inter § eisen ausgestellt und für Alles wieder die crorbitantcn Interessen ge- 1 rechnet. Durch dieses Bcrfahrcn wurde das urivrünglichc Eapiial im - Laufe von fünf Jahren verzehnfacht; der irestah, unsühig zu zahlen,! wurde anS seinem Grund und Boden herausgejagt und zum Bettler j gemacht Tic ^andere Art van AnSbeninng des Bauers bestand im Ankauf der zu erwartenden Ernten, für welche, obwohl int schriftliche» ' Vertrage die Marktpreise zugestanden wurden, . ein weit geringerer; Betrag wirklich gezahlt wurde." 2lus antisemitischen Vereinen und Oer sannnlunaen. j <Ll»rmztichc».> Es fliegen mancherlei Zeichen au», welche daran' schließen! .asienj daß es in deinjcnige» Lager, wd bisher die lautesten u»c geheimsten Inrwrcchcr der Antiiemiterci geiest'en, i» der nächsten Zeit noch viel iinini; geben wild. Tie antisemitischen 'Wahlsiege in Wien haben, wie ein Gahrston j au' diese .Hreife gewirtl, aber die wechselseitigen Bezielntiigen sind noch ganz; ungeklärt. Bei einer der neunzehn am November nattgetnndeue» antij 'emitischen Bersamutlungen siel der Iudensiämmling Tr. Pötzer — der bislang j stets den TyvuS des clericalsten Antisemitismus dargesteUi batte — dar „Bat erlaub" in der gehässigsten Weite an und rcclamine kür leine GesiiiuungSgenos'en die neuerstaudene ,,.H atbolifdie BoltSparte i", deren Entstehen er dem neulichen Wiener Besuche des deutschen Eentrnm'ührers Tr. Lieber zuschrieb. Beide Aeußernngen Porzer'S fanden prompte Eominenrarc: Abgeordneter E b e n b o ch ivar bei den Bersaminlnnge», bei welchen inan ihn etwartet batte, nicht erschienen, und fast gleichzeitig verständigte die „>t al tho tische BoltSpartei" die Antisemiten von ihrein Beschlüsse, „daß bei aller Sympathie sür daS^chrisllich sociale Programm^ die .tiaihölische BoltSpartei' nicht in der Lage sei» werdet mit der Lueger-Partei zusanunenzngehen, ivciin die letztere ans den Wegen bebarreu sollte, welche sie nuiiinehr einzuschlagen sür angemessen erachtet hat." TaS „B a t'e r l a n d" seinerseits erwiderte auf die Ausfälle Porzer'S: „Wir wisse» nicht, welche ehrlichen Gründe Tr. Po.rzer bat, unser Blatt anzurempeln. Wenn er sich damit zu poussiren glaubt, so möchten wir ihm doch ingeneigte Erinnerung bringe», daß er als Indenstämmling bei seinen neue» BniideSgenossen nicht viel Ehaneen des BorwärtskvmmcnS hat und vom Standpunkte des Raceii-AntiseinitiSmuS immer mit Mißtrauen betGiitc lehrreiche Geschichte des Baron Tivauli., Im ,.x a i b e l i > ch.c» -H a n d e l S e a > i n o" hielt nciilich Baron .£ , p-a u l, ciiTe Rede mit erzählte nach einem Berichte der.„Replispost" folgende „lehrreiche" öfeid-idnc: „.Hatier Friedrichs II. mächtiger/stetchslanzler Peier de PuieiS wurde gestürzt, au'des sian'erS Best'hl geblendet und tu,.den sterter gswortem Großes lliiheil lam über das Reich in Folge der falschen Polin! Friedrichs. .Znt Unglücke lam er eines Tages ans kaS Tchloß. tu desie» Berließ der geblendete Kanzler'schmachtete Ter .Nasser ließ ihn hole»: ,Peier, du hast mir >o ost vorzügltlh gcralheii. verg/ß daS dir zngesügte Unrecht »nd teile mich noch einmal mit dem'», Rache' — .Herr, bekätupse den Papst, untetdtüäe die natholilen, stüpe 'dich aus deine fremden Töldner,' — Und Friedrich befolgte den Natb, der ihn in daS ärgste Unglück brachte, der ihm die Treue feiner Unterilianen raiibte.- AberinalS ließ ' .Haifei- Friedrich den geblendeten .Kanzler hole,,: .Schn.!,'. du hast mich lchmäh.- lich angelogeu, dein stkaist war ein TenfelSratb.' — Ta.anantworirte Peier de Binei«: .Tn hast mich kcrvetlich, idi diä, geistig geblendet Ta« „Fr.-mdet! blait" beschäftigt sich nun mit eincin Atissprnche de» Baron Tivaiil, in der Ti billig deS AbgeordnetenKanies vom 17. Noveml :r, der sich gegen ,ede „Herabzerrnng der geheiligten Autorität der -lrone den Parieientainpf" richtete, verweist dann mt« die von demsetbeii Baren i:n, 'dien L.endete eastno" z»,n Besten gegK-cne <f>e-<t,i,ch!e nnd tnüv'l ane'd:eielbe nachsteb.-i-.de Beinerlnng: ..Lehrreich' ist Z^e Ge>ä iäne allerdings, und vornebnilich bel -bü sie lins 'über die Echlhril .teuer Entrüstung im Parlamente, die dann ,int per trauteren .greife eigener >'sesi,iii»ngSgenef>ei, tu 'anlien Aiieldc'.en übe, den. aiaifcr. denen Naibgeber und dene» Unteuhanen greift. Tollte» sich die zerren noch eiinnal tim ihren Eiiivörnngen über die Enibeziebiing der N'.oi'.e in politische Tisclissionen hervortvagen, wird man sie an« riS leb eiche Geschichtedes Baron Tivanli vertreiön. die nnwilllürlich an jeiif Aeiißerniige» eriimeri die an A'iii gleichen 17. '.'ivvember eine io veruichlende Alard r feitenj des IristizininistcrS l''rasen Gleispach erfahren haben." . i Tas ewig Wcibliilic. Tie Pariser ,,'T.iinen i-er Ealle " b,'i-en diiich ihre temperaineiilvolle Theilnahme an den Ereignissen der gtoßeu üfevolsttioii nä' säst noch mehr Beriihnnheit perfchan! als durch ihre sonstige» ,,ge'äll>ge>!': . T-naliialeii: zeilgcnössischctSeschichiS'chreiber erzählen,daß diefeS zarieGe-chlechi, von einem voliliiche» C^etüc-sfitfel uolllommen berauscht, wie die?>nriei> die pollti'chln: 'Tv'cr zur lflnillotine begleiielen, daß ne'rlbst bvr den Richter gestellt, sich, in CVi schamlosesten n»d nnstälhigsten Weist' beiiahme», tu der Eonriorgeric ihre Mn gefangenen bespieen ntid perbettnie», aut Pranger' mastnrl'inen n.! ,v. Taß Wien auch eine ähnliche Torle,vo» ,rraii.',iSver!c-iie»! ai, ivnßte inan bisher nicht: wälnend der Revolntiost tut Jahre l'l'- waren die .,'Bariirtide»- Tchönen" zwar eine -ganz belantne siignr, aber es war ebeit'o belannt, daß' tiefe ..Barrikaden T une»" fast ausnahmslos Prosti:n>r!e waren. Seither inerlte man von pollli'chcn Megären in Wien keine. Tvnr: et", der Avii>einiipSmuS, dir ja nberhanvi 'ie Eanaille int '.''-'ettstchei! ungeahnter Blnlhe .ens:v:ckelte, brachte auch'eine Torte von I-ranenzimmen: an dre Tberfläche. ivdlche fönst wohl An'vruch erhcben, von der Tilleiivvlizei nnbehelligl bleiben, -aber tie* unter das tiefste Niveau der Weidlichlen derabstnten. 'edald di.- aiitifeiitinsche. Harangue an «br T hr schlägt. Äan-batte leider schon nr lange in allen l'st'feUschaflSkreiseii lSelegenbeit. zn deoba.hlcn, wie veceebend. nnd verivildernd dev 'AnliscinilisnniS gerade auf das weibliche-Geschlecht wirlie. An'' offener Tiraße und naäi hat sich daS Laster aber ein dieser. Tage gezeigt.. Am d feilte tu» 4 Uhr NachmiitagS beim „Swododa" im. Prater, in ement sonst den , ,Z-ü»s dlrenzer Tanz" getvidineten Locale, die tu eile anli!.'miii''che IZ-rauen Versammlung stallsinde», lonnie icdcch nicht dnrchge'nl»-: werden, weil die Er Wartung, daß es ..eine Hep' gebet: ^tvetde, eine .größere Anzahl von HZ-rauen znm Beiu-che tiefer Ber>äiiu»lu»g'veranlaßt Hane,- als es die Raninvethällniiie e'.laiihicii. AU der Saal bereits dicht gc'üut ivtlb, erläncn Tr. Lueger und 'wnrdc natürlich von n-iniii Berebrertiinei! init ^ochinstm und 'dandtüs>en empsangeii. Trei „Tamen" als Tevn!ai!on begtüßlen ..nnfereil Xarl" nnd überreichten ihm ein großes 'Netlenboiianet mit. weiß-rotlie» Tchlei'en. Sodann betrat der große Mann die Tribüne, um eine Ansprache au. den weiblichen Theil des „Balles von Wien"- zn richten, maßte -aber vom RegiernngSvertreter kie büchst detrübsams Mittbeilnng entgegcnnehmen, daß die Beriantmlung ipcgcn des zu großen Gedränge-? ausgelöst werden mlisie. Ter BoUStribnn protostine gegen diese Bcrsngnng, tvaS den Berlreicr der Behörde ielbstverstandlich uiän hinderte, seines AinteS zu walten. Ter RegierungSvertreter erilarls mit lanter Stiimne die Bersaisimlniig sür autgclöst und forderte die ierancn ans. den Taat zu oerlaiscn. ES entstand nun ein osjenbar mit Borbedacht veranstalteter Spectakel, der säst eine Biertelstnnde dauerte, bis endlich Wachleute reanintt wurden, welche die amtliche Bersügung, den Saal zu raumen, durchtübnev. Tie Frauen warteten dann, draußen ans „untern .starl" nnd bobcn ihn buchstäblich in den Wagen Ten ilutschboct" schinückte daS ihm dargebrachte'Nellenbouanel. Die Abfahrt erfolgte unter Hochrusen seitens ieiiter 4'ercbrerintjen. Sodann ■> *