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Freies Blatt · 1895-12-08 · 192 (8.12.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
192 (8.12.1895)
Date
1895-12-08
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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/ Nr. 192. Freie» Blatt. Seite!'. stände« bar sind, suche» de» Meister StampigliuS von ihre» Rockichößen abzuschiitteln. (Eine unbeaösichtistte Wirkung.) In Frankfurt a. M. hat sich jüngst ein im Dunkeln vegetirender antisemitischer Verein a» da» bücht der Oeffcntlichkeit bervorgewagt und mit Unterstützung de» Berliner „D e » t s ch b u » d e f>" ein „Deutschbund-Adreßbnch für Frankfurt a. M." heranSgegeben. da» unter gröblichster Beschimpfung de» Jndenlhl,,»» für die kommende Weihnachtszeit da» Schlagwort: „Kauft nicht bei Juden!" einbürger» sollte. Zur Beförderung diese» Zwecke« wurde in dem Büchlein der Antisemiten eine sehr große Anzahl von fogenannten deutschen, d. h. christlichen Geschäfte» empfohlen, deren Inhaber dadurch ohneiveiler» zu Gesinnungsgenossen der Antisemiten gestempelt werden sollten. Die Wirkung, die diese Beröisentlichung gehabt hat, war adergerade da» Gegentheil von der, ans welche sich der Äntisemitcnverei» Hoffnung gemacht halte, den» die Franksurtcr Blätter wimmeln seit einigen Lagen von Proiestkundgebuiigen derjenige» Firme», die in dem Adreßbuch enthalten sind. Mit Entrüstung wird die Insinuation znriickgewiesen, al» ob die Frankfurter Einwohnerschaft mit de» Zielen der Antisemiten irgendwie ininpathisiren könnte. An verschiedenen Stelle» der Stadt liegen/außerdem b'isten 511111 Einzeichnr» für die im Adreßbuch anfgesührien Firmen ans, in denen gegen den Mißbrauch der Namen nachdrücklichst Einspruch erhoben wird und weitere Schritte Vorbehalten werden. Ter Frankfurter christliche Handels- und Gewerbestand hat, dal muß zu seinem Ruhme gesqgt iverden, den aus seine Ehre und ans-seine rechtschaffene Gesinnung aii» dem Hinterhalt nnternommenen llebersall glänzend abgeschlagen. Aus antisemitischen Blättern. („Christliche" ZeiluuftSlkcliirc.) Drei Tage, nachdem die „Deutsche Zeitung" durch den Beschluß von neunzehn Anliseinilenversammlungen in die lüste der „empfehlenswerthcn christlichen Blätter" ansgenominen worden war, schloß sie ihrer'Ausgabe^cine „Beilage"-.«», welche „Ter Alikatholil" betitelt war. Tie Sprache, welche in.dieser „Beilage" geführt wurde, mußte bei gläubigen Katholiken und namentlich bei Geistliche» im höchsten Grade Aergerniß erregen; es hieß daselbst 1 „Wer an die Unfehlbarkeit de» Papstes nicht glaubt; wer die in der römisch katholischen Kirche allein herrschende Hierarchie verwirft und an deren Stelle die Alle» in der Gemeinde gleiche« Recht zuerkennendc alrkirchliche Ordnung wünscht, um dadurch den Elericalismu» (Pfassenhcrrichasi) unmöglich zu machen; wer seine Sprache liebt und deshalb nicht in lateinischer, sondern in deutscher Sprache zu Gott bete» will; wer sich weder mit einem Heiligencultus, noch mit Gnadenortcn, Wallsahrlen, Scapnliren und Rosenkränzen befreunden kan»; wer das .Geschäftlicheaus seiner Kirche eutserm und an Stelle der Ltolagebühren ein bestimmte» Einkonime» (Gehalt» dem Priester zngewiesen sehen möchte; wer Ls wünscht, daß der Priester auch in der Familie mit gutem Beispiele seinen Angehörige» voranleuchtc, sich mit seiner Gemeinde in Freud' und Leid eins fühle, also eine legitime Ehe eingcheu dürfe (von Christus nicht verboten, sondern erst viel später eingeführt!), »m nicht auf die iogenannle Pfarrersköchin angewiesen zu sein; wem jede Unduldsamkeit, Perdaiittnungsinchi und Verfolgung, weil unchristlich, widerstrebt; wer den Priestern jegliche Einmischung in weltliche Angelegenheiten (Parie-Hader, Politik) entzogen — kurz die Kirche wieder ihrer wahren religiösen Bestimmung zugeführt sehen möchte, ist altkatholisch. E» gibt Millionen Katholiken, die diese alttatholischeu Grundsätze im Herzen theilen,- aber doch nicht Allkatholiken sind, weil ne — wie sie sagen — den Glaube» nicht ändern wolle». Mil Verlaub! AlS im Jahre WO da» Togma der Unfehlbarkeit verkündet und den Gläubigen vorgeschriebcn wurde, diese bis dahin in dex katholische» Kirche nicht bestandene Neuerung anziierkenneu da protestirle» viele tausend überzeugungrircuc Katholiken dagegen und bildet?» die sogenannte .alikatholische' Gemeinschaft. Ist daS ei» Abfall von der katholischen Kirche? Kann daS Festhalten an de» von Christus gelehrte» Wahrheiten,- los gelöst von alle» späteren menschlichen Znlkaten, al» ein Abfall überhaupt ge deutet werde»? Gewiß nicht! Seien wir doch ansrichtig! Kau» da» ein Glaube sein, wovon da« eigene Her; nichts wissen will? Aufrichtig ist aber nur der, welcher seine Ueberzeugung nicht versteckt, nicht bloß mit leeren 'Worten zur Schau trägt, sondern offen bekennt. WaS nütze» zündende Reden gegen den Ultramontanism»», wen» man sich dabei ruhig von einem UllKimonlancn traue», begraben, ja die eigenen Kinder von demselben unterrichte» läßt. Gottesdienst in der Muttersprache! Bo» jede», Einstusie befreit? Priester, Söhne de» eigenen Volke»! Sind -da» nicht schon allein mit Freude zu begrüßende Reformen, nicht die Grundpfeiler einer sich selbst vertvaltenden, unabhängigen Bolkskirche?" Wäre die „Deutsche Zeitung" »och ei» liberale» Blair; wäre sie »och die „PosanneJsraels", wie sie einst von den Antiseinilen titttlirt tvnrde; wäre sie — um ferner in dem Jargon zu sprechen, de» sie jetzt pflegen uinß »och eine „Judenbnrg", deren Pertheidigung »eben einem Tr. B a r e n 1 l> e r einem Dr. Reitzes anvertraut war, so hätten wir wieder einen jener küustlichen „Entrüstung«stürme" zu gewärtigen, wie sie die aulisemitische Parteileitung zu veranstalten liebt. In „Entschließungen" zahlreicher Vereine und Casino», in Kauzelrede» politisirender Geistlicher rc. bekämen wir dann wohl zu höre», daß die „Inden" unsere religiösen Gefühle verletzen - und unsere Priester auf da» Empörendste in d:n Koih .zecken l es würde wohl auch der Ruf »ach der Polizei und dem StaatSanwalie an.vielen Zielleii laut werden. Allein die „Deutsche Zeitung')- ist derzeit eine „christlich- Schwester", und da versährt die in S p i tz e r - W c i ui a r verlörperte jonrnalißriche Jngnisilion mit ihr fehr milde. Ter eben genannte Arier sindet, daß die „Dem-ckie Zeitung", die Nenbokehrte, „mehr Talt" nöthig hätte, und führt ibr in der „Rcichrpost" zu Geinülhe: „Mil großem Bedauern fanden wir Sonntag iu der .Dentsche» Zeitung' eine Beilage, welche eine Anliindigung d» Altkatholil cnihiclk, die von den gröbsten Schmähungen gegen Institutionen der katholischen Kirche überfloß. In eniem Augenblicke, wo durch Versamintungen^in welche» lischt wenige katholisch gesinnte Männer »lilslinimleu, die .Deutsche Zeitung' dem christliche» Volke empsolsten wlirde, ist es wenig taktvoll, die Gefühle dieser opseiinstligsten und lhalbereilcsteii Rkilstrencr in solcher aussallcndcu Weile zu beleidigen. Wir wissen wohl zu nnikricheiden zwischen der Bedeutung k-sse», wa» in der Zeiinng selbst steht, und wa» in einer Reelamebcilage enthalten ist, und'daß die Erwerbung - letzterer der Adininistratio» obliegt. Indes;'glauben wir doch, daß es einer wohl »leinenden'Retaclicn in Znknnil leicht wäre, solche Mißgrifse im Jnteresie der ungetrübte,i Einigkeit der christlichen Berötlerung zu vermeide»." Wie lauft nnd ' wohlwollend nachsichtig" das klingt! lind während.die „Teniüs-e Zeitung" — „wenig taktvoll" verfuhr, brachte ei» andere», ebenfalls dem christlichen Volke cinokohlenes Blatt eine Kundgebung, welche im germanische» Meie» einen Gegensatz zwischen „christlich" und „rein" eonsirstirle. Tie „O st b e n I s ch e Rundschau" ilfeilie "ohne ein Wort der Mißbilttgung Irolgendes mit: Der „B n n d der G e r-in a 11 e n" nahm zur .nennzex.tinnNg -einer Richtung eine» vom ObinauU angeregten Be>ch;üß.inirag an. Tei»-e,ben znwlge vcrwabrt sich der Bund gegen die Behauptung, als ob er christlich gerniani-'che Zwecke versolgen würde, lind betont, das; ilnu rein germani-che Ziele vorschwebeu! Tic „Beilage" der „Dent-'chen Zeitnng" und die vorder „Ostdeutschen Rnnd'cha»" veröskentlichtc Verwahrung zeigen neuerdings deutlich-, daß man in.anii-emili'che» HebverianiinlniigeN da» Clirislenthnin an» »anenne gpgen die tziberalen nnd -zu - GeschäslSzwecke» schnöde »lißbranchl. sGedaukenloscs.s Jro, der gewe-'ene Zucke,kiv'elbäek-- . ilunmehrige Schreibluecht Schönerer s und ilenerkieienc?andtag»abgeordnet« für Eger, wird dem Club der „Tent-ch Bolklichen" nicht beitrein. 'Warum?, Weil die „Deutsch Bolklichen" in den Auge» Schönerer'», dessen- Eigeumann bekanntlich Jro ist, nicht „unbedingt" sind, folglich l'iberhanvt nicht al» „vvllli-ch" angesehen werden lönnen. Masaidek schrieb dieser -Tage in der „Ostdeutschen R-und schau"; „Conleanent sind nur die Philokophe» und kd>e -Narren." Nun couscanent ist Schönerer; von -einer Pbil ovbie. ist iin» nick»« bekanuk.;Z»r Bkrichlerstattung der '.'lntiskniilcnprkssc.; Da; „D ev<-'che Boi!»- bl^ikt" sieht sich beiniiisigt, folgende Berichtigung des D-- Aleraudee Weierle al,,»drucke»; „ES ist unwahr, daß ich Bör!enge-'chä>te betreibe, und es ist unwahr, daß ich Börse,igei'chäiie durch einen Makler RamciiS B Blum belreiben laue, da ich eiueit Makler tiefe» Rainen» gar nicht kentke und mich an Börse»- geichakie» oder andere» Sveenlaiione» nienialr. n-- > - mittelbar noch unmittelbar, beiheiligt babe. E» ist ferner unwabr, wie in Ihre», Blatte bebanvter ivnrbe, daß ich iväbrend der lernen Ber-enderonre» oder ivann imuzer sei es l.">ooOO, sei eS 100 0>-0 Gnlte» oder irgend einen Betrag "-Noten baue.-' Es gehört die ganze Un'verfrorenlieit eine» Anli-'emiienblancs-dazu, eine -'olche Berichtigung mit einer Estosfe zu ver-cbe». wie sie dein „Deutsche» Bollsblatt" angemessen erscheint, welches -chreibl: „Wir bemerken'dazu, saß nn-cr Pester ^Berichterstatter in der sraglickien Corre-'pondenz hinsichtlich des Dr Weierle lediglich tviedeegegebc» Hai, li-aS inan sich in dortigen rolilischen niid sinaitziellen Krciie» darüber erzählt. Entspricht daS den Dbat-'achen nickn. um io bester;ih Herrn Dr Wekerle." iTas paßt ihm nicht.» Der Nachkomme eint» Beionc-'er Adel»geschlechte», der in 'Galizien geborene llrteploiie Bergani, ist imj der Bndapester Ge- >'ell>'chask kjir Archäologie n»d Ambrovölogie böchlich nn;n'--i>-den. Da» ist leichi begrci-'lich. Diele Ge-'ellichasl hielt telNbin unter -an Präntium Franz v. PuIszkv'S eine Sivnng. in welcher <">z.i N ,1 g u die vo» Dr. Bela Posta a»sgcdeckleii Dörieler aliniagvari-cheu, ans Agrasten best-'heiiden Funde vorzeigre. Eine dieser Agrasten iveist aber ein Diagramm aist, welche» als Beweis dafür z» betra,fiten ist, daß bei der Landnahme jüdische Krieger lEhazaren) inirgeivirki buben. Wie >oll -da »och i» Bntap.ster Correlvondenzen deS Ver'gaiii-Blatie» von „Ha'eiisell-Eimvandereril",. „Fremdliizgeu" :e. ge iprockieii »-erde»? - «Vom Grazcr Vkniani.) Herr Adolf Jati-, ei» >--»!>erer AdministrationSbeaiiiter de» Herr» Feichli.nger, tfieiit den, „G b a z e r T a gb l ä t t" brieflich - znm Z-vecke der Veröüenllichung ''olgendeS Erlebnis; mir „Al» ich eine» Abends nach Hauie ging, begleitetemich F-eichlinger, und bei Nr. ."> Rade»k»straße aus de,» Trottoir'machte ich ihiu Vorstellungen, daß wir („G r a z e r E x t r a b l a l t") »»bedingt Annoncen von Jwaefit/n aninehmen müssen, da wir a»s der ersten Seile für das Bild täglich 10 — 1 fl. Auslagen und vom Jnscratentheile keine Einnahmen ballen. Tie iiraeliiiiehen G-stckiäsl»- leule, sagte ich, infer'iren, während.die Schuster keinen Kreuzer hergebcn können. Darauf erwiderte er mir folgenderweile; iJetzt Halle"^ch mir dicken <lch-werbeirerbe»de»), und wen» eS nicht gehl, verkaufe ich da« Blatt eine,» Inden.'" Ehrenmänner sind sie Alle! Ein besonders würdige» Exemplar ist

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