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Freies Blatt · 1895-12-08 · 192 (8.12.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
192 (8.12.1895)
Date
1895-12-08
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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.freie» Blatt. Nr. 192 »eite 41. Brigave ab und berlheitle gleichzeitig eigenhändig eine Anzahl Eiserner sireuze an diejenigen Soldaten, die sich während dieses Feldzuges besonders hcrvorgcthin hakten. Bei dieser Gelegenheit erhielt auch Unlerofneier Bibo das Eiserne Kren; < cS wurden neun im s7. Regiment gegeben) und hatte Se. königliche Hoheit die Gnade, sich in berablasseiidster Wcisc mit ilnn zu unterhalten. Es war nur eine Stimme in der Compagnie über dessen ruhmvolles Verhalten und wurde dem Bibo diese Ehre als wohlzukommend von Allen gegönnt." Wir stellen cs dem Vergani-Blatte sowie der gcsammtrn Antiscmitcn- ' vreüe anbeiin, von dieser Notiz den ausgiebigsten Gebrauch zu machen. '.'Nebenbei bemerkt, muß cS auch das Stöcker'sche „Volk* zugeben, daß im deutsch französischen.Kriege 4i!4 gilben das Eiserne Kren; erhalten haben Ein Reuiger.' Aus Jever in Oldenburg wird der „Allgemeinen Zeitung deS Jndenthums" berichtet: „Vor einigen Jahren wurde nächllichcrwci'e in unserem Städtchen eine die Synagoge umgebende Mauer fji'r in ihrer ganzen Vange gewaltsam eingerisien. Mau schtieb die Thar aut Conto .jugendlicher Flegeleien'. Trotz aller rolizeilichcn 'Rachsorschnngcn war eS.nicht möglich, die Thäter zu cri:i!:rel:t. ebenso erwies sich das Ausielzcn einer Geldprämie als crkolglos. Was d:e dilughcit der Polizei nicht zustande brachte oder gar der Zufall, das erzielte .ein gefoltertes und schwer belastetes Geirineu'. Jetzt, nachdem die Thar schon läuqn der Vcrgcstenheit anbeimge'allen war. trat bei dem hiesigen jüdischen Z.'ehrcij ein Briet' ein, in welchem -üch ein junger Geistlicher anklagt, die Thät als Student ei.'sr r.riibl zu haben. Auch seine Mitschuldigen gibt! der.Geistliche au. wer. :i > einer bereits verstorben fei und der andere in Südamerika . e. und bittet schließlich um Verzechung.- V-enn die Rene auch etwas ’ia: sich eiugc'uu: bat, so ist doch der Mannesmnih, mit welchem der Vsiii'.er-'ein einstiges' Unrecht wieder guizuiuachen sucht, anzuerkenne». T:e eibitene Belzeihnug ist ihm den» auch geworden.". Tic Llavlbcrorvlltlcnwablcn in Leipzig.' In Sachse» ifr der Ar.Geuntisuius in vollem Rückgänge begriffen. Bei den Sladlverord- .iereuwahten m Z'eirzig haben die Antisemiten eine schmähliche Riedertage erlitleu Von 1.4 >7abgegebenen Stinimcn erhielten die Soeiät- Telnctraren ^22^, die conservaki» nationalliberale» Carrellpartcien 42>!J. d-e Bnrgervartei '>.4.4, die Antisemiten ."»4t» Stimmen. Tic Sor:al-T.-:!:orra:en eNangren sechs, die Cartellparteien zwei Mandate. Sächsische ZustlZZIlsläuSt. Ein polnischer Jude, erzählen reichste:! "che Biaitel» brachte beim Tbcrlaudesgerichre zu Dresden gegen il:r! .:I einen Recurs ein. Es vergingen Wochen und Monate — Jab. : keine Ctledigung kam Ter Jude begab sich an Trt und S:e.le und ftagle, wie cs uni seine Angelegenheit stünde. Es wurde gror bedeutet, daß er eius-ach warten müsseTÄvieder verstrich eine aeranme, Z-:t. Ta ging der. Jude nochinals hin und bat bescheiden Austragung seiner Sache „Zum Teufel noch einmal," schnauzte;!"t der kuneridnitendc Beamte an, „was wollen Sie denn, schon iv'.edere' <'sianbdv. Sie, w:r haben nichts Eiligeres zu thun, als gleich J>bren esi enr-s zu bele.ndetn i ..Aver bester Herr ^kichterlcben, de Tache dauert schon über e Jobr!“ — „'Jimi, so werden Sie höchstens noch ein Jahr warten llebrigens schauen Sie, daß Sie weitcrkommen, ieh kann Inden nicht .eiden." — „Herr von Richtertehen, was haben Ihnen g::lan de Inden?" — „Tas wissen Sie nicht! ' Unseren Eb. sins haben sie .z.'kreuzig:!" „Cioi. Ru, härlj der Christus re.r-rrirt an das 'Tbeeland>.sgerich: zu Tresden, i'o würjd' er heute noch BarUivlemu Saiiil Hilairc über die Znücuvrrfolgungtn.) Ter ror -<iui;;.*: -::i hohen Älter von '.ü» Jahren verschiedene ausgezeichnete «'si'lehrre uirt Staatsmann^Barthsleiiii! Sainr-H'.laire schrieb vor einigen Jahren an I. Singer, den Verfasser der Schrift „Sollen die J.Een C' r esieu werden?" .'inen Briet, in dem er sich mit großer -rar:::e sin. d:e bedrängten 'Juden aus'vrach Rachiden der greise Staarsina:::: die aufgeworfene Frage in. der entschiedensten Weise Der« bat::, fuhr er fort: „Ich glaube Ihnen gegenüber! im Namen der Vbi'.osi-pbi: diesi' Ansicht aussprechen zu können, diel ich nicht erst .mi!'di angeno»:nr:n und schon oster als einmal öffentlich auSgesi bade. Was die gegenwärtigen Verfolgungen anlrngl, so müffen e die'e ::::! demselben Mnlhe ertragen, mit dem sic schon ree:: grau«amore Verfolgungen ertragen haben.. Tiese schändl.ä' n Baibarcitit '.'e rden vorübergchen, und es wird ein Tag kommen, I'.e die Jsiacliren überall das sein werden, was sie in Frankreich sind, Bürger w.e a..e Anderen, und wo sie mir ihren Mitbürgern leben werden, wie Ka:'e4ik:n und Vrvtcstanren nnkercinandsr leben, unter den'-elben Ge'etzen, welche sie in gleichen: Maße beschützen trotz der ieligiösen Memungsver'chierenheiten " -Allliscillilll'cht Volkslieglücklinq. Aus Kiew avird uns geseiiiicben' E:n ganz inerkwürdiger Fall Hai sich dieser Tage in .Kiew s S zugctragen. Der durch seinen WohlthätigkcitSsinn allgemein bekannte hiesige Zuckerfabrikant Lazar BrodSkij hat einen Betrag von 500.000 Rubeln zu dem Zwecke gespendet, um eine Bant zu errichten, welche den kleinen Gewerbetreibenden und Geschästslcuteu ohne Unterschied der Confession zinsfreie Darlehen gewähren sollte. BrodSkij arbeitete selbst die Statuten der Bank aus, nach welchen die Verwaltung dieser Anstalt aus einem viergliedrigen Ralhc zu bestehen hätte, in dem zwei. Inden und zwei Christen sttzcn sollten. Diese Bcstinimung fand jedoch bei der compctcnten Behörde, von der die Bestätigung der Baukstatuten abhing, Anstoß, und sic leittte die Statuten an den Verfasser mit der Zuinuthung zurück, er möchte dieselben dahin abändern, baß der Bcrwaltungsrath nur aus Christen zu bestehen habe, denen ein Jude als Stellvertreter beigcgebcn werde. BrodSkij weigert sich mit Recht, diesem geradezu frechen Ansinnen Folge zu geben, und so dürfte die Errichtung dieser für daS Heil des kleinen Mannes bestimmten Bank auf unabsehbare Zeit verschoben sein. Die Entrüstung der christlichen Gewerbetreibenden über bas Borgchcn der Behörde ist selbstverständlich groß, und sie wollen sich darüber beim Fmanzininistcr beschweren. So sicht die antisciniiischc VolkSbcglückung allerorten auS. (Tas Blntmiirchcn.» In Bulgarien hat das Blutinärchcn noch gläubige Anhänger. Schneider könnte seine Helle Freude haben an cincm derartigen Publicum. Alle Augenblick hört man von einem großen Ruiiiuicl wider die Juden, weil in irgend einem bulgarischen 'R'este ein Christcnkind verschwand und der denkfaule Pöbel sich nicht die Mühe nimmt, »ach dem irzkrklichcü Verhalte zu forschen, sonder» einfach den Juden die Schuld in dem Verschwinden der Christenkinder zuschicbt. Ter in Philippopel erscheinende „Plowdiw", ehedem ein Trgan Stambnlow'S, berichtete dieser Tage, über einen derartigen Vorfall, der, sich in Tatar BazardSjik, einer Stadt i» £ltrumclieii, zugctragen hat. In der Nacht vom 27. Tctobcr a. St. gingen Feodor Furnadschcja und dessen Gattin zu einer benachbarten . Familie auf Besuch und ließen ihr zweijähriges Kind zu Hanse allein zurück. Am 20. Tctobcr »Morgens verbreitete sich das Gerücht, daß, alS die Eheleute um Mitternacht nach Hanse getoikiinc» seien/ sie daS Kind nicht gefunden hätten. Wie jcdcSinal, suchte inan das verlorene Kind bei den Inden. Der BezirkSvorstcher Kotze S t o i l t s ch o w mit seinem Secrclär und allen Polizeiwachmännern begab sich in das jüdische Viertel, ließ 44 Häuser abschließcn und drohte, man möge das Kind hcransgcben, falls die Juden nicht Schreckliches gewärtigen wollten. Dieses Betragen der Polizciorgane crinnthigte den Pöbel, der hierauf die Inden und deren Häuser mit Steinen und Knütteln ansicl. Aus das Ersuche» der vornehmsten Juden, man möge sie in Schutz.nehmen, erwiderte der Bezirksvorstehcr, daß die Lage für sie sehr gefährlich werden könne, wenn daS Kind sich nicht finden würde. Dank dem herbeigcholten KreiSvorstcher wurde der Ccrniruiig und Durchsuchung der jüdischen Häuser endlich Einhalt getban. die Polizei verstärkt und verdächtige Wörtlichkeiten. wie Brunnen u»k> AnstandSortc, untersucht mit Ausnahme desjenigen der Eltern des, Kindes, welche doch nichts gclhg» hätte». Tic folgende Okacht, 'von' Freitag auf Samstag, herrschte .eine große Panik unter den Juden. Tie Furcht vor Mißhandlungen und Mord mehrte sich, da die Polizei sich ganz passiv verhielt. Am Morgen wurde das Kind tobt in der Rerirado der Eltern aufgesund cn: dasselbe wurde obducirt, und zwar von dein Stadtarzt Tr. Fadenhecht und Tr. Tschatschow, welche ihr Gutachten dahin adgabc», daß daS Kind an Erstickung gestorben sei, und daß keine Erscheinungen für erliktcne Gewaltthä tig keitc'n sprechen. Soweit der Thatbestand. Ter „Plowdiw" fügt dem hinzu: „Trotzdem die Unschuld der Juden, ivie in tausend anderen Fällen, nunmehr auch in diesem Falte sich glänzend bewährt hat, sind die Angriffe ans das Jndcnlhum noch nicht verstummt. Schuld daran trägt das wenig ernste und verspätete Eingreifen der Behörde. Zu verurthcilcn ist auch das Borgehen der Polizei, welche daS TranSportiren!und Zurücktragen der Reiche vor und nach' der Tbduction durch die jüdische Gaste veranlaßtc, was die Inden den Mißhandlungen des über den Mißerfolg ansgercgten Pöbels aussctzte. Häkle die Polizei sofort die Untersuchung A bei den Eltern des Kindes standhaft vorgenoinine», so hätte diese Tragikomödie vermieden werden können." Bon regierungsfreundlicher Seite' dagegen wird berichtet, daß Minister S t o i l o w selbst de» Auftrag gab, die Untersuchung im Eltcrnhause vorzunehmen, und »»- gesäumt eine UntersuchungScommisston von Sofia nach dem Thatortc entsandte; ferner wird die Entlastung des antisemitischen Bezirksvorstchers gemeldet. (Arischer Wucher in Egypten.) Ter bekannte Reisende Richard Buchta schreibt im „Ausland" (1862, S. k«50 f.) Folgendes: „Tie Griechen in Cgyplen sind die Handelsleute der höchsten und der

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