Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 192 (8.12.1895)
- Date
- 1895-12-08
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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ITr. 1U2. freies Blatt. feite T>. im , I unter Bedeckung zweier handfester Hausknechte, auf den Kläger Hausflur und schrie, (r dulde in seinem Hanse kein „jüdisches Gesindel". Die Hausknechte riefen dies als Echo nach und fügten der Drohung bei, dem Kläger die „Glieder;n zerbreche»“. Straße» schien rar Gericht sehr d'müthig n»d war zur Abgabe einer Ehrenerkürnng bereit, lieber Zureden seines Rechtsanwaltes gab sich der Kläger hiemit zufrieden und zog den Strafantrag zurück, worauf Straßer freigesprochen wurde. (Pom PoststüllüIIItc.) Wie erinnerlich, brachte G e s; »I a II » vor einiger Zeft im Abgeorbnetenhause eine Interpellation ein, betreffend die Verhältnisse beim PoststaUamte. Der Postillon Josef Freitag, der über dieses Thema in verschiedenen Bersammluiigeu christlichsocialer Arbeiter gesprochen und dem genannten Abgeordneten sein Materiale zur Beifügung gestellt hatte, beschuldigte nämlich den Post >rveditvr des Poststallamtes AloiS Hühner dein eines „fchleuderhaften und corrupten GebahrenS" bezüglich der Aumelduiig und Zahlung für die' Krankenversicherung der Postillone und gab, bei der Postdirection einveriiommeii, zu Protokoll, daß jedesmal, wenn der Erbvoflmeister Ritter v. Uhl auf Urlaub gehe, eine Mißwirthschaft einreiße und der Hafer dann so schlecht sei, däß ihn die Pferde gar nicht fressen können. Die behördlichen Erhebungen bestätigten aber diese Angaben nicht, worauf Hühnerbein die EhrenbeleidiguugSklage gegen Freitag erhob. Tie am 3. d. M. durchgeführte Verhandlung schloß mir der Berurtheiluiig des Angeklagten zu ein-er Woche Arrests. 3,t der Begründung des Unheils heißt es: „Ter Wahrheitsbeweis keö Angeklagten ist ihm ans allen Linien vollständig mißglückt, im Gegentheile hat daö Berfahren gezeigt, daß seine Berdächtigniigeii hart a» daS Verbrechen der Berleumduiig streifen, was auch als erschwerend aiigeiiommeii werden mußte. Dagegen nahm das Gericht den Umstand als mildernd an, daß der Angeklagte offenbar das Werkzeug binter ihm stehender Personen ist." (Alltiscillitischc Wahlnmlricbc.) Ter Schuhmackurnicisier Anton Sokoliczek winde im Juni wegen Wahlfälschung zu drei Tagen Arrests verurlheilt, weil er bei der Gemeiiideralhswahl im zweiten Bezirke einen Stimmzettel mit der Legitimation eines anderen Schusters hatte abgeben wollen. Ter Schnhmachermeister Josef Pawienskj, der sich als B er tr a n cn s in a n n der a ntisem i t i sch e u Partei im Wahllocale befunden hatte, sagte damals als Zeuge aus, er habe gehört, wie Sokoliczek die Frage stellt^, ob er für einen Anderen wählen dürfe. Diese Angabe erwies sich als falsch: Pawienski wurde daher wegen Betruges, begangen durch Ablegung einer falschen Zeugenaussage, angeklagt und bei der am 4. d. M. diirchgesührteii Gerichisverhaiidliing zu einem Monate KerkerS, verschärft mit in ein (Vafttage, verurlheilt. ((rilir Wulldc mid cm Pflaster darauf.) In den letzten Tagen wurden sämmtliche Militär Eapellmeister in Wien von den belresfeiideu üregimentScommaiidanteii verständigt, daß sie d e m B e r l a u g e n deS Public» mS uach dem Lneger«IVarsch niem als Folge zu lcisteII haben-und bei anhaltendem Applause mit der Ereciilion de/ nächsten Programmnummer beginnen sollen. Falls dies mit Unwillen oder Zischen ausgenommen würde, so sind die betressenden Dirigenten verpflichtet, die Prsductionen sofort abznbrechen und das Local zu verlasse». Lueger meinte zwar, hinter ihm stehe die ganze Armee, aber davon, daß darunter auch die Regimeiitsliinsikbanden inbegrifscu wären, sagte er kein SterbenSlautcheii. — Ein Pflaster auf diese Wunde mag eö für den Tribun vom „Ratzenstadtl" gewesen sein, als -er die Nachricht bekam, daß ihm der Gemeiiideausschuß von Kaltem, wo Baron Tivauli seine Besitzung hat und daher unbeschräiiklen Einfluß auf die Gemeinde übt, eiiistimmig daS Ehrenbürgerrechl erlheilt habe. Wenn Lueger also schon nicht die ganze Armee, so hat er doch die braven Bäuerlein von Kaltem hinter sich. (Nicht bestätigt.) Ter Geiiieinderath von T r o p p a n wählte den Administrator deS dortigen AntiseiniteiiblatteS, Eugen Bnbenik, in den BezirkSschnlrath. Einer amtlichen Berlaiitbarung zufolge, wurde diese Wahl nicht bestätigt. (Bon den Grazer GcineinderathSwahlcn.) Tie dieser Tage in Graz statbgehabteu Gemeinde-ErgänznngSwahlen ans dem zweiten Wahlkörper endeten mit der Niederlage der rein antisemitischen Gewerbepartei.-Die Betheilignng an der Wahl war für die Grazer Verhältnisie außerordentlich rege, indem von 4430 stimmberechtigten Wählern l?305 an der Urne erschienen. Für die Candidaten deS Wahlausschusses ' aller Stände wurden an 1800 Stimmen erzielt, während die eigentliche Feichtinger -Partei nicht ganz 500 Stimmen -erhielt. (VtO Zupllik.) Der Herausgeber der „Trohobhczer Zeitung", Herr A. H. Znpnik, hat einen schmerzlichen Verlusterlitten. Sein ältester Sohn, Herr Leo Znpnik, EonceptSpraklikant bei der Stalthalterei i» Lemberg, ist am -'I November im Al'.e' von L- Jahren verschiede». Ter Verblichene war. ein, hochbegabter, charaktervoller junger Mau», der sich, schon am' der Schulbau! auch schri'tüellcn'ch bemerkbar machte, indem er Josef v. Werlheimer s „ Tie Gniudfave der Juden den Leächüeu und dem S'.äake gegenüber kiud ihre Thäiigfeit auf allen Gebieten der >tnnH" . ins Polnische iibeb'evle. Leo Znpnik war der erste Jude, dem sich die Pforten der^gali,iicheu Staii.- halierei erschlossen hatten. Sein Ableben erweckt in den weitesten Kreisen Galiziens die regne Theiluahme. >it i!Ii wrr.r kr i*! Alls dem dcntfchcn Reichstage, 'ianin trat der demche Reichstag wieder zusammen, da beeilten sich die „reinen" Antisemiten, ihre alte» Anträge ansziisrischen und die Wiedereiusühruiig der coiib.-sf!onellen Eidesformel,, ein Verbot der Eiiiwaiiberung von Juden, die -Ans Weisung ausländischer Juden ohne selbnstäudigen Gewerbebetrieb, ein Verbot der Judigenaisverleihung au ausländische Juden und ein -Lchächtverbol zu begehren. Inzwischen halten die ohnehin durch die Entlassung des Ministers v. voller verstimmten.Tivoli Antisemiten eine sehr eiupfiudliche -Niederlage erlitten Wie eine. Teve'che aus Herford meldet, habe» sie daS -Reichstagsiuaudai, welches bis zu seiner Flucht Herr v. Ha »i m e r ft e i n besaß, an die National Liberalen verloren, deren Eaudidm Bürgermeister -T. nein in bei der Siichwahl mit einer Mehrheit von -di'i Siimm.-n über den ....rn’.n-atmen“ .AmiSgerichlsralh eilte siegle.' i„Tic Nkoralistcn." Aus Berlin wa'-g.ichcieb.m: T.c Herren v. Ham merst ei n und Stöcker sollen niin auch an' die Buhne lammen. An die Theater wird eben een breiartiges Scham'piel „Tie Moralisten" von Friedrich -P a ü a r v»Echicki. ' Held . des' Stückes ist „Wilhelm v. Hammersteiu". In einer '.'cole vemerk-t der Versager: „Bühueiivorstäiide, welche an die'eni -Name» Anstoß nehmen, wolleneinen beliebigen -Anderen dat'ür setzen, die Figur aber i-.iit der Maste .Hammersteiü S auSstaiien " Tas Persouenverzeichiiiß. nennt, ferner: „Weseiuheid, Eonünorialraih und Hosvrediger“.. Eine Fußnote bemerk:: „Trägt die Maske Siöcter's". Auch d-r „regierende Fitril“ giei'tz in die Handlung ein, der Zettel nennt ibn „Herzog Heinrich II Tie Freundin Hamiuerskein's, Fräulein Flora G a ß. tomml in dem Perfoneiiverzeichnisse nicht vor Tagegeu-hal sich der Berliner Witz ihrer beuiächtigts-uiid man ^erzählt, die Redaetionsräume der „Kreuzzeitniia" würden deziinächst mit Floragas und Hniv.»ierste::r Turchbrenuern b-?L, leuchtet werden. - . Der Bilderhoizeiiniann vor Osericl».- F. W. G. ß, dev be rüchligle Tresdeuer Bilderbogeunianu, üreugie gegen Tr. H Hildes Heime r. den Herausgeber der „Jüdischen Preue“, eine Breitlings klage .an. Tie in einem Bilderbogen zur Verdnmmnng und Ambetznüg deS Pöbels verbreitete Bliitlüge erfuhr nämlich m der „Jüdischen Pret'ie" eine 'chaiie Kritik, die Jene nicht vertragen, welche sich bekanntlich wie Hausknechte benehme», aber wie Wöchnerinnen behandelk . werden wollen. Ter Berliner Richter sah sich itdskli dem Worllautc des Gesetzes vemüssigt, Tr. Hildesheimer schuldig fyvedten, be zeichnete jedoch iein Verhalten als '„nienkchlich begreiflich und verzeihlich“' und verurtheilie ihn demgemäß zu eiu-r Geldstrafe von! P -M^rrkl Gleichzeitig wurde aber auch. am ine Widerklage des Tr. Hildesheimer, die auf Grund eines anderen.Bilderbogens erhoben worden war, dem Tresdeuer Bilderdogenmanne die gleiche Strafe zuerkaniit. - Gill indischer Soldat.« Ein ehrenvolles Jubiläum 'eierteam 18. üCctober der in der Gewehrfabrik zu Ei'un beschäfiigie Jude Ttto B i h-o. Am l —C etobev waren es -'5 Jahre, ' daß er das Eiserne Kreuz erhielt,. lieber den damatigcn Vorgang, brachte die „Thüringer Zeitung“ vom I I. 'November ' l-O i folgende», Herrn Bibo hochehrendeu Bericht: „Vom Kriegsschauplätze. Aus'Vww'la'.i. vom l?8. kTclober gehl uns von einem Etiiiährig-Freiwilligen .des >7i JiisankerieregiiuemS Folgendes zur Veröffentlichung zu: Wir' köuneu nicht nmhin, in Ihrem geschätzten Blatte auch eines Angehörigen dortiger Stadt zu erwähnen, denen Tapferkeit. in 'den Schlachten von Wörth und Sedan im *7. Regimenie allgemein an erkannt wurde und der. seiner Vaterstadt als Soldat alle Ehbe macht. Es ist dies der Unterofsicier kSlto Bibo, der bei Wörth mit. einem kleinen Häuslein sich tapfer gegen die Uebermacht des Feinde? warf und durch fein inuthiges Vorgehen und feine Auöoauer die gefährdete Fahne unseres theilweise zersprengten Balatons noch zu halten vermochte. Stets an der Spitze, war er derjenige, der ermunternd auf die Soldaten einwirkte, und gehört die durch ihn auSgesührte Verlheidigmig der Fahne unstreitig zu den hervorragenden tapseren T haken des siegreichen Tages. Ebenso bewies er vor Sedan durch günstige AnSführnug von schwierigen Patrouillen seine militärische Brauchbarkeit. Am 18. Ticlober, dem Jahrestage der großen Völkerschlacht zu Leipzig,-chielt Se. königliche Hoheit der Kronprinz Revue über die ' . J