Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 191 (1.12.1895)
- Date
- 1895-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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l!H Freies Blatt. (Grßmaiiit's Tournee, j Teil von kiieger aiigeknndigte» antisemitischen Fehdezng durch ganz Oesterreich hat Ge ß matt n bereit« al« ISclaireut er öfitttt; er befand sich ans einer Gastspieltonrnc-k In Böhmen, aber trotz der antisemitische» Disposition mancher dentschböhmischer Orte, die sich bei den letzten LandtagSwahlen offenbarte, scheint man dort doch »och immer nicht inegerreif zu sein, Ccmi Gesinianii kann bisher von nichts weniger «IS von Triumphen erzählen. Am 18. November hatte er in R e i ch e n a u eine Ver ianimlnng angefagt, in welcher er über die Bestrebungen und Ziele der christlich-iocialen Partei in Oesterreich sprechen wollte. AllcS war bereit, sogar die Musikcapelle, die veiiintthlis^ den „Tusch" aus den großen Wiener Sendboten 'vielen sollte, als am Morgen keS historischen TagcS von der Bezirkshanptmann schaft da« Verbot der Versammlung einlangle. Was ihn» > Den Genuß, Gest mann fabnliren zu hören, wollten sich^die braven Reichenaucr nicht nehmen lauen, es wurde daher schnell von socialistischer Leite eine K ^^Versammlung einberufen, z» der auch Geßmann geladen wurde Ter Wiener Debütant zog eS aber vor, statt in die gefährliche Versainmlnng lieber in die Pfarrei zu geben, um sich mit dein Herrn Dechanten wahrscheinlich über seiner Seele Heil zu berathen. Jndeß wollten sich die neugierigen Neichenauer Herrn Geßinan» nicht entgehen laffen. Eine Deputation, aus Socialist»» bestehend, suchte ihn in der Psarrei ans und begleitete ihn und seine schwarzen Anhängsel in die Ver 'ainnilung Halb zogen sic ihn, halb sank er hin. Tort angclangt, mußte Gißman» zuiehett, wie inan ei» social demokratisches Bnrea» wählte, welches indes! volle Redefreiheit walten ließ »»dGeßinann als E'stem das Wort crtheilte J,t Anbetracht der gegebenen Verhältniffe beschränkte sich Gcßnia»» daraus, ans die liberale» zu schimpscn —> wogegen bekanntlich die Social Teinokraien nichts einznwenden habe» — und ans das die Christlich-Socialen mit den Social- Temokräten gemeinsaine Monient iin.stampse hi»zuwei',ui. Ter wnthichnanbendc Donnerer der Wiener Radauversaininlungen schien sich in c,»e melancholisch slstclnde Betschwester umgewandelt zu haben, die aus die Juden ganz vergessen hat und nur ui» das Seelenheil der arme» Social-Deinokratcn besorgt in. Tie Anssithrnngen Äeßtnann'S sanden eine scharfe Antik seitens des Arbeiter 'iihretS 8 i e i c >v e 11 c r und noch mehr durch einen Arbeiter Name»« Trnbencker. Derselbe ersuchte gleich ii» Vorhinein um Entschntdigung, wenn er etwas hestig tverden sollte; er sei nämlich den Tag zgvor mit einigen Genoffen in ,st n k a n von den Christlich Socialen ans einer Veisannntung binanSgeworfen worden, wobei man ihm di« Aleider zerrisie» habe, und das mir deswegen, weil, er verlangt habe zu spreche». Diese Procedur iei aber mit stiller Zustimmung einer Anzahl von Geistlichen vollzogen worden, was ein >o»derbareS tztcht aus die christliche Duldsamkeit und tztebc dieser Herren iverse. ferner führte der Redner an, daß Pater 8 ii h n e l ans I o h a n » e § b e r g, der Reiercnt in der Versammlung zu 8uka», über Preßfreiheit gerade das Gegen - tbeil von dem gesagt habe, ivaS Geßmann votgebracht habe. Jenem sei die Presse viel zu tifi: ,„a» könne sich dqher ei,ten Begriff mache», wie ein Preßgesetz ansiehen würde, wen» wiche schwarze Herren daiüber endgilttg zu bestimmen batten. Ter Redner ging aut die nnnberbrnckbaren Gegensätze zwischen Glauben und Wissen über, um die chiistiich-'ociale Partei als eine srciheitS- und volksseindliche hinznstellen. Nachdem Geßinann noch in matter Weise;» erwtdern vernicht batte, eutsernte er sich vorzeitig, angeblich, weil er Früh zeitlich abreisen müne: die Versatnuilnng nahm eine Resolution an, welche sich für die Grund iätze der Social Temokratie sowie der Jnternationalttät und Jntctconsejsionalität aus'piach. Nicht viel mehr Gluck als in Reichenau hatte der Eclaireur tzueger's in der Jeinitenbürg Maria schein bei Tcplitz, wohin der „Christlichfociatpoliti'che Biannetverci»" von 8arbib> eine Vetiainmlung cinbernsen hatte, »in von Gesimann'S Rippen de» Honigseim dct autiiemittichen .Heilslehre ttäusel» zu 'eben. Al» Ehrengäste ivare» zu der Veiiainintnng, der etwa I ICO Per- 'oiien beiwohnte», Pater Ambros Opitz, Professor Tr. Schindler ans Veitmeritz, Drescher au« Bilin und mehrere Geistliche gekominen. Tie Arbeiter batte man wohl in großer Zahl geladen, allein ihre Wortführer sei»- gehalten. Tieier Act der Vorsicht sollte jedoch in der Versammlung zn inanchen stürmischen ^ccnen Anlaß geben. Schon als ver Obmann des 8arbitzer Vereine«, Hackel, ein ehemaliger radicaler Social Teinokrat, der Versainmlnng den Gestmann vorstellte, tvurde derselbe von den Lvcial Temokiaten, welche die iveitans überwiegende Mehrheit hatten, mit stürmischen Znrnsen: „Geßinann möge dorthin geben, wo der P s e f s e r wächst!" begrüßt. Nachdem die Rtthe.wiedergelehrt war, eutwickeltc Geßmann in fast zweistündiger, ronZwischeni itsen häufig uitterbrochener Rebe das christlich-sociale Programm Selbstverständlich largte er auch nicht mit blendenden Verheißiingen; er versprach den Arbeiter» den Acht Ltrrnden>Tag. das allgemeine und directe Wahlrecht und eine anständige Altersversorgung unter der einzigen Voraussevnug, daß sie seiner Partei beitreten. AIS er,schließlich die tzneger-Frage behandeln wollte, gingen seine Worte in dem entstandenen tzärm unter: die Christlich.Socialen riesen fortwährend „Hoch Üucger!". wa« die Social-Demokrate» mit den Rusen: „Hoch die Social-Demokratie!" beantworteten, und Geßmann schloß seine Rede. Bergarbeiter Schubert fand zwar die Versprechungen sehr hübsch, doch er und seine Genossen gNniben den schöne» Worten nicht, da bisher gerate die Conservativen stets diejenigen waren, die den Arbeitern das bischen Luit nicht gönnten. Der nächste Redner, ein jngendlicher Atcheiter Namens B a r t e l, kritisirte insbesondere den ilnistand, daß inan den Wortführern der Sozial. Temokrate» a»i eine io schlaue Weise den Eintritt vcrwehn babe. »nd be zeichnete diese» Vorgehen der Wiener Antisemite» als „elende F e i g b c i t". Tr. Geßmann 'prang ^erregt ans, und es ciitstand ein großer Tnimilt. Bartet unterzog dann die christlich socialen Verheißmige» einer jcharie» Miii'tl. Als m erklärte, daß inan die Social-Teinokratc» mir durch schöne Rcdensarte» zn ködern juche,, wurde ihm da« Wort.entzogen, wa« den Anlaß zu cineni hcstigen Rencontre zwischen den Anhänger» der beide» Parteien gab. I» leidenschaftlicher Weise sprach iodann ein dritter social.deniolratischer Redner RainenS Bruch gegen die Christlich.Socialen. „Tr. i'neger," rief Redner atz«, „ist nicht itnser Mann, er will, w i e , e r i i ch i c t b st a >z S g e d r ii cN K a t. n i ch t e h e r r » h e n, bis her letzte Jude in Oe st erreich vern i ch t e t ist. Wir aber w o 11 c n an« O e st e r r e i ch keine zweit c T ü r I e i in a ch e ». Tort inordet »i a n d i e C h i i ü e u, und htei. solle» die Jude» v o ,n d e n C h r i st e n h i n g e i ch l a ch t e t werden." TaS sei doch nicht« weniger als christliche Nächstenliebe Warum hatte» übrigens ' die Christlich-Socialen bei dcn Wiener Gc,nei»dewahljn den Arbeiter» nicht ein Mandat ejugeräunit? Nach Zeinen, Inrz-n Disput mit Tr. Geßmann ress Bruch in höchster Erregüng: „Von den tziberalcii baben wir wenigsten» die freie Schule, die uns die Cleiicalen wieder »elmie» wollen!" .Hieraus' wollte Pater Opitz noch eininal den Versuch „lachen, die Arbeiter zu gewinnen, mußte denselben aber bald ansgebe», da. schon nach den einleitenden Wvitcn . ein Riesenlärin entstand, der da« Weiteriprecheu miniögli.ch machte AngesichtL^ der drohenden .Haliniig der Social Teniokraten wurde die Vsiiainiiitilng oline os.stcieÜen Schlnß abgebrochen, und die Christlich Sociale» räninte» las Feld. Dir Einbeinser der Vcrianiinliing, .Ha>kel, iviirde beim Vctlasicn des Saale« ini.nltirt, und Tr. Geßinann und Pater Opitz enlgin . •» mit l, appcr Nc: cincin ähnlichen Schict'ale. Viel Ausinnmeimig 'nr tzucnels geplamen 8,,'iizzng ci^balten die böbniischen Eisolgc Geßiiianil s nicht. tApS Mttr-Badcl.i Ter i» icincr Majoinät dri>is>l'»at>o«.ii-a»i'-eniit>'ä.- Grazei Gdmeinderaih steht im Zeichen der'.steuwahle». Trotzdem derselbe in vielen Fragen deut^^iiti-cniitischcn TcrroriSinns bei leinen Ciitichliesinngen Rechnnng getragen bat, liaben die reine» Antisrniitcu von G,a; eine be'tige Agitctiion. gegen dze „erbgeiessenc» Gemetf.derälhe" enigeleitet, i»>d ihre Flihrer,-der dnrä. vieltache Gerichtsverhantlnilgen belannie F c, ch i, » g > i , ein gelelniger Schul, r des Mechanikers Schneider, nnd der Advvcat Tr. Slaikei babe» nach Wiener Muster in den 8relie» der Alcivgeweibetreibenden ttno Agitation ent sesielt, welche die Wählerversaminlnngen io lärmend gestaltet, daß sich .die Deutsch Nationalen von Graz gezwungen.'eben, dem Treiben der Anti'eiiiileu ciltgegenziitreten. Eine Wablerversammlnti,, von Grtveibetrcibendc», d e a». 1!«. November zn diesem Ztvccke stattsand, bot rin recht erbauliches. Bild des striege« zwischen den in Wie» zu io trauter Genie,n-cha'k!, vereinigten Pannen Der deutsch-nationale Gemeinde, ach Brau n erklärte, der ganze WaK>ails'chnß sei nichts Anderes als eine Mabe der Antisemiten Man glaube ja nicht, daß die anigestellten Canditaten io »nabsichilich hjuctn^ekoininen sind. Sie sind tamer tzentc, die sich derzeit der sÄnnsi der Herrezt Feichtinger und Tr. Stärkst ' ersrcnen, weil man! von ihnen bosst, sie wuidc» zsi Allein Ja' sti.lsti, aras - diesen Beiden genehm sei. Ter llledner besprach die von Fcichliiigrr mir Ti. S:.'.ilel in der Finanzsection de« Gcincindcrathcs entivichclte Tbattgleit nn: k..merkt,, daß sich Pse Finanzen der Stadt seitdem noch nicht gebeben haben, and'.ienn d,e>e Hedrcit zehn Jahre darin sitzen möchten, 'o würde es auch daich ne.n.i.b: ben'et. werden. W e n » da« Wort ^,A n t > > e m > i i s m n s : n d : , M, n g e ' g c i ch l e u d e r t w i r d, jo sei in a n g l e j ,1b r g.c : 't e:! und b o i f e . davon die Errettung d e s ,8 : > > si g e nAe b e s Griadd die Gewerbe treibende» frohlocken, weil ein Tvjtor ilmen 'ienudstch ins »idsiäi! cacheli. und ibnen verspricht, die Jntrrenen des Gewetbes za '.st.::,ste::. Tte «steivdibetreibenden seien von Herrn Tr. Starlet »nr dam ..a-::. :len. um >hn> das ihm von anderen Ständen versagte Rcichsralksniandat zn vet'chasse». ltzemcinderatli Braun sagte ferner, daß ihm der Vorivnn gemach: wuide. er babe iniigebol'en, daß Feichnnger und Tr, Starlet ans der 'linsteit Seuion entfernt wurden. Der Redner gesiebt, daß er tbatiachlich da;» betgelraqe» babe Tas.Vorgeben Tr. Starlet s in der fünften Section des Genleindetalbcs' >'i geradezu eines Gemcinderatkes unwürdig gewesen. Tr. Startethabe al« ASvocat 'nr seine. Clienten Lingaben an den Sta^trath »nd a» die Siatthaltcre? gcrichtet>.ivelchc er da»»-atö Mitglied der ninstcn Scction besürivoitend vertreten habe. Tie : Eingaben haben zwar begrcisticherwei'e nicht, die Firiita de« Tr. Statlel ge; tragen, abets es »et durch die Schristgtejäiheit und durch die Aussagen der Be- ' theiligten erwiesen wotde», daß sic auj der Aanzlei des Tr. Siarkcl statnincit. \ Ties war auch der Grund, warum Geineinderath Tr. Starlet von der filmten Section in eine andere gewählt wurde. Ticie aber besucht er »ic. Tte Partei nennt sich „BolkSvartei" nnd gibt vor, die Gewerbetreibende»;» vertreten, doch habe sie Tag« vorher einen Beamten und eine» Handeltreibenden als Candibate» genannt, die doch als Gegner der Gewerbepartei zu betrachten sind. U e b e r die p o 111 i s ch e G e s i n n » n g d i e I c r P a r t e i t a s j e sich gar nicht sprechen, denn sie kennen sic selber nicht. Wenn es aber i» diesem F a.h r w a s j e r sortgche, s o jv 111 r e i n mittelalterliches geistiges I o ch . n b e r kie B e v ö 11er u » g