Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 191 (1.12.1895)
- Date
- 1895-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. li». »lau. fette kr die Religion sei gleichgiltig, wenn einer ein anständiger Mensch ist. Aristokratie. Leine Kirche sei Sonntag nir Sonntag überfüllt, und dS sei kein guter Grund vorhanden, in diesem Momente, wo die zwar von einer t^emeinde and den obersten Zcbniausend. Persönliche antisemitischen Bestrebungen, man könnte auch Hetze lagen, den Höhekeilen wie der HanSininistcr v. W c d c I l^-. (General v. S trüb erg, punkt eingenommen habe», von Leite des l^emeinderathcs gegen die Prinz L alm, der frühere Ministerpräsident (Lraf dule»bürg und jüdische Religion in diesem Sinne vorzugchc»; der Zeitpunkt habe Andere i.icn fast regelmäßig Sonntags seine Zuhörer Porigen Sonnauch damit nichts zu schaffen. Ihn habe der Gedanke geleitet, daß lag haben sogar Prinz Mar von Baden »nd Herzog Johann die vor dem Gesetze mit anderen Confessione» gleichberechtigte dultus- Albrecht von Mecklenburg Lchweri». seine Predigt besucht, gemeinde einen Vertreter sich erwählt, der Moral und Religion zu | und drstcrcr, der ninthinaßliche Throniolger von Baden, habe auch lehren hat, und es nur ei» Act der Gerechtigkeit sei, diesem das j das heilige Abendmahl ans Llöcker's Hand genommen. Laß Stöcker Wahlrecht zu geben. Gott sei Dank, seien die Zeitcp Peter ArbucS'! nach ivic vor urnta der Hosgetellschait >ei, beweise der Um vorüber, cs werde aber durch die Heranziehung des rcligiö>cn Moments stand, daß sich vorigen freitag und Lamstag im sogenannte» Stadt' der Antragsteller ein Peter ArbncS Jin ,Io sik-l». Durch krästige missionsbazar die aristokratische t^esellichait Rendezvous gab, und daß Gründe habe Dr. Beurlc scliie» Antrag nicht nntcrstützt. d« sei ja Stöcker deren gefeierter Mittelpnnti war. Auch iei eine Petition an möglich, daß nicht ' alle Rabbiner gewisse wissenschaftliche Tnalitäten ' ■ haben, doch erfahrungsgemäß seien sic in der Wcsthälstc des Reiches gebildete Männer; auch heiße cS in einem Paragraphen, die zum schrämte berufenen Männer seien wahlberechtigt, und das treffe auch beim Rabbiner zu. Schließlich beantragte Redner, über diesen Punkt getrennt abzustimmen und das Stimmcnvcrhältniß zu constaliren. Dr. Beurle cntgcgnctc, daß die Luppofilion, die Gemcinderath Bancalari gestellt habe, bisher weder er n^ck> Andere erfahren habe»: er halte dem Vorredner die Worte des Berichterstatters entgegen, daß ' auch in Zukunft wie bisher sachlich verhandelt werden solle, dr sehe nicht ein, wenn cS sich schon um ein Jntclligcnzwahlr.'cht handelt, warum der Rabbiner, welcher keine Höheren Studien bcuöthige, ebenso günstig gcstcllt werden solle, wie der katholische und protestantische Geistliche, denen man das Wahlrecht der Intelligenz gibt. Ls sei nicht gerechtfertigt, für die Gleichstellung der Rabbiner mit den katho tischen Geistliche» zu sprechen. Der Rcserent Gemcinderath Tr Jäger - erklärte, auf dem Antrag der Lection verharren zu niüssc», da vor dem LtaatSgrundgesctze alle Staatsbürger gleich und. und wenn man das Slaatsgrnndgesctz achte, anch dem Rabbiner das Wahlrecht gegeben werden inüffe Wer Testcrrciel> liebe, der inüffe die L taatSgrnndgesctze Hochhalten, und wer dies thne, müsse dieselben in jedem; falle, also anch gegenüber den Juden, respcctiren. di» Ausschluß der Rabbiner/ die ja gewiß auch eine gewisse Befähigung Nachweisen müssen, wäre eine Beleidigung der mosaischen Religio» und eine Vcr letzung der Gerechtigkeit; Gerechtigkeit sei aber der Grundstein aller Staaten. Daher empfehle er de» Seclionsanlvag Bei der hieraus; folgenden Abstimmung wurde der Sectionsantrag angenommen Ter Antrag des Dr. Beurle, betreffend die Weglaffniig des Absatzes bezüglich dcS Wahlrechtes der Rabbiner, wurde mit 21 gegen l! Siiminen ab gelehnt. Dafür stiiumleu die drei detttsch nationalen Anlisemilen Tr. Beurle, Böhcim und ddcr. Wie Sie sehen, stehen wir also gottlob noch nicht ans dem Ticsennivcau von Wie». I (li'ill Htylllld.) Ter in Weinberg erscheinenden „Przyszto-^" schreibt man ans Krakau unterm 12. Rovcmber: „Im Krakauer Rationalmuseuni wurde ^Sonntag den l>. d. Bk. der ärmeren Be völkerung unentgeltlich der dintritt gestattet, und so strömte Jung und Alt ans der Stadt und der Umgebung herbei, um sich an den Gemälden zn ergötzen. f n einem der kleineren Säle, der sonst nur der Ausstellung von Bilder» ans dein Legcndcnkrcise AdamS zn dienen pflegt, hing diesmal, wahrscheinlich mit Rücksicht aus das Volk, ein > Bild, welches übrigens am felgende» Sonntag, dem 1<>. d. '))L, als der dintritt nicht mehr frei war und keine Gäste ans . dem Volke erwartet wurden, nicht mehr zn sehen war — daS Bild eines greifen Juden, ans einer ländlicheil Bank sitzend, rzcbcn eitlem vor Schmerz aufschrcicnden, Thränc» vergießenden, ländlichen Mädchen . . . Der Jude nämlich durchschnilt ihr die Ader» am dllcnbogcn, das Blut in ein untcrgcstclltes Gefäß anffangend . . . Dieses Hetzbild hing ganz niedrig an per dem dingange gcgenüberstehcndcn Wand in der Rähe ' des ,feilster«, so daß cs auch den Kunstsinn der Jugend befriedigen konnte. £l)iic auf den künstlerischen Werth und die Tendenz des Kunst > Werkes cinzugehcn, drängt sich nnn die frage auf: fit welcher Absicht > hat die Tirection des Krakauer RalionalniilscnniS dieses Bild gerade und nur an jenem Tage gezeigt, an welchem das Volk so zahlreich vertreten war? Die Antwort darauf fällt nicht schwer; sie ergibt sich dem feinfühlenden Leser von selbst!" (Ttölkcr's Gölllltr.) Es war in letzter Zeit viel davon die Rede, daß über Stöcker auf Veränlaffung des Kaisers Wilhelm eine DiSciplinarnntersuchung verhängt werden soll Die „Vossische Zeitung" erhält nun von einem „Eingeweihten" ein Schreiben, welche«; zligibt, daß ein DtSciplinarvcrsahrcn eingeleitet worden sei, zugleich aber mittheilt, daß die eifrigsten Versuche beim Kaiser gcmacht'werdc», i um das drohende Unwetter, von Stöcker abzuwcnden. Stöcker habe noch einen geradezu unglaubliche» Anhang nicht nur in den niedere»! Schichten der Bevölkerung, sondern auch in der positiv christlichen! de» Kaiser im Umlauf, von den glänzendste» Rainen der hohen (Geistlichkeit, hohen Militärs, Minister» und Hoichargen nnlcrzcichnct welchedeir Zweck habe, den Kaiser z» veranlassen, »ich, nur. Herrn Stöcker das Prädicat. Hofvrcdigcr a. T. zn belassen, sondern von der vorgeschlagcnen DiSciplinarnntersuchung gegen ihn Abstand zn nehmen." Laß Stöcker von der konservative» Partei ansgegeben werden sollte, ' erscheine ganz undenkbar, da noch vor sehr Inrzer .^eii freiherr v. Manteufsel sich geäußert habe: '„Wir halten ieü an Stöcker, mag fciittiic». was da wolle Wir wissen, was wir ati ihm haben Werde er seines Amtes entsetzt, dann werden um ihn um io srcndtqer * anfnchmen, da er sich dann ganz der Polltil "widmen wurde." Alltistlllilischr fricdliosschiillSnng.' Wi. wir seinerzeit .berichtet, ist in Grabow von rnchloier Hand vot einiger Zit ans dem jiibi, - schult f ricdboie da selbst eine größere - Anzahl von Grabsteine» heraus geriffen und zerstört worden. Als ^häkei'wnrl'. der Arbeiter Tltpiistaus SzezcgnlSli. ans Tstrowo ernniteli, der vom dortigen Schössen gcricht zn einen! fahr G 'ängniß und drei fahren dlir verltist hiesiir vernriheilr wnr»' Tie fiir di' drmi'.tlnng des Thälers von der Svnagogcmgeineinde H'radoiv ansg ietzie Belohnung von ><«>. Marl ist einem Gendarm in t^rabow ansgchändigr worden Ginc officicltc Kiiliügcbllilg gkgc» Den RlllifrmitisiuilL. > Ans oiarlsrnhe wird eine nnzweidenlige Absage an den auch in Baden leider parlamentSsähig gewordene» Ankisenlilisnius gemeldet T ie zweite Kämmer verhandelte über die Wahl in Tins de im, wo eilt Rational-Liberaler mit tif gegen lf Slimmen, die an' den ann semitischen und 7, die ans den eoniervativcn dandidalen—entfielen gewählt worben ist Tiefe. Wahl sollte lteanständci werden, rveil nnn-. Anderem der sfbcranilinann lK ad du in iii autoritativer form gegen dr» AiitiscmilismnS Stellung genoninien hakte Ans den Vorwurf, daß der Sbera.nlmann dadurch 'einen»AiniS'nißbranch begangen haue, >> " widerte der Minister de« fnnern Herr duntlobt, daß nach iern.-i Ansicht der Beamte den Kreis feinet Pslichren anch dann - nicht über schrille» haben würde, wenn er ans dem Rakhhrnse gegen die vcr dcrblichc» Tcndcnzeti des Antiseinilismus' eine eirede gehalten hätte, ds wäre lebhaft tu wünschen, das; anch anderwärts aui verantwsn ,. lichem Posten eine so nnzweidenlige SrellniignaHme gegen die an.nchistt'ch' Agitation der Anliscinitcn beliebt würde. Amiscmilischtl Gisiril > Man schreibt uns ans "C:;i rti e II ' fn dem Wortes aale einer' Bahnstation Tbcrbahek'ns lnsttlu '..!■ <\v. Plaeat mit der Abbildung des -Starnberger Tees., T.t - die fläckic de' Wasserspiegels hakte ein Anti'eni't das neu. Walt z, San', indcnwciher" geschrieben Zufällig gib! es aber ani S'ian'.'vgei Tee mehr Villenbefitzer, ivclchc dein bäurischen Ho'.' nakt-.sttl-li ' oder der cleiiealcn Richtung angehören, als anderswo Au.", seien »>.:• karon ab! Haben Sic jemals fnschrisleii von Liberalen gegen Airriseiiiilcn. au den Wänden össentlicher tRbande geleien? rasalte sranzvst'che Sprichwort". ' . , I - "k -!l l *; t Soll?!*• •?' ' t ri. »I sollte ans allen Wände» stehen, welche die anlikenristiiche christlich' sociale Hefe aingestvafl besudeln dar', Tie Placale gehören für da« Publicum, nicht für ein paar malconleNte Schreier, welche ihren eomin11niftiiet)e» Gefühlen in unbewachten Angendlicken au> färben drucken in Wartesälc» freie» Lauf lasse». * zAus Der b(uiri|d)cu Rbgtordilckrilkammcr.l Bei der Beraihung des Militär LtalS in der banrischen Abgcordnclcnkainnier kf lärte der dentruinsmann Wörlc: Jeder Mensch (sic!) sei bis zu einem ge wissen Grade Antisemit. Die dcntrumSleulc feie» auch Antisemiten ini gute» Sinne und kämpften nicht gegen die Rcliqip» und die Racc de« Jndenthuniö,' sondern gegen dessen Auswüchse im drwerbSlcbcn.' Genau so sei auch die Wiener antisemitische Bewegung mit Lueger an der Spitze aufzufaffen. 0 snnetn simplicitns! In dem Programine des Köpfen- und Hängens, in der Lehre vorn Schußgeldc und in der