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Freies Blatt · 1895-11-24 · 190 (24.11.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
190 (24.11.1895)
Date
1895-11-24
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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<\i r,. Seite Ö. freies fdiuUöUegium gegen eine -Kategorie von Lehrerinnen vor, deren AnsieUiuig es seinerzeit ohne Vorbehalt bestätigt hat, und von denen viele zwölf Jahre und länger im Dienste der Stadt Berlin ihre besten . Kräfte geopfert haben." Fürst Bismarck grgcn strebende Kanzrlpolitiker.) Der Deutsch- Amerikaner Bart hold, ein Vertreter Missouris im Congreß, erzählt von einein Besuche, den er dem Fürsten Bismarck abstattete, Unter Änderein Folgendes: Graf Rantzau, der Schwiegersohn des Alt Reichskanzlers, stellte im Laufe eines Gespräches die Frage, ob es in den Vereinigten Staaten auch eine Judenhctze gebe, was Barthold verneinte Fürst Bismarck sah sich darauf veranlaßt, ausführlich über priesterliche Politiker und politische Priester zu sprechen.- Er machte aitS seiner Abneigung gegen dieselbe» kein Hehl. Mit besonderer Scharfe wendete er sich gegen strebende Kanzclpolitiker, deren es leider auch unter den Protestanten gebe, und erwähnte als Beispiel Stöller, von welchem er bekanntlich nicht immer eine so schlechte Meinung batte '.KcilCv von V'iiumicrücilt. Der antisemitische, junkerliche Defraudant £> a m »t c r ü e i 11 soll, wie eilt Partei citonc desselben verräth, q:ii.t!:dj!’•; de» Antipoden in Auckland eingetroffen sein. Hamuierstein hatte riet) für dte>e weite Reite vor der Abfahrt hinreichend mit Mitteln rei'eben. 3n seiner Brieftasche befanden sich zunächst 22.000 Mark, 'ür welche Summe er bei einer Leipziger Versicherungsgesellschaft eine Pr.n '5>.tii!" Mark übergeben Kal Außerdem soll er noch gute .rreunde anaepnmpt baden unter dem Vorgeben, den Proccß gegen ,r: ank'nrter „Kteilte Presse" durchführen zu müssen- Unter diesen :.;.n «'stanlstg.-ZN der letzten Tage bestn.de .sich auch Herr Stöcker, d .!""" iWiif lei gegeben habe, die gute Seele, die-auch daiiials noch .:» de» ..Freund" glaubt.! Unterdessen wird, wie die „Frankfurter meldet, gegen hammerstein die strafrechtliche Untersuchung frfg'-'ubrt S-e 'all tich u. A. jetzt auch darauf erstrecken, ob noch 'Berlnudung zivt'chen dem flüchtigen Verbrecher und einzelnen Va: t.ngenosieu besteh, stiaccilbas; ilt Ellillü. Ser Literaturkanzler W a II l a m p a lt in E ::ttcn!.:: bei der Jahresprüfung den Studenten eine in Verse nach:. A-ae-tabe e::::ger kaiserlichen Verordnungen geschenkt, in welchen! g.:r »: deteredoren Lebten streng verurtheilt werden. Eine dieser versi- , Ve:erdnungen lautet: ..Die dumme schwarzhaarige Raec gründet': v-.-'äited.ue S,d!eu und achtet ihres eigenen Lebens nicht, sondern bebau: tet. daß stun.. r unsterblich auferstehen werde. Männer und , le.nruiineln 'ich und benehmen sich, ihre Keuschheit aufgcbend, Vogel und Bestien ‘''laubige Eonfucianer müssen sie wie j d:e Eulen des Walt's nieS^r'chicßen. dieselben wie die Fledermäuse in! d.u S t: .nt stcinigeu und sie ohne Gnade enthaupten. -Ich, der Ka-.'.-t. i - ILe den Beb.nd-.n, dieses Unkraut und Gewürm auszurottcn, d: Schlaug.-N zu tobten und stc den Wölfen und Digern vorzuwerfen, I u. : .s t.:u, Rettung rer ihnen gibt, sowohl gegen vom Himmel ge- : '.r.-dte Eanimitaten als gegen Unglück, das durch Menschen verursacht ' In das nicht di." lbe Sprache, welche auch unsere Antisemiten, . d.' V,t.'undiger der Lehre vom Schußgelde und des ProgrammeS: j 's,pstu und Hangen" 'U.r.n? Das Cbject des RacenhaffeS in! > aller, ings nicht das J'udenthuin, sondern eine andere p'uug e - .-..l.iüinenn'cheii "'eistes' Dor in der 2\o£>au. ...a.: ’h--.' .. Sb; <■-. lV’ in Wien reicht bis ins frühe Mittelalter t schon in, Fabre i*o9 unter der Regierung Ludwigs des Kindes -.1 -.er in ernei Zallorduzuig Erwähnung. -Kaiser Friedrich der \ t dun Herzoge Heinrich Jaiöniirgorr die Bewilligung, st::: :de Juken zu halten, sie hießen herzogliche -Kammcrt : H.-.zag silb-st war ibr Oberster Schutzherr, und in seinem .' t:r Eadeuricht r, zu den herzoglichen Amtsleuten gehörig, : -stst-t rach den bestehenden Gesetzen. Jhin statiden Vorsteher ■' M ..Judenzcche" zur Besorgung der Gemeindeangelegen- > : n Zu: S : .'.ach iuer bisher unwiderlegten Ansicht sollen -sich Fu.stu >.-. S-p.n zuerst -am Stapelplatz« der Donau „am oberen V : >-:> Raßau anzcsiedelt haben, wo man bei Brunnenai n iinlz:u v,iiv::,:crte Denkmale und Dhongeschirre ans jener Zeit ge'uüt.n! it, und wo noch heute der aus dem XV. Jahrhundert itammende Friedbof hievon beredtes Zeugniß ablegt. Dieser Friedhof war zwar nicht die älteste'Ruhestätte der im Leben vielgeplagtcn Justm, denn ein noch älterer „Freykhof" lag laut Grundbuch vom Blatt. - -- Nr. 190. Jahre 1386 zBuch der Käufe 0, Seite 159) am Widncrthor vor der Stadtmauer, zwischen dem Kärntner- und Burgthorc, an der Stelle, wo sich das Palais Schey befindet. Er verdankte sein Entstehen der für die Juden Wiens hochbedeutsamen Regierung Friedrichs II., genannt der Streitbare, welcher den Juden für ihre während der Kriegszeit geleisteten guten Dienste, im August 1238 im Lager vor Brescia wichtige Privilegien ertheilte, die mit Rücksicht auf den damaligen Zeitgeist auf die heutigen Bcrhältnisie der Juden in Wien ein eigenthümlicheS Schlaglicht werfen. „Kein Judenknabc soll mit Gewalt getauft oder den Eltern genonimen, und Erwachsene drei Tage lang geprüft werden über die Lauterkeit ihres EntfchlusieS, Ehristen zu werden, wer der Väter Glauben entsagt, der entsagt aber auch ihrem Erbe. Sie können freien Handel und Wandel treiben, ungehindert durch die österreichischen Länder ziehen und an den Zollstätten nur jenen Zoll zahlen, welchen ein Stadtbürgcr entrichtet: Sic dürfen überall Häuser, Grund und Boden erwerben (Gewohnheitsrecht von Saybusch 1895)), in RechtSstreitigkeitcn ist daS Zeugniß eines Ehristen allein gegen einen Juden ungiltig, Verbrechen wie Hanscinbruch und Todtschlag werden schwerer bestraft, wenn sie an Juden begangen sind, kein Christ soll über Juden Richter sein, und stets bleibt ihnen die Appellation an den Herzog pffen." Am 1. Juli 12-1-1 gestattete er den Juden die Eröffnung des bereits erwähnten Friedhofes vor dem Kärntnerthorc. Und nahezu zwei Jahrhunderte erhielt sich dieser, bis er während der grausamen Judenverfolgung am St. Gregortage, dem 12. Mär; 1121, zerstört, die Grabdenkmale heransgcrisicn und das Steinwerk zu Grundfesten der eben im Entstehen begriffenen Vorstadt Gumpendorf verwendet wurde. Bei Ilti^bautcn in diesem Bezirke fand man einige solcher Grabsteine mit den Jahreszahlen 2590, 3899, 1019 und 1320. Eine auf einem solchen Steine bcsindlichc Schrift wurde von Johann Sylvester, Professor an der Universität zu Wien, mit Hilfe des Eonvcrtitcn Ehrystoph Wylandcr entziffert und lautete: „Morliic-lii misng gibbor. tiagalol bisduiiiot luibi-riat. Iiolam bt-iselqihim. Xnpli Tun. Same<-Ii." (Morbach aus dem Ricsengeschlechte, ein starker und großer Mann, ging ein zu seinen Vätern 25,00 nach Erschaffung der Welt.) Wilhelm Promer bezeugt in seinem Ehrcnbuche der Stadt Wien, Band l, Seite 2, diesen Stein noch 1978 in dcS Franz Anton Pfeiffer von Schallenhcim's > Stadtrichter von 197f>—197*) Hause am Graben (Rr. l l>2 alt, 13 nein gesehen zu haben. Herzog Albrecht V. verschenkte den Platz, wo der Friedhof bestanden, an das Dorotheerkloster. Die ältesten Urkunden, welche von dem „Frcythof am ober» Werd" ausführlich berichten, sind vout 5. April 1929 und 11. Ce tober 1941 datirt. Letztere räumt der hiesigen Jndcuschaft 'Ruy und (bewahr zweier zitt'ammengerainter Gründe ein, deren erster vor vielen Jahren, der andere, worauf zwei Häuschen standen, ungefähr 1929 zu ihre« Begräbniß überlassen wurde, wofür daS Bürgerspital »ach. Grundbuchsrechtc 9 Schilling 20 Pfenninge Jahresdienst bezog. Als am 13. Juli 1999 Leopold l. durch Trommclschlag und Trompetenstöße in allen Straßen Wiens bekannt machen ließ, daß die nicht mit Kauf- und Hausfatz angesessenen Juden binnen 11 Tagen die Stadt zu ver laffen hätten, eine -aveitere Verordnung vom II. F'bruar 1970 sich auch auf alle übrigen Inden erstreckte,' „so, daß wer immer sich bis zum künftigen Frohnlcichnamsfcstc in Wien blicken laste, an. Leib und Leben gestraft werden solle," erlegten die Brüder Frankl, die Ahnen jenes reich begabten Sängers, in besten Brust die milde Gluth seiner Vorfahren sich fortgecrbt, womit er so viele Herzen erwärmte, so viele Seelen begeisterte, des unvergeßlichen L. A. Frankl, viertausend Gulden vor dcnt Magistrate, damit.dik Ruhestätte ihrer Glaubctisgenosscn unangetastet verbliebe und man ihren Eltern und Freunden im Grabe die Ruhe nicht stören möge. Am 12. Juli 1971 erfolgte durch Bürgermeister und Rath diese Zusicherung, und thatsächlich geschah auch auf diesen Revers hin die Zurückweisung des benachbarten Herrn Simon v. Wagcnheimb, kais. Schlüstelamtmanncs zu Krems, welcher 1981 einen Thcil des Freythofes nächst dem Gattcrburg'scheu Garten ankanfen wollte. Im Jahre 1999 veräußert Israel Frankel, Rabbiner zu Brody, dieses Erbbegräbniß an Samuel Cppcnhcitncr, kais. Kriegsfactor und Hof-Banquier Leopolds >., der es wieder eröffnen und^ statt der hölzernen Einfriedung, die während der türkischen Belagerung verbrannt war, eine Steinmauer aufführen und an dem Leichcnacker angrenzeud ein Spital für kranke Juden erbauen ließ, aus dem das gegenwärtige „AltersvnsorgungShauS" der israelitischen EultuSgemcindc geschasten wurde. Durch die verheerende Ilcberschwcmmung am 21. Februar 1781, durch welche die Vorstädte Roßau und Lichtenthal besonders hart mitgenommen wurden, gingen viele Denkmäler, wahrscheinlich die ältesten, zugrunde. Als Kaiser Josef II. die Schließung aller jener Leichenhöfe verfügte, welche sich innerhalb der Vorstädte befanden, wurde den Juden,

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