Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 190 (24.11.1895)
- Date
- 1895-11-24
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ui. 190. .freie» Blatt. ^eite dir auf eigene Kosten einen Acker vor der Währinger Linie jur Anlage einer neuen Grabstätte erkauften, der Fortbestand ihres alten * FreythofeS in der Roßau, doch ohne fernere Benützung, gestattet. Im Jahre 1793 nahm die hiesige Judengemeinde den Grundbesitz dieses Begräbnisies von den Oppenheim'schen Erben käuflich zurück, eS fand der Umbau des schadhaften Krankenhauses statt, und der alte Leichenhof blieb fast ein hglbeS Jahrhundert ganz unbeachtet, feine Denkmäler unter dem Dickicht wilder Holunderbüsche verborge», bis 1844, da im Spitale einige zeitgemäße Reformen vorgenommen wurden »nd . der hiesige Großhändler Sigmund Edlcr-.v. Werlheimstein das SicchcnbanS stiftete, zu welchem a»t 13. Mai 1844 der Grundstein gelegt wurde, die Lertreter der CnltuSgemeinde auch den Friedhof vom Gestrüppe befreien, die gefunkenen Steine anfrichten und die Grabhügel mit Bäume» bepflanzen ließen. Die Inschriften seiner 700 Denkmäler, bereit ältestes von Jsak Halfen aus dem Jahre 15) 17 stammt, winden von einem Sprachkundigen getreu verzeichnet und das Register im Gemeindearchiv hinterlegt. Hier schlummert, inmilteii zahlreicher Ahnen unserer jetzigen Finanzwelt, worunter Glieder der Familien Lämmel, Werlheim, de Pereira,. Arnstein, Frankls Schlesinger, Leidesdorf Eskclcs, KönigSwarler u. f. w. zu erwähnen, auch der im Jahre 1703 verstorbene, im Leben tiefgekränkte und als Bertreler feiner GlanbenSgenosien hochverdiente Samuel Oppenheimer, von dem ein Geschichtsforscher sagte: „Ohne die unbegreifliche Uneigennützigkeil, mit der Oppenheimer dem Helden Engen sein Hab und Gut zur Berfügnng stellte, wären wir, wäre Dsiitschland heute türkisch." So bietet dieser Friedhof ein historisches ■ Denkmal ans jenen Zeilen, wo die Inden mitunter auch in Ehren gehalten wurden. Der Wind treibt die Wellen des hohen nngemähten Grases, daj die Grabsteine umwallt, und schüttelt die Aeste deS Buschwerkes und der Bäume, die in malerischen Gruppen den kleinen Gottesacker überschatten. Biele der Grabsteine sind Jahrhunderte alt, verwittert, bald nach Morgen, bald nach Abend geneigt und iibtt die Hälfte inS Erdreich versunken, Schnee und Regen haben die hebräischen Inschriften darauf verwischt, von manchen ragen gar nur die moosigen, schnörtelhafi ansgehanenen Häupter aus dem Rasen, und hie und da besagen ein Paar ins Gestein gegrabene Hände, daß einer aus dem Priclterjtammc Arpns unten modert. Innerhalb der FriedhosSmanern belicht vielleicht jeder fußbreit Erde ans Todtenstanb nnd verwestem Gebein, aber nie ist hier ein Todter in feiner Ruhe gestört worden, itm einem Rengestorbenen Platz zu machen. Ungeschmälert bleibt Jedem sein enges Haus, nnd die nachbarlichen vielfensttrigen und vollgepfropften moderne» ZinSburgen, sie fühlen selbst keine Sehnsucht, ihren Raum aus Kosten der Ahnen zn erweitern, deren Rainen doch meist verschollen, deren Geschlechter oft längst auSgestorbcn sind, nnd unwillkürlich fühlt »tan ‘ hier die Wahrheit des TichierworteS: - Tie Taube bat ibr Rest, - Ter Aiid)? die .Hlnit, Inda mir die O'ruit. ' :1t udo l f K ar p e l es. antisemitischen Vereinen und 1?er sammlungen. 1 (H. H. Wolf und Frau; Stritt.i An den T e n t > ch nat io »aleu A r b e i I e r b u n d ridjtet das „Lpatzenblättdien" folgende Ablage: „Wir bedauern, von einer Berichterstattung über Ibr gestriges Fest, sowie über etwaige fernere Veraiistaltunge.t des Temsch nationalen AtbeiierbnndeS abieben;n müssen, da uns Ihr Cbmami Franz Stein dnrdi (ein Benehmen dies unmöglich gemachr.hal." Tiefe Absage lichlei sich, wie es scheint, gegen leinen {geringeren, alS gegen Schönerer selbst, ans dessen Eommando das gerügte Benehmen Siein's wohl zuruck.zusnhren ist. Audi stimmt die Ablage zn dem sonstigen Perhalten des „Spatzendlätlchens". Dasselbe ist derzeit ein hhpereisrigeS Lueger-lTrgan, »nd Wvls'S Faetotnin, St Sediat, sagt in seinem schlechten Tentich, „daß die Anhänger der jetzt in Tr Lueger mui einmal verkörperten Strömung alle Streife ersaßt Hai und -trägt." Schönerer dagegen meint in der jüngsten Ausgabe seines LeibblatteS, Ministerpräsident (gras B a d e n i hätte Herr» Lueger zur Begründung seiner Richtbestäiigiing kurz'und gut sagen können: „Sie sind der Freund he« Miihldorfer Defraudanten". lJm Hause des Gkheiikien.) Zm M a t f) o I i f dj * c o n fi i t n t i o n e 11 e n Pere. ine auf der Wieden, dem Schauplatze der langjährigen Wirkiamkeit des nachmaligen Pfarrervon Schrick, deS „lustigen Poldl", sprach unlängst Pattai. In hen Berichten, welche die Blätter der Herren Pergaui und Spitzer-Weimar hierüber brachtest, wurde erzählt, daß Pattai dem „Baterland" Charakterlosigkeit vorgeworseu habe. TaS augegrisseue Lrgan er vanchirt sid> mit nachstehenden Benierliinge»: „Bei der »oioiiiche» Un- Verläßlichkeit der beide» eitirien Blätter, ist es uns wol>5 erlaubt, 'an der :Hid) tigteit dieses Berichtes z» zweifeln. Herr Tr. Pattai, der dnrdi seine sttugheit und Borsicht i» einem gewissen Ansehe» steht, weiß zu gut, daß man im Hause deS Gehenkten nid» vom Stricke reden darf, und daß Jemand, der schon bei allen Parteien hoipitirt und für die genossene Gastsreundschasr den sonderbarste» Tank abgestailet hat, sich hnien muß, den ansrechten Charakter Anderer anzniasten. TaS .Teutsche Polksblatst aber, das augenblicklich so viel Grund hat, Herrn-Tr. Pattai alS einen kostbaren Bniide-genossen zu schone», hätte, selbst wenn der genannte Abgeordnete sid, »nie,sangen haue, die angebliche Aenßernng wirklid/ zu ihn», allen Giund gehabt, dieselbe >vie so viele bessere Tinge zu unterdrücken, im Hinblicke aus gewisse Proceßacteu, die gerade^ nicht als glänzende Belege für die ISbrlidüeit „in Gesinumigsiuchligkeii gewisser Charakiere angesehen werden lönueu " , - (Waliliinilrikbe dcr „Christlichen Familie"./ Be, der i», August dieies JahreS in der BolkShallc vorgenommeiien Wahl erneS BorstankeS in die Genossenschaft der Tiichlergehilse» niad)teu die Anhänger der diristlid,-socialen Partei große Aiistreiignngen, um ihren Eaudidate»;:,m -iege zu v^rbeliei, TieS mißlang, trotzdem ihre Wablmacher selbst vor milanieren Piun-lu ,„ch, zurückschreckten. So wurde der Tiidilergehit-e Theodor Fu-set vom Gehilien obmanne Lanren; Widholz in, Besive eines Packetmit Wallllcgitiitiatiouen getrossen, die nicht von der Geiiossenschast ansgegeben wäre»,/ W:e Fnssrk ge stand, hat Ser Perein „Christliche Familie" ran'end Stuck Siimiu^ttel ein'.id, von einer Trnderei Herstellen lassen, die dgnn an einzelne Wähler zue Per theilnng gelange» sollten. In Folge der hierüber erstatteten Anzeige h.uie s>d> Theodor Fussel am AI d. M. vor dem Slra'richt.r des Bezirlsgbriekues Aber grnnd ivegen Ilebertretung deS Betruges zn verainwone». Ts>- Angeklagte vei sichelte, er habe Riemanden schädigen wolle», nnd.es ioton and, die Sinn», zenel nicht mit der Geiiossenschansssiczmpiglie versehen gewesen. Ter staalsanwall idiasniche Zni.clionär erklärte aber, dost die- Genösseuschari eui Sied» bade, zu verlangen, daß nur-mit giluge» Stiinn,zetteln geiihihlie Fuuciioua-.e ans der Wahl hervorgehen, und beantragte die Bestrafung des AilIeklagien T-:> :Ktd,:e. pflichtete dieser An ckiauung bei und verhängte »ber Fussel eikie d > e, t ä g t g e A r r e st straf e. - Mißliebige Zuzügler, i Zu-A b 1 Iv a r d l s illngster Pilgeriahn nadi Wien bemeill die „Anlisemilijehe Correipondenz" de» Heir» L i e b e r in a n » von S o n i! e n b e t g, „es gewinne dadulch das Gerücht an Wahr'dieinlidileit, haß der genannte Herr, nachdein er in Tentidiland zieinlid, allen Boden verloren hat, mit Tr Böckel na.fi Tenerieid) iibersiedeln woll." Herr v. Lieberniann will zwei iSaiictineme» loswerdrii nnd glaubt eas, was ei wiiiiidik. Wir aber sind überzeugt, daß uii'ere -.Aili-emileuhäuptliiige nidir Cie Hände m den Schoß legen, sondern;,»» Schnne ihres Geichäsles gegen solche mißliebige Znzliglinge bfe Hilfe des Bagabuiideugeienes anrnfen wiiiden. Änd: klingt cs nicht wahrscheinlich, daß Ablwardi »nd Böckel sich wirllidi mit dem tssedaiileii tragen, »ad,Tesserre,d> eiiizuwandern, denn ibr Trgan. das „Teni-die Bolksred»", brachte dieser Tage einen /Artikel, welcher an sdiainlvieu Aus lassniigen gegen die höchsten .streife unset : Pkonardne sogar •nbnlidie Leistniigen T r n in o n t'S in der I.il«, J ,:tr«)l,- * wen üben risst. UeberdieS Igmmi aus Berlm d,e Meldung, daß Adlivardi int T.cember auf ein längere'"stistiriei nad) Aiiierika gehen werde. lElrriculc tzirstäiidiiissc.i In der lebten Beiiainmlnitg de», st a rb o: i s d) e n S d> u 1 v e r e i)(e s meinte ein . Geistlicher , Freiherr v. B -- l, d> i n g e n, „der katholische Bürgermeister 'lullte dein katholische» Bolle d: kaibolssche Schule gegeben." Es ist zwar ei» slnsinii, aiizniiehmen, ein Biir.-.-t uieister von Wien hätte die Macht, NeichSgeseven derart;uwidrrz»ba»de!n stier die iniercon'esstoiielle Sdmle abschaisen uns eoiifessiönelle rehrgnstasten e,,-. führen lönnle. Trovdem verräth aber die Aenßerung des Fieiber.-,1 Bei lid)ingep - die Motive,. weshalb die Elericaleu die oiitfoiniti’.ii.- Beiveenn.r tinierstützen. Zur die Ebrlidikeil und Bundesirene im Lager der an:,-emiii-die,i Coaliiion ist feiner ein Aus>prnd> charalieristiid', iveldi.m nenlid, Wilhelm T r a b e r t in einer Ber-a»ii»lking SeS-P a t r, o ii i d; e n P rlksve r e > n e s j u r- .st a i h o 1 i k e n d e n t f d> e t Z n n g e i n M alire»' geiban Hai. Er sagte: „Tie Ehristlidz-Soeialen iverde» es auch zn verhüte,i veis»ch>„, daß die Bewegung d»rd> die Teiilich 'deationalen, deren Assistenz vorlänsig nocki noib wendig sei, in falsche Bahnen gelenkt ivird," Tas ipridji Bände! i Stöckcr'S Mißgrjdiick.l Tic Bemi,Hungen S I ö ck e r's, als .eciiiervaliver SieidisiagScandidal ilir das Mandak der Tesraudaulen H a m in e r st e i n im Wahlkreise H a 11 e - H e r s o r d ausgestellt zn werden, sinh jäminerlid> mißglückt. Eonierdativer Eandidat ist der Amisgerichisräth. W e i h e. -.stad, de» „Preußischen Jahrbiid>ern" durfte dem Berliner „GotleSimnine" noch ein andere» Malheur beschieden sei». Tie Haltnng Slöcker'S in der Hauiineistein Sache, sowie sei» sophistischer Persud), de» Scheiierhausenbries hinweg zu inter pretixen, haben bei vielen^Mitgliedern deS E v a » g e 1 i j d) - socialen Congresse » Bedenke» erregt, ob sie weiter mir Stöcker zusainiiieiuvirken können, und es wird daran die Perspective einer Auslösung diele» EongresseS geknüpst. ■ "