Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 190 (24.11.1895)
- Date
- 1895-11-24
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. IM. Freie- Händen in das Thor, um sich in ihre Wohnung zu dcgcbc». Als Ring Frau P. bemerkte, schrie er sic mit drohender Gebcrde an: „Wenn ich so eine Sanjüdin sehe, könnt' ich ihr die Haare ausrcißc» und sic erschlagen." Tic insnltirte Frau P. drehte sich um und sagte zu ihm: „Bcrsuchcn Sic es!" Kanin hatte Fran P. diese Worte gesprochen, so stürzte sich Ring wnlheutbrauiit auf sic und vclsctztc ihr mit aller Gewalt mehrere Hiebe über daS linke Shr, daß Fra» P. ziirücktanmclte und ungefähr eine halbe Stunde bewußtlos liegen blieb. Auf die Hilferufe, welche Frau P. bei dem brutalen Angriffe anssticß, waren mehrere HanSparlcic», u. A. auch die KaffecsiederSgatti» U mp recht, die Tochter des Hausherr», hcrbcigccilt, welche die Be wußklose labten und dann in ihre Wohnung brachten. Inzwischen hatte» Verwandte der ans so brutale Art mißhandelten Fran P. — ihr Mann war gerade im Hanse nicht anwesend — von dem enipö rendcn Vorfälle die Anzeige bei dem Polizcicommisiariate Töbling erstattet, welches sofort den Polizcib'czirksarzt Tr. Silbcrstcin und eine» Tctcctive an den Thatort entsendete. Ter PolizeibczirkSarzt eon ftatirte in seinem Parere eine» Riß d c S T r o m in e l f c l l c S im linken Tihrc und dadurch vcranlaßtc» zeitweiligen Verlust des Hörvermögens. Ring wurde von dem entsendete» Tctcetive zum Polizeicommisiariatc gebracht, woselbst mit ihm cm Verhör ausgenommen wurde. Auch Frau llmprcchi sowie die andere» Mengen des »»erhörte» Vorfalles wurdet» polizeilich.cinvcrnommc», welche alle in betastender Weise gegen AloiS Ring anösagtcn. Tic polizeiliche Untersuchung ist bereits abgeschlossen und hat daS Polizcicommissariat Töbling den Act dem Bezirksgerichte abgetreten. Als erschwerend gilt, daß sich Fra» P. in gesegnete» Umständen befindet. — Am -0. d. Bk. gegen!> Uhr AbcudS, als die Flcischhanerlchrlingc ans ihrer gewerbliche» ForlbildungSschnlc kamen, entdeckten sic eine» jüdischen (s,liege» in ihrer Milte, n»d ohne daß ein weiterer Grund vozlag, lies plötzlich der ganze Hanfe hinter dem armen Jndcnbnrschcn her, beschimpfte ihn und drohte ihm nnnntcrbrochcn iziit dem „Todtschlagcn" Ter tfsiäugstiglc lief durch die Wollzcilc und den Schwibbogen ans den alten UnivcrsitätSplatz, durch die SonncnfclSgasie i» die Köllncrhosgassc. Tort tonnte er nicht mehr weiter. Zn Tode erschöpft stürzte er in den Selcherladeuin der Köllnerhofgasse »Nr. 1 und batnm Schutz. Ter Besitzer des Geschäftes schloß sofort die Thür und wehrte die »ach drängenden Verfolger»- ab,, bis er seinen Schützling einem Wachmann anvcrtranen konnlc, vor dem die heldcnmülhigc» Jndcnversolger die Flucht ergriffen. Wie die Alten sung n, so zwitscherteit die Jungen/ Nichtsdestoweniger ist nach der Vctjrc Pattai'S der AntiscmiiiSmnS nichts alS ein Kampf gegen die wirthschaftlichc Ucbcrmacht. Ter arme Hansirer, die schwangere Fran und der kleine Vehrbubc sind drei Prachtexemplare dcS übermächtigen JndcnthumS, die bloß a»f legalem Wege. Methode Pattai, bekämpft wurden. - , (Christlich-social.) Aus FünfhanS schreibt man UNS: Herr W i m b e r g e r, der plötzlich sein christlich-soziales Herz entdeckt hat, fand cS für gut, von einer alten Fra», einer Witwe, die in seinem 'Hotel das Kaffeehaus hat, Knall und Fall eine Erhöhung des Zinses um »U fl. zu fördern. Tic Gäste'äußerten sich über diesen christlich» -socialen Act sehr abfällig und machten der. durch denselben arg bedrängten greisen Geschäftsfrau den Vorschlag, die Preise für Getränke :c. um einen Kreuzer zu erhöhe»; sic ging darauf ein, denn nur durch die Großmnth der Geiste wurde sic in den Stand gesetzt, die Ansprüche dcö einstigen liberalen und unnmchiigen Lueger-Mannes zu erfüllen. AnSbciitcr sind aber nur die Juden. L, du Million du! lAlltiscillitischcr Wahnsinn.) In Meidling ist dieser Tage einer der Hanplagitatoren. der christlich-socialen Partei, Karl Spiclvogel, plötzlich irrsinnig geworden und mußte durch die SanitätSabthcilnng der freiwilligen Turnerfcncrwchr auf daS BcobachtnngSzimmcr der psychiatrischen Klinik gebracht werden Karl Spiclvogelein 3r»jährrger verheirateter Mann, besitz! auf dem Migazziplatze Nr. 3 ein gut gehendes Gcmischlwaarengcfchäft. Als am ^.'copoldi-Tage mchrcrc Franc» in dem Vatocit 'ihre Einkäufe besorgten und zufällig' das Gespräch auf Tr. Bicgcr lenkten, ries Spielvogel plötzlich: „Jetzt muß ich schnell in die Kirche gehen und zu Gott beten, daß Tr. Lueger bei der nächsten Genie i n d e r a i h S w a h l wieder g c w ä h l t - u n d zum Bürgermeister bestätigt wird," und eilte in die Kirche. Tort benahm er sich derart auffällig, daß "tr einem Wachmaunc übergeben wurde, der ihn auf das Polizeicommifsariat in der Hnfclandgasse brachte. Bevor der diensthabende Polizeiarzt sich mit demaufgeregten Manne beschäftigen konnte, gelang cS diesem zu entkommen und sich abermals in die Kirche zu begeben, wo er in exaltirter und verworrener- Weise laut betete. Er wurde nunmehr neuerdings zum Polizcicommisiariatc gebracht. Ter Arzt conftatirtc an ihm eine Geistesstörung und ordnete seine Uebcrführnng in die psnchiatrische Ab- Blatt. Feile!V v: ‘ ' '' " - ----- ' 9 thcilnyg an. In der.Nacht sprang Spielvogel daielbst, als er zu Beuel war, mchrcrcmale auf, betete und blickte zu 'wisderholtenmalc» unter . das Bett, indem er sagte: „Tort sitzt Tr. ».'»cger und wartet, bis er. zum Bürgermeister bestätigt wird" Svielvogcl ist ein Sohn des verstorben» Kaffeeneders Spieloogel-in Meidling, der - ebenfalls ein leidciischasilicktzr »Antisemit' war: er wurde schau als ' Knabe, während er die zweite Gqiiiuasialclafse absolvirtc, wegen seines cxccnirijchc» und - agitatorischen Benehmens ans. der Schule ausgeschlossen. Seine geistige Ertrankung wird im Bezirke viel besprochen. Bei den - letzten Gcmcindewahlen fehlte Spielvogcl bei keiner »Wühler- - vcrsammlnng in Meidlings und an den Wahltagen war er stets in Gesellschaft z'negcr'ö, Schueidcr's, «"eßmann's ». s. w. zu sehen. Allo' wieder ein Tpfcr der antisemitischen »Verhetzung: (Nur gtizrn Widers«lrticr des Tschechen»!»»»?.! I» »VrJag fand am 1S. d. ».»> Abends eine Wählcrvei'ainnilung »all, in welcher eilt - »Vater Simon, Krcuzherren.Trdcnsprieü-r, eine avllscmitiichc Rede hielt. Er bczeichnele die Jude» als die gt-vßleu Schädiger der »Menschheit und die ärgsten Feinde .des Ehristenlhllins und empfahl ten AiltisemitisililiS innerhalb des Jn»gtichechenihi„i,s Simon gcdachtoanch »'negcr'S, als dessen priestcrlkchcn Anhänger er sich . belaiuite, und erklärte, ein großer Thcil dcS Elerns iei anti'eniiiiich und jnnglfchcchisch gesinnt. Ter VandtagSabgeordncte irr. . r n a l> o rs t v mit diese» Anöfnhrllligcil entgegen, indem er darauf hinwies, daß daS jungtschechischc Programm, jedem Anhänger d>.c »Varrei die Freiheu - seiner religiösen Uebcrzcngnng wahre. TieieS »Vrvgramw gründe sich aus die tief xvnizeludc Ueber-zeugung von der »N'oihwendigte-: hu eo»- fcssioncllen Freiheit uud Tuldnrg, für welche das l'chechvche »Volk . als erstes unter den »Volker» Europas i'ein^ Stimme' erhöbe» Iwl'C;, ■ »Jinr mit Ziistimmuiig des geiammten rfchechüche» »Volkes könnte die'es Programm geändert werden. „Ich muß mich desball-J > .g::?r >'rnohorskv, „gegen'die anlisemiliichen »Benrebniige» deS »Vaters »»:>:,-» entschieden verwahre». »Wir wollen auch fernerhin Jedem die Freiheit seiner religiösen Ileberzengnng gewähren 'und nicht einem »lui.'üa;n* liebe unser Programm in ei» antisemitisches verwandeln -»»egen jerte Juden, die sich der lkchcchikchen Nationalität feindselig gegenürersteUen, werden wir in derselben »Weile tämpfen wie gegen nn'-ere Feinde «!>->-- Haupt. »Wir kämpfen dafür, daß dem EkcrnS der Einfluß ans die Schule entzogen »werde, und wir werden.-nufere freiheitlichen Ziele. wegen des »Vaters Simon niemals außer »Acht - lauen," nisichsralns abgeordneler Brezuovstr, welcher hierauf sprach, erklärle, er >ei zwar »Antisemit, aber ei» nationaler »Antisemit Er lpine nur jene Indenwelche gegen die» Tschechen sind. Vurgcv iei nicht' vit »Sinnn,, i da er sich den »Wiener Tschechen gegenüber als 'ungerecht crwieieu. i habe. ES zeigte sich wieder einmgl, daß der internationale Antiseniius' > Hins nur beim tschechischen Elerns »Anhänger findet, zvährend si>hechi'chc ' zfaien, wenn .sie auch noch so 'ebr antisemitcl», in dem Inden nichr seine Eonfcisio» .und seine Rare, sonder» feine Anliänglichteu an oad - Tcntschlhnm Hanen. Ihr »Antisemitismus richtet sich bloß gegen dicj jenigeu Jude», in,denen sie Widersacher des Tschcchentbüms erblickew. — Von bcfreiindc'ter Seite wild uns aus Prag zu dieser Ver-amm-! lung noch geschrieben: Es in herrzerreißend,. wenn man si.bt, >ine - dic'e armen »siriestcr vo» der „Jukenbande" geschädigt werde:-' . Be- - i>ndcrS die armen Krenzherre». die kanm über in paar ' .«-apige »Millionen verfügen und gerader» verhliligern müßten, icei.u ü. niclu : in ihrem großen Branham'o. in der Krcriiherrc»ga>'f-» da.» »Z--ch-.u »Bier verkaufen . möchten.' »T, riese Juden f »Wahricheinlich u sie auch nicht genug Bier und trogen wenig dar» bei, »»:-.» w u! ieliäftlickien! »Vcrhältnisie der» Krenzherre» »>n vcrbesiern.' IIuc ta »: :d.u -iick> i:och patriotlkchö Tschechen, welche dein Eaplan!-.->> r i -.„e edk: > Schwärmerei für l'neger und Schneider vernlIn \ Jlitucrlichc Bcrnrlhcilniisi Stvililmvöki?. »P.»er S;ö,alowski hatte, während er beim Tefchener Kr.ie,;.e.ich!e üch in Hofi befand,! in einer Eingabe an daS »sirändini» dtews Gerichtes deiü'elb.n Willkür, ' Gewaltacle bei Handlrabnng derZHausordnung .vorgewor'.n, ier-ncr i einen GesäiignißanfiFlier beleidigt. Er ivu-.d. vo» dem hier» delegirlen i Bezirksgerichte »/Wiftcf zu drei »J'j o di e u A r r e si s veruribeilt. Zur Müßrcsirlnttg Der jnvischtn Vclircrinncn in Berlin.! ■ Sämuitlicheii jüdischen G.-mAu beschul lehret in ne» in Berlin, soll nach ' einer »Verfügung des »VrovinziatcoNegilimS binneu Knrzeul der Unterricht - in verfchiedciien Fächer», besonders >m Teulfchen, entzogen werden Tic „Vosfjfchc Zeitung", welche diese »A'achricht bringt, bemerkt hr.u : , „Tic jüdischen Hehlerinnen könnte» xiach dieier Berfügizug in dem an' Elasienftisiem anfgebanten J'cuieiudcichlllivcseu entweder gar nicht mehr - oder nur noch scheinbar das Trdinarial einer Elane verwalten Sie würden im ^chrlörpcr. der J'euirindeschnlc als eine Atz Hilfskräfte ' betrachtet werden» müsie» und dementsprechend eine untergeordnete Stellung einnehme». »Bkil solchen Maßnahmen' gU,i bas »Vrovinzial-