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Freies Blatt · 1895-11-24 · 190 (24.11.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
190 (24.11.1895)
Date
1895-11-24
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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freies Blatt. Nr. 190. Seite 4 T t intern mir glauben, daß Riemandem seine Geburt oder sein GlaubenSb.-kenntniß ZIIIU Schaden gereichen soll, daß cs Jedeni möglich sein soll, sein Beiles der Allgemeinheit zu widmen, sich durch correcleS und ehrliche.? ('M’j-tnnt die Achtung der Mitbürger zu verschaffen, ohne Rücksicht daraus, ab er von diesen oder jenen Eltern abstammt; 'niemals aber baden wir llnehrlichkcit oder unsauberes Gcbahrcit vertheidigt, gleichviel, bei wem cS angctroffen worden ist." Ter Aufruf erklärt eS »nr „eine heilige Pflicht Aller und jedes Einzelnen, von dem unseligen Siveiie und dem Parieihader abzulassen, der Stadt und ihren Bürgern die '!>>. liohle Ambitionen prciSgcgebene Gemeinde-Autonomie durch ratriotische Mäßigung wieder zu sichern und fruchtbarzu machen".— •iiit' von den antiscuiitischen Mitgliedern deS aufgelösten Gcmeinde- .aibc? erlanenet Wahlaufruf, welcher Sonntag den 17. d. M. vcr- . 'senilichl werden sollte, wurde von der Staatsanwaltschaft ans Grund -;; >a> 3t. Ö'. mit Beschlag belegt. Der 67» St.-G. handelt von.dein Berbrechen der Störung der öffentlichen Ruhe, dcffen sich der enivj. 'chuldig macht, der öffentlich oder vor mehreren Leuten oder ni Ti n.tivet len n s >v Andere zur Berachtung oder znm Haffe wider e-e Peiso» de-o .'{aiscrs, wider den einheitlichen Staatsverband de? 't.i:'.-!!vum-o. wider Pie RegicrungSform oder Staatsverwaltung n,':in..ren 'ncht, oder znm Ungehorsam, zur Auflehnung oder zum W'ketstande gegen «Gesetze, Berotduuügen, Erkenntniffe oder Berfügungen dn ''ernine od'.r anderer öffentlicher Behörden oder zier Bcrweigerung ...I 3t.oder für öffentliche Zwecke ängcordnctcn Abgaben aus- E .d anei'ert oder zu verleiten sucht. Cyi» Ftsclllipf Tcitklttal. Freitag den 17». Rovember wurde ans ' nlni'chen Abtheilung des CentralsricdhofeS das Grabmal ent- * :...• lcheo ent >{ reis voir ffrcunden und GeffnnungSgenoffen dem ::::v.:g.ß..chen' Adolf .v i ’ cf) () o f errichtete. Auf dem von dem bekannten Archzietten Mar Flei'ch.r erbauten Tenkmale prangen die von lne!>:.' i;;:i I > vl*uin ls4> geivrochenen, auch heule noch zeitgemäßen Weite i „Eine ubelberatbene Staatskunst hat die Völker Oesterreichs . .?! >. anoeina. d.rgel>alten, ne müffcn sich jetzt brüderlich znsammen- - v.den n id ihr.- '{täfte durch Bereinigung erhöhen." An der Ent- . .:U::-.:.',ssci.-i lichte» betheiligten sich zahlreiche Vertreter des politischen d.. nnne eine kleine 3chaar überlebender und treugebliebencr Legionäre :::? i '''laiibeiisgeiuffsen Fischhos S.' Lkamens der erstcrcn sprachen ' . ->i.:c!isratl:se.!-.'eorkneten Profeffor Sueß und Tr. K r o n a w e 11 c r, v i:!,:i s'.vlil'iff vries, weil er als Erster in düsterer und dunkler Zeit d.i.o'.n.de P.-ori der ffreibeiv gesprochen, für das gleiche Recht aller Miibüigei ohne Unterschied der Eonsession mit seiner ganzen 'ii.fft .-ingetreten ie- Ritter v. Malscheko sprach namens der .uad.-mi'che» gionäre des Jahres 1S48 einige Worte deS Gedenkens n.-d ugab das Monument in die 3bhut der israelitischen Cnltusn chdein er einen stranz mit der 3chleiseninschrist: . 3ie i'.id.nu'chen Legionäre l"48" niedergelegt hatte. 'Rach ihm '.) Hö'' und «rerichtsadvoeat Trd Stern, der das Tcnkmal .0. .-. nol-in ffII seiner von tiefer Empsindung getragenen Rede sagte . n. A.. uff gewiff'e'Vorgänge im Wiener Gemeinderathc anspiclend: .n nn ui lammenden Jahren an den Gedächtnißtagen, wenn an den 3 ft .i irficnt ebne Unterschied des Glaubens heiligen Frühlingsoi.uu'i iu-n ' I N. an denen du, der Erste, nicht achtend -er Gefahr, d..' i W.'.t ge'vrochen, wenn an solchen Tagen ihr zu jener "i.-!uv u ... wandert und an den Grabstätten der Männer, die ihr ■ ' i 4r-u' „schait, der .'tunst dem öffentlichen Wähle, dem Vater ■ ' ■'« u.'N widmeten, st ranze nicderlcgt, o, so vergeßt nicht und luv.i ’ ch herüber ans den israelitischen Friedhof und wisset, laß - n>ch' etwa die israelitische Eultusgeuicinde ist, -!'!>. d -. B e statt u n g unseres Ado ls F i i ch h o f in jene m . ' A .. e n i :i e U-nt er schied des Glaubens gemein - i v!' " . st - ’. r eichi s ch .- n Pantheon c n t g e g e n g e t r c t e n Und i ’ t hier in Stein gegraben die Worte dieses Menschen, i-vd.s, d -es großen Patrioten und Idealisten: miede, Vereinigung, -ch: a alle.'.iballe-.! verkündete und welche in all seinem Wirken die --' ,i - u-. s -. b-u-o bii.-ben bis ins i^reiscnaltcr. bis au sein Ende." .' .in noch "der. Rcichsrathsabgeordncle Constantin Rosko i Bei einigten Viiifcii und Tr. Vogler als Vertreter des ' i it Paneiverbandes des eben aufgelösten Gemcindcrathcs -.- ui-,.' am T.-nkmale Fischbof's nieder. Tamil endete die' ' v . üi dero..: und erhebende Feier zum Gedachtniß dieses ':: m .ii’C warmherzigen Politikers. Eardiisiil Schwär,culicrfl ijkgcn die .Heypressc. > In seiner -. r?rctc eitine der Ackerbauminister Graf Ledebur ö.- -ch-.-'.beh des verstorbenen Eardinals Fürsten Schwarzen- - lies dic'cr stirchcnsürst seinerzeit, als Professor Tr. Schöpf -aiZbnrg die Redacticn der „Con'crvativen Zeitung" übernahm, UI du'n gerichtet batte. Das Schreiben, welches wir vor einiger Zeit abgedruckt haben, mahnt zur Mäßigung und zur Versöhnlichkeit und enthält folgende Stellen, die heute mehr denn je von der clericalen und antisemitischen Preffe beherzigt werden sollten. Es heißt da: „Vor Allcm muffen Sie sich stets gegenwärtig halten, daß Sie Priester sind. . . Hüten Sie sich, den Gegner lieblos und roh zu behandeln oder gar seiner zu spotten ... Wenn Sie also z. B. von einem Juden etwas'Schimpfliches wiffen, dürfen Sie nicht sagen: ,So sind alle Juden', man konnte sonst leicht den Spieß umkehren und im Falle als ein Geistlicher fehlt, rufen: ,So sind alle Geistlichen' . . . Rehmen Sie sich stets der Unterdrückten und Verfolgten an, mögen dieselben waS immer für einer Confession oder 'Ration angehören . . . Machen Sic überhaupt durch Ihre Sckp.-iststellcrei den Mitmenschen Freude; dann haben Sie Ihr eigenes Seelenheil befördert." (Zur Heinc-Trnkmalsrage.) General Auspitz hielt unlängst im Wissenschaftlichen Elub einen Vortrag, in welchem er zuerst über den berühmten französischen Schriftsteller Paul Louis Courier de Marö sprach, während der zweite Theil des VortrageS dem Widerstande der Tcutschcn gegen die Errichtung eines Hcine-MonumcntcS galt. Es waren überaus warme und sympathisch berührende Worte, mit denen der General dieses dem licderreichen Tichter angethanc Unrecht kcnnzeichnete. Teutscher Stein, sagte er, und deutsches Er; finden sich nicht, das Bild dieses SängcrS zu sormc». Der Haß hat hier Recht behalten und nicht die Liebe. In deat Trcigcstirn dcr Sünger der Liebe, Byron, Lcopardo und Heine, nimmt wohl der dculsche Poet nicht den ersten Rang ein, der Brite überragt ihn, und wenn man gerecht sein will, muß man zugeben, daß Manches in Heine's Schriften gesucht und unwahr ist und daß zuweilen bei ihm der Geist das Gemüth enterbt. Er hat da und dort von seiiicm Batcrlandc mit Hohn gesprochen - allein, was für ein Vaterland war damals das deutsche? Ein gefeierter Patriot, Moser, nannte zur sclben Zeit die Deutschen ein großes, aber verachtetes Volk. Und Heine hat cS trotz seines Hohnes heiß geliebt. Was hat Alles- Voltaire den Franzosen ins Gesicht geschleudert, mit welchem Hohne überschüttete er die Pucelle, die nachmalige nationale Heilige! Trotz aller Civilisation entmenschte Barbaren, ein. Land, von Affen bewohnt, die sich zuweilen in reißende Thicre verwandeln, so nannte Voltaire Frankreich und die Franzosen, und doch schätzen ihn diese als einen ihrer größten Geister. Auch Byron war verpönt. Die Abtei, in der Englands große Geister ruhen, hat sich ihm nicht erschlaffen, allein England hat sich schon längst des Haffes gegen diesen Dichter entschlc-gen, und keinem Gebildeten in den vereinigten Königreichen fällt es heute ein, einen Stein auf das Grab des Dichters von Ehild Harold und der Hebräischen Melodien zu weifen. Gerade so wird trotz der Düffcldorser und Mainzer Stadtväter einst ganz Deutschland über den Tichter Heinrich Heine denken, und weun er auch derzeit auf deutscher Ecde kein Standbild erhält, sein Lorbeer wird immer frisch und grün bleiben. Lebhafter Beifall folgte Pein Vortrag. «.Annsemilell der Thal.) Ein Wiener Bürger schreibt uns: Im Gasthausc zum „Reichsapfel", VIII, Lenaugassc 1), woselbst jeden ^Samstag die Einzahlungen in einen Krankcnvcrci» stattsinden, war ich vergangenen SamStag Zeuge einer empörenden Scene, die selbst den (^astwirlh veranlaßte, mit einer dermalen bei diesen Geschäftsleuten selten gewordenen Energie cinzuschreitcn. Ter bei dem Krankcnvcrcin als Beisitzer fungirende Werkmeister Pohl war eben mit seinem Sitznachbar in ein lebhaftes politisches Gespräch verwickelt, als ein alter Hausircr mit einem eisgrauen Bollbartc zu dem Tische trat und seine armselige'Waare zum Kaufe anbot. Als Pohl des Hausirers ansichtig wurde, schrie er: „Ekelhaftes Judengesindel!" und schüttete sein volles Glas Brer in das Waarenkästchen des Juden. Bestürzt, sah der arme Mann auf seine kleine, nun gänzlich verdorbene Waarc, und mit zitternder Stimme fragte-er: „Mein Gott, was habe ich Ihnen denn gethan?" Pohl wollte aufspringcn, als rasch der Wirth hinzutrat und ihm energisch weitere Rohheiten verbot. Er gab dem Hausirer eine Krone und auch mehrere andere Gäste beschenkten den Greis, und als derselbe fort war, bekam Pohl eben keine Schmcichelworte zu hören. — Von anderer Seite wird über einen Vorfall von noch mehz empörender Rohheit berichtet, der sich am jüngsten Samstc^g in der Billrothstraße in Dberdöbling zugetragen. Im Hause Rr, 14 der Billrothstraße wohnt der 40jährigc Zimmcrputzer Alois Ring, welcher in Töbling allgemein als antisemitischer Agitator bekannt ist, obwohl er fast lauter Juden zu seinen Kunden zählt und die Waaren für sein im obgenannten Hause befindliches Geschäft ausschließlich von Juden bezieht, von denen er ungeachtet seines zielbewußten Antisemitismus ausgiebigen Credit beansprucht. Samstag Abends stand dieser Mann mit zwei im Hause bcdiensteten Mädchen im Hausflur. Da trat die int Hause wohnhafte Frau P., welche iw der Stadt Einkäufe besorgt hatte, mit mehreren Packetcn in den

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