Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 189 (17.11.1895)
- Date
- 1895-11-17
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Nr. 189. ___ .freies T e r Kosak kommt heraus. Kratze den Russe», und e« kommt der Kosak heraus. Lueger'S heutige Beschäftigung ist es, zu beweisen, wie recht die Krone hatte, ihn, als fiir den Bürger« meisterposte» unpassend, nicht zu bestätigen. An liber all^e M a u i s e st a n t e n. Vornehm ist Eu re Haltung, Von Rohheit keine Spur, Doch Ihr seid nicht im Salon, Zu böslich Kid Ihr nur! 2ius antisemitischen Vereinen und Ver- , fammlurtqm. (Ttr Kampf gkstk» Ungar».) K.'! VerlranenSmänner der Leopoldst a d I - B r i g i I t e n a u Innen dieser Tage zusammcu und faßten eine Resolution, i» welcher es heißt: „An unsere Vertreter in de» gesetzgebenden Körperschaften richlen wir die Bitte, daß sie, im Falle der weitere Entwicklungsgang die zwingende Rc»l„ve»digkeit schafft, in enger Fühlung mit anderen Volks- .und sreiheilSfreundlichen Fraclionen mit magyarischer RüclsichlSlosigkeil frei von jeder Empfindlichkeit die Rechts-« und BilligkeitSansprüche der diesseiligen Königreiche und Länder, »aincnllich in der Frage des Ausgleiches, der siO Millionen-Schuld und der Erneuerung des Privilegiums der Oesterreichischuugarischen Bank energisch und mit alle»' ihnen zu Gebote stehenden Mitteln wahren »lögen, mit besonderer Rücksicht aus die Zeit, da die Ungar» nach vollzogener Durchsührnng der Valutareguliruiig, respective nach erfolgter Einziehung der schwebenden Schuld an die Gründung einer selbstständigen Bank schreite» dürsten." Arm i» Arm mit Rabergoj und B i a n ch i » i will Lueger mit „magyarischer Rücksichtslosigkeit" Ungar» in die Schranken fordern, und nahezu siebe» Dutzend Streiter aus der Leopoldstadt-Brigilteua» wurden mit der Ehre betraut, ihn und seine» Anhang darum zu ersuchen. «I» Verruf erklärt.) Der Verein „Ehr ist siche Familie" hat in seiner PorstaudSsitzung einstiinmig bekchlosie», das „Vaterland" in dem vom Vereine hcrausgegebenen Wegweiser nicht mehr unter den „christlichen Zeitungen" .anzuführen. TaS Organ, dem wir diese hübsche VereinSnotiz e»Inehme», und welches von der Justiz der „Christlichen Familie" sichtlich;ufriedengestellt ist, betreibt häufig den Wodan-CultuS «Tcutich-scrbischcs Viiudliiß.) Bei den LLahlen für den Ausschuß deS Studentenkrankenvereines siegten in der Gruppe der Mediciner wieder die „arische» Candidateu", darunter einer RamenS Herbst, hoffemlich kein ent arteter Rachkomine des rühmlich bekannte» Führers dex deutsch-liberale» Partei. Im Wahlkampfe standen aus Seite der Teutsch Volklichen säinmtliche Serben. Eine nette Verbrüderung ist dieses teutich-serbische Bündniß, und.es dürste fürder seine» Ausdruck in folgende», Bände sprechende» Ausrufen finden -. „Zivio Schönerer!" „Heil Milan! Heil Raialie»! Heil ihres LkesteS Inhalt!" (Tie UNI Zichy.) Wie aus Uttgarifch-Altenburg berichtet wird, haben die Wahlen für die Municipalität des Wieselburger ComilateS eine» vollständigen Sieg der vom Grafen Ferdinand Zichy gegründeten, antisemitisch angehauchte» Katholischen Volkspartei ergeben. Von i'i Gewählten gehören!5 der Volkspartei an. Es befinden sich'darunter zwölf katholische Pfarrer, eii, ' FranciScancrinönch und zwei Kreuzherren. Alle Fideiconimiß Herrschaften habe» > sich für die Volkspartei eingesetzt. Tie nächste Folge des Wahlganges wird die sei», daß bei de» im December erfolgenden Renwahlen der Comilalsbeamten die Candidaten der Volkspartei durchdringen werden. Im Wieselburger Comitale habe» übrigens feit jeher die Clericalen und Antisemiten die Majorität gehabt. (Eine Niederlage der Soeial-l>hristlichr».> Zu außerordentlich stürmiiche» Sceueu kam es in Berlin am 11. d. M. Abends in einer von dem frühere» Social-Temokraten PredigtamtScaudidäten Theodor v. Wächter einberusene» öffentlichen Volksversammlung, in welcher den „Obdachlosen und Frierenden" Kaffee und'Schrippen gereicht wurden. Der Redner de-Abends, Herr v. Wächter, versuchte vor etwa zweitausend Personen, zumeist enragirten Social-Demökraten, die von ihm angebahute social-christliche Bewegung zu rechtfertigen, was ihm jedoch nicht gelang. Gegen Herrn v. Wächter, der vor Jahr und Tag au« der social-demokratischen Partei auSgestoße» worden ist, wurde, nachdem etwa zwanzig Redner und Rednerinnen gesprochen, schließlich nach Mitternacht iolgende Resolution angenommen: „Die ösientlichc Volksversammlung in Keller'» Festsälen erklärt sich gegen die AuSsührungen deS Herrn v. Wächter und sieht die Befreiung der arbeitenden Llasse nur durch die heutige organisirte Social' Demokratie." (Heiter auch in ernster Zeit.) Als Curiofum wird aus dem hessischen Orte Heldenbergen berichtet, daß dort zur Gemeinderathswahl vom antisemitischen Bauernverein ein Jude als Landidat ausgestellt worden ist, nicht etwa ein durch das „Bad der Taufe" gereinigter, wie Spitzer-Weimar, Porzer, Max Anlo» Löw rc., sondern ein ganz unversälschter Jude. I a * *• i Eeite 7. 2lus antifcmitifchcn blättern. (SdlOII der Wille ist löblich.) Ter .Urtentone Maiaidek schreibt in dem „Spatzenblättchen": „Wenn Tr. Lueger auch noch nicht Bürgermeister geworden ist. so wurde ihm doch bereits die höchste Auszeichnung zuthell, die ei» Sterblicher erreichen kann: die .Illustrirte Hackebrachte sein Bild, obwohl er. keinen Raubmord verübt hatte." Mocd allerdings nicht! Tagegen stellte er da« blutrünstige Programm des KöpsenS oder Hängens guf. Auch Raub nicht! Wohl aber gab er einmal dem Wunsche AnSdrnck, daß man den Besuchern des LaatenmarkteS von staalSwegen Allewegnehme, war sie milbringen. I'l ili-sint vires. tarnen est lawluwlu volmitns. 1 " lTentsch-polklichc Futdarkcr.) Tie „Arbeiter Zeitung-- bringt folgende ergötzliche Rotiz: Tie „O st d e u t s ch e R u n d i ch a u". berichtet .gestern gelegentlich deS LeichensundeS auf'der Westbabnstrccle bei PnrkerSdors- „In einem Abtheil fand man weibliche Kleidungsstücke," >.!, — ■ I„ Folge diese-? M j I t h e i l S suhlten wir uns verpflichtet, ’ofori eine» nähern Erheb zu pflegen, der insofern von Erfolg begleitet war, alS er nnS an' folgenden B e. g rü n d führte. Im Besorg eines dringenden B erricht s machte die Arme offenbar, einen lebhafte» U m d l e h, in Folge kessen sie, de» E i » ' a s, de» äußeren Abtheils de» in vollem Beweg bcsindli-ben Wagens nicht eri'aßle u»d deshalb abstürzte. Ter B e r i ch l e r st a l t des deni'ch nationalen Z e i i s stimint in jedem Richte, und wir gebe» gern, mit ansrichligem ->>ühr und - ohne jetze» B e c i » f l u ß, den Bestätig, daß wir im -)i a ch a h in -eine-? Vorbildes allen liniere» Bestreb, trotz alle)« Verfolgs, dahu, richten iverden, -de» A u S itt e r z des harmlosen Endes ,nngmit A » f v -.- i n z aller Kräfte zu», T u r ch f n h r zn biengeu. Wir iehen miiAnfreg einem iveueren - Melde uiid weiterem Verdenlichcn de-, genannten großartigen Organs entgegen-. Sein-Ei nrichl ist von enormem Bede»>--? läßt sich nänilich .drahten', nud wir können nur .röhren--und .seiinniuchel»- tbiue, nicht zu leien: mauschel»). — Aber mir sc»en allen Hoff daran', das; es eine» Bergen > auch aus diesem elenden Planeten gibt. — Zum Ge» ei'! (siiedattkrilloses.) Unser alter Freund Ma'aidek wird in 'einen „Lo'-'N (üedankeiz".neuerlich sehr gedankenlos , er wird uns daber. gcsiatien, daß ivir einige seiner Gedankenverreiikgngeu-hier, gehörig einrichlcn. IJn’vv alle r Freimd sagt: „Riemand kann der Regierung und zugleich dein Volke dienen." Ja, si-.n Ivan» ist Ma'aidek denn Anarchist geivorden? Er meint daher onenbar nichts Anderes alS: „Geboriam ist des Bürgers erste Pflicht." Bla-aidek schreibt: ' „JuhaS Iichariot, der seinen Herrn und Meister um lll> Silberlinge verkaufte, war ei» echter Opporlunitälsmaiin. Er ivar vielleicht der erste Liberale, dem -das Geld mehr galt als seine Grundsätze, und sicher nicht-der lebte." Er. irrt sich Juda», dem da» Leben eines Juten um -'!<> Silberlinge feil war, .war der erste Antiieiiiit, leider nicht der lebte. Mamide-k lagt: „Mancher, der in Lemberg sollt groß lauSsieht, wird lehr, klein, wen» er plötzlich-nach Wien versetzt wird." Erbat sich — da er doch oiieubar den „Mann mit dein eisernen Gewand" n» Auge hat — verschriebe». ES >oll heißen: „Mancher, der in Wien sehr groß auSsieht, wird sehr klein, wen» er plötzlich nach Lemberg öder' — Budapest reise» wollte. Ader er ivird's nicht thiui." Herr Maiaidek wird sehr gedankenlos.. Rur einmal hat inner alter Freund.Recht, wenn er nämlich sagt: „Rian <o1I das Alter ehren, wenn es chiwürdig ist: doch vor einem alten E'e! braiicht kein Menich einen befonderen Relpecl zu haben.^/Bravo Masiiidet! (Ein Vorspiel zu einem Prcßproccssc.) Wie erinnerlich, sollte im La»', des Ortober vor dem Schwurgerichte Wien gegen den P'arrer von Weinhau-S, Dp. Josef Teckert, in seiner Eigenicha'l alS Herausgeber und vetaniwort licher Redacteur deS „S e n d b ö Ih ii vom heiligen Icne'' ein Preß proceß stattfinden, nachdem ursprünglich drei Pei'onrn, nä»>lich szer Bürger, meister von Eichhorn bei Zistersdorf, Johann S t r i ha in ui e c-, der Ober^ lehrer Johann Berger und der jüdische Kaufmann Ben» rrd >in c r. - gegen ihn als Kläger wegen Beleidigung durch fein Bla': au'geiieten -wm-en. Die beiden Erstgenannten sind seither von der Verfolgung zuinckgetreien. doch .mußte die Verhandlung über die allein zurnckgebliebene Klage Korners vertagt werden. Tie Ursache dieser Vertagung liegt i» einer Verhandlung, die am K. d. M. vor dem Bezirksgerichte ZistevSdorstansand und alS Vortpiel des PreßprocesieS zu 'betrachten ist. In dem inc-rinilnirteii Artikel des „Sendboten-- wurde berichtet, daß Köriwr.'einem Knechte au'gelragen habe, von hinein Dachboden Heu zu eniivenden, ivelchcs Eigenthnm der (semeinde Eichhorn und zum Füttern der Genieindestiere bestimmt wgr. Ter Knecht habe die-? gemeinsam mit der Magd Körner'-?, die ihn, half, gethan. er fei später entlassen worden und habe seinen eheinaligeu Herrn wegen, Diebstahls angezeigt. Sodann wurde in der bekannten Telkert-Manier ausgeführt, was 'ür ein Unheil „ein Ikide" im Dorfe anstijte, und daß der Bürgermeister und Oberlehrer, mit ihm freund schastlich verkehren, statt de» Diebstahl zur Lsnzeige zu bringen. De» Einsender des Artikels ivollte Pfarrer Decken nicht »knnen. lieber diesen in Rede stehenden Heudiebstahl hat schon eine Verhandlung staltgefunden, bei welcher Bernhard Körner al« Kläger austrat, und e? wurde der Knecht wegen fälschlicher Beschuldigung Körnerls rechtskräftig zu einer Woche Arrests vei-urtbeili. Bevor e» nun im vorigen Pkonate zur Schwurgerichtsverhandlung kam, langte beim Krei-?-