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Freies Blatt · 1895-11-10 · 188 (10.11.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
188 (10.11.1895)
Date
1895-11-10
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. m Freie» Statt. reite t>. von Personen, die anö der Popularität dieses BolkstribunS ein Geschäftchen machen wollten, empfindlich geschädigt worden. So z. B. hat ein hiesiger Photograph 10.000 Lueger-Bilder, geschmückt mit der Bürgermeisterkelle und der Inschrift: „Tr. Carl Lueger, der erste christliche Bürgermeister Wiens", angefertigt. Tiefe Bilder wären am Tage-der erfolgten Bestätigung in allen Bezirken zum Kaufe angebolen worden. Ein anderer Speeulant hat „Bürgermeister Dr. Lneger- Ltöcke" angefertigt, ein dritter Lueger-Büsten aus GvpS, selbstverständlich auch mit der Aufschrift: „Tr. Carl Lueger, Bürgermeister von Wien." Der kleine, putzige Dr. Psenner hat Medaillen prägen lasten; das gute, stets freundlich lächelnde Männchen wollte halt auch etwas verdienen, da ja zur -Zeit bei den jüdischen Banken nichts zu holen ist. Nun sind alle diese Speeulanten auf den Säckel der christlichen Lueger-Enthusiasten gründlich aufgesesten. Und wer trägt die Schuld? Toch nur die Juden! Und da soll man nicht Antisemit sein? . ' . —tT— Auslicscning der Abgeordneten Lueger und Schneider.) Ter JmmnnilälSatisschuß deS Abgeordnetenhauses bewilligte daS Ansuchen deS städtisch-delegirten Bezirksgerichtes Wieden um Auslieferung des Abgeordneten Lueger wegen Ehrenbeleidignng, ferner das Ansuchen des .Preisgerichtes Korneuburg um Auslieferung deS Abgeordneten Schneider wegen Vergehens »ach #02 Sl.-G. i Aufforderung zu Feindseligkeiten gegen Nationalitäten, ReligionS- oder andere Gesellschaften u. s. w.» und schließlich daS Ansuchen deS städtisch-delegirten Bezirksgerichtes RndolfSheiin um Auslieferung Schneider'« wegen Ehrenbeleidignng. tGcistlichc Agitatoren vor Gerichts Man erinnert sich noch der im heurigen, Sommer vom Weinhguser Pfarrer 'Tr. Josef Deck er t acht Tage hindurch gehaltenen Predigten, deren Inhalt, wie damals berichtet, von den aufreizendsten Wendungen gegen die Juden strotzte. Dieselbe» bildeten bekanntlich den Gegenstand einclr im Abgeordnetenhanfe eingebrachten, vom damaligen Ministerpräsidenten Fürsten Windischgrätz auch beantworteten . Interpellation und batten die Einleitnug einer strafgerichtlichen - Untersuchung gegen Pfarrer Dr. Dcckert zur Folge. Nunmehrhat die Staatsanwaltschaft nach beendeter Untersuchung gegen Tr. Teckert die Antlage wegen Vergehens nach tz 0( >'J erhoben. Die Verhandlung findet im nächsten Monat vor dem hiesigen Schwurgerichte statt. Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt. — Das Bezirksgericht Leinberg hat am 5. Noventber de» bekannten ckuistlich-socialen Agitator Stojalowski wegen Be leidignug deS Landesgerichtes zu zehntägiger Arrest st rase verurtheilt. Ter Vertheidiger StojalowSki's, der de» nicht ganz arisch klingenden Namen Asch kennst, führt, meldete die Berufung an. ES scheint, baß sich die geistlichen Antisemiten mit Vorliebe Jndenstäinmlingd, wie Dr. Porzer, . Dr. Löw und Dr A s chkenaiy, alS Vertheidiger wählen,, um nicht in den Geruch des RacenantisemitiSmuS zu kommen. Gin ililcrcMitcr Freispruch. Mau schreibt »NS ans ('Sitta: Am 2 d. M. fand hier eine Chrenbeteidigungstlage statt, die das Interesse weiterer Streife erregen dürste. Wie bereits gemeldet, war gegen den Unterlehrer aus Vorschau, Josef Hobest bei der k. t.'Bezirtshanptinannschaft die Anzeige erstattet worden, er habe^am 3«> Juli unter Anderem die Aenßerung gethan: „Binnen sechs Jahren werden alle Jude» todtgeschlagen werden und darauf kommen diö Deutschen." Ein alS Zeuge vorgerufener Professor erklärte, diese Aeußernng gehört zu haben, und wurde deshalb vom Unterlehrer wegen Ehrenbeleidignng geklagt. Ter Richter sprach jedoch den Angeklagten mit der Begründung frei, daß lie k. k. Staatsanwaltschaft i» Ungarisch Hravisch in der Aenßerung deS Lehrers, wenn sie auch als gethan erwiesen wäre, kein Substrat zu einer Auslage sehe. i?ie Zllücil und du« Hundwcrk. Ter Centralverri» zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in.Prag hat dein soeben ' erschienene» Geschäftsberichte zufolge in der abgelaufenen Periode von zehn Jahre» nicht weniger als 140 Knaben zu Handwerkern in die Lehre gegeben. - Bon diesen wurden 08 nach beendeter Lehrzeit freigesprochen, 25 als unfähig entlassen, und 0.') verblieben in der Lehre. Von den Freigesprochenen sind: 14 Handschnhinacher, 12 Schlosier, 7 Goldarbeiter, * Schneider, 0» Tapezierer, 4 Tischler, 2 Selcher, 2 Anstreicher, 2 Schriftsetzer, 1 Galaiiteriearbeiter, I Hutniacher, 1 Gelbgießer, 1 Schuhmacher, 1 .stlenipiier, 1 Gelber und 1 Goldstassierer. Als darf hervorgehoben werde», daß von den 08 Freigesprochenen die größte Zahl bei ihren Lehrmeistern als Geselle» verblieben, was wohl der sprechendste Beweis für das gute Einvernehmen ist, welches zwischen Meister und Lehrling herrscht. Nur ein verschwindend kleiner Theil hat daS Handwerk anfgegeben. Alle Zöglinge besuchten theilS die Fortbildungsschule deS Handwerkervereines, theilS die Schulen ihrer Gewerbegenosienschaften, und zwar mit durchschnittlich gutem Er^lge. 2 Buchbinder, 1 Mechaniker, 1 Lithograph, beinerkenswerth Tie baaren Ausgaben deS Vereines betrugen für die 00 Gesellen 0052 fl. #5 kr., für die 2.5 entlassenen Knaben 702 il. 05 kr., für die :>0 in der Lehre Verbliebenen 3150 fl. 10 kr Hiezu der.Religionsunterricht und andere nicht anrepartirbare Auslagen OOO fl , zusammen 10.541 fl. 10 fr. — Jin Monat Tctober fand in Posen die coiistituirende Versainmlnng deS neubegründeten Vereines zur Förderung deS Handwerkes und des Ackerbaues unter den Inden statt. (P Bischof Gabriel Pap.) I» Koinorn verschied dieser Tageder Bischof der resdrmirteu Kirche, Herr Gabriel Päp, im 0>0. Lebensjahre. Ter Verstorbene, ein überaus humaner, patriotischer und freisinniger Priester, genoß in de» weitesten Kreisen hohe Achtung. Während der kirchenpolitischen Verhandlungen im Magifatenhause war Bischof Pap ein beredter Anwalt der Resormgesetze. Ehre seinem An gedenken! lFür die jüdischen Lelircrinnril in Berlin., Ter Verein „Bet liner VolkSschnllehrerinnen" faßte in seiner letzten Sitzung folgende Resolution:- 1. Ter Verein „Berliner Volksschullehrerinnen" bedauert lief die Schädigung, welche - die jüdischen Lehrerinnen in Folge der SteUungnahine der Regierung in ihrer Bernfsthätigkeit erleiden sollen, indem die Regierung :r) die Anstellung von jüdischen VolkSschal- ' lehrerinnen immer mehr zu beschränken, beziehungsweise ganz anfzn heben sucht, >,) die jüdischen Hospitantinnen nicht mehr zur Vertretung christlicher Lehrtrüste heranzuziehen gestattet. 2. Ter Verein „Berliner Volksschullehrerinnen" spricht die Hoffnung ans, 'daß die städtischen Behörden nicht ermüden werden, für die Wiedererlangung der Gleichberechtigung ihrer jüdisclien Lehrerinnen einzulreten. Er hoift von dem, Gerechtigkeitssinn der königliche» Behörden, daß sie -den bezüglich.'» Vorstellungen, ei» geneigtes Thr leihen und willige Folge gebe» werden. tZnr Sittengeschichte der Antiselitikcli.l Groß.-' Sensation er regt in Breslau das Bekanntwerdeu eines Kind.-sniordes wegen der in die Untersuchung verwickelten Personell. T>e Tochter eines als enragirier Antisemit betannten TireetorS hat ihr außerehelich ge boreneS Kind zerstückelt. Tie Untersuchung ist auch gegen die Eltern der Mörderin eingeleitet. — Te>. Briesmarkenbändler £:to I aeob s anS-Goslar wurde in der Ster zu Braunsichweig als Leich aufgefunden. Jacobs, einer der eifrigsten Vorkämpfer des AntiieniiliSinns in t^oslar und ständiger Mitarbeiter des Hannoverischen AntiseiniteNblatteS, hatte sich verschiedene^ Unterschlagungen schuldig gemacht und auS Furcht vor dein t^efängniß den Tob iu den Welle» gesucht Zwei Blllldeilklllliler Toledos. ,. Unter den interessanten Ban denkutülern Toledos fesseln zwei alle Synagogen in hervorragendem Maße deS Beschauers Blick, weil sie als die einzige» Zeugnist'e des dortigen Aufenthalts der Juden-in die Gegenwart hineinreichen. Tie ältere von beilKu, tvUche den 'Rainen Oaiv-ln M;iiia I» l’.lamm führt, wurde während der Araberherzschatt erbaut, nach der Vertreibung der Mauren in eine .Kirche, dann in - ein Ainl und hierauf _in eine Eaferne umgewandelt. Vor einige» Jahre» ließ die Eommiision zur Erhaltung der historischen Tenkmäler das halbzerfallcne C'el'iiude restaririre», und eS bildet nunmehr .eine der meistbeinchten Sehens Würdigkeiten der- Stadt. Tie andere Sunagoge wurde im XIV. Jab: hnndert von Samuel Levi, dem Schatzmeister PeterS 'des l^ransamen. ans eigene Kosten erbaut Bei dem Fürste» in Hoher Gunst stehen), erwirkte Samuel Levi die Ertaubniß, das (Gotteshaus zu errichten, eine Bergünstignng, welche um io größer war, da gerade damals sie Inden in anderen Theile» des Reiches aus ihren. Snna zogen v.: trieben-wurden, Samuel Levi belprnptete sich nicht lange in-der. li'-niglichen listinst: von seine» Feinden verleumdet, wurde er 'eines Annes verlustig erklärt, ieine Güter wurden cousisein. ''eine F rmst-.'- ndete im Kerker, er selbst unter den S-ualen der Folter W-rlweh un sich wurde schon damals die vonihm erbaute. Sunagoge qe'thlost'en und blieb unbenützt, bis sie im Jahre 1404 in .ine Kireh-e umgewandelt und dem heiligen Benedict geweiht wurde. Besondere V.-rebrnng genoß ein Bild, das die „Himmelsahrt Mariä" daritoilt, und von diesei» Bilde erhielt die Kirche den 'Rainen I-X I i -n-i'- won'.'.: sie-noch heute bezeichnet wird. TaS Innere des <i'ebäudes bildet ein Rechteck, denen Seiten den vier Himmelsgegenden^ zngetehrt.sind. Tie Mauern sind aus Stein, die Decken, ans gebeiztem Hotz. Tie nördlichen^nnd südliche» Wände sind gleich und, unterscheide» sich nur durch /die In schristcn. Ehemals waren fünf Tribünen, die sich an die südliche Mauer anlehiltcn, zu Sitzen für Frauen bcstiinnu. Ein breiter Fries, ans drei Streifen in Stuck bestehend, läuft an der oberen Partie der Mauern entlang: die oberen und unteren sind mit Inschriften aus der Bibel bedeckt. DaS Mittelfeld, größer als die beiden anderen, ist 'ein Basrelief, das eine Rebe darstellt,/deren Gezweige verschlungen daS Wappen von Castilien und Leon umgibt. Heber dem Fries, die Dachung deS Gebäudes tragend, erscheint die Wandbekrönnng, ein Werk, das leichter zu bewundern als zu beschreiben ist: denn die

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