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Freies Blatt · 1895-11-03 · 187 (3.11.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
187 (3.11.1895)
Date
1895-11-03
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. .freies Blatt. Nr. 187. 1 (fine iHtbuerfdmle.) 'Jiadi tem Beispiele der von social-demokraiischer Zeile geplanten' Agilatorenschuie» soll auch vo» de» Anlisemiten in Berlin eine Rekner'cbule gegründet werken. Man erfährt von bcfltiibiicreter Seilt einige Tekails über da- Programm der an diesem Institut geplanten Borle'Niige», welcheein >ehr reichballige« ist. Es mag vorweg bemerk! werden, daß nur ganz enraorbiuäre Professoren der Beredsamkeit angestellt wurden unk lediglich solche Schüler als Kalumiien Aufnahme fiudeu, welche noch nicht über die Flegelialne binaus sind.'Bon den zu erwarlenden Vorlesungen seien folgende besonder» erwähnt und enipfoblen: 1. Tas Reden in allen Toppelzungen. 2 lieber die Kunst, so zu verleumden, daß sicher etwa» hänge» bleibt. 3. Ta« Kuotenstistein in der Tisharmonielebre. 4 Tie Abstammung de« Meirichen vom Sch»npfan>'e. '> Tie Wicktigke^t Per Amzengstick , der Ehrabschneider und anderer Schand welker kür die Agitation. 6. Wie das Parowdie« durch die Macht der Rede zur Herrschaft gelangen kann. 7 Tie Kunst, Abend» in den Tag hinein zu reden - 8 TeclamatiouSlebre. lVorgelragen werden bie;u: Ter pbraseude Roland Ter Z'üinuiel ans Erden Ter Fancher. Ter Gang zum Eisenhammerstein ii. w. i.!' lieber da? Material, mit welchem da» Maul voll genomiiieu ,weiden uiliß. Ta» sehr zeitgemäße „'Wi’tittit wird schon in fi#;eii Tagen feierlich eröffnet. Herr A b l in a r d t wird die üble Nachrede halten. , loli'ilium abeundi.' Tie Tivoli Aiitisemiteii sehe» sich bemnssigt, in ibrei» o'stciellen Ttgane folgende Kuiikmachiing;n verösiciillicheii. „Än »nfere Part, igeioffe» Ter unter dem Zeichen de» Göhte'ichen Buche»: .Tfei Monate F.ibntsa: b--i:er >uik Hankw-rksbnische' gegründete Evangelisch sociale ä o u g r e ß bat »ach unk nach, wieivir es vorcmsge'agt, Fruchte gezeitigt, die bei tedeiii Patrioten bange Sorgen Hervorrufen müssen. Ehat sich ini An chlusi an k>e Tagung,» teue» Eougresies unter der Führung des Pfarr:rs .','aninanii Frankmrt a. M eine Richtung bei 'eiiizelndi, jüngeren Pastoren entr. wlelt k:c den zersi't-enden Agitationen der Social Temokratie weit eiilgegenlouniit Welle» sin darttm bemühen, sociale Mißstäude zu mildern ober abznsiellen, ’o wirk eine solche Berilsstbätigkeit von conservaiiver Seile mit F.e.ide begrüßt ::nk unierstüvt werden Eme derartige Tbäligkeit aber kann nur kann reae Er'olg begleitet sein, wenn sie im Wesentlichen innerhalb der!>''!!!,"„er eni'aitet wi:k mit kein Flieden kirnt. Anders liegen die Tinge, wenn de -ccialpolilischen Bestv. billigen nachgeben, nicht'um dem Frieden in der -Nuieuikr .Per im ranke zu dienen, sondern »IN Begehrlichkeit zu eiwecken unk E:o.'"en:aß za piedigcn. Zn diesem Sinne isi aber die oben erwähnte. Richtung, i.utcr den Mitgliedern kr- Erangclisch"ocialen Coitgrkssrs aüfgetreie» ut.k bar dadurch de. Scciat-Temokratie erfreuliche Anssickleii auf eine mit a..f-c:e,i, E.'c.ge aio bisher begleitete Revolutionirung des platte» siundes er . ~ de» lungere» G-isiitchen, welche ans diese bedauerlichen Abwege gerat'. e» un.\ - beren r ken Herren Gohr e und R a u in a n n die Herren Po. H o. i c : Ui a!!!'. Zwinge. X ö v i ch k e - Sang-rbatiieil , Ra» di. -W o. a n 11 Pi .: erbe unk W i r i e n deig -Pieginl.' Tie, genannte» Hc.i >: og.i.rzire!' sich um das von Herrn Pfarrer Naumann berausgegebene ' Pu..i.cnco.g.ii! .Tu' Hil'P. Sie .eiblackenihren Berns in der Aunpülung i ... -.-.--..ilcii Mtßstand.'i:. sie kann verallgemeinern und in möglichst ichwarM Faueacnial! in k.i CIfrit 'elbügeiäUig breillielen eine solche ' Bc-allgenieiuc.uug :c . lann kcu Tivoli Antisemiten nur gefallen,! ue u.n UI» ..indisch' Unarten" üankell», um den Aibeitein vor Augen g. -uiii".e üb.: jiv•;uch ibre Page sei und wie sie Alle» aufbietrn -» sich tvu.e Zustanke zu erzwingen. Turch ei» >s:che», lediglich de» i i:. r''; -vurei.kes unk Un'riek-Il 'äende»' Bcrgebe» wird begreiflicherweise ' AUa.-w.-'i, b-'i: noch auch dem menen Stanke' '»!wa» genützt, sondert» I".l>.. Fc-.c" iir.'-.r dciairc.nj'cher Re-'ormcu lediglich entgegen gearbeitet. T--.-ek.udc iUü,',!i!! bombt einzig au' der verwerfliche» Absicht,! kio A:, eitet chtncich..» und '! n, nach Alt dl".' Social' Teinokraie», einen I ..-ch-: iabtce-chei-. B.i-.bang vo» Unzii'riek.-neu zu 'chanen Gleich den Social'- I 7 u . :.oo. chlen Secialxoutikcr. di» Aiboiier'chasl über die .Sünden-! .. c . -..r .ho ".''cheiiden- Elaffc am klaren ZN müssen, gleich den Social- ° - rv »iir das eiiueilig. freie Eoalilionsrechk dir Arbeiter,! ch.'o.ü.I! rcitri'cho Macht zu gewinnen. Mit der coniekvaiivc» ' E .'tc '.klbstrcrständlich nichts zu thn». Es ist demgemäß; , -. .zeisilich n Socialiste» auch in politisch»'! Hinsicht :! : ch-'.- ' od . -lellen. allgemeines geheime» Wahlrecht auch für'! - : - Fun',, auireljen und der naatlichen Autorität! ch b. ch ■: -! Pastor Rauh Cladow i.Sociale Praxis- '-st - c va: :: : er v.-i kv'arrer im Tneu ToulschlandS: ,Be- 'i"• Br. *. :ent Arbeiter die demülhige Uiilerorbiiluig nnler •'■l ' n .-- k- ' xzc-.ak -,» zur siiiliche» Pflicbl mache», sehe» -sie ul ' o- Po»'- a>l:-,',".cs zwischen Arbeitgeber» und Arbeitern das ' -rl l 'o: ' -ttliche unk m»-.-»>chlich>- Autoritätgerichtete Gej bahren einer gottlose» Zeit? Beklagt sich doch derselbe.Landgeistliche darüber, daß man .die Arbeiter so lange mit einer vorgekauten erbauliche» (!) und patriotischen (!) Nahrung gefüttert habe." Die gegen die „geistlichen Socialisten" gerichtete Kundgebung schließt mit einer Denunciation und Drohung, welche besagt: „Ls wird Sache der Kirchenbehörde sei», diese Art von Beiussihätigkeil der Seelsorger besonder« zu würdigen. Sache der conservative» Partei aber ist e», die Socialpoliiiker der Raumann'iche» Richtung, deren HauptveNreler, soweit sie i» der letzten Zeit i» die Oefsentlichkeit getreten sind, wir oben gegenairnt haben, auf das Aeußerste und mit ave» ihr zu Gebote st'henden Mitteln zu bekäinpse» Wir erkläre» demgemäß, daß Politiker sowohl wie Zeiiunge», welche diese» Kampf nicht anfnehmen oder gar — offen oder verschleiert — ihm eiitgegenwirke», zur conservativen Partei nicht gerechnet werden können." Ta« Beispiel Belgiens findet min in Preußen insoserne Nachahmung, als jene Lhristlich-Socialen, die ihre Resormpiäne aus einem anderen Wege al« aus dem der Jndeuhetze anszusühren snchk», au» dem sogenaiinlen conservalive» LageS ausgeschlofien werden. Aus antisemitischen Blättern. - (Auch eine Zeitung.) Seil einiger Zeit erscheint in Wien ei» Wochenbättchen, da« sich „C h r i st l t ch e » E x t r a b l a l t" nennt. Den christlichen Anstrich gibt sich da» Bla» durch die Porträt» der antisemitischen Parteihäupier. Zuerst sahen wir Tr kneger, dann „zierte" die Titetieile der ichwarze Prinz t.'iechteusteiii, und endlich sind die Herren aus— Geßmai» und Steiner gelomine». Die Galebie soll, wie wir hören, sorlgesrtzl werden. Wenn wir uns de« Näheren den „Herausgeber" anseheu, io finden wir, daß er schon die verichiedensten Phase» durckgemacht hat. Als Raseur im IX. Bezirke geberdete sich der Mann als der enragineste Liberale, der ^die Antisemilen aus jede nur erdenkliche Art bekämpfte. Dem Manne behagle aber auf die Tauer nicht die Beschäsiigung mit der Srifenschüssel, und so erkor er sich als Nebensach die „SchnsisteUeiei", um sich sodann auch als — Ti'ector de« Döblinger SommenhealerS zu versuche». Al« jedoch'auch dieses Unlernehmeii eine solche Tirection nicht mehr erlragen konnte, da debiiline der Mann mit der Herausgabe eines „Witzblattes", de» „Wiener Humor". Und jetzt ist der rasirende Zeiliingsheraiisgeber der — wülbeiidste Aillisemit. Seine neue Schöpfniig, da» „Christliche Exlrablall", reiht sich würdig den übrigen antiiemilifcheii Preßerzengniffe» a». Fndeß dürste aus diesem Gebiele die Eoncurrenz säst noch gioßer sein al» im Rasenrgeschäsle und i» der „Schmiere»" Enlreprije, und der „Herausgeber" wird daher eine» schweren Slandpiinki haben. Istrn Bergan, hat bereits eine direcie Warnung gegen ihn und sein ..Christliches Exirabläli" erlassen. TaS spricht Bände. , Genant, i Die Herren T i p a u l i. Morse») und E b e n b o ct, haben beim Graie» B a d e » i vorgesprochen und im Name» der von ihnen gesllhrlen Gruppe der'jiaiholiscb-Coni'ervaiiven eine Zusage bezüglich der Bestäligung p'u eg er » al» Bürgermeister vo» Wien zu elkangeii geinch!. Selbstoeistiziidtich ist diese Zusage nicht criolgt. Ein tentich oolklich sich geberdendes Anfii'enriteiiblatt aber, welches während der Wahlbewegung für die Wiesinger und Porzer eimrai, nnkel zur Abwechsliing wieder einmal die cleucale Gönnerschasl genant und weist d eselbe znrücs. Teir neuen Bürgermeister dürste diese öffentliche Zurückweisung 'ehr belustige». lGedankculoS.« In seinen „tzoieu Gedanken" schrieb Äi a s a i d e t jüngst. „Mancher ist nur Antisemit, »in seine seiniiische Abkinrfl z» verberge»." Gott, wie gekaukeiilo» Sic sind, Herr Maiaidek! Wa» wird mair in der Familie Schönerer'- vo» Fbne» ballen'? iTcr Borgängcr .Hammcrslcin'ö.) Ta» Tigan des gewesenen Bürgermeisters von Mühlkois erzählt seinen tzeier» : „Gegen Herr» v. N a t h » < i u s, der vor Hainmersteiii Ehefredactsiir der ,H r e »; 5 e i t u 11 9' war, ist das - Strafversahie» wegen Betruges, Unterschlagung und Urlttudeiisünchniig ei». geleilel worden. Naibnsin» halte feine Stellung als Vormund eines ihm verwandten juiige» LificierS dazu benüpt, sich vo» diesem Gesälligkeilsaccepte über 30.0)0 Mark geben zu lassen, die er nicht einloste Ter Lfsicier mußte inr die Einlösniig ,'elber sorgen, ivas ihm ' durch die Tpferwilligkeit von Verwandte» und Freunden gelang Ans dieser bedenklichen Afiaire ist zunächst, eine Reihe von Eivilprocessen enlstanden. die noch nicht erledigt sind Gleichzeitig aber hat der Staatsanwalt dnrch Erhebnng der Anklage iiilervei-.iri. Nalhusius war Chelredactenr der .Kreuzzeitung' vom Fahre 187:! bi» 18itj." Irgend eine Beforgiiiß, daß 'eine i'eier ans den Fällen Hammerstein und Naihnsi»» Schlüffe ziehen loiinleii. die. nicht zu Giinsten großmäuliger „christlicher Winhichasisrei'oriner" ansfallen würderlf ichemt das Lrgan des gen esenen Bürgermeister» von Müblkors nicht zu hegen. E» kennt wohl sein Publicum. (Wik wär'S mit Kamerun'?) Man febreibt UN» au» Berlin: Unsere Regieruugen sind unverdifferlich. Zhnen geht leider alle» Veiftändiiiß sür die großen Probleme der Zeit ab. Hane da. ein ainiieinitti'cher Berichterstatter de» Einfall, einen hohen Beamten in den Reichslanden über die „Judenfiage" zu besragen. Und was antwortete dieser komische Herr? Man habe »och wichtigere Tinge im Slaale zu erledigen, als sich mit den Inden zu befasse». Schändlich! Wie kann dieser Herr aus polnische Reise Anspruch erheben, wenn er

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