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Freies Blatt · 1895-11-03 · 187 (3.11.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
187 (3.11.1895)
Date
1895-11-03
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Zlr. 187 ttfl'r Freies „O gewiß," erwiderte ich, und erhielt die Erlanbniß, die beiden! Taincn »ach Hause zn begleiten. Hiebei erfuhr ich folgende kurze, aber vielsagende Geschichte: „Bor 16 Jahre» stand in einer Zeitung die Annonce: ,Ei»c Försterswitwc mit einer vierjährige» Tochter sucht eine Stelle als Wirthschaftcrin? Tie Einsenderin dieser Annonce war ich, die ans eine kärgliche P nsion angewiesen und genöthigt war. für meine Tochter und mich ein anständiges AnSkoinnic» zu finden. Ta kam einige Tage nach Berlautbarung der Annoizcc ei» alter Herr zu mir und sagte: .Ich'und meine Frau zählen zusammen 12«) Jahre. Wollen Sic bei uns die Wirthschaft führen? Eö soll nicht Jlir Schade sein! Wir sind aber, erschrecken Sic nicht — Juden.' Ich nahm die Stelle an. Bor zwei Jahren habe» wir de» alten Herrn zu Grabe getragen, heuer seine Fra». Ich und meine Tochter haben in den Tahkngeschiedencn nnsere zweiten Eltern gefunden. Meine Rosa wurde auf das Sorgfältigste erzogen und ist. Dank unseren Wohlthütcrn, in Stand gesetzt, als gepiüftc Lehrerin sich selbst ihr Brot zu verdienen. Doch ist sie in der glücklichen Vage, nicht Lehrerin sein zu müssen. Das Ehepaar, auf dessen Grabe wir gebetet, hat uns durch tcstamen tarischc Berfügung aller Erdcnsorgc» überhobcn." Als ich von den Damen Abschied genommen hatte, ging ich, wie allabendlich, in mein Gasthaus. Unterwegs begegnete mir eine Schaar randalirendcr Studenten, hie den »cncste» Gassenhauer fange»: Hanl die Inden, haut die Jude», haut sie todl. Las Isi s crsie, das isi's ersie, hccligsie Webot. BoranstchendcS sendete mir mein Freund mit folgenden Zeilen: „Ta Han Du für Tein Blatt eine Allerseelen Geschichte. Sic ist nicht erfunden, sie ist wahr, von mir erlebt! Bruderherz, Rosa, das herbe, herzliche, göttliche FörsterSwitweumägdelcin, ist meine — Bcrlobtc. In vier Woche» ist Hochzeit. Dein, Tr. Fritz G." 2\us antisemitischen Vereinen und L\tsamnüunaen. (Ecvriigtltc Srtiöncriontr.l Las „Teustche Volksblan" erzählt mit siä>r>! lichem Behagen: „Anläßlich einer am 14. September in .straiilstonel's Saal- > localiläten adgehaltenen Wählerver>amml»ng der christlickinocialeti Partei veri suchten einige Schönerianer die Ver'ainmluiig zu stören. lieber Berlangeu der 1 Wählerschaft wurden einige der Störcnirieke. von -den Ordnern zum Saale ' hinansgedrängt, wobei es zn einer kleinen Balgerei kam, He iür die S.üöiierianer. . da es Püffe nur regnetb, nicht ohne eindringliche Wirkung blieb. Zwei derselben wurden leicht verlebt, nnd deshalb wurde gegen eine Anzahl Herren, die sich damals an dein Hinauswnrfe der Sköreniriedc betbeiligt faattei*, die Anklage! wegen leichter körperlicher Verletzung ' erhoben. Bei der am 3l>. Oelobcr vor; dem Strasrichtex des Bezirke« Favoriten durchgesührien Slraiverhandlnng - wurden 'äinnuliche angeklagte Herren ireigespröchen." Die llrtbeilsbegriindnng : verschweigt das die „geprügelten Schöneiianer" höhnende Organ. Allein der j Richter führte, wie wir einein liberalen Blatte enlnehnien. bei der Molivirnng des Freispruches aus, es sei wobl erwiesen, daß die Ordner losgefchlaqen habe», doch das BewciSverfahren habe nicht ergebe», welche von ibiie» den Beinädigten die Versetzungen beibrachte», die den K 411 involvircn. Es wäre nur der Tbal bestand der lhätlichen Ehrenbeleidignng gegeben, eine VrrurtKeilung in dieser Richtung könne aber nicht erfolgen, da keine Privaiklage eingebracht worden >'ei. . (Erster Tiöcrsan-.Ratholiktiikag in St. PöltcnJ Am Ociober fand in St. Pölten der schon lange angekündigte Aaibolikentag unter den Anivicien des BiichofS Tr. Rößler statt. Anwesend waren neben Monsignore Dr. Scheicher die nieislen ländlichen und auch einige Wiener Vertreter de« AntiseinirisinuS, Alois Liechtenstein, S e n g st b r a d l, I a r. Ober tu dorfer und — Saul unter den Propheten — auch der liberale Bürgermeister von St. Pölten, Dr. Ofner. Herrn Tr. Oiner mögen wohl ganz eigene Empfindungen über den tranrigen Berus, heutzutage Bürgermeister einer niederösterreichischen Stadt zu. sei», beschlichen haben, als er die antisemitische Versammlung begrüßen und herzlich willkommen heißen mußte. Auch der Ton, der auf diesem Meeting herrschte, dürfte seinem vorläufig noch an Besseres gewöhnten Ohre fremd geklungen haben. Man mag ja dem Zeitgeist« so viel Rechnung tragen als möglich, die albernen Mätzchen S ch e i ch e r'S über den jüdischen „Ritualmord", den angeblich von polnischen Juden betriebenen Mädchenhandel u. dergl. vermögen einen halbwegs gebildeten Transigeiitc» eher abzulchrecken als anzulocke». Auch die Besürchtung L i e ch t e n st e i n'S, in der capitalistische» Wirthschastsordnung, wenn sie sich conseauent wie bisher weiter entwickelt bis zur Expropriation des Volke« und zur Loncentratio» des Geldes in einigen „krummbeinigen Geschlechtern", sei kein Raum und kzine Zeit vorhanden für« Ehristenthum, dürsten Herrn Ofner ei» spöttisches Schmunzeln Blatt. entlockt haben. Juni Schlüsse ver Vorstellung enheiste VGh.: :'i e f; l.e r Kit Antisemiten seinen Segen und inahnte zur Einigkeit im ,'iämvie arge» den „genieinsanic» Femd". Ja. ja, .die Eiiivnndiiiigcu des Ti. O'ner mö.i'n i tngemilchiei: Ratur gcweieii iein. . (Ersatz, für die tollstc Posse.-i In einem Graz-r B:ane s'iideil Ivir folgende» ergötzlichen.Beiiä.i über eine ron de» doriigen Aniiseinitcnliäuvllingkii einberusene Wählerver'auiiiiliing: l. Eiönnungsrede des >''e,neiiideratbeS Tr. Starke!: Heftiger Augrifi an' eie .>ia»fi»a„»'cha'r von inraz. Tie ersten Pfui-Rnfe. 2. 'Anninehr hältder Anti'cmiicmülncr He>r Feichlinger eine likngere Rede. Leidenschaftliche Angrffse au> die gebildeten Genie.nterailiscvllegcii. ■ Antiseiniliiche Tiiaden Slürinifcher'Beifall Herr S teiner als Vertreter I de» Vereines ..Volksrecht" ivendet sich gegen Heirn Feichlinger. Feichlinger habe! nur da» christlich sociale Programm einnnckeN. Gioster Wider'vrnch. Beifall. Schlußrusc. Bla» 'olle nicht nur das jüdische. >'ond rn auch das christliche Grgst- :• Capital bekämpfen 4. Herr Jurcic erk.äriim V -.eine ..Vollsrechi" »eien nicht die „iich ige» Gewerbetreibenden". itzroßer La ei» Pongratz! nimmt gegen Jurcic Stell»tig und meint, er Virile: vrtit ">>>°verbestan»>e eben- I soviel wie Tr. Statkel und Feichlinger. Lange Zen andanen-r'' --r tstücher Lärm. >>. Am Eingänge des Saales wird ein wilder R-:>- -. I renhänkiger! Aisisten; des Herrn Feichlinger in« Freie beiörderi. Es, V Areue, inbrer. j Rietfche. Im weiteren Verlause der Rede des Herrn P.n: - .. " - der Lärm" j äußersi bedenklich. Herr Pongratz verläßt das Podium 'und l v'.e Wabk- | Vorgänge folgende'.inaßen: „Eine solche Wablausichußlist. - ^i. da zn ' fäinmenstellen wollen, ist nichts als Gstbisti Gichasti -- - .Heil j loier Lärms 7. Heir Wagner erklärt, inaiz branel'e >:i -' >- - " meinte ralbScaudidate» zn 'r, gen, ob er r-nch oder - arm, gestüstt-s- > .tr.m ke>. itzleicheS Recht für Alle. In Eoni'eauenz denen 'priän Redii'r..■■.■ " n Ami 'eniitisinus , Stürmische Schllißru'e » >. Herr W l e s „> :: : : e( nn i iz. daß j heule viel craner llnttiin geredet n-o-.K-n. i(‘■'vollev Lärm. A . ,m ist ii-1 e‘ me'-i zn bören l Er 'chlicßl mit den Worten: Hinan« mit dein in,:o.itstn ne,- '«e'.'! lack! An der Tbiir inerte» vom Genieinderaibe Feiütii ger ci:i> ie Herien; binausbesördert.!» Social Demokrat R e > el betritt die Trtbüi'..- n.td 'ordnt '.'! Feichlinger ans. auch reine eigenen Anhänger, ine'.che nicht Walnei vre. hiuans zuwersen Reßst bezeichnet eine Reibe von Verioneii. trotz ' >e:::er deutlichen Worte bleibeu ne in der Vri'iaitinilnna. Re>'el nagt .dann: ,.F! r ganzes P r o g r a in in i st d e r I u d! ',Lär»i. i t!v i r \v o! : e » n i ch t” , i e I u.d c »• a l s B l i l> a b I e i t c rg e! t e n l a >' >' e n. d a in i t : i c (£ 1 r i st o r. m o geln 1 ö n il e n " lAberinalS großer Lärm. An> der Tribüne stüriinstl.' Scene zwischen dem Rediiec.,.ii»d dem Präsicilli». tlin'e: -,,'.nkar>äi binnnier!' E:n Herr fällt vom Senei Darüber stürnii'che Heiterkeit > l't. '.liatli'cm tzst'r! adgetirten. will Feichlinger reden. Ter Lärni ist ein 'mänoarei. . Eudl-.it kann er-, sich zniii Schlnßivoi! Gebär verschafieii. nnd er ver-iichl tut». K, ibn b 't.imp'eiiden ' Vorredner abzinillirc». Tann wurde ein Wablaiis'chnß eiiigeient. T.niiil war das Spcctalclslüek >o zieliilich sti Ende, das einem, nubeobachict ni Berb'.chter die lollne Pofie er'etzle lTislldcnIcn , Tie fünf deiii'ch naiional - a»n>>initi' i>cn' Abgeordnete» Pr a d e, V a z e-u t h e r, Rind c r in a n n, E.n! S ä> a -.k'c utd L e g l c r. welche im böhmischen . Landtage bekanntlich eine »nie 1 rfi c Volks partei" bilden ivoUcn nnd Ramens dei-elben än.ch beici'..- etn.n Wabla»stil'' erlassen haben, .meldeten nuninehr iliren sorniellen A»-':ru: -ans dem Etnb de' dciilscheii LandiagSobgeordnelen an. Tas Ereeiilroeomit. eie-er Gruppe bat die Tiisidenken ein AnlworlS'chreiben gerichtet, in loelchem es 'ein lie'stes Ve kauern über den Bruch aiiSsprichl und alle Verantmorning istr d:e >oe bängiußvolleii schiveren Folgen, welche .derselbe >'nr die Lebensiiiierenei: ' i dentschen Volkes nach sich ziehen kan», den Renegaten znichjebt T: ,, /' ' 'cheini gekommen zn sein, in ivelcher sich jeder ierupellofe Sueber . i . i. ■ Flankeninarich gegen den Llbexal-sinns nmer Vorautiagnng C.tr." wn I Banners leichten Spieles ein Veandai ergattern kan». In I >. -and'; dieser Tage eine Versainmlnng von Veriranriisinännein ans T. ft.rt, 1 tvelche beichloß, im Lande eine starke, ans nalionalelf, '■; t.-z.-r.-urtori-chen! und .politisch-sreilteillichen Grnndfätzen aufgebanle „de::: : r ins j Leben zu rufen, welche, den Schutz des demichen Volker .: .O i i>n:ch, die' ' Befreiung von dein aus d e u' v e r i ch i e d e n : e kielen des i ö f f c ii l l i ch e n L e b c n S v o r h e r r > ch e ü b e n E i n :! n ' - o des I nee I ih n in S, Bekämpfung der demschfeindlicheii Vesirebungdü der elerteälen Partei, I Hebung der Lage der arbeitende» Elaifen, ausgiebigen Schlitz des Bauent- '' und Gemerbeslandes gegen Tapiialsbeivuchcruug iliid Sichelstellling der Polin sichen Unabhängigkeit der Staaisbeeieiislelen bezweckt.. Wie es der neuen „denlsche» VolkSparlei" — die ja wohl die alte Hecrichaar des sittenstrenge» Lteinwender uiid »ichlS Anderes fein dürfte — gelingen wird, der cleriealeu 'Partei > im „heiligen Land Tirol" mit Eriolg enlgegenzntreten, wzrd sich, ja zeigen.! Tagegen. muß es alS ein höchst gelnngener Spaß bezeichnet werkenj wen» sich die biderben Tiroler anschicken, ihr Volk „von dem ans den verschiedenen Gebietest des öfiemlichen Lebens vorherrschenden Einflusie des Jndenthums" zu befreien. In ganz Tirol und Vorarlberg. leben bei einer Vcvölkerustz von 928.769 Menschen ganze 737, d. i. 1)1 Percent Juden: die mögen eine ichöne Vorherrschaft führen. Also Glück auf zur Befreiung!

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