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Freies Blatt · 1895-10-27 · 186 (27.10.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
186 (27.10.1895)
Date
1895-10-27
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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4 Nr. 186. amtliche Bescheinigung der T e l e g r a p l, e » d i r c c I i o », das, e i » d e r a r t i g e S T e l e.g r a in in weder v o n B e l g r a d, „ o ch v o » i irgend eine in andere» Orte nach .1 r a g u j e v a tz ansgcgeben : wurde u n d überhaupt nicht exislirt. TiescS ainiliche Zeugnis;! wurde sänimllichen jüdische» Gemeinden i» Serbien zu gestillt und durch dieselbe» in allen denjenigk» Blättern veröfsentlicht, welche da« erlogenc.Tclegramm der- „Polpora" wiedergegebcn hatte». Trotzdem wurde seilend einzelner Tage»- zeininge» unter Hinweis darauf, daß der betreffende .«inabe i» derjTbal verichivunden sei, dieser „Nttualinoid" weiter auSgeichlachtet, weshalb der Borstaiid der Belgrader jüdischen Gemeinde de» Strafantrag bei der SlaalSanwallsäiaft stellle. letztere leitete die Untersuchung ein, vernahm den FriedhofSaufscher und einige Nachbarn und gab dann im Amtsblatt bekannt, daß nicht der allergeringste Anhalt s ü r e i n e E r »> o r d u n g d e S H ir a b 111 v o r l i e g e, und daß alle Poli;eibel:ördcn des tzaudeS angewieicu seien, nach dem verschwundenen jliiaben zu fahnden und denselben dem Llaalsamvall einzulieser». Zugleich strengte der Boistaud der Belgrader Enltnsgemcinde gegen de» Rcdacleur der „Polpora" beim Gericht;» .Uragujevav die BerlcumduiigSllagc a», welche aber mit der sehr bezeichnende» Begiiindnug zurüclgeivicie» rvurde, daß „keine P e r l c u in d u n g v o r l i e g e". Gegen dieses soudeibare Urlbeij wurde beim LassalionShosc Necurs eingeleg», und da der Erlollg zivcisellos war, bestürmte der betressendc Redacteur den Geineindevorstand Unit Billen und flehen, die Silage zurückzilnehineu, wogegen er sich verpflichteie, in seinem Blaue zu erklären, daß er getäuscht worden iei, die Ausnahme der in vollem Umfange unwahren Nachricht bedauere und in die Ehreichasligkeit der Zudeu keinen Zweifel setze. Ter Gemeiudevorstaiid erklärte sich dxreil, nach Erledigung deS NecurfcS beim Eassalionshofi dieses Geiuch zu eifülleu, uud blieb, nachdem die o b e r st e «ü e r i ch t s i n st a n z d e m N e e n r S st a l l g e g e b e >i tinb d i e Staatsanwaltschaft zur Einleiinng de« Versa h r e n S angewiesen hatte, dieser Zulage treu. Nacl dem der Ne dacteur die betreuende Erklärung veröfsentlicht balle,- ivurde d-c Mage in der Thal zurückgezogen, Gla-.ble man damit die Angelegenheit erledig», so innerschätzte man jedoch die WahlhcitSliebe gewisser seibiichcr Zcililugeu, U'rlche genau wie ihre antlseinilischkii EoUegiiilien in alse» anderen Ländern von fügen uud Berleumdungcn ihr Dakei» fristen. Sie brachten kein B,-o>l von dem Widerruf der „Polpora" liiff« fuhren mit unverminderlei srrechkcil frn-t, diesen „jüdisch-riluellen Mord" für dir schamlosesten Hetzzwccke zu mistbiauchen Tiescs satanische Treiben . war für die Belgrader Jude» alro ei» Ansporn, die ans Aussiudniig deS Sinaben gerichicien Anstrengungen zu verdoppeln, und dieselben waren endlich von Erfolg gekrönt: am Borabende der jüdischen Neujahrsseste« wurde der Berschivnndene im Torfe Bclossavatz s.'treiS Sira . gnjcvatz bei einem Bauer heil und unve-rjehrl aufgefundeu. Sofort wurde die SlaalSanwallschast benachrichlig«, welche den Befehl erlbcillc, den Stnaben »ach Belgrad zu lranSporlireu. TicS geschah, und bei seiner Ber iiehmung gab der »Inabe zu Protokoll, daß er wegen schlechter Behandlung dar Hans seines tSdeimS verlassen, mehrere Monate bei einem kaudwinh in Rip.inu, in unmillelbarer Nähe von Belgrad, und zuletzt bei dem Bauet, bei nulchem er aufgefundeu wurde, gedient bade Ticie Thalsache wurde seilenS der SlaatSamvaltichaft im AmlSblalie brkaunl gegeben, und tamil ist die Afsaire eüdgillig aüS der Well geichasst. Ticielbe beweist abcvmalS, wie Gewissenlosigkeit uud Niedertracht zu Werke gehe»/um der Bluilüge immer uene 'Nährung zu gebe». FcuiNktan. 'An A ct) t .dl n d?-> cr n n. iionian ans Polens Uorjeit von Carl (tzriot. <V5>. stoiilet-nna-) Bicrnndzwa »zigstcs (5 a p i I e l. Mit Blitzesschnelle Halle sich daS Gerücht von dein Tode des Bischofs verbreitet und wie vom Winde gclragcn die Stadt durcheilt und hatte im Herzen des Bolkcs fürchterliche Erregung hcrvorgernfcn. Die abtrünnigen Basallen hatten schnell eine gcheiiuc Bcrsamnilung cinberufcn, um ihre Maßregeln zu treffen und geeignete Schritte zu nnternehnien, der peinlichen i'ngc ein Ende zubereiten. Bor Allem wollten sie daran gehen, unter den Ihren ein überhaupt zu wählen, daS sich a» die Spitze der Mißvergnügten stellen sollte und den König zwingen mußte, die Krone nicdcrzulcgen und sich dem. lsrtheile eines Schiedsgerichtes zu unterwerfen, das aus den Häuptern der Bersaminlung, aus den angesehensten/Männern Polens bestehen^ sollte. - Dann aber wollten sic ihn dcmülhigc», de» stolzen BoleSlaw, dann wollten sie Rache nehmen für das vcrgoffcne Blut ihrer Brüder, Seite!>. 1 und auf de» Knie» mußte cr sie dann um G„c>dc anflchcii, und wahrlich eine''Gnade sollte ihm werden, die er sich nicht erträumt .hätte auf feinem stolzen Throne, und die nur eine gelinde Strafe wäre für alle seine Berlin chcn, den» die Zahl derer war groß, und jede» cinzcliic davon erforderte schon allein die härteste und grausamste Bcrgeltung. Und war cr selbst grausam genug gewesen und hatte das Blut edler Polen nicht geschont, so sollte cr dies jetzt schwer büßen: lind die letzte Missclhal, die er begangen, die mußte ihm auch die Strafe des Himmels zuzie-hcn, denn das vergosicne Blut de« unschuldig hin gemordeten BischosS schrie zum Hinimcl cnivor »ni Rache, llnd sie gedachten nicht all des beides, das jener dem Könige zugesilgl, vergaßen die Schmach, mit der. er sein Haupt bedeckt, indem er ihn äuS stieß ans der Bcrsamnilung der »Gläubigen/ Das Bild Stanislaus' throiitc vor ihren Augen, umgeben von dem Strahlenglanze der Heiligkeit und sei» Haupt bedeckt von.der Dornenkrone des MärtrircrtodcS. Uud sie wußten die Thal, die der rasende .Honig begangen, .mit allen Zeichen deS Schreckens und deö Grauens;n umgeben und ent rollte» vor dem Auge der fanatisch erhitzten Menge schauerliche Bilder der göttliche» Rache, von der ein Bolk bcnotfcit werden mußte, das eine» Mörder auf dein Throne duldete, eilten Mörder, der irich: znrnckgcschrcckt vor der Majestät deS Gottesban'es, der seine irevle Hand erhoben gegen eine» Gottgcwcihlc», in seiner tollen Raierei nicht znrückgcschandcrt vor dein Gräßlichsten, vor dezzi Morde'eines heiligen Mannes! - Und daS Bolk, dessen heftige feidcn'schaiten scharr angekacht waren durch die auSgestandcnc Pein und Roth während der Zeit des 'Banne?, entbrannte in wildem Zorn und toller Raserei. In alle» Straßen der Stadt wogten die -erregten Massen und besprachen das blutige Ercigniß, und überall, wo sich Vcnie ailS dein Bolle >zn einer «Gnppe versammelt.hatte» und alle Einzelheiten deS entsetzlichen t^eichclmines disentirtcp, tanchlcn tzcuic ain'. die man ionst nnler dem Bebel nnür zu finden gewohnt war. Da schlich sich ein «Geistlicher mit -Kutte rrstd stroscnkranz mitten nnler die V-.'iiU' bin, begann in näselndem, flüsterndem Tone Wichtiges zu vermelden und vor den d»hren der Berstdrete» zu. cnlhüllcn, dort wieder mengte sich ein staltlicher Knappe zu den Hand wcrkcrn und wußte viel des fangen und Breiten zu erzählen, wie sei» -Herr den, gemordclen Blichvs stclö wohlgesinnt gewesen, und er, wie alle seine Genossen, alle die Herren und Grafen ans Polens edelstem Blute sich gern und bereitwillig. mit dein Bolle verblirden wollten, nin däS edle Blat zu rächen. Auf diese Art nun wühliezi sie und entfachtem i>ii Herze» ' der Menge den glinimenden Funken der Zwietracht >z»r lodernden Flamme der Empörnng. Bange Berzweiflung halle sich der Gelreuen -König Boleslaws bemächtigt, als ihnen die -Kunde' von des Königs Diiak wurde. Iept wußte» sie, jetzt war ihre Sache verloren. _ Und in ihrem Herzen erlosch auch der leiseste ,runte entiernier Hossirnng, um einer namenlosen Enlmnlhignng Platz zu machen: und was -das Schlimmste war und ihren Mnlh völlig, darniedersinken lzaß. das war, daß der König selbst, der doch bis dahin stets seinen stolze,, Mnlh bewahrt Und siegreiches Hoffen bekundet batte, daß cr-»'e'b>t jetzt alle» Glanbeit a» eine günstige Wendung des Geschickes.zu "er licren schien, denn nie mehr kam ein Wort von seinen tzippen.' da? auf die Hilfe, die er bis nun vergebens'crhofii Halle, Bezug ti-itt •. Ernst, und in sich gekehrt verbrachte cr seine Tage -in ''einen 0'.' »lächern oder am Krankenlager d'eaS. das dieie zuweilen vertzeß, aber nur um sich matt und kraftlos zu einem' f.chnstnlKchinznb.gellen,» der in der Rähe des Fensters stand, und da alhmele sie in vollen Zügen die klare, sonnige Hcrbstlusi ei», die durch das iveitgeannete Fettiger hereinzog,, horchte dein Fallen der vom Herbstwinde hcrabgewehicii Blätter und blickte trüben Blickes hinaus über die Stadl Hinwegen weite unsichtbare Ferne. Dann nahm ihr Auge oft einen schivürmcrischeu Ausdruck an, und über ihr Gesicht fuhr ein Strahl weltentrückten Friedens! Friede! Sh, mein Gott! Würde sic noch Friede finden auf der'Erde'? Und suchte sie ihn denn, diesen Frieden,-und verlangte cS sie danach'? Ach! sie wußte cs nur zu gut, daß cö damit aus und vorbei war! Und sie wußte cS auch, daß ei» anderer, erlösender Friede ihrer harre llnd aller Pein und allein Erdenschnierze ein Ende machen würde! Aber großer Gott! BoleSlaw! Ihr geliebter Bolcslaw! . WaS würde sein foS sein'? Und durste, tonnte sic hoffen, daß ihm, dem Bielgcprüftcn, »och Friede werde hinicdcn'? Sh! mein Gott! 'Wie wollte sic für ihn sichen und die Gnade dctz Himmel« beschwören ans daö geliebte Haupt! Und sic richtete ihr matte« Auge nach Sstcn hi», und sich aufrichtcnd aus ihrer liegenden Stellung, breitete sie die Arme aus, und mik verklärtem Angesichte sittsterlen ihre fippen heiße, .frei«, v l a t t.

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