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Freies Blatt · 1895-10-27 · 186 (27.10.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
186 (27.10.1895)
Date
1895-10-27
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 186. Freie» Blatt. reite >. (Sr hielt zwei Vorträge, .denen geladene Gäste, 30 bi« 4» Personen, dciwohnlen, n»d läßt nun im Wiener Ecniralorgane sür-Raeen- und Conscssioushetzverkündigen, daß e« ihm gclnngen sei, eine antisemitische Organisation in Triest anzubahncii. Vestervmo. iPartritag drr dcutsch-socialni Partei.) Am letzten Sonntag fand i» Erfurt der erste Parteitag der deutsch-socialcii Refonnpartei statt und »ahm wie alle bisherige» antisemitischen Parteitage unter mehr oder ininder erregten Redeübungen einen Kochst gleichgiltige» Verlaus. Tic Partei der^rerrc» Zimmernra n u und Ljedermann t>. S a n n e u b e r g erklärte zum so- und so \ nieltenmale, daß sie auf deutsch-iiationalein, inonarchisciiein und christlichem Boden stehe. Bezüglich der Judensrage präcisine die Partei ibre angeblichen „Grundsätze" in de» btlaunten abgedroschenen Phrasen. Zn dem Programin wurde mit Bezug ans die „Judensrage"^ gcsordert: Jndcnstatistik, (Sin j wauderuugsverbot, Aushebung der Emancipatioii, Sstiächtverbot und Pritiung der südischen ReligionSbüchcr Zum Punkt Siatisuk verlangte Tr. Bi ü l l e r an« Breme» die Feststellung de» Begriffe« „Jude" und empfahl die (Sinsiihrung einer „Stammrolle der Juden". RcichStagrabgeotdueter Zchnauß j au» Leipzig verlangte die Ausnahme de« Bekenntnisses in die amtlichen Statt sttkeu und die Fcstelluiig de« Begriffe« „Jude" dahin: „Als Juden sind dze- ,eilige» zu betrachten, bei denen bi« in die zweite Generaiion zurück auch nur eine Invasion jitdiicheu Blute« nachzuwetie» ist." An diesen Antrag schloß sich eine Tebatie, au« der die Abgeordneten Z i in in e r in a n n und Lieberi» an» v. S o n u c n b e r g den Schluß zo,p'n. daß der Ä »trag nicht g c u ü g c u d vorbereitet sei, miD daß e» sich empfehle, denselben bi« zum nächste» Parteitag zurüllzustclleu. (Sin tzicSbezüglichcr Antrag Ziminermann's wurde mit großer Majorität angenommen. Vorbehaltlich icdactioneller. Aenderuiigeii erhielt § I!» de« Programme« iovanii solgeude Fassung: „Jlii| Kebung der Gleichberechtigung und S.t'ellung .der in T e u t s ch l a u d l e b e u d e u I u d e n unter ein b c > o i> d e r e « F r e lii d e n recht, »anicntlich Ausschluß der Juden vom Beamten- und Soldatenstaude,. vom Aerziciiud :>!echt«anwallsberu<e, von roinmmiale» störperscha-lcn und Volksvertretungen; AnssteUnng ui.d danernkc Fübpiing einer Slatistit über die iu Teiiischland lebenden Juden unter Aiiivenduug de« Racciistaudpuntie« und Berücksichtigung dex Verheiratung-'» mit Jüdinueu: Schachtverbot, wiff'en schaftliche Prüsnng der jüdischen üseligionsvorsstuisteu bezüglich ihres Inhalte« und ihrer Verbindlichkeit." lZllllt Wahlkampfe in Sachse», i Ter als Verleger anttiemili'chcr Bro- . ichüreu bekannte F. W. G lö ß >» Tresden, der Heuer für veu jächsi'chcu Landtag! eaudidirte, aber ebeuio ivie keine engeren Genossen schmählich durchsiel, winde ■ von einem eonservative» Organe den Wähler» als ein Maun geschildert, „der j sich nicht gescheut hat, Ahlwardt Broschüren iu die 'Welt zu senden, ui» damit j unsere deutsche Wehrmacht in den Auge» der gesaininte» Welt herabzuwürdigen". Gemeint waren die „Judeiisliiiien". Glöß erwiderte, daß er seinerzeit iiauientliä, i ait» conscrvativen.streifen zur „inuthigcn" Heiansgabe der Schrift beglückwün chl - wordeu sei. Daß die eonservative Ptessc thm nun im Wabtkainp'e diese» „Hunds i gemeiieeu" Vorwurf machte, während sie dainal« mit dem Tränqen aus gertchl- ' ltche Unteriuchuug an seinem Verlagswert Antheil gcnonime» habe, bezeichnete ' Glöß „würdelos, perfid, niederträchtig".! 2hi5 antisemitischen Blättern. (Zur Beruiitreiiuiig von Arnicii- und Gcl»ci»dtjsc>derii in Miilildors.) Ta« „Deutsche Volksblatt" schrieb am 29. v. M mit Bezug aus die Veruntreuung von Armen- und Gemcindegelderu in Mühldors: „Tie Untersuchung wird gegen unbekannte Thäter, d. h. eben zur Erforschung der Schul digen, keinerweg« aber gegen den Abgeordneten V e r g a n i geführt. Wenn Schönerer in seinem Leibblatt, jo auch in der letzten Ruitimer schreibt: Ter derzeitige antiltberale Laiidtagsabgeordnete Vergaui befindet sich gegenwärtig wegen dringenden Verdachtes,, da« Verbrechen der Amtsveruntreuuüg durch (Sntweuduiig von Armenvermögeii und Gemeindegeld begangen zu haben, ,u strafgerichtlicher Untersuchung beim stremser streiSgericht!, so lügi Schönerer und ist sich auch dessen selbst bewußt, daß er lügt." Tis. am 16. October er schienene Nummer der „U » v e r s ä I s ch t e n Deutschen Worte" wie« nun de» ihrem Patrone gemachten Vorwurf der Lüge zurück, indem sie de merkte: „Bor uns liegt' eine gerichtliche Vorladung, die wortwörtlich folgendermaßen lautet: .Zahl 71!«. Strfs. An Se. Wohlgeboren Herrn Georg Schönerer, Gutsbesitzer in Schloß Rosenau. Zur Ablegung einer Zeugenaussage in der S t r a f s a ch e gegen E r n st V e r g a n t, gewesener Bürgermeister von Mühldorf, wegen A in t S v e r u n t r e u u n g werden Euer Wohlgeboren hiermit sür Samstag den 3. August 1895, Vormittag», in das Gerichtshau» Ztvettl, 1. Stock, Amtszimmer Nr. 2, vorgeladen. X. k. Bezirksgericht Zwettl, 27. Juli 1895. Der k. k. BezirkSgerichtSadjunct: U l t s ch.' Wer lügt also? Wer?" Da« „Deutsche B o l k S b l a 11" vom 20. Lctober hält aber die Behauptung aufrecht, daß Schönerer bewußt gelogen habe, und schreibt: „Das Leibblatt des Erben der von seinem Vater erworbenen Million in Rosenau ist ungehalten, weil wir offen und klar die Erklärung abgeben, daß Schönerer lügt, und zivar bcwiißt lügt, indem er in ifin.ui S>1 u,ierb'..ute die '-sachlich, bringt, daß umer Herausgeber in -irai'gerichuicher llu!e,iuä-uiig slclu. Zum. , Betveise, daß er nicht ge.loge», produenl er eine Vorladung au« Zwettl vom 27.. Juli, welche ein Beziiksgeriäusadjunet Uluch uutni .-ir bat. Jv.ll« bieie Voitaduug wirtlich so gelautet hat, wie Schönerer sie abdruckt. -o war selbe eine arge Rechtsverletzung, ivelche vock de» 'I berbebö-.deu naäi sleiiuttüß »abnle derselben i» den ,ll. T. W' und im Sv-iuc»dlallc zuversichtlich gerügt werden wird. Heer Uluch -oll sich bei-Schöneier kür die-e Rüg' Pedant->,. Eine :I!echtsvcrlel>u,ig war der Inhalt der Vorlaeutig, weil er gegen da» iVf» vom 3. Setober 1861, Rr 98 de« :>>. G. Bl., in Betrctrder Unverlebtickikeii und llnveraiuivorilickikcit der Mitglieder des eratliee „ud der Landtage verstoßen hat. a.a» ivnßte Schönerer -ehr gut/aea ‘ ja beä, selbst gegen eine Frei-prechung 'einer Person'während der Zeit der Jmutuiutät Ein-'vi'iche erhob.. Man kan» alw mit voller Berechtigung aus die Anträge ,'We> lügt« abermals anlivorten. Schöm-rer hat bewußt gekogeu und sein, ihm .vo-.g.-workene Lüge nur durch ein Scheinmauöver verdecken wollen. Sollte 'er mit dieser Be ■ hanplung nicht einverstanden jei,,, dann möge er uns doch Nage:,." (Cviit Rachract. Ernst V e l g a III, irelcheu S äi o II e r e r. und deffeit Gefolge i^uiner der Eoiruptivu be-chutdigni.!äßi iu ruuin Bi.nie vom 21. d. M. unter der Ueberstlinst: - „Tir Million des E.->rnrtic„:-!r"te>-- Schöner.".'." fol i gendcn Beitrag zur Geschichte de« Schönerer".!!-:» V > tu.v.->cii.>nlltcheit t „Ta wir von mrhrereu Seiten besingt wo-den sind' uu das Voriiiöp,' i de« .Rattottatheiden' Schönerer ist und von wo e»-. «tr> n>. »e» ’i'ir dte j Geschichte seiner Eapitalieu in' stürz, erzähle,, und H-:;• ti m-s v.-r imfim.- j erläuleiizde Berichte aus dem Vorlobe» dieses Evi uptiou t.u, ...- aus - : sühtlicherer Wei-e zu bringe,,. Ta« Verinögeu >8".i»d>- >! lichen Zliiversäl'chle»' stammt vo» >'eiueiu-Vaier Mai-uas Tt? -r. u: To'.- eines 'Wteuer Haudelc-maiiiies in'der >!r:ig.lstr's:.> haue : .'.-. eine.,,.! Giüuder und Srgauiiator de« Eisenbahubaucs in Teste..,:.. .■ ä . richtete du' erste Loosiuetivfabrit. bei der Sudbabu >tud Cc'.ati'r. | de« Pachtbetriibe« au der Strecke vcu Mürzzuia'lag bis'La^'a.t ....>.> : , | durch (io voizüglick,,' u»d raiche "Besörderung de« Militai in . » Jabt ü i I>t8 und 1819 auszcichncte In d.it Javeeu X,6 du l»-'.l : ar ... Be. | wallungScutd der Euiabeth Bahn und Ivlttde bei Pst'l g.-nb-it ' a: .dieser -Bai'» vom .staHermit dem T-de» der.Eisetne,', x:e .-(. gezeichtiet, woraus ihm statt«-'«mäßig der Riii-rstav.e v-uaieheu u ue. Ep.ttest soiuen Sohn- Georg Realstkmte stndnen und wollte ihn cbenlalls ::: techui'chi,' Fache ziisiihren. Doch Haid mußte er die'en Gedaiileu au-gebei, und uhickt.' ibu in die xrauie'iche.Lehranstalt nach Dresden und später au die dortige Hand.:-: oladcmie. Bon hier gab er seinen Sob» audie t.iiidivitth-cha-'.licheu Lei r anstatten, 1861 —18-!'! m Hrbenheim, 1863-^18-'.", in Uiigari'ch Alteubitrg. I: den Jahreü 1865-—1»>7 mußie Georg b,i d iu.Fürste» Sck v-'aizu.veig u dein Erzherzog Atbrcckn vialiicire», uoraus >1!» -ein Barer im Fahre 1*-:» vom Barou Susicr das iüui Ro-'euau im Walkviettel - lauste. Tort winde cäeoig zum Volksvertreter geivählt. Aut 30 Tetober 1^8 > Mathias von Schönerer. Acht Tage vor seinem Tode machte er «tu Testameu:, ivonach i,v.; Sohn Georg als Prälegal das landiäsliche Gut Roienait itud das Staininhai.s .'Uugetstraßc 6, lctzetes jedoch mit der Enuchräulung/ daß det Mutter tu,' einer dar Schwestern Georg« der lebenslängliche 'Rießbiauch des ersten, relv.u live dritte» Stockes zusteheu ioll, erhielt. Tie Besitzung ist Reisteuaü ve: machte Mathias jein.'r Gattin und seiueu vier Töchtern als Prälegai. T' Hälffc dieser Besitzung, ohne die Villa, wurde von den Schwestern an Re-' schild um 101.003 sl. vetlaust. Ta« übrige, über zinci 'Millionen GuldcuZ tragende Bermögeit sollte unter alle -ech« Eiben gleichmäßig getbeilt werden. B.'t de: Znvemurausnahme stellte sich herunS, daß die int Rovemder I"8l sälligeu Eonvet:» und verloste, noch nicht zahlbare Obligationen im Betrage von ei-.ea!*'.<*• > sehlleit. Georg Schönerer erllärte, daß die 46.000 sl. iu teiltet» -'e:e.-.' daß ihm sein Vater diejeu Betrag übergab, damit er l-ierai:« : . .'.rankeii . und Leichenkosten zahle, dem Deutschen Schulvcreiu lUi-o -i. das Uebrige als Gescheut bchalie. -Ta bei diesem Scheutniiasarie l.«::-.' Zeueen. waren und der Sohn bereit« im Teslameme a'iißeroideullich — mit-inrhr als einer Halden Riilliou — bevorzugt war, so tlagten d:e Miterbe» aiis Heraus gäbe der 46.000 fl., haben aber den Proeeß verloien. Ter Faniiliensriede wa, durch diese zeugenlo« gebliebene Schenkung giüiidlist, gestört, eben-all« fühlte,i sich die Geschlvister durch die durch Georg Schönerer vertilgte nliogleiche Versiegelung der im Sierbezimnier de« Vater« befindlichen Easse, während die Leiche noch nicht recht kalt war, lies verletzt. Tte 'Mntier Schönerer'« zog lur; nach dem Tode ihre« Gatten au« dem Stanimhause i» der Huigerftrafjc 6, und im Mat 1893 zog Geotg an« dem Fanillicnhause au», und hiesür zogen zwei Aupplerinnen nebst fünf Prostituirteii ein. Ta die Einwendüiigen her Schwester» gegen diese Vermiethuug nicht beachtet wurden, mußten sie mit, ihrcick'crivach'eueii Töchtern noch im Mai Uber Hat« und stopf au« dem väterlichen Hause stüchten. A!« im Frühjahre 1884 die Witwe Schönerer'« starb und in Folge dessen ihr Wohnrecht im ersten Stock erlosch, wurde dieser Theil des Schönerer'schcn Stammhauses gleichfalls an .Dame» mit GesundheitShücheln' vermiethet. Da« Hau« in der itruger straße trng seit dieser Zeit höheren ZinS und tonnte aus 100.000 fl. bewerlhei werden; rechnet man hiezu da« Gut Rosenau aus eine Million, den Erdthcit

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