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Freies Blatt · 1895-10-27 · 186 (27.10.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
186 (27.10.1895)
Date
1895-10-27
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Freies Blatt. feite- «> Nr. 18Ü. die 'ich nach einem gewissen Alter gan; verliert; indessen findet man, vorzüglich in de» südlicheren Provinzen, nicht wenige Frauenzimmer lin Atter von m2h bis oO Jahren, die unsere kühnsten Träume von den san'ien, ätherischen und majestätischen Reizen der Töchter Judäas rerwirklicheir Leie sehr könnte ihre Tchönheit noch erhöht werden, wenn ein gebildeter Geist den Ausdruck dieser herrlichen Züge belebte! Tech zeichnen sich die jüdischen Frauen nicht nur durch körperliche Porznge ans: sie legen mitunter eine Teelengrößc an den Tag, der wir unsere Bewunderung nicht versagen können und die vollkommen genügt, und von der Ungerechtigkeit der gegen ihren BolkSeliarakrer gehegten Bornrilieile zu überzeugen. l?in Beispiel dieser Art, welches den Bekehr ungSeiser der Mauren sowohl als die Anhänglichleil der Fuden an ihren Glauben zu erkennen gibt, ereignete sich kur; vor meiner Anlunst in Tanger. Zulekiah Haschnl war ein junges 'Mädchen ron dreizehn Fahren und- Halle demnach eine geistige und vhv'iiche üi-.'ist erlangt, die in nuserein kälteren Klima erst mit dem l'>. oder 17. Fahre einzulreten pflegt. Fhre ungewöhnliche Schönheit batte allgemeines Auf'ch-.n erregt und ihr besonders die Viebc einer '.h'achbarlii, einer alten Maurin, erworben, die vom heiße» Berlangen rtt'eell wurde, ihre reizende junge Freundin zu der ihrer Meinung nach allein i'ttig machenden Vdne, des Islam zu bekehren. Tie lim; nai-de ’dtiencii endlich ihren Wunsch zu begünstigen. Tie Ettern Zu- ...iabs bedtohien sie, eines wirtlichen oder vermeintlichen Bergehens l aiber . mit einer Züchtigung, was sie veranlaßte, »ach dem Hause i; rer Nachbarin zu entsliehen und deren Tchutz anzn'prechen. Tie alle '.'N-anrin I eiiiiZ-i, diele» Aulaß, sich znm Kadi zu .begeben und ihm;er eittaren, das adchen -habe in ihrer 'Wohnuiig Znslncht ge- .oninnn, sich ziiiii i'ttanbeu des Propheten bekannt und den Namen A-...:l-s augeru'eu. Zulekiab Mußte vor dem Kadi erscheiu-en, leugnete -r.r an' das r!- Üiinnilesle, ihre Üreligion verändert oder einen solchen T,!-. an et, nur beabsichtigt zu haben, weshalb man sie bis ans er-.di...- -ei»''z ..re:: ließ, wahrend der Kadi dem Hose Bericht über d-. Ta l e e::e, T-.r Kai'erbefahl, sie nach Maquin--; zu schicken. .-. dw a üs-e'ikenz hatte, und bei ihrer Ankunft wurde ihr iiu Harem angewiesen. Mau bot ihr prächtige maurische H e::.-. w.-.che sie mir Berachlung -ausschlug, indem '“tie ihre Aulänattchtezk an die jiraeliriichen Titten und Gebräuche betheuerte. Ti!:!... wurde sie rar den Richkerstichl des Kaisers berusen, Ivo sie .ni d.i g'.dßttu llnerschrockeiiheir rorlsuhr, ihre Abtrünnigkeit zu. ..iigueii, ebgleich man ihr versicherte, daß die Annahme des Fslain > das einzig: Mittel 'ei. ihr Gebell zu retten. Tas drittemal wurde i rd-.icki il-r Trd.-durtheil ausgesprochen. Tie wurde sogleich von der; B.'-ach: ararinen ::nd unter dem Zulauf des Bolkes nach dem jenseits ' d.r Ttadiniau^n gelegenen, Richtplatz geschleppt. Beim Tchassot angeloninnu, drang man von '.'ieuem in sie, den 'Ranwu Allahs anzu-^ .uttn,-ira>aui sie erwiderte, die jüdische Religion sei der Glaube ihrer - orelrcr;r getr.'i-.-.i. die deswegen Bersolgungen aller Art und selbst den i .d eriiiien haben, und auch sie würde nicht austehen, sich für eine! ach-e alt'zuor-feru. 'ür welche Propheten, Tanger und mächtige; sdiiegshelden ibr Veben gelassen Tein -Kaiser sagte sie in Gegenwart;;e:: e-: Hd'es und der Wachen, seine Geschenke und Kleider wären für 1;it md-s.-hes Mädchen unziemlich und würden ihr einen Fluch zu- - ziel en, wenn sie sie anlegte. Als der Monarch ihr wiederholte, daß sie ' Mrbammed anerkenuen oder das Haupt verlieren müsie, antwortete >>:. daß sie .den'o bereit sei, die ihres Glaubens mit dem .'eleu :ii bekräftigen, als er, unschuldig Blut vergießen zu laffen. Ben BewuuL'eritt'.g über ihre Tchönheil und Festigkeit durchdrungen, .i ß der Tuttan kein Mittel unversucht, sie von ihrem Enschluß obznbziiig.ii. und nachdeni der Henker ihr einen Einschnitt in den Racken! t.iuachr haue, srng er sie zum letztenmale, ob sie Allah anerkennen ' und leben wo»e r Tie. erwiderte mit fester Ttimme: .Ter Gott Arrah.rms, Fi'aaks und Faeobs ist mein Gott; ich erkenne keinen anderen.' Für Haupt wurde dann vom Rumpfe getrennt. Tie zahl- - eichen Futen, die Zeuge dieses Austrittes waren, vergaßen in ihrer i.tuitinnig ihre gewöhnliche Behutsamkeit, sie stürzten sich aus die 'ai'etliche Leibwache, und obgleich mehrere von ihnen schwer verruvdet wurden, gelang eS ihnen, sich der Reiche des unglücklichen si.adchens zu bemächtigen, welche sie in der Nähe von Maquine; im T'.'.un pl begruben. Zulekiah wird seitdem von den Juden zu ihren gezall:, und selbst Mauren verehren sie als eine Märtyrerin." Atlthrovolsgischcs.i Im „American Helirew" finden sich folgende .'lugaben über jüdische Reger: „Ein russischer Jude aus Meadah ».acht Beittbelluiigcn über eine große Anzahl von Juden, die die ^aü:i der Tahara bewohnen, wie Balha, Bis Wrabi, Faggrat u. s. w. F„ jedem dieser T ne befinden sich mehr als hundert jüdische Faunlien, in manchen sogar viel mehr, darunter an einem Platz liOO Enitten, die zahlreiche Tynagogen und mehr als hundert Gotlesrollen besitzen, die auf Pergament geschrieben und uralt sind. Ei» Jude, der einen Reisenden nach Timbuktu begleitete, fand nahe der Grenze der Berberei eine große Aizzahl jüdischer Neger. Dieselben Habens fast in jeder Familie eine Pergamentrolle mit dem Pentateuch, dagegen besitze» sie nicht« von den Propheten, obwohl sie deren Existenz kennen. Ihre Gebete, die auf Pergamentblätter geschrieben sind, be j stehen aus Psalmstellen. Tie haben keinen Talmud, aber sie beobachten i einzelne seiner Borschriften, freilich untermischt mit Gebräuche» der benachbarten Mohammedaner und Heiden. Die arabischen Häuptlinge, unter denen sie stehen, gewähren ihnen völlige Glaubensfreiheit,, und . sie besitzen daher Tynagogen und Rabbiner, lieber ihren Ursprung kennen sie folgende Ueberlieferung: Nach der Zerstörung Jerusalems flohen einige jüdische Familien.in die Tahara, aber die Entbehrungen wurden so groß, daß alle LZeiber und Kinder erlagen. Endlich wurden die Ueberlebenden von Negern gefunden und freundlich ausgenommen und schlossen sich ihnen an. Tie heirateten unter einander, die Kinder! nahmen allmälig die schwarze Farbe an, aber behielten die jüdischen GesichtSzüge und wenigstens im Großen den jüdiscky:» Glauben." Es j wäre nicht uninteressant, sestzustcllen, was hievon auf Wahrheit beruht.!; Aus antisemitischen Vereinen und Verj sannnlunaen.; > Bcreiii der Triitsch-Nalioiialcii i» Oesterreich.1 Am 21. Cetober sa»d liier sie grünseiide Berkaininlmig des BcreineS der Temich 'ölatioiiale» in S7cfioi- | reich stält, ivetchee die Elbichaft des a»> tzseheiß T ch ö n e r e r's anfgetöil.'u i Tenl'che» PoiksvereiiieS überiiehmen soll. Znm Lbinann wurde Tr. Bmeeu; v. Berger geiväbll. Ter „Tsldemschen Rmidschau" widersudv die Ehre, zum Bereiusorgan erboben zu iverden. Aber auch dein Wunsche PerauSgebers j deS ^Bdleu m>S dem Wienenvatte", es möge der Bereiu die „»aheslehendeu! Prooinzblärler" ebeusalls berücksichiige», wurde großuiüthig zugenimml. Heil Eeorg! Heil Philippinen! Heil chre-Z Reües Fnhali! iEdristlich socialer Bercin.» Ter- Pscnner'iche Ehristtich soeiate Berein hielt Montag eine Wandetveriammiung in Mödling ab. Herr Geßmaun trat daselbst als Hauptredner aus. zog gegen die Fudeu, aber auch gegen die mit denselben angeblich liebäugelnden TociähTemokraten los '.'lach 'heftigen Auslassungen gegen Ungarn, ivelches den Wienern sogar vorsechreibeu ivoUe, weit sie zum Bürgerineiiter machen sollen und wen nicht, drohte er dem Mi uisterium Badens >ür den Fäll, als dieses verincheu sollie, die amisemilischen Pläne zu durchkreuzen, mit einer derben Antwort. Diese Trobuug ist wohl nicht eine selbnsläiidige peisiung t^eßiiiann's. ES hat vielmehr den Anschein, daß alle christlich iocialen Ber.ufsrediier von der Parteileitung den Auftrag.erhielten, eine loche Drohung auszusprecheii, denn an deinselben Tage äußerie sich iit Pe»;i ng ein Tr. John bei einem „Liegest'este", „daß die jevt ans Ruder koniinende .ei'erne Hand', möge sie noch >'o eifern sein, sich inachilos exweisen werde, falls sie sich gegen . die Antisemiten ivenden wollte". Am Montag spielte sich übrigens in Mödling, während die Waiiderverfaminlung dort abgehalten ivtnde, in einem Heurigetiichaiil ein Zwischensall ab. Ent mit den Antisemiten anS Wien gekommener Colponeur von Vueger-Bildern ivurde auf Peranlass,mg ziveier Mödlinger Weinhauer zur Polizei gestellt, wo ihm wegen unbefugter Ags Übung der Lolportage sein Bildervorra'.h consiscirt wurde. iZui» Klosterncubiirgcr Turiifcstc. i Am 15. Juli d. F. benchteien mebrere Blätter, daß bei einem Tag» vorher in .Ülosterneubnrg abehaltenen Turnfeste deS antisemitischeu Turngaues „Lftmark" ein jüdischer lluiversitäishörer arg mißhandelt wurde und nur durch das Einschreiten der Äendarmene vor weiteren Mißhandlungen bewahrt werden konnte. Ter (Zendannerie gegenüber wurde der Mißhandelte auch noch des Taschendiebstahles beschuldigt, doch wurde bald coiistatirsi daß diese Beschuldigung grundlos sei, 'da weder auf dem Fenplatze etwa» abhanden gekomme» war, noch auch der Perleumdele sich im Besitze verdächtiger Eegeiistände befand. Tiefer Tarstellung setzte der antisemitische .rilosterneudnrger Turnverein eine Berichtigung entgegen, in weicherer den vorgekallenen Exceß »Itter Berufung auf' § 10 P G. kategorisch in Ab rede stellte und versicherte, daß der-betreffende UniversitätShörer nur in Folge eine» Wortwechsels eine Ohrfeige erhallen habe. Der Turnverein ging jedoch noch weiter und begehrte zu seiner Rehabilitirung das Einschreiten der Staatsamvaltschast aus Ärund.des 8 308 St -G. (Verbreitung beunruhigender Nachrichten ohne ausreichenden Grund, sie für wahr zu halten). In Folge diele« Begehrens wurde gegen eine l'ocalcorrespondenz, von wejcher der Bericht herrührte, die Boruntersuchung eingeleitet, doch mußten nun die Alosterneudurger Turnvereinler zugeben, däß mehrere Personen aus den Universitätshörer losgeschlagen hatten, und es wurde daher die Untersuchung gegen die Localcorrespondenz eingestellt. (Tchneibcr's Propaganda in Triest.) Der Stampiglienkünstler Ernst Schneider weilte vorige Woche in Triest, um dort für den Antisemitismus Propaganda zu machen. An italienische Bürger wagte sich der Emiflär der antisemitischen Internationale nicht heran, wohl aber an slovenische Streber.

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