Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 186 (27.10.1895)
- Date
- 1895-10-27
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 180, Freie, fährdung und Verkümmerung derselben entgegentreten und sehen in der Organisation, wie sie der Eentralvercin gcschafscir hat, den Weg, als Juden und Staatsbürger zugleich ihr verfassungsmäßiges Recht zu fordern. Daher ist cs nothig, den Centralvercin immer mehr,zum Mittelpunkt für diese Bestrebungen zu machen und für de» Anschluß wenn möglich aller Deutschen jüdischen Glaubens an den Verein zu arbeiten." (Ein antisemitischer Schnlerlaß.) Man schreibt uns aus Berlin: Wie wir seinerzeit berichtet, hatte im September dieses Jahres das Brandenburgsche Provinzial-Schulcollcgium eine Bersttgung an die städtische Schuldeputation in Berlin erlassen, welche untersagte, künftighin jüdische Lehrer und Lehrerinnen ' beim Unterrichte in Geschichte, Literaturgeschichte und deutschem Aussatz zu verwenden. Zugleich wurde verboten, die Zahl der jüdischen Lehrer und Lehrerinnen zu vermehren, sofern nicht die Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichtes dies nöthig macht. Eine solche Rothwendigkeit sei nur dann anzucrkenncn, wenn auf eine» jüdischen Lehrer mehr als drei Curfc Religionsunterricht und auf eine jüdische Lehrerin nichr als zwei solcher Curse entfallen. Diese Verfügung bildete den Abschluß der Verhandlungen, ipclche das Provinzial-Schulcollegium in «Folge der Rachricht oingeleitct hatte, daß durch einen Rector eine jüdische Lehrerin anshilfswcisc in einer Schule veranlaßt worden sei, christlichen Kindern während einiger Stunden Unterricht in der biblischen Geschichte zu crihcilc». Tic Schuldeputation hatte gegen diese Verfügung bei dem CuliuSministcr Bosse Beschwerde erhoben, und wie nun gemeldet wird, bat das Provinzial-Schulrolleginm über direkte Anordnung des CuliuSministers seine erste Verfügung dahin rccliticirt, das; in Berliner Gcm-indcschulcn jüdische Hospitantinncn jüdische Lcbrcriiincn nicht nur im Religionsunterricht, sonder» auch in den anderen von denselben geleiteten Unterrichtsfächer» vertreten dürfen. Räch der «Fassung, wie die TagcSprcsse die betreffenden Mitthcilungen bringt, wäre allerdings den jüdischen Hospitantinncn nur das Brecht, die jüdischen Gemeindcschul-Lchrcrinncn zu vertreten, cingcräuml worden. Aber die Annahme, daß hier ein Jrrthum in der Berichterstattung vorticgt, ist um so wahrscheinlicher, alS ein Grund für diese Ein schrünkung nicht zu erkenne» ist. «Für daS etwaige Bestreben, die Zahl der jüdischen Geiiieindcschnl Lehrerinnen überhaupt zu beschränken, bedarf eS dieser Maßregelnicht, da jede Anstellung die Bestätigung seitens des ProvinzialcSchulcollcgiumS erfordert. Sollte die Verfügung richtig wicdcrgcgcbcn sein, so wird es die städtische Schuldeputation an de» erforderliche» Schritten zur Beseitigung dieser Ungerechtigkeit nicht fehlen lassen. In jedem Falle bedeutet die Erweiterung der Untcrrichtserlaubniß für die bereits zngelasscnen jüdischen ' Hospitantinncn, welche andernfalls in eine schwere Rothlagc gcrathen wären, eine große Wohlthat und, iji deshalb mit Gcnugthuung zu l>egrüßen. (ZiiliiiS Wolfs über dcu Aiitiscmitismiis.l In seinem „Dill Enlcnspicgcl r-^ivivus" läßt der Dichter Julius Wolfs die Rebenflüsse des Rheins in einem prächtigen Saale lustwandeln und sagt: J»I Saale floß die Unterhaltung . ungezwungen nobler Haltung, Hier sah man Zwei, kort Gruppen flehen, - Lihatten lang sich »ich! geseh'.n. Ta gab's nach den verleblen Tagen Viel zu erkunden und zn fragen. Reckar und Wupper Arm in Arm Tnrchivandcllen dev blimen Schwarm, Ter ircundlich Platz dem Pärchen machte Und Himer ihrem Rücke» lächle. „Wo bat sic denn," sprach die Plesiur, „Ihr Hottemottcn-Strickzeug nur!" „Ach nein!" eittgegnele die Murg, „Mil ihren Heide» ist sie durch, ., Jetzt, macht sie innere Mission." „Aba!" ries TiU, „TaS kenn' ich schon, * Was Judenhetze sonst genannt, Thnt nichts, der Jude wird verbrannt!" (Wie man sich selbst Ehrungen bereitet.) Unsere einheimischen Antisemitenhäuptlinge, mögen sic fromm kirchlich oder stramni national schillern, sind wahrlich nicht schüchtern, wenn cs sich darum handelt, Vorkehrungen zur Selbstvcrherrlichung zu treffen und dafür Sorge zu tragen, daß nian sie mit einer HuldigungSadrcsse, einem Lorbeerkranze :c. am „schönsten Tage ihres Lebens" überrasche. Der Defraudant Haninierstein übcrtraf sie aber Alle. Die „Nation" bringt unter dem Titel: „Die Claque im conservativcn Theater" eine pikante Enthüllung aus der in ihren Besitz gelangten Haninierstein- Blatt. Seite 5. Mappe. DaS Berliner Blatt rcprodncirt eine am -4. April in der „Krcuzzcitung" veröffentlichte „Danksagung" des edlen «Freiherr» an „unbekannte deutsche «Frauen", welche ibm aus Stcttili als Zeichen ihrer dankbaren Verehrung ein« kunstvoll auögeführlc Hand arbeit gewidmet hatte:'.. Hammerstein Erklärt darin, daß er, da er keine Spur von diesen Dame» zn .entdecken vermochte, ihnen öffentlich seinen Dank abstattcn müsse, Run besitzt aber die '„Ration" einen Briefpapierbogen uiit dem Stempel des Reichstages, woran mit der Schrift Hammerstein's die Abfahrtszeiten der zwischen Berlin und Stettin verkehrenden Züge verzeichnet sind. Die andere Seile des Bogens cnlhäst die von Hammerstein selbst enlworscne Widmung: „Dem muthigen Vorkämpfer und kühne» Bannerträger der conservativcn Partei als ein kleines.Zeichen dankbarer Verehrung von deutschen Frauen." Tic. „Ration" fügt hinzu, daß Hammerstein am R>. April v. I seine Geliebte, Flora Gaß, mit einem von ihr gestickten Kisten nach Stettin gesendet und daß diese ihm am nächsten Tage von dort däs Kissen Ungeschickt habe, worauf am vierten. Tage danach jene Dank sagung erschien. Tic jüdische» Aerztinnrn in Rußlmid. Das Organ .de« russischen SanitätS-Deparkements. der von dem b.rühmten russischen Profcsior .Mauas sc in, einem Bruder des tuizUch. verstorbenen chemaligen JustizministcrS Mananeui, redigin: .Wea'.ich' -Arzt, nimmt, wie man uns milthcilk, in energischer Weise Siellünz gegen die Richlzulassniig von Jüdinnen zum Studium der Medicm an d : neuen Fraucn-Univcrsitäi zu.. Petersburg. Das Blau schreibt .. D-: ,Freude über die bevorstehende Eröfsnung der' medicinlsch-m Universität ist durch die traurige Dhaliache getrübt,-daß de» der Zntrilt zu dieser Hochschule .unmöglich gemacht wnrd warum V Haben denn die jüdischen Aerzlinnen wahrend ..i. -,. - und im Dienste des Volles nicht ebenso i'elbstaust'rst:>-b w Ehristinncii gearbeitet '? Rein, Riemand kann dies b,-banv:en i ' e. - - tffrund dieses Verbotes ist einzig und allein daHn zu juchen. daß e Projekt des «Frauenstudiums in einer antisemitischen Zeit i-:::.st^:.- , worden ist. Warum aber hat man eine solche unverd.ienle Beleidiguae und llngcrechtigkcik gegen die jüdischen Aeruinnen ziigeiasteu//' ,F-:- Enterbten legt Riemand.ein gutes Wort ein Wäre es iiu jiidi, k.:stdie russischen Aerztc il> ,-»r>>->r-- diese Dhariache gleichgiklig h.uuebm.uköllntcnL .Auch die Jüdinnen habe» materielle und moralisch-: D; für die neue «Frauen-Universität gebracht. Die Universitäten »ad ■: mcdicinischcn Eorporationeu des Reiches, müssen deshalb bei den: Eultnsmiliisterium dar»:» ansnchen, daß das Verbot.gegen die Jüdin:'.: zurückgezogen'und auf diese Weite daS. ihnen zugefügte Unrechi w:.-eß: gut gemacht werde." (Eraf Sälllwülow. Ans Warschau wird UNS ..'.''chrieb'N. Eine der Hanptbcschnldignngcu, welche die hiesigen aunsemnisch:» Blätter gegen die Inden im Weich'el.zebicie schlenkern, ist k.-: -äuge!- liche Widerwille der Jude» gegen Bildung und Aufklärung, c^eneräl Gur ko war davon überzeugt, daß die In den in Eongreßpoleu im. Kinder nicht in die Schule schicken wollen. Wie ungerechlseriigi e:e> i Beschuldigung ist, erhellt aus folgender Dbat'ache, die der halbamtlich „WarschawSkij Duewnik" mitrheilt: Während der letzten Manöver..:-- der Rähe von Loiuza weilte tslraf Schuwalow, der Eli er - Weichsclgcbiete, im Städtchen D n ko c i n,'wo . ihm von rer inust - hasten Ordnung der dortigen Schule für Juden rrzählt wurde. i ließ die jüdischen Schüler und Schülerinnen mir' ihrem LJner 'K ' ■ j thal zu sich rufen und forderte .sie aus, russische Lieder ru st. - i Die Kinder trugen die russisch: Rarionalhymne und vi,!. -a u. j Volkslieder so vollkommen vor, daß Graf Schuwalow--nicht ::::.. j konnte zu bemerken, das; sie doch echte Rust.:, :r ..n i Schnwcklow beschenkt?-, reichlich die Kinder und tut.; de::: il.:: I:' , gleitende» Gouverneur von Lomza ans, von diese: -'n'reuliäieu Shit sache dem UnterrichtSministcr Deljanow Milli-eilnng zu machen : Ein Äkädchen dstamcns Gold, bei welchem Gras Schuwalow eine j prächlige Stimme euldccktc, ließ er nach Warschau kommen, um cS j im Conservatorium ausbildcn zu lassen. Der hnmaiie Gras bat sich bereits des Oeflcren zn seiner Umgebung geäußert,-daß er sich von der Wahrhcit der gegen die Judenerhobenen Beschuldigungen bis jetzt noch nicht überzeugen konnte. I «Ans der Lcidtnsgeschichke der Juden in Marokko.; E a j rington erzählt in seinem Werke „The Rew World" folgende j Episode auS der Leidensgeschichte der Inden in Marokko: „So wenig die niaurischen Frauen meinen Erwartungen entsprachen, was ohne Zweifel von ihrer sitzenden Lebensart inder Einsamkeit des Harems herrührt, so wurde ich durch die blendende Schönheit' der Jüdinnen überrascht. Sic sind durchgängig hübsch, und einige von ihnen gehören zu den reizendste» Frauen in der ganzen Welt.. Das Klima dieses Landes äußert zwar eine schädliche Wirkung auf weibliche Schönheit,