Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1895-10-27 · 186 (27.10.1895) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
186 (27.10.1895)
Date
1895-10-27
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
80% known words query
IRI
…/4886575-5439167-5441686--2284-4888675
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 186 Stil« 4. .freies Blatt. Zugriffe nach fickendes -schreiben an die „Gablonzer Zeitung" gefidUit: '^orclulidjc Redaktion! Die Antisemiten in meinem Wal>lbeiirfe gefallen sich in .jüngster Zeit in besonders heftigen Angriffen gegen meine Persönlichkeit, In gewohnter Weise.nehmen sie cs dabei mit der Wabrhcit nicht genau und unterschieben mir AuSsprüche und Gefinniingeii, die mir so fremd wie nur möglich sind. To wurde mir;ii»gü in einem Berichte über die lc(?te Wählerversaminlung die Äcnßer.ing in den B>und geschoben, die Knechtung der Vefjrcr sei eine Kleinigkeit, welche über (''eMllir anfgebauscht wurde; ferner hieß cs, ich Kälte mich „um liifli berumgcdriickr", wiewohl ich gerade über die Angelegenheit liilli fo ausführlich und eingehend gesprochen und meine . Anschauung ss denllich;itnt Ansdrnck gebracht hatte, als nur irgend einer der Herren Wähler wünschen konnte. Heute lese ich im „Gablonzer Anzeiger", daß in einer Persammlung der „Deutsch Rationalen" in Mordienstern ein Herr Ttein aus Wien mir vorgeworfen habe, daß ich gegen d.e Eleriealeu und deutschen Eonservativen wie Antiiemiten loszog und doch >clbst ein alikatholifcher Elericaler sei, der al:ka:lisl!'che Ö'ebeibücher Und Tclirislen lieransgebe, seiner als Deutscher NM t.e Ö’uitTt der Juden und Toeialisien -buhle. Es gehört viel lln ■.eiru"..nlieii und eine freche Tlirn dazu, die Behauptung zu wagen, ,ch bulle um die raunst der Inden und Tocialisteii. Vetzkcre haben .7.ich in 'Wäbleroerfaminlnngen, noch mehr in ihren Zeitungen heftig ' an.i.g.i'sen: in der Zilrnctweifnng und Widerlegung dieser Angriffe : abe i.ch midi allerdings immer eines anständigen ToneS beflissen. Den Inden gegenüber kenne ich. so wenig wie anderen Menschen gegen- .er'et'üeiuile Pareingenouimenheit, id) habe niemals um die 'i'nnü irgend eines Juden gebuhlt, weiß mich aber ebenso von .d.e '.:nd>'eiigeu ^.'sslinrriig frei. Die Herren scheinen in der con- '.^'wn.n.n H»r-e die einrig würdige Bethütigung ihrer „deutsch nationaieur -^e'.nnnn,: :u ''eben, dainm werfen sie auch mir meine Eon ' "ion r.r g i.s.iee ist livar gewiß allen meinen Herren Wählern b.iano.. >!i l .;e: niemals und nirgends meine lleberrengnug veikengnet, A:"'eh!::ß an die alikatdolndie Kirchehar midi über niemals in iKeine; e”‘.'i;:l:cl'en 7! äugten gehindert, für liiieingefdjriinttc ÖUiiubeiix!- u.:d <".n;"'itc;‘::I\ir, für reltcib'e Duld'amkeik und den eonfesfionellen .Ir.ed i! mir aller Entschiedenheit -cinruireken Zur Herausgabe von oi'latl. .i'ciien O'oi■ eiliiiheiit und Tdirifien fehlte cs mirfd|on an der i’.. :! :g Zeit, die diesberügliäie Behanviung des Herrn Tteiu in eine -- l’::a’a!u: :it. Buch bei meiner Begeisterung für Glaubens- und .!v;;e;beir und für die fieie Tchule einen lilcriealeit zu neunen, r’t lieble ge’M'!;::.’..;’.eil, >öie inenn oene, welche in blinder Partei :.:e nur gegen die eigenen Volksgenossen einen erbitterten Kauips si. i en, in d fie auch vergi'teke Waffeu für erlaubt halten, sich r.ni'd; .'k.ruona.e" l .ißen. Jiideni id> um freundliche Ausnahme dieser -l.-i!.,! U! „Ihr g.-schaptes Blatt bitte, zeichne id) mit deutschem Gruße .lauf B i; e ei. '.'lllftl ein ollfICllDÜilDucr:> -A'fan schreibt uns ans Ganai I» ... eb.,a 2 i''ch chi'che Vehr er den KielmanSegg'l'd)en Erlbß eit, de., e. IN artiges Pröbchön: Für den 114., l.'i. and!•'> -.'ieve:::; er und hier die J'eineindeir'ablc» 'ausge>'diricben, ans n'..-ch'n du T'ch di-'n, dank allerlei Praktiken, als Sieger hervor u.g-i..::! 0««'.-.!. Liefe Siegeszuversicht tragen sie auch offentlidi zur Deben 2o luv.'.vnguute tun 22. t. M. der Oberlehrer der hiesigen i::::tr:‘.1ien Madärerrvottsichnle, Ramens Hroinalta, zwei hiesige deirt'ch. Burger an' dein Biarkiplapc und apostrophirle den einen d.'.''eiben Mit dein Ko'cnauien -de-, ,-tr-ii- : Judcnsclave). Der ,i::ge'r.e-cl) in Bürger erwiderte den» oitgottbbilbncr ganz ruhig: . Es :iv.:• l.f’-r .Herr Cberlelircr, wenn Tie in der Tchule säßen, ais >'.d, eine W..I lang 'le.,e.:ö-iren zu besauen." Da bei der Wahl die 'nden a:e iinwir üli die e ul'ch-liberale Visse wie e^n Mann slimmen, iaü'.'i! di. ch,i''chen Agitatoren es nicht an Einschüchterungen ' '.b-l ii. rech in alle Mub urnfonst, und es ist zu erwarten, daß es auch diesmal gelingen wird, dem tschechischen Ueberinuth eine wohl- - °:l-en:e e’i e'e;inac;lt beiDren Gs fliiifl ein Ztiacr wohl nur Die Piirich. > Man schieibl Nils! T;,n älirei-: Da gnu einmal der jagdfrohe (Gutsherr Früh-! ' u . I - Haine t!alten, in de» schönen grünen Wald, NIN u. Dr.nschuß zu nrnchen. Ts war mäuschenstille im i - i - Herinnebeln uuü'chleiert, noch im tiefen, liefen - - ' L 'narrte etwas im Walde. Der „lösende" Jäger' - s- ' v--'!' . — . das Geräusch wurde immer lauter — stand - '.i ' - -» "°!.:-'l--rrn ein — T'endarm „Ich bitte i:u, -d"a •, -. '-eine Au'rrach:. Der Tiäger holte sie hervor. - - 1" 'b.i'.m ' ri;',..e [-; dem T ämmerlicht ganz flüchtig, ohne 1 '.'s»n:ea de' 4 ' :;:e g-'leien .zu haben, und wollte sich empschlen. i - i idi e--. ■ - . ..Teilt, mein lieber Herr Wachtmeister, Tie \!': ' : '• ■ :1‘; -me chebrdtn r!trieb ,,, so niüffen Tie mir f ein wenig Gesellschaft leisten!" Sprach's und reichte dem Gendarmen eine vollgefüllte Jagdflasche. Gemeinsamer Trunk macht gesprächig. Ei» Wort folgte dem andern. Der biedere Wad)tmeister erzählte, er hätte mehr denn H> Jahre in diesem Herrschaftsreviere gewirkt, in welchem sein Gastgeber jage. Das Revier wäre, Dank seiner Umsicht, wildschützcnrcin. Eines schmerze ihn dod), daß nämlich seit fünf Jahren ihm das sonst so üblid)e Holzdeputat nicht mehr zukäme. „Der neue Glitsdirector," sagte der Gendarm, „ist halt ein Sparmeister und sagt, sein Herr habe ihm das Sparen a»S Herz gelegt." Da lachte der Jäger hell auf, griff in die Brusttasche ^u»d reichte dem verdutzt dreiiisehendcn Gendarme» einen funkelnagelneuen Hunderter. „To, mein lieber Herr WadPmeister," sprad) er sodann, „nehmen Tie dies als Enzgelt für Ihre erlittene Sd>ädigung. Jd> gebe Ihnen "mein Wort, der sparsame Gntsdirector wird gewiß nid)t mehr vergeffcn, den wackeren Gendarmen, die dem Gutsherrn tausendfad)e Ticnstc! unentgelilid) leisten, die übliche Holzration zuzusenden." Mit diesen Worten reichte der Jäger dem ganz pass slehcnden Gendarmen die Hand und sd)ied mit ein»»! „Grüß Gott". A>s der Wachtmeister nach beendigter Tour nad) Hause kam, lud nian vor seinem Hause eine mächtige ,rühre Bnd)enhol; ab, und als^der Wachtmeister fragte, i» wessen Anstrag dies gesd)che, sagte der Knedzt: „Ra, hat'S doch der gnädige Herr, de» Tö im Wald arretircn wollten, selbst besohlen." Der Herr war — Baron Hirsch. Ik. (Tic kirchciipolitisäicii sticsoriilku in Ungarn.) Das Magnatrnhans zog am Hl. d. M. die »och i» Tdjwebe befindlidje» Paragraphe des Gesetzes über die freie ReligionSnbung in Bcrathuug. Eine eigentliche Debatte fand nicht mehr statt: nur der Eultusminister und der srührer der Ultramontanen ergriffen nichrnials das Work, der Eine, um einzelne Bestiinmungeii des Gesetzes zu bcsürworten, der Andere, um sic zu bekämpsen. Bei 8 2.4, welcher von de» außerhalb der Eonsessionen Tlehenden handelt, beantragte Gras Ferdinand Zichy, die cinsd)lägigcn Gesetzesbestiinmungen zu streid)en. Dieser Antrag wurde mit 118 gegen 111 Stimmen abgelehnt. Z 2f>, welcher die Pslidjten nad> dem Austritte aus einer Eonscssion betrisst, wurde;ugleid> mit de» im 22 enthaltenen lleberlrillsbestiinmnngen verhandelt. Graf Ferdinand Z i dni beantragte die Ttrcid)n»g dieser Bestimnlungcn,' weld)e die Dogmen dep katholisdic» Kirche verletzen. Länder, sagte cr, weldie solche Bestiininilngcn inarticuliren, hören aus, d)ristlid) zu sein. Enltusminister Dr. WlassieS entgegnete, wen» dies tidtfig wäre, so hätte Europa kein einziges d)risllidies Vand. Es gebe in Europa keinen eivilisirten Ttaat, in wcld)e»i die Parität der israelitisd)en Religio», spe icll waS den llebertritt betreffe, nid)t inartieulirt sei. Auch in jenem l'ande, in dem wir den Grasen Zid)h öfters im Interesse der Ehristenheit wirken sahen, in weld>em cr oft weilte, auch dort sei diese Bestimmung bereits Gesetz. Der Gesc^entwurs über die Reception der Inden sei bereits sanetionirt: man könne dod) einer reccpirten stceligion nidss weniger strechte eiiirüumen, als sie in Gemäßheit der Rceeptio» besitzt. Zum MohainmcdaiiiSmns solle man übertreten können, nur zum Judenthum uid)t. I» diesem Vichte kehre der Ttreidniiigsaulrag seine bivccte Tpitze gegen daS Judenthum. Die Regierung chalte entschieden an die)em Paragraph fest, damit die Parität der israelitisdie» Religion e.\)>rcs-sis verbis in der Vorlage enthalten und jeder Zweifel ausgesd)losscn sei. In der hieraus solgenden name»llid)en Abstimmung wurde» die im § 22 enthaltenen UebertrittSbestiminiingeil mit 120 gegen 114 Ttimmen angenommen. Gras Ferdinand Zid>u beantragte sodann die Ausnahme eines neuen Paragrapbs, wcld)er die Bestiiumung enthalten solle, daß Jemand, der von der du'i|’tlid)cn Religion zur israelitisdie» Übertritt, seine nnmundigeir Kinder nid)l in die neue- Religion übernehmen kan». Criltusministcr Dr. W lasst cs erklärte, man könne, »adidem die israelitisdie Religio» eine reeipirte Religion sei, keine besondere Bestiminung für dieselbe tutfen. Der Antrag des Grasen Zid>n wurde durd) Erheben von den Tttzen abgelehnt. Die übrigen isK 20, 27, 28, 20 und 40 wurden ohne Debatte angenommen und somit die letzte kirchenpolilisd)e Vorlage erledigt. Es ersd>ollcn nun stürmische Eljenrnfe, und Milzisterpräsidenl Baron Banssy sowie die übrigen Mitglieder des Eabinels wurden mehrsadi beglückwünscht. (Ctiitrnlvcrein Dcutsäicr Ttnntsbiirgcr jiiDischcii GlniibcnS.) In Berlin fand neulid) eine von dem Vorstande des Eentralvercines deutsdicr Täaatsbürgcr jüdisd)en Glaubens cinberuseue Delegirtcnversammlung statt, an derauch Bertrcler der Vorstände der schlesischen Tynagogengemeinde» theilnahme». Rad) einer längeren Debatte wurde folgende Resolution aiigcnomme»: „Die hier anwesenden Vertreter der Berliner Gruppen des EentralvereineS und die anwesende» Vertreter schlesischer Synagogengcmeinden ''erkennen die Rothwcndigkeit an, aus dem Wege der Tclbsthilse in der weitesten Teffentlichkeit ihre staatsbürgcrlid)en Red)te zn verfechten. Sie wollen ohne Scheu jeder Ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.