Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 185 (20.10.1895)
- Date
- 1895-10-20
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/4886575-5439167-5441684--2274-4888666- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ieitc' 7 Nr. 185 " freies Posten verschaffe». Nichtsdestoweniger bleibt die Äemtercninulirizng eine ans schließlich „jndenlibcrale" Todsünde. (Alwardt in Wie» ) Wir haben bereits davon Notiz genoinnie», daß sich die Wiener Anliseinite» Herr» Ahlwardt alS Festredner verichrieben haben. In unzählige» Flugblätter» wird nun die Frcudenkniide verbreitet, daß Ahlwardt sei» Erscheine» bei der vom „Ehristl i ch-socialen Arbeiter R e s o r m v e r e i »" am 3. November d. „Y in ttlciu'» Etablissement, XVII., Hernalser Hauptstraße 53, veranstalteten 1'» c g e r Feier bestimmt zugesagt habe nnd daselbst sprechen werde. sRachklängr zu de» GemeindcrathSwahlrn.) Ter tschechische Zeitung- Herausgeber E i » e r t hat gegen den Mechaniker Schneider eine EhrcnbeleidigungSklage angestrengt, welche die während der letzte» GemeinderalhSwahleampagne von den Antisemiten wiederholt ansgestellte lügnerische Behauplung — die Wiener Tschechen hätte» von de» Liberale» eine BcstechuiigSsumme^vo» LO.lXXI fl. erhalle» — nunmehr vor den Richter bringe» wird. AlS nämlich die Unwahrheit dieses Gerüchtes mich von de» Antisemilen nicht mehr zu leugnen war, suchte» sie dasselbe darauf zu rednciren, daß Einert in der Kanzlei deS Dr. Richter fl. für Wahlkosten erhalte» habe. Cinerr erhebt nun gegen Schneider die EhrenbelcidigungSklage, weil dieser die genannte Behauplung wiederholt i» Wählerversammlungen vorbrachte. Cb eö zur Verhandlung kommen wird, ist dahingestellt, da Schneider zu diesem Zwecke vom Abgeordneienhause und Landtage seiner Zminnniliu entkleidet werden müßte. In einem srüderen Falle waren eS die — Tschechen, welche Schneider vor dieser Katastrophe be ivahrten. Wir sind begierig, ob die Tschechen auch diesmal die Auslieferung Schncider's verhinderii werde». «Tit „Frriheitlichkii" gegen de» Hospredigcr a. T.) Zene Berliner Antisemiten, die sich um den in Heflen verkrachte» Böcke! jchaale» und sich — «■anis a nou canendo — die „Freiheitlichen" nenne», beriefen lctzlhin eine Bersammluug ei», um über Stöcker und Genoflen zu Gericht zu sitzen. Ter vorgeladeue Hauplaugeklagte war aber nicht erschiene». Tie in seiner Ab Wesenheit durchgesührte Versammlung »ahm in» Wesentlichen folgende» Verlauf: Ter erste Redner, Tr. Böckels führte aus, Stöcker spiele sich jetzt alS Apostel der kleinen Leute auf, nachdem er so lange ein Hosmann gewesen iei. Er verstehe eS, mit feinen christliche» Redensarten daS Volk zu täusche». Tic 1>e raunte Briefafsair'e sei ei» Lichrblitz in seine Eoulissenarbeit gewesen, sie habe ihm die Marke vom Gesicht geriflen. -Scho» bei der Stichwahl üi Hessen habe Stöcker solche Eoulissenarbeit betrieben. Ta habe er (Redner) dafür gesorgt, daß jener nicht in de» Reichstag gekoiüme» sei, nnd, wen» es nach ihm ginge, würde der Herr Hosprediger nie wieder hineinkoinme». Tcifentlich habe Stöcker für de» Fürsteii Bismarck Shinpathie» geheuchelt, im Geheime» ihn bekämpft. TaS fei die Ehrlichkeit jener Männer, Sie selbst Wein tränken, dem Volke ab.r Waffer anpriese». Ter Fall Hammerstein nnd der Fall Stöcker haben das Gute, daß sie die politische Luft von nnredliche» Elementen gereinigt haben. Tie Heuchler habe ihre Strafe ereilt; man könne wieder anfarhmcn. 'Aach Tr. Böckel sprach der „deutsche Gastwirlh" B o d e ck : Er sei vor elf Zahrcu ein Anhänger Stöcker» gewesen, dann aber von ihm abgesalleu, alS er gesehen, daß Stöcker »ur persönliche Interessen verfolge. Ten scharfe» AntisemitiSinnS habe Stöcker nur hervorgekchrt, weini er seine Popularität ans. bester» wollte. Während der Regierung Kaiser Friedrich'- habe er in der Furcht, sein Amt zu verlieren,, ganz geschwiegen. ,Ter Redner warnte zum Schluß vor Zuiikern und Pfafie», um die anlisemilische Partei als die einzige, die für de» Mittelstand kämpfe, zu preisen. Pastor K ö h l e r iuchle Stöcker reinzuivaschen und bemerkte, man »lüste Stöcker die Gerechtigkeit widerfahren laste», daß er ei» Her; für dar Volk habe.. Er sei nicht für die Reiche», sondern fjrr die Arme» eingetretcn u»d habe in seiner Stadlinission viel Segen gestiftet. Man möge nicht, wie die Social-Teinokraten, über „Psasten" schimpfe», sondern anerkennen, daß die Geistliche» „wahre BolkSsreunde" seien, die mit arbeite» wollte» an der Hebung der socialen Roth. Zm klebrige» möge nian auch bedenken, daß die Armen . oft viel eigene Schuld an ihrer Bedrängiriß irrste, und daß die sociale Frage nicht bloß eine Magenfrage, sondern auch eine Frage der ausgleichenden Gerechtigkeit fei. Tie AuSfUhrungc» des VertheidigerS Stöcker's wurden mehrinalS durch Kundgebungen lebhaften Widerspruches unter, brochen. Ein Herr G e e l i n g constatirte mit Genugthuung, daß Böckel Stöcker die Maske abgeriffen habe; eine Frau W e h l e r betrat hieraus daS Podium, um gleichfalls Böckel.zu danke». Ein Herr Zorn meinte bezüglich des Falles Brecher, es sei schwer, Stöcker anzusassen. Derselbe sei wie ein Aal, doch wie man einen Aal zur Ruhe bringe, wenn mau ihn mit Salz bestreue, so würde man auch schließlich Stöcker zum Schweigen bringen, wenn inan ihn, das Salz der Wahrheit auf den Kops streue. Stöcker sei wie ein schleichende« Gift. Er habe alle Ursache, dar Gericht zu scheuen, er mllste auch auS dem Landtage hinaus u. s. w. Einem älteren Herrn Namens B u ch h o l z, der mit Bibelsprüche» alle Geistliche» alS Heuchler brandmarkte und die Kirchen für überflüssig erklärte, erwiderte ein Herr Arndt, ein junger Mann, daß er selbst ein Heuchler sei. Ta kam ein Herr Schwlz dem angegristenen Buchholz zu Hilfe nnd sagte: Die „Schwarzen" wollten nur das Bolk verdummen. Mau müste nicht aus sie hören, die »ur die Augen verdrehten und darnach strebten, schon aus Erden die Seligkeit zu genießen. 'Nachdem noch Herr B u ch h o l z » l a > t. selbst dem Angreifer Arndt enlgcgnel, dusi.!’ ■./■ noch nicht, bewi.-e», daß es kein venchler iei, und hiebei wiederum Bib.sinuche eian h.ure, ivraeli Basto, Köhler nochmals und bedauerte tu Ang:ine auf d-.e >m,ßiM.le>t mit da- 1 Ebristenthnm: eine Volkrverkammliiug >ei nick-: .\i Cr;, übe, die Religion zu deballi-.en. Auch ein Herr R e > ch e I meinte: Ti, Anii'emite» mochten be denken, daß sie sich durch ihre Angrine gu> -locker mu silber ichadeien. Wenn dieser einmal einen Fehlt,in lhue, >o iolle man nicht um de» Fuden im Bunde über ihn berfallen, sondern ihn, lieber benvringen Böckel habe klnrechl gelha», daß er Stöcker aus dem Reichstage verdräng: habe: ebenso iei das ivnstige Verhalten der Autnemiieu g>ge» i;n nicht z.i billige» Mu atheistische» Aiilifemiten könne Stöcker allerdings nicht ziisainniengrhc,,. Lebhafte Schlüßrufe zwangen hier de» Redner, aus das Won zu verzichte». Bo deck Ibeilte iinn mit: Stöcker iei durch einen eiinzesitniebeiie» Briei. zu >>>>',, Ver'ainmlling eingeladen und ihm auch Recesreibeil und Schutz zugesick-c>i worden.. 'Nichtsdestoweiiigrr se, er »ich» gekoumieii. -Ruse: Feigheit!, Eine Bei'ölnmiig zwischen Stöcker inid Böckel iei ebem'o unmöglich w:e eiuc Veieniigung von Fe/er und Leister, von Heuchelei und demicher Mannesari Ein Tr. B> r u st e.j u unielwars dann da» neue bürgerliche Gesetzbuch einer Munt, :w :.m , t Wunick, knüpfte, Böckel möge dagegen;» Felde ziehen Jv B o n e l -aa.le zu, nnd nachdem dieie Zuiagc noch mit einer Resolution b.li.;»ru,t wo',. n »>nr, ivurde die Veriaininlung nach dreiilündiger Tauer mit em.-u v .b .,»> ,F-rrckieu" geschlossen. So bat sich also Böckel, der vor Kuizen:. „i .ne, : ou Slocker 'em berufenen Versanimlmig nicht zuui 'Worte zugelasieu ■■ m ij.ii dort g - fallen lasse» mnß'le, als „Lump" bezeichnet zu ivlzd .,. na.'- e - Mann, .- arl" an dem ..Heuchler Stöcker" gerächt und dabei virlleick: v.'.l. u, ei ode> firfi Abnehmer für tac „Tcuiiche Bolksrechi" geivonnen. (Ter Kampf um .Hammerftkin's Mandat. > .Z» .: . .. Fma-i Hammerslein'S verwaisten Reichsta-Swabltreise Halle H r'0! : »-»'a sich r<r bekannte anliicmiliiche „Treschflegelpanor" Iskrani. au' "» Herrn t Slinalion hinaus ilnd scheint nichl übel geneigt, die den Tivoli Leinen mck" . deiöndkrs giinilige Ltiiiiinuug zu Guuslen der mehl' sc-eial rom'lntionareu See: der Änti>'einiierei, der Fskraut ielbst angelst rt, auSznbcnie» Er ist >. : ens iieiß:., an der Arbeit, Versamnilunge» abzuhallen Zu eine, t!."'er Vereamniluuaeu lheilte er eine schriftliche Erklärung S l o ck >'r's mit, daß tu-av mir, keinen Umständen eine Reichslagscandidaiur für Halle Herford aimelmieu wilide, Pastor JSkraut schlug alSdaun als Nachfolger für Haniinersiein ciileu P'.rrrer SRiall ans Bardors in Braunschweig vor. Wie man sich deuleu tann. sind d:e Eonscrvaliven sehr ansgebrachl über die Eiunnsihung deS Friraui in die Wahlangelegenheilen von Halle-Herford. Tic braven Twoli-Leule, die seinerzeit dgreh die Förderung FSIraul's Wind ginget haben, dnrfie» wieder einmal Sturm ernten. Entweder nstrd der 'Nachfolger Hammersteiii's der deutsich 'ocialeii Partei'- angehören, oder Eonserraiive und Aniiiemilen iverde» sich in Halle ^Herford schlage». _ Aus antisemitischen Blättern. („Ehrislkich" und „fntlioliidi V Ta» „Va lerland bezeichnete >d Fälschnng, daß der ,,'TIservatore Romano" bei Wiedergabe' oinel Enuncialion Lueger'S da» Wort „christlich" mit „kalboli'ch" nbersitzl Hane. Darauf antworttie das römische Blatt, eS habe io iiboi’fijt, weil 'eine italtdui scheu Leser nicht wüßten, was die Ehristlich Sorialen in -T,'sielreich feien. Tie- - wären doch nicht» Andere» als bandelnde und acitve Kalbollke». Ware deiv. nicht lö, dann ivürden sie sich nichl cher kl»lerstüi.>»iig und dcr'lstnns: größten Theile» de-Z EleruS erfreuen. Tem gegeuiiber dotisiaurl das „'B.,:' land", daß sich der „Ctfm’atoif Romano" eine urue „ikurlchligkeil" zu Schude- :/ koininen lasse. Lueger bade in 'einer Rede von Ehristen und nicht von . Socialen gesprochen; voii Letzteren habe er nichl sprechen koiinen d-'>; Kundgebung Lueger'» sei an sämmtliche antiliberale Wähle: ge:!' an die Ehristlich-Socialen, welche die ticinste Gruppe bilden, u- , . >:!um: semiten und die Tenlschnalionalen. -Andieser Polem:!' ab . '.'eo". e tß l'. Albert Maria Weiß^mit seinen Anschauungen ,:i.n-era.s Lt.qa ln den clericalcn Kreisen Seiterrcich-; nicht vereinzelt dast v:, ' r.f .abn in Rom, wo man noch kürzlich für den von rem gai'.zi'si.'it Er-vai- ' iirtheillen StojalowSki Worte derErmillllernng fand, itick.: am i-.trt zu sein . scheint und sich Zllusioncn hingibt. y lFrei-!cpcrllgläscr.> Tie „>T stdeniiche Riti>d''chau" erzählt: ,,Fm Carltheatcr macht mar. au: den Frei Spe-ligtasi'rll ganz klgenlhümliche Erfahrungen : diese vorzüglichen Zilstruinenle zeigen nämlich die bedenkliche Neigung, an Ulirechlmüßige Eigeiilhüme.r übergehen zu wolle». Bt» imu sin^ vierzig Gläser — unbelannl ivohin — ver'chwnii^e». Bisher hat »ocki kein GlaS den Rückweg in das verwaiste Etui gcsuilden." TaS 'Trgan, welches die arische ZiichthänSler'Hoheit vroclamirt hatte, unterläßt e» aber, bei die>er Ge legenheit daraus hlnzuweisen, daß schon bei den GemeinderathSwahlen im dritten Wahlkörper sich gezeigt halte, daß die Reltungsgedanken der anlisemili'ck.e» „Socialreformer" in der Leopoldstadt immer mehr Bodep gewinne». (.Ilugehkure Entriislung.» 'Die Antisemilenprrfle, welche entzück! war, al» der Männrrgesangverein bei der Wahl seines AuSichusic» einen jüdi'chen Ean didaten für eine Schristführerstelle fallen ließ, ist mm über diesi» Verein un