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Freies Blatt · 1895-10-06 · 183 (6.10.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
183 (6.10.1895)
Date
1895-10-06
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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.freies 1' i a 11. iie II. tli. IM. ist z»gIeich da« Lrgan de« durch Herr» Prosesior LehniaNn- Hohenberg gegriindete» .Deutsche» Bol ksbnndes', dcsieu Ausgabe eS ist, deutsche Bolkserziehnng zu sörderu, die deutsche Lpvache zu veredeln, eine Ae, derizng deS RechtSivesens »ach -denlschk» Anschanüngen herbei,„sichre», die getrennt arbeitenden einzelnen BolkSfrennde und thruppe»;n versöhne» und ,n gemeinsamer Arbeit zu vereinige». Dieser Bund ist in de» .Hitler Neueste» Nachricht?»' durch den ,LprechsaaI des Deutschen BolksbundeSvertreten." Dieser Professor Lehmann-Hohenberg ist der bekannte pnblieisiüche Sigeiiinan» deS Herrn v. Egidy und AuSichroter von dessen Ideen über ein „Einiges Ehristenthnm'; alS wir vor einige» Jahren Herrn v. Egst« daraus aufmerksai» machten, daß Lehman» Hohenberg in den von ihm geleiteien Blattern dem Anlisemitisinns in einer z» den Egidl,'scheu Ideen schlecht harmonirende» Weise das Wort spreche, da e> hielten wir von Herr» v. Eghdi einige Briefe, die weder iück Tone christlicher Teuinih, noch mit der gewissen' christlichen Lffenheit abgefaßt waren. Herr v. Egidh drehte sich um den zeitgemäßen Antisemitismus — figüikich gesprochen — wie die «atze um den heißen Brei herum; ans unsere Einwände öffentlich z» antworten, erklärte er, sei ihm dadurch unmöglich gemacht worden, daß wir eine» edle» Meusche», wie Lehmann. Hohenberg einfach des AntiieinitjsmnS ziehen und so beleidigten. Das war der iüm der Worte Egidh'S. Nun, was sagt er jetzt zn Lehmann Hohenberg? Das Münssein bekennt sich. , (Arische Sittlichkeit.) Tie agrari'ch antiseiniiiiche Beiliner „Deutsche, D a g e 8 5 e i t lt „ g" schreibt: „Al» vor L.'> Jahren die gesangene» Dnrkos durch Berlin transportirt wurde», gad'S ja auch schon solche .Damen', welche die schwarzen «erlS in jeder Weise bevorzugten und ihnen nicht genug Wohlihaten erweisen konnte», während diejenige», die diese gelangen genommen'und hierher transportirt hatte», unbeachtet im Hiniergrnnde bliebe». Und wenn in irgend einem hiesigen Etablissement schwarze, braune oder gelbe Meuschen ihre 'triegstänze anfiühren oder sonstige Allotria treiben, so können sie sicher sei», daß sie mit zärtliche» Briefen und zarten Anträgen geradezu bestürmt weiden. Daslir sind wir auch ein Enllnrvolk, und .Cultur' soll man ja dem .Wilde»' beibringeu." Tie Schlußbemerkung ist besonders interessant, denn bisher jänöärniteu ja die agrarisch aniiseniitische» Patrone in Denlichlaud iiir eine „lraslvolle christliche Colonialpolitik". jrciiülctiin. J n Aciit u n 6 a n n. lloniau aus Polens Povjcit uon Carl Griot. (2.1. M'ilj-iNN,,,.) Nach einige» Tagen aber mußte der König eS gewahren, daß sich nicht bloß der Edlen allein Trotz und Mißvergnügen bemächtigt hatte, sonder» daß auch beim niederen Bolle eine Mißstimmung einlrat lind sich Unzufriedenheit mst den jetzigen Zuständen bemerkbar machte. An alle» Urteil gährte eS; die Bauern wurden von den Edlen hart bedrängt, und das Land - war überschwemmt von allerlei herrenlosem Gelichter. Ueberall sah man verdächtiges Gesindel, das selbst vor Mord und Todtschlag nicht zurückschreckte. Es rottete sich zunreist aus den jetzt herrenlos gewordenen Hörigen und Leibeigenen jener gerichtete» Adeligen zusammen; frei und ungehindert durchstreifte dieses Raubgesindel das Land und machte weit und breit die Fahrstraßen nnsicher. Solche Zustände waren allerdings geeignet, den Sinn des Königs zu beunruhigen; dazu kam noch der.Zwiespalt, in dem er sich seit dem Tage -der Hinrichtung mit der Kirche befand. Tenn der stolze Bischof von Krakau versäumte keine Gelegenheit, dem Könige Trotz zu bieten und demselben seinen Groll fühlen zu lasse»; gerade jetzt, da die Gedanke» des Königs bei diesem Gegenstände weilten, trat ein Diener mit der Meldung ein, ei» Bote des Bischofs verlange den König zu sprechen. Verdrossen war BoleSlaw aufgefahre». . „Run," frug er etwas unsanften Tones den Kaplan des Bischofs, der soeben/eintrat, „waS hat der Bischof mir heute abermals zu sagen?" „Der Hochwürdigste," entgegnete gesenkten Blickes der Kaplan, „entbietet Euch, Herr König, seinen priesterlichen Gruß und..." »Nun, und . . .?" unterbrach ihn der König mit einer Geberde der Ungeduld. ' f „Und ermahnt Euch, Herr König,'Euer Herz wieder der Kirche zuzuwende» und Euch in Buße und Demnth dem -Bischof als dem Tbeihaupte der Kirche wieder zu nahen." „In Buße und Demnth?" brauste der König aus; „hat da» geistliche Lebe» deinen Kops so verbohrt, daß du nicht -einsiehst, das; eS für den König keine Buße gibt und keine Demnth? 'Nun, so wiss' e» und vermeld' eS dem Bnchoi: Eh' König Boleslaw Buße thun und zur Demnth sich erniedrigen wird, eh' soll diese Hand verdorren und ans dieser Brust kein Alhriuzng mehr komme», '«''cf)’’!" Tie Mittagsstunde war vorbei, der König war "wohl bei der Tafel erschienen, aber er aß nicht», n»d die Gerichte wanderten ün beruh't'wieder in die Küche zurück: ein unbestinimteS Etwa» schnürte ihm die Kehle zu und beengte seine Brust. War eS die peinliche Scene vom Morgen, die eine solch lähmende Wirkung ans sein ganzes Sein ansnble,- oder war es die Ahnungkommenden Unheils, die drohend vor seinem Geiste empoi-ilieg? Er halte nach beendeter Tafel . die Ritter verabschiedet, die stet» bei dem Mahle zugegen waren, und begab sich in seine Gemächer. Er sehnte sich »ach Rnhe, nach einem ungestörten Alleinsein mit seinen Gedanken, ans das; ihm.Klarheit werde Über daS seltsam ariälende Gefühl, das ihn beherrschte; abep er fand die gehoffte Ruhe nicht, ein wildes Gedankeniiie-.r n-ürmte chaotisch in seinem Innern und lies; ihn nicht zum ruhigen Denlen gelangen. Unruhig erhob er sich und schritt heftig erregt im >^eniache ans »nd nieder. Da erscholl mit eineinmale wirrer, dröhnender Glockenion ui die . Stille des Gemaches hinein, und es war, als ob läu'eiide von ehernen Zungen ihre Stimme erheben zu lauter, eindringlichster Mahnung. Dde^ionig war mitte» im (Gemache stehen geblieben und horchte dein ungewohnten Tone — da wurde plötzlich und mit wilder Han die Thüre ausgerissen, und herein stürzte mit allen Weiche» tödllichen Schreckens Wladiwoj, der Wojwode von Krakau. „Was ist! Was gibt's?" rief der König. j '• ,,C, mein königlicher Herr!" schrie mit dein, Ausdrucke höchste» Entsetzens der Wojwode, indem er vor dem Könige hinsank und mit seinen zuckenden Händen dcsien Knie Üinklainnierle, „erhabener König, ein unerhörter Frevel ist geschahen an Eures König» Majestät!" ' „Wladiwoj! „Th, mein gnädiger König," kanr eS gurgelnd, aus der -gepreßten Kehl» Wladiwvj'S, „mein geliebter Herr," und feine Hände trampslen" sich in wahnsinnigem Schmerze um de» .Königs Füße, „ein gonloics Berbrechen ist geschehen! Bischof Stanislaus hat —- oh, mein König," Thränen' erstickten seine Stimme, „hat Euch — ha: Euch — er c o in m unicirt!" Der König war zurnckgelreten,- ein wirreS Lächeln zuckte chuf seinem Antlitze: „Ereommunieirt, sagst du, ercommunirirt, der Wichoi?' Und wie hilfesuchend blickte er mit irrem Ausdrucke um sich her-, aber da traf sein Blick das verstörte Antlitz des Knienden, und wie ein greller Blitz tagte SS vor seinen Augen; kalter Schauer schniielie seine Glieder, die Auge» lralen ihm ans den Höhlen, weißer Schaum bedeckte seine Lippen, und ein Wnthschrei entrang sich seiner 'kehle _____ Unterdessen Halle das Glockengelänte fortgedauert, und von allen Seiten her vermengte sich der Schall und forderte die gläubigen Ehristen auf, sich in die Kirche zu begeben, um da;Fcugc' zn sein deS Gottesgerichtes, das über - einen' Mächtigen der. Erde gehallen wurde. Eine dichte M«»sche»i»asse füllte daS weile Inner, der Kirche zum heiligen Michael, die Kerzen an den Altären warse» ihr fahles Lick|l in den Raum und ließen die angstvoll harrende Menge geisterhaft bleich erscheinen Ringsumher an den Wänden iah man nicht» als die kahle, nackte Mauer. Die Altäre waren ihres Schmuckes beraubt, alles, silberne und goldene Gerälh war verschivrinde», . und all der heitere Glanz, der sonst in dem geweihten Rairme herrschte und da» Auge entwickle, war einem trüben Düster gewichen, da» den schauerlichen Ernst der Eerenionie noch erhöhte. Jetzt war, umgeben von einer großen Zahl von Geistlichen, Bischof StaniSlauS vor den Altar getreten. Lautlos war di: Menge iii bic_’ Knie gesunken und verharrte in stummem Gebet. Da erhob der Bischof die Stimme, und die Augen Aller richteten sich nach dem Altäre hin, vor dem der Bischof stand. „Im Rainen Gotte», des BaterS, des Sohnes und des heiligen Geiste»! Heiliger Petrus,- du Fürst der Apostel, neige zu uns, ich bitte dich, gnädig dein Thr. Bernimm mich, -deinen Knecht, .den du von Kindesbeinen an ernährt und bis auf. diesen Tag aus der Hand der Gottlosen errettet hast, die mich wegen meiner Treue gegen dich geh,»ßt haben und noch hassen. Du selbst bist mein Zeuge und mit dir meine Herrin, die Mutter Gottes, und der heilige PaulnS, dein Bruder unter den Seligen, daß deine heilige römische Kirche mich

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