Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 183 (6.10.1895)
- Date
- 1895-10-06
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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Freies Blatt. reilf 10. Nr. 183 glaubte wie Schneider i» Wien. Auch in Bezug auf de» Schwindel mit >er Teni'chlbuinelei „nterscheiktt sich Ählwardl »ichl im mindestei: von jenen Wiener Cliristlich Sociale», deren Häuptling einst der Secrelär des Herrn Baäier >o schön gezeichnet hat. liniere Christlich Socialen spielen sich oft nii die Wackier des Tknl>chlhuins hinaus, ohne sich dadurch, wen» e« ihnen l-ea-.iein erscheint, von einein Z»saniinengehen init den ärgsten Tenticheaeifern, de» V a; a t n und B r e; n o v S k n. abhaltc» zn lassen. Ebenso sührt AHIwardt stelS Phrasen von deutscher Treue, deutscher Kraft und deutschem ’ Bcsii'siante im Munde. Tessennngeachlct will er bei de» nächstcii Wahlen i» ein CarteUverbülluiß zu dep volnischeu „Volksparte.i" »eie». Um de» Pole» zn 'chineicheln, sagte er »cullch in einer Versainu llliig zu C n l in s e e, der Perein min Sänipe des Teni'chtlniinS in den Ostinarke» sei nur ein „I dcnschnynerein". und er verübte es den Pole» nicht, wenn sie die Hoffnung ans eine Wiederherstellung des polni'che» Reiches hegen. Tie Tauen in -RordichlcSwig ,iii ivelchr die reichsdeuiichen Aiitifeiniten schon bei früheren Anlässen sich heran : laugten, haben bekanntlich eine solche Gesell-chasl böslich, aber entschiede» .'.bgelelint. < Tcr Wcrlb der .christlichru Staats- und 3ocia(rcfornicir'.) In .- - e ii tagte letzthin, ein Congreß >iir innere Mi'sion, dessen Majorität aus orihoeere» Geistlichen iiiidBeamleu bestand: auäi-T locker beia»b sich darunter. In einer d7c H.-.iiplver'aiiimliuigk» hielt der berühmle Leipziger Kilchenrcchtslehrer Gchcimt».ih Tr. Sohn, einen Porlrag über das Thema: „Ter Christ im össcnt- >i ben VilH-ti.“ Unter den Tbe-en, welche dein Vortrag zugrunde lagen, sind '-tstgeiidt bervorzubebeu: „T.rs Lssentluk-e Leben besteht heute mehr als je in .K.uni'-1der ge.iell'chasitichen Ctassen »in die öffentliche Macht Im Xanipse der gest Uschastlicticn Clas'cn ist das Chiiistenihnin znui Kauipfliiillel entwürdigt orden. Man hat das Cbristeiitliui» für eine besliminie Art der Geselliäasls und H.rr-äa-iso-.dniing in Än'pruch griioininen. Tahcr die in weiten .streifen .ing-ticiene Ciitarlung des Christentbnms zu einem Tcclmautel der Selbstsucht ui-.--;»ue-..t-. der Hast der nach Aendcrung ihrer Lage stiebenden Masse» gegen :as C: iistiii!iui». Tie Tragen des össentlichen Lebens, linier denen heute die -e> iate Trage Iwpciiriit, sind Tragen der Machlverlheilniig, d. h. sif sind Tlagen von dicn-r Well. Tic werde» durch das Christcnlhnni nicht gelöst. Cs .-/l: keine ch-, i'tliche -oeiaie Orkilnug." In dem Vortrag« selbst verneinte Tohm u..: Cut'ä'ied,»heit, dast die innere Mi'slon berii'cn >ei, aus das össenil-che L, l-en Ciiiiliist zu üben. To wenig es eine christliche Naturwisseuschast geben -c ivenig könne es ein christliche» Recht -geben. Trauuiigszwang, Tauf- -, i ä„g 'ei ustli: ,t>riiltiä>. -oud.-rn ein Widerspruch in sich selbst. „Weg mit dein chcistlichen Reclne!" das sei das Urlheil der Reiorinalion. „Weg mit. dem christliä-eu Tiaa:rdas sei das Unheil der Weltgeschichte. In uiisereu Tagen bade wan den Versuch gemacht, in abgeichwächlcv Torn, die Idee de« christlichen Tiaalcs zu erneuen. Tic Bcibehaliuiig der heuiigeu Classeuherrschast ->i ras Ziel politischer Varleien. -Luch darüber sei die Weltgeschichte hinweg' gegaugen. Tie Folge des christlichen Tlaatcs der Vierziger- und Tunszigerjahre die Toeial Teinokralie. Ter Hast der Manen gegen das Christenlhum, gegen ä-iistus, gegen die xirch-, gegen die Geistlichen, der der.-» Aibcit io sehr er- Vu-erk, 'ei --n-.e Talge der Idee des chiistlichen Tiaales. Tahcr weg mit dein äi.ist-.i.beii Staate! Tie orlhodoreu G.-istlichen, unter ihnen Tlöcker, und einige ulna eon...räiive Beamte erhoben sich zu heftige», Widerspruche, aber Tohin! iell in 'ei,-.ein Tchiustworle beharrlich an seinen Thesen s. st und resuniirle/ ast das -ellst ein geborener Heid- >'ci, und dast am römisch«« Recht auch kein -Wen geändert wurde, als man im alte» Rom das Christenlhum zur T:aa:sre!:gie:: machte Tie Christlich Socialen in Preuße» find von dem Aus tu-t.-,! Tohiu s au' das Peinlichste berührt. Von Teile eines rechtgläubigen al-r-.'teu kont-ste ihre „Rew!mer". Thaiigkeitwahrlich keine bessere Würdigung .- is-leii. als - i-'u-n-ge. mit welcher Ke der Leipziger Professor in Posen über . lä'!- - . Au5 amisemitlschen Blättern. Bcreitcllc Hossiiiliigcli. i Ten Jubel cicricale, Rolabcln über-den Ausfall iviiü.i <--■■ nieiiiC-eti-ahlen lohnte ein christlich iociales Trgau schlecht. In den ,. t-. . - i, s ch e n T r a g in e n t e ii" war leylhi» folgende. .„Vereitelte Hofs- -.ii l-:.i-iii.i iie Ncn; zu lesen: „Und es wurde Morgen, und es .vurde Cduknnung zum-HofiaiKe aber kam nicht. Ter alte Tchlanineier des i- ,i Clui:• must eine falsche Ruininer gezogen haben, oder aber Gras >- . : ist siiik.-r auf gestruden und ihm zuvorgefominen. stürz, die H - er. ' m Vcrwaliuiigs^crichlshos iiild beseht worden, ohne dast einer - : viien H.!--i:wan Clubs die langersehnte Tinccurc erhallen Hane. Tr T u ä-. s ui.d a.ich nicht Tr. E b e n h o ch sind Hosräthe geworden. Tseni-. is.-as Va cui ir,rl>.ch Mit der politischen Corruplion brechen will, wird er stch große» Verdienst umeen Tlaat erwerben." Tie Bcrichlnsiatinug ü« „Rcichsvon". linier den liberalen Wähleri'er'auiiu-.uiig.-n, die von anli-.-niiti-chen Agitatoren gewaltsam gestört wurden, »abm '>« -'einei zeit im Restaurant „Jur Birne" in der Mariahilserstraste abg-'h.ilte-ie Vei-'aiiiinluiig ine hervoriagende Rolle ei», denn es kam bei derselbe,- zu Aus chieiliii!.:.'» und Prügeleien Ain folgenden Tage schoben die i i l antisemitischen Organe in üblicher Weise die Schuld den Liberalen in die Schuhe und behaupteten, einige Candidateu derselbe», so Dr. Vogler, Fraueuberger re., hätten Ordner ausgenoininen und besoldet, damit sie Anhänger der Gegenpartei prügeln. DieS wurde ‘ in den folgenden Persaliiuiluiige» der Liberalen als Lüge und Verdächlignng stigmalisirt, woraus sich die vom „Arier" S p i tz e r - W e.i in a r hcrausgegebene „Reichspost" beeilte, unter der besonderen Ausschrisl: „Ter Aufmerksamkeit der StaalSanwallschast empfohlen", den Leset» mitzulheileii, daß der bekannte Holzhändler Christian st a u s f m a n u, Inhaber einer suolokollirten Firma in: VIl. Bezirke, nachweislich vorgeschlagen chabe, zu der fraglichen Versammlung Möbelpacker zu dingen und ihnen fürs bloße Hinanswerse» von Antiliberale» je 3 st, siirS Turchprügeln aber je 5 st. per Mann z» bezahlen. Es ist bemerkenSwerth, daß die Staatsanwaltschaft noch a» demselben Abende, an dem diese Notiz in der „Reichspost" erschien, gegen ^lerr» jiaufsman» Vorerhebnngen einleitete und er gleich für den »ächstcu Tag zni» Landekgerichte citirt wurde. Herr Raus mann, welcher mit aller Entschiedenheit erklärte, diese . oder ähnliche Worte in seinem Leben nie gesprochen zu habe», sandte der „Reichspost" — vorbehaltlich weiterer Schritte eine Berichtigung zu, die zwar wörtlich abgedruckt wurde — allein an einer ganz nnausfälligcii Stelle, nämlich erst aus der sechsten Seite des Blattes. Ta aber der $ l!« des Paßgesetzes vorschreibt, eine Berichliguiig iniiste bezüglich des Orte« und. der Einreihung ganz in derselben Weise ansgeiionnnen werden, wie der zu berichtigende Artikel abgedritckt war, überreichte.Tr. Meirl namens des Herr» .staustman» gegen den verantwort . lichen Redactenr der „Reichspost" eine Berichlignugsklage, über welche dieser Tage vor dem Bezilksgerichle Alsergrund die Verhandlung statlfand. Ter R> Jahre alte „Schriftsteller" Franz Winter, welcher als verantivortlicher Rcdgclcur sungirt, blachle zu seiner Berlheidigung vor, e« sei alleseinS, ob die Berichtigung aus der ziveite» oder ans der sechsten Seite stehe, wenn sie nur in der richtigen Rubrik aufgenoinnreu werde, denn das Pceßzesetz meine unter „Tel" die Uuterbkingung an einer dem Inhalte entsprechenden Stelle. Ta die Berichtigung zn „Wahlnachrichten" gehöre, solche auch ans der sechste» Seite vorkoulineii, sei er nichischuldig. Der Richter hielt ihm vor, daß der erste Artikel nicht unter den Wahlnachrichten, sondern vom anderen Texte durch cincii Töppelstrich abgctrenut und mit der ganz besonderen öiopsausschrisl: Der Ausmerlsaiukeit der Staatsanivallschaft empsohlen" stand. Der Angeklagte bemerkte hierauf mit rührender Naivetät: „Aber ich in n ß mich ja aus die Art vcrtheidigen." Tr. Meist beantragte die Verurtheilung n»d die Auferlegung -der Pflicht, die ganze Berichtigung liochmalS a» gehöriger Stelle zum Abdrucke zu bringen. Ter Richter entschied im Sinne dieses Antrages und erlannle Winter der Uebeitretung des 8 -1 P.-G. schuldig. Er veruilheilte ihn zu I" fl. Geldstrafe: gleichzeitig wurde dem Bernitheilte» die Pflicht auserlcgt,. die Berichlignug nochmals, und zwar a» richtiger Stelle abzildtucten. Al« dcr Richler, wie üblich, bemerkte, das Erscheinen der „Reichspost" werde bis z»r Ersiillung dieser Pflicht eingcstcllt, erklärte dieses Mustereremplar von einem „Redacleur", daß er „das von der Einstellung des Blattes" nicht verstehe. Ter Richler erlheilte ihm nun die erforderliche Belehrnug: ihr wurde auch von Spiper Weimar unverzüglich entsprochen und so sein christlich-sociales Publicum vor dem Unheil einer Sistirung der „Reichspost" bewahrt. lGinc gestörtc SicgkSfeicr.s Wie die „Ostdeutsche Rundschau" sich aus Bad P y st i a n schreibe» läßt, lain eS dort vor einige» Tage,, zu einer Art „Chiistciivetsolguiig-. Rach der Tarstellung des imincr vvrlresslich insoi mir len T rgancs snr arische Zuchlbäuslerhoheit habe „der alS Antisemit bekannte Be." siher einer Weinstube aus irgend einem sleudigen An laste, vielleicht zur Feier des Namens- und Geburtstages seiner Ur oder llrurgroßmuttcr, die sämmilichen -.ikiiii Fenster der Gastensrout seines Hauses, soivohl am 18, als auch am 24. September festlich mit .Nerzen »nd Lampions beleuchtet'-. Tieböse» ..Juden-' Pnstians hätte» aber — da beide Male Tags vorher i» Wien die Antisemile» gesiegt halten — die« für eine antisemitische Temonstration und als Feier der Wiener antiseniilischeu Wahlsiege ansgesaßt und deshalb eine Art planmäßige» Slurin auf das Local des armen Christen unlernommen, wobei cs, nach der Schilderung des genannte» Organes zn de» haarsträubend- . sten, unerhörteste» Scene» kam. Rach der ganzen chnischen Darstellung der „Osldeutschen Rund'chau" durste an der Sache das wahr sein, daß irgend ein iinpertinenler Antisemit einen Augenblick Pnstian mit Wien und Ungarn mit Oesterreich verwechstlle und zur Feier der anliseinilischen Siege illnminirte. Tas sühne natürlich z» einein lebhaslen Protest der Bevölkerung und der Gäste von Pnstian, da nia» in Ungar» leüieswegs Grund hat über den Sieg der lliigarnfeindlichsten Partei diesseits der Leitha zn jirbel». Daß dabei irgend ein aulisemiziicher Rüpel niit einem blaue» Auge davongekommc», mag sei»; i» Ungar» versieht man eben keinen Spaß, das wird sich der etwas voreilige Antisemit i» Pystian hostenllich für die Zukunft merke». Tas Miiuslcin bekkiliit sich.i Wie ei» Wiener Antisemitciiblatt mittheilt^ . soll Teutschland abermal« durch das Erscheinen eines großen antisemitischen Blattes beglückt werden. Tas Wiener Schivesternnternehmeii schreibt: „Es sind die i» Kiel erscheinenden .Kieler Neuesten N a ch r i ch t e welche »ach den uns vorliegenden Nummern da» voll halten, was sie versprechen »nd allen christlichen Lesezirkeln dringend empfohlen werden köuue». Dieses Tagblatt