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Freies Blatt · 1895-10-06 · 183 (6.10.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
183 (6.10.1895)
Date
1895-10-06
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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feite S. Freie» lhiiinw »och Mori; M kzei pro gesprochen hatte, wurde der Antrag VeS Referenten mit allen gegen drei. Stiinineii ange- „onnnen. (sin NNtlscillitisältr Biograph.) Ei» Leser unseres Blattes '.kneibt uns-"(beehrter Herr Redaeteur! In'der l-tzten Nummer Ihres geschätzten Blattes fand ich den Artikel „Ein antisemitischer Bibliog'.avb", lei denen Durchsicht ich niich eines vor Jahren gelesenen Seiieiislückes erinnerte. „Ein anliseiiüpischer Biograph" müßte man ledoch dieses benennen. Bor mir liegt'-ein Buch „Shakespeare" von Mar o ch, Doeent an der Universität Marburg in H. (Eotta'sche Biblioibek der Weltliteratur >, allwo auf Seite lti* wörtlich gedruckt siebt: „...lind da Englands w oh l^ hakige Gesetze den bilden .dt» Ansenlball im i'ande verwehrten, so konnte sich in der Nation selbst, die nicht in fremden Interessen auSgebeutet irurde, ein feslbeglnnteler. Wohlstand und Neichthuili ansammeln." Bs'.ber schildert der Bersasser de» „Wohlstand der Londoner Bürger seil Elisabeths Negierung".. Nach der Ansicht des Herrn Soeenten, e.T;ei*t vielleicht schon ordentlicher Professor ist, sind also die Eng- .ander unter Vieloiias Negierung arme Schlucker geworden, weil i.ultt mein- „die wohllhäkigen Gesetze, die den Juden den Aufeulhält n, England verwehrten", in Kraft sind, weil im Gegentheil England das to.eianieste Vaud Europas ist, die Juden nur dort wahrhaft gleichbeiechtigt und, nur dort allein auch zu de» höchsten Staats iniieln ziig.aaisen werden Walirlich, eine neue Auffassung von einem e at'ch.n Universitätslehrer Schlechte Gesinnung verräth sich wie l,-i'es «Gewissen, auch wenn man nur eine Biographie Shakespeare's '.ln eil: rer Steckbrief gegen Ucu A»tlsei»ile»fiihrer Wilhelm Frciherril v. .V'tllttiucrixcill. Ser vorn Untersuchungsrichter beim töuig i dien d'ai.dgcrichl l zu Berlin hinter dem fluchtigen Antiseiuitensührer j v Hanlii.erslein erlassene Steckbrief lautet:! 2 t e rf b r i r fi um,'!, a, .tiriebenen ehemalig, n ZeiiuiigSiedaelenr Frelberrn Wil- : d >.,» in e; •: * i», ii-ekimiluchtig jft, in in den Aeten l. It. l 411,!>ä> . l!,i i ua iiissla't liegen mehrfacher 'chwerer U rl u ud en iäl ich u n g; ■: 4S ■■ 11-i»inmit BeIr u g und Untreue verdängi.! r' >'.'uchi, denselben;u vecba'te» und in das llnlersnchuiigs-! ' v> B-".!». Moabic Ar. I">, abzilttekern.! B ..::cen ’S> September 1 i er llnteisuchungs> ichler beim töniglichen b a n k g e r i ch l I : Bechreibniig: j *•*! . .re. am i'l. F-'b.iiar!>:!*;n R.'tzoiv iii Mecklenburg i '■'■■■ "a." 1 Meter 7" Zentimeter: Haare: ,'ehr dünn: Statur: ge- - :. . a - s iii'li.!. ch: '.lug-iibrauen, biobt. 'ch-.vach. Aaie: ge-irölniljch. Fäkne >'• fi.i I• i'i’Ji. Sprache: lei.Uch. Bartv-Schnuridart. Augen: blau : >>:: ' s e >".>lch:s''a'.b.-: geinnd. r!'.r:.l s-Seulsch.s Bollsrechl" benierkl hiezu treffend: „Ser ,ad re,. Schwindler weilt;ur Zeit auf griechischem Boden, ist also ... d-.r Ber!>a»lu»g sicher. Ja, wenn man jedem Gauner so viel Zeit iiiin 'B.'.tii'ten ließe, dann werden die Gefängnisse überflüssig! Es ’i!. :!. daß in Seiil'chland auch Steckbriefe nach zweierlei Recht er- : l^'iiavcngcflich für Lcilst. In der Stadt Hannover ist, wie e is .. I lnt'che Bolksreckr" berichlet, ein Gerücht verbreitet, wonach d.:' ': ::b.".en . aniiieiitiki'chen Abgeordneten Leuß ein Gnadengesuch lsi: S.::> l.'r Znchrha..sbeainlen in-Celle, wo derselbe bekanntlich d: :l ii: '.'. .zen wisientlicken Meineides, rei'peclive Anstiftung zuni. M'.':::.:d.' ndirlirleii Zähre Zuchthaus verbüßt, eingereichl worden rit Zllvcil lll Zkülicil. An dein großen Feste der Einigung i rr '.Elches Ende September in Nom und iin ganzen König-! - it! lr-ürdigster Wei'c gefeiert wurde, beiheiligken sich die italie- : a .>.:s :: Ntil be'oiiderer' Innigkeit. Ser vor 25) Jahren erfolgte . r iialienrschen Sruvv-'N in Nom' wurde von befielt jüdischen '•? Be'reiung von jahrhundertelangem Sruck jubelnd be- - .!a... Erneu, die an d.-n König Victor Eniannel Beglücki -"'en '.ind'.en, befand sich die israelitische. Gemeinde zu atu September 1*70 ihrer Freude über die glück» : lma : ivaa Cer röiujiche» Berbältnisie in folgender Adresie : „Majestät! Nun, wo ein tapferes Nationalheer Nom ':ch e.r ,r..:I.eil zurückgegeben, und Nom im Vereine mit Italien ' -'"' i ’ E'.etgniß feiert, fühlen die hiesigen Israeliten das Be- H. ein liiüteltSt die i^esühle unendlicher Dankbarkeit als Jta- . - - *wu::t nvd als Israeliten zu Füßen zu, legen. Als i; wir uns, daß .binnen Kurzem ein glängendes Ple- Blatt. Nr. 18" biScit die nationalen Wünsche krönen und das Königreich niit Rom, seine Integrität, nun immer größeren Bestand erhalten wird. Als Römer jubeln wir, indem wir sehen, mit welch unendlicher Liebe unsere befreite Vaterstadt der Umarmung der Schwesterstädte und dem i Genüsse der constitutionellen Fkeiheite» entgegeneilt. Als Israeliten, \ bisher in einer schmerzhafte» Ausnahmsstellung lebend, treten wir! jubelnd in die gemeinschaftlichen Rechte ein und begrüßen mit Entzücken den Dag, wo diese Rechte, die allgemeinen Rechte der Menschheit.! auch in dieser Stadt trinmphire». Wir erinnern uns nun znm.! letztenmal des Namens Israeliten in dem Augenblicke, wo wir von : dem Zustande des Jnterdiets zum feierlichen Beginn der bürgerlichen - Gleichheit übergehen. Nun, unter dem Schütze Ihres constitutionellen Scepters, weide» wir außerhalb unseres Tempels u»S an nichts Anderes erinnern, nichts Anderes sein als Italiener und Römer. Majestät! Schwer und tief sind die Wunde», welche »ns i» der Vergangenheit i» ökonomischer, moralischer und inteüectueller Beziehung geschlagen wurden. Wir dürfen es nicht verheimlichen. Unsere katholischen Mitbürger wissen eS und sehen eS ein, daß cS nicht unsere i Schuld ist, und haben bisher, mit wenige» Ansnahiuen, uns mit ihren Shiupalhie» begleitet und lebhaft, wenn auch ohnniächtig, gegen dieiiiis gewordene Behandlung prolestirt. Von nun an werden sie gewiß unsere Bemühungen nnterstütze», diese Wniiden zu. heilen und dem geineinsamen Vaterlaude den Tribut schuldiger Dienste und nützlicher Spfer zu bringen. Glssiehinigen Ew. Majestät die heißen Glückwünsche, die wir Ihnen, Ihrem erlauchten Hause und unserem italienischen Vaterlaude entgegeiibringe»." Anl 14. Dctober 1870 brachte hieraus die „Gazzetta Ufficiale" nachstehendes in Floren; erlassenes Decret: „Victor Einanuel, von Gottes Gnaden und dem Willen der ^Nation König von Italien. Im Hinblicke auf den '21. Artikel des Gesetzes, »ach Anhörnng des Ministerrathes und nach dem Vorschläge unseres Siegelbewahrers, SlaatssecretärS der (Nnadenangelegenheiten, der Justiz und der Eulten„ haben wir decretirt und decretiren: 1. In Rom nnd den römischen Provinzen hört mit Bezug auf den Genuß, die Ausübung der Eivil- und politischen Rechte und die Fähigkeit zu den öffentlichen Acuilern jede Ungleichheit zwischen den Bürgern, welchem EultiiS sie-immer angehöre» möge», auf; 2. jedes Gesetz oder jede Anordnung, welche dem gegenwärtigen Beschluß entgegen ist, der gleich nach seiner Veröffentlichung in Wirksamkeit tritt, wird außer Kraft gesetzt. Wir befehlen, daß gegenwärtiges Decret mit, dem Staatssiegel vecsehen und in die ofsieielle Sammlung der Gesetze nnd Decrete deS Königreiches Italien eingeschaltet werde, damit Jeder sich darnach richte und es auch handhabe» lasse." (Anarchist und, Antisemit.) Manschreibt uns aus Paris: Am -V>. September fand vor dem Zuchtpolizeigerichte die Verhandlung gegen Leon Bon teil he statt, welcher a»l 5. September im Gebäude des Bankhauses ^kothschild ein Attentat versucht hatte. Die Verhandlung dürfte für Sie nach-'mancher Hinsicht von Interesse sein. iY-oit Bouteilhe verantwortete sich dahi»^ daß er weder Jemanden tödte» noch verletzen wollt.-; er habe bloß gegen die haute biinque und die Srganisation des Eapitals protestiren wollen. Deshalb habe er auch keine Bombe benützt, sondern bloß so etwas wie eine Bombe, was aber vollständig ungefährlich war. Die Hauptsache wäre eben nicht die Bombe, sondern die Demonstration gewesen. Der Richter machte den Angeklagten jedoch darauf aufmerksam, daß die Füllung der Bombe zwar an und für sich nicht explosiv sei, daß sie aber duich das Hinzuthun einer gewissen anderen Substanz höchst explosiv werde, und daß daher das Litten tat nicht an sei n er g u t e n A bsicht, sondern an seiner Ungeschicklichkeit scheiterte. Auch der als Zeuge erschienene Direetor deS städtischen Laboratoriums Girard erklärte, daß die Bombe Bouteilhe'S zwar nicht explodire» konnte, es sei aber unzweifelhaft, daß er bei deren Bereitung die Absicht hatte, ein Erplosivgeschoß zn erzeugen. Ei» Fräulein Ayrault, bei welcher L'-on Bouteilhe in Asnic.-res gewohnt hatte, sagte, als Zeugin vorgernsen, ven dem Attentäter ans: „Er haßte die Reichen und ganz besonders die Juden, er trüg eine große Bern underiing für Eduard Truinond zur Schau und e»ipfahl mir die Leetüre der Schrift .l-'runc-u jiiive'. Wir diseutirlen oft über diesen Gegenstand." Der S t a a l s a n w ä l t schloß sein Plaidoyer mit den Worten: „Dieser junge Mann ist nicht zu entschuldigen. Er ist kein Unglücklicher. Er' hat die grausamen Härten des Lebens nicht gekannt. Er hat nicht Hunger gelitten, ja er ist nicht einmal, einer jener Doetrinäre, die durch gefährliche und halbverstandene Lehren irregeführt werden. Er ist 'ein Bourgeois, der bis zu seinem 10. Jahre auf der Schulbank saß, deni sich immer Arbeit bot, der immer die Unterstützung der Seinigen genoß und bloß durch die eigene Faulheit und Eitelkeit so weil gekommen ist. DaS ist der Weg^ auf dem man zum

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