Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 183 (6.10.1895)
- Date
- 1895-10-06
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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.freit» 8 Ia »« Stile 7. Zlr. 18» tjabe, hie unv da vom Bureau ivegbleiben zu blitfeii, wenn er als Agitator iu! Währing zu thun habe. — Bergani (brüsk): Häll' er seine Pflicht erfüllt, so hält' ich ihn behalten. — Arnoscht: Ich habe auch »och andere alS redactionelle Geschäsie sür Herrn Bergani besorgen müfle»! — Präs.: Welche denn? — Ar »nscht: Die Parteigenossen a n p u in p e n! (Große Heiterkeit ) —,®r.. Mayer: Aber daS gehört doch nicht hieher; ich bitte^ das nicht zuzulassen, Herr Präsident! — Arnoscht (sortsahrend): Eo inusile ich den Herrn Bau in an» » m tausend Gulden „a »bohre n". E « hat Schweiß genug gekostet. (Stürmische Heiterkeit.) — Bergani: Tozu hat er sich selbst angrboten. — Arnoscht: Wa«, Sie habe» mich ii»! Stadlpark zusanunengepackt und mir gesagt, ich soll sofort zum Bauinai»,! gehen, und er muß VaS Geld gleich hergebe»! Ich Hab' noch geantwortet: „Ja, glaube» Sie denn, daß der Herr Lauinan» das Geld »nr so sür Sie im 1 Sllsassel stehen hat? " Da sind Sie sehr süß geworden und habe» mir gesagt: 1 „Aber, lieber Arnoscht, daS wäre doch traurig, wenn. Sie das beim Bauma»» ‘ nicht durchsetzen lönnlen!" — Bergani: 'Jl a, dann Hab sch in i ch! geirrt. Vielleicht hat er sich nicht selbst angebole»! l.Heiterkeit.) Bergani fragt j plötzlich de» Präsidenten rasch und dringend:. Mail» ich den GerichtSsaal ver laste»? — P r ä s. (erstaunl): Ja, habe» Sie de»» keine Zeit mehr? — B e r g a»i: Bei», ich »»iß fort — ich bi» Wähler im erste» Wahlkörper. — j P räj.: Verlangen Sie Ze » ge» gebiih r? — Bergani lbesliinimi: Gewiß! (Bergani entfernt sich hieraus rasch.) Es folgen iili» verschiedene Zeugenaussagen, und dann wird' »der die Ausschließung Bergaui'S aus dem Bationalverei» visenliit. Ter Zeuge Stein aus Wien erzählt auch von der christlich-sociale» Bersammliing, bei welcher sich die Deutsch-Nationalen gemäßigt benoinmen habe». „Als aber die .zaubergewaltige Erscheinililg' des Herr Bergani sichtbar wurde," suhr Stein fort, „ivar'S natürlich mit unserer Geduld zu Ende: da konnte» wir sür nichts mehr gut stehen, da ging'S los." — Tr. Mayer: Woher habe» Sie de» Ausdruck - „zaubergewallige Erscheinung"? — Stein (erstaunl): An» de», „Teulschen BolkSblatl" selbst. — Dr. Mayer: Das rührt von Hron her, der deshalb zu sechs Monalen vernrtheilt wurde. — P r ä?.: 'Na, deshalb ivohl nicht. ' In de» Plaidoyer» betont Tr. v. M ü h l >v e r t h die Schwere de» BorisnrseS, wen» inan einem Manne Mangel au Wahrheitsliebe voiwelse. Tie ganze Bertrauenskundgebuug habe nur de» Zweck gehabt, die etwas verblaßte Popularität Bergaui'S wieder frisch zu lackire». Tr. v. Mühlwerth kritisirl sodann das Austrete» Bergaui'S im GerichtSsaale sehr scharf und nennt eS unter Anderem brüsk, gehässig und beleidigend; Arnoscht sei kein bezahlter Agent, er habe im öffentliche» Interesse gehandelt. ES müsse s i ch e i » e P a r t e i d e r a » st ä » d i g e n Leute aus a l l e n P a r t e i e n bilden. Er habe keine» Sinn, die Eorruption in seniilischen Kreisen zu bekäinpsen, wenn man gegen dieselbe im eigenen Lager blind sei. Wenn sich Bergani nach dem, wie er in Mühldorf gewirthschaftet hat, noch stolz Ehrenbürger von Mühldorf uuler- Ichreibe, so gehöre daziz eine eiserne Stirn!- Er bitte um Gerechtigkeit. Die Geschwornen haben die Angeklagte» Joses K e r n st o ck, Bürgermeister Franz Genauer und Anton ilt i e b » i g e r, Gemeinderäthe auS Pöggstall, die Bürgermeister Mathias Hackt aus Mürselndorf, Johann W a g in e i st e r au» Minnsdors, Johann Ver m a » l aus Weiten und Leopold S t u m in e r au» Freibelsberg mit nenn gegen drei und die Bürgermeister Joses Zier iv a l d aus Aschelberg, Peter Hahn au» Loibersdorf und Anton Hoser auS Pommerstall einstiinniig sreigesprochen. Arnoscht wurde in die Kosten de« Be, kahrenS vernrtheilt. Im Anschluffe an ihren Bericht über den vo'ransleheude» Proeeß schreibt die „Ostdeutsche Rundschau" : „Tu wirst nuninehr, PolonSki, wieder einmal jubelnd verkünden, du hättest deine Gegner glänzend geschlagen. Doch Hand auf den Fleck, wo gewöhnlich daS Her; sitzen soll: Wann wünschest du dir wieder einen solchen Sieg?" (Propaganda der Thal.) I» der belebtesten Straße der Stadt Stehr in Oberösterreich befanden sich am l'J. September.NachmittagS in einem Zuckerbäckerladen mehrere Ofsiciere der Garnison und der Beamte der Pottenbrunner Brauerei, Schimmerling, ein Jude. Beim Lorübergehen bemerkte der Graveur Strohmeyer, ei» fanatischer Antisemit, Herrn Schimnierling, der beim Fenster saß. Er stürzte in den Laden, sprang unter Anwendung von antisemitischen Redensarten auf den ahnungslos dasitzenden Beamten los, hieb mit einem Stock auf ihn ein und würgte ihn am Halse, während er ihm mit dem Umbringen drohte. Wären nicht die anwesenden Offieiere dem Bedrohten sofort zu Hilfe geeilt, ex hätte wohl ein trauriges Ende genommen. Rur durch deren Hilfe ist es gelungen, den Fanatiker aus dem Locale herauSzubringen. Der Mißhandelte begab sich sodann zum Staatsanwalt Dr. Käse rer, welcher sofort ein Protokoll über den Thalbestand mit ihm aufnahm und die Strafamtshandlung einleitete. (Salzburger Freindcnverkehr.) Man schreibt uns aus Salzburg: Wie wir in den „Salzburger Stimmen" lesen, ist -in diesem Jahre der Fremdenbesuch um fast 10.U00 zurückgegangen. Natürlich wird man u»S der Uebertreibnng beschuldigen, wenn wir die Wahlen in den Salzburger Gemeinderath als Milursache sür die Erscheinung angeben. Ein sehr eifriger, begeisterter Besucher Salzburgs,', ein Hofrath aus Wien, wunderte sich sehr über diese Wahlen und sagte: „So lange es nur Kämpfe gab, küiuiiiette man sich niemals um hje Borgänge und genoß seine Rnhe in Salzburg; etwas Anderes ist es aber, wenn eine Fremden und Saisonstadt von einer ertreinen politischen Richtung beherrscht wird". In Luzern allein kamen in der ersten Augustwoche dieses Jahres lU.ntin Men,chen an, im ganzen Monate August aber bej .'!!UXH) Personen iic Schweizer verstehen eS eben anch besser, ihre Privatsachen vor den Fremde» nicht breit zu schlagen. Ter Fremde will nur Friede und Ruhe, und manche jüdische Familie biirftc sich'S in diesem Jahre überlegt haben, in daS christlich-sociale Salzburg ihren Einzug zu halte»; 'aber auch viele wahrhaft christlich gesinnte Personen hasse» es, überall auf die Lärm trommel der clericalen Antisemiten und ansdas Selbstgefühl -der Deutsch Nationalen zu stoßen. Tie Hetzcapläne der „Salzburger Ehronik" und die Führer der Ebristlich Socialen dürsten lani» zu Ehrenmitgliedern des „Vereines zur Hebung des Fremdenvertehres in Salzburg" ernannt werden. Etwas mehr tosmopoliiiicher Weilt mit» ' einem guten O.nantum Duldung für fremde Anschauungen wäre st»,» Herren wohl im Interesse ihrer Saisonstadt zu wünschen (Eilt Costrnoblt früherer Hcit.l Man schreibt „ns: In dem Werke „Salzburg und seine Fürsten" von Bühber, - Allst, ls'.if», . lesen wir (auf S. .')-'): „Interessant ist noch ein Wandgemälde ,! (Kreuzigung in St. Peter), ans welchem ein Erzbischof Wölf Dietrich) als Jude dargestellt ist. Er ist lennllich an dm rotben. l Legate»-) Habit. Es sollte dieö eine Rache des Malers 'ein, dem Wolf Dietrich den geforderten Preis iirv ein Gemälde nid)t zahlen wollte." Also auch schon in früherer Zeit hat die Kunst, stall verrdeln, die Menschen zu Jndcnhasiern gemacht? (Ahsttordiieter Proskowch vor sciiic» Wählern. x'iu- > T >iob,r besprach Abgeordneter Ritter v. P r o S I o w e tz in der l T l in ü tz e r HandelSkmnmer die wirthschastliche und politische Lage. Tie.Handels Politik müsie eine andere, der Erport gehoben werden. T e r A ,, l i sein i t i S »in s ruinireden Handel, er sei eiize Schmach. Gegenüber dem (Grafen Badeni werde chie Linke üch freie Hand behalte» und denen Thaten abwarlen - Die Kammer Volute ihrem ' Vertreter einhellig daS Vertrauen. (MalldatSttiederleglllltl., Der ReichsratbSabgeordneie für den Städtebezirk Kolomea, Dr. Bloch, hat am :>(1. September .fein Mandat niedergelegt. Zur Vorgeschichte dieser Mandaisniederlegnng wird 'ein beachtenSwertheS Detail erzählt: Ter Obmann des Pole» clubs, Ritter v. ZaleSki, fand eS für gut, den Tr. Bloch in un verblümter Weise zum „freiwilligen". MandatSverzichle aufzn'ordern. ' und zwar mit der Begründung, daß er die Erwirtung eines solche» „freiwilligen" Verzichtes dem Prinzen AloiS 'Liechtenstein v^r sprechen habe. Dr. Bloch soll aber, einem von seinen bisherige» Man danten geäußerten Wunsche entsprechend, sich neuerdings um das Mandat der Stadt Kolomea bewerben Tic kirchciipolitischc Reform in Uunnni. Ans B „ d a st, st wird berichtet: DaS Abgeordnetenhaus - verhandelte heute wieder.,»., den Gesetzentwurf betreffend die freie ReligionSübnng Ti, :>cei.".einen Franz Befsenyi und Emerich VeSzter empiable» namens des Justiz- und UnterrichtSanSschufseS die Restitnirung des vom Magnaten Hanse gestrichenen dritten Abschnittes über die Eonseinoiisloiigteir und die Anfuahme deS UebertrittSparagraphen aus dem Gesttzenlwnrs, über die Reception der israelitisch«! streligion in diesen venuvurs EnltuSimd UnterrichtSminister Dr. WlasiieS 'erllärle, er wolle keine große'Debatte Hervorrufe», weshalb' er sich daraus be'chränke,'zu enunciren, daß die Regierung an der Integrität der in diesem Gesetzentwürfe »iedcrgelegten Priircipien festhalte und daher die Annahme der Anträge deS Referenten empfehle. Grat Julius Szapary sagte, er schließe sich dem AuSschußantrage bezüglich deS llebertrittSparagraphen an, lehne jedoch anch jetzt die Jnarticulirung der Eon fessionSlosigkeit ab. In demselben Sinne äußerte sich Albert K o v a c S namens der Nationalpartei. Stefan V a j a y sprach contra. Ignaz Helf y erklärte im Name» seiner Partei, daß dieselbe getreu ihrem principiellen Standpunkte die Anträge deS Ausschusses annehure. Tie Debatte wurde geschlossen, und eü erfolgte die Abstimmuirg. Ter Antrag auf Restitution deS Abschnittes über die ConfessionSlosigkeil wurde mit großer Majorität beschlossen und der Antrag auf Aus nähme deS UebertrittSparagraphen - auS dem Gesetzenlwurse bezüglich der Receplion der israelitischen Religion mit allen gegen drei Stimmen angenommen. Es folgte sodann^ die Berathung deS Gesetzentwurfes über die Reception der israelitische» Religion. Referent Geza Pap empfahl die Annahme der Vorlage in der Fassung deS Magnateil i