Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 182 (29.9.1895)
- Date
- 1895-09-29
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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.freies 331 a 11. Seite Nr. IW r~ strahlte »och in dunklem, bcvitcfcnbcm Glanze, der .Siöny ftvcid)cl;c ihr sanft die Wange und daS sannntwciche Kinn. „Mein Lieb," sagte er, sich zärtlich zu ihr hiiineigcnd, „vergib, wenn ich heute »icincu Morgenbcsuch abkürzc, aber ich muß. Ich werde dich auch heute während dcS Tages nicht scheu können, aber des Abends, Lea, des Abends koninie ich wieder, und dann will ich mich ganz meinem Liebchen weihen." 4US der König gegangen war, versank sic wieder in, dumpfes Brüten, und die düstere Traurigkeit, die sie jetzt stets umfing, wenn sic allein mit sich und ihren trüben (Gedanken war, beherrschte sic wieder sind legte sich wie Blei auf ihre Lider. König Boleslam war itj den Thronsaal getreten, wo bereits die Bcrsammeltcn seiner Ankunft harrten. Er schreitet zu seinem Sitze hin, der sich aus einer mit Purpur bedeckten Estrade erhebt; über dem Thronsessel, an dessen Lehne das polnische Wappen prangt, wölbt sich .ein Baldachin. Anstoßend an die Estrade zu beide» Seiten sitzen die beiden größten Kirchcnfnrsteu Polens, der Erzbischof von' Gncscn und Bischof Stanislaus von Krakau, dann tbie gesainniten Würdenträger dcS HofeS, aü der Spitze der greise Kanzler, der'(Aras Spitihncw; dann folgen die Edlen und (strafen, unter ihn.» einer der Ersten Graf Jaromir von Roder, dcsicn hohe, markige Gestalt gebeugt war und in dessen ehrlichen Gilgen sich tiefer Uninuth ausprägte. Nachdem der König die Bcrsaniutclrcn begrüßt hatte, öffneten sich auf seinen Wink die Thürcn, und herein traten, von- Bcwassnclc» geführt,' die angcklagtc» Ritter, Bogdau von Sswiclicc und seine (Genossen. Tie Augen/der Anwesenden richteten sich voll Spannung ans die Eintrctende», hauptsächlich auf Bogdau, von dein eS betannt geworden, daß sich die Hauptanklagc gegen .ihn richte-, "er aber sah keinen an. und erhob auch nicht den Blick, als der König jetzt ihm seine Anklage inS Gesicht schleuderte, und er blieb nnbciveglich, als der König vor den Lehren der Bcrsammcltcn ihm sein schnödes Gcbohrcn vorwarf, ivie er, Bogdau, durch seine'aufreizenden Reden die Edlen verleitet, heimlich von Kiew auszubrechen und ihn, den König, in Feindesland zurnckzulasic». „Und wahrlich, wäre mir damals nicht Herr Jesu Ehrist beigestanden in seiner, göttlichen Gnade, wir waren wohl elend zngruudc gegangen, und d r Russe hätte triumphirt über die Pole», die ihm zum Spfcr gefallen nebst ihrem Könige. Und war diese schnöde Thal allein B.'rrath genug an König nnd Batcrland, so schritt Bogdan noch weiter: unter dem Borwandc, sich an den rebellischen Srlavcn zu rächen, verübte er die unerhörtesten Grcuclthatcn, wüthctc und mißhandelte nnd vergoß Ströme unschuldigen McuschcnbluieS, vernichtete das Glück zahlreicher Familien und beraubte nicht allein unschuldige Frauen und Kinder ihrer natürlichen Schützer und Ernährer, sondern schwächte auch daS Land, indem er dcsicu Bewohner verminderte, und verfolgte-dcS Königs Majestät, denn der Glanz des Fürsten liegt in der Menge des Volkes. Und um seine Misscthatcn zu klönen, habe Bogdan in Krakau selbst, in der Residenz, eine Verschwörung angezcttclt und in geheimen Zusammenkünften beschlossen, die geheiligte Person dcS Königs zu tobten und sich selbst die Krone ans sein verbrecherisch Haupt zu setzen! Doch unser gnädiger Heiland beschützte uiich auch diesmal durch FrcnudcShaud vor dem tödlichen Verralh: dich aber, Bogdan von OSwiclicc, dich und deine Genossen klage, ich an deS schändlichen VerralhcF an König und Vaterland! Euer Frevel werde durch den Tod gesühnt!" Einige Minuten herrschte lautlose Stille, dann aber brach eS plötzlich und unaufhaltsam loS, und ein wirrcS Turcheinandcr heftig erregter Stimmen wurde laut. Jetzt erhob sich der Erzbischof von Gncsen, und dem Kanzler durch einen Wink gebietend, Ruhe zu schassen, begann er: „Erlaubt, Herr König, daß ich Euch daran gemahne, den Angcklagtc» zu gestatten, sich zu vcrlheidigcn gegen solch sckstvcrc Anklage." „Ja, man soll sie hören, muß sie Höpen,", scholl cs in wirrem T »rchcinandcr. „WaS recht und billig," entschied der Erzbischof. „Bcrgcßt nicht, Herr König," sprach, daS Haupt zurückwersend, der stobze Stanislaus von Krakau, „vergeht nicht, daß den Königen auf Erven ihre Macht geworden, ans daß sic.diese weise nutzen und nicht gebrauchen zu eig'ncr Willkür..." .„WaS faselt Ihr von Willkür, Herr Bischof," brauste der König auf, „eS ist uiein gutes Recht, die Angeklagten zu verdamme», und mein Recht will ich behaupten, so wahr ich König bin!" „Und so wahr ich Bischof bin nnd daS Wort GottcS verkünde auf Erde», so wahr werde ich eS zu hindern wissen," eNtgcgnctc hochfahrenden ToncS der Bischof. , „Hört sie an, Herr König," bat l^ras Spitihuew, „und reizt den stolzen Bischof nicht," tilgte er leise, zum Könige sich neigend, hinzu.-' Tiefer aber war aufgesprungen, wilder ■ Zorn lagerte aus. seiner Stirne und' glühte, in seinen Augen. „Wer ist ■&,“ lief er zornflammend ans, „der cs wagt/ mir' BolcSlaw von Polen, Gesetze vor znfchreiben7 Wer ist eS, der hier zu gebieten hat'? Bi» ich's, der König, oder ist eS der Bischof'? Mischte ich mich je in Eure kirchlichen Angelegenheiten'? Habe ich Euch gestört, Euch gehindert in Eure» Rechten, Euren Pflichten'? Tcs KlöuigS ist, zn begnadigen i und zu-verdammen, und ich verdamme die VK'rrälher zum Tode!" Wilder, »nbcschrciblicher Tumult entstand nach diesen.Worte» dcS Königs, die Ritte» zogen ihre Schwerter, und diese hoch emporschwingend, -forderten sie Recht und o'eliöv .für die Vernrlhciltcn, die mit Bangen de». Streite folgte»! der.um ihre Sache entbrannt war, und in deren Zügen sich ein Strahl'Per Hoffnung zeigte bei den Worte» des Bischofs. Tiescr aber halte sich erhoben, nnd zum Zeichen, daß er die Verurthciltcn schützen wolle auch gegen den Willen des Königs, hielt er das Kreuz hoch empor über das Haupt' Bogdans von Sswicltec. > ' ' i.Jhr seid unter incincm Schutze," ries a, „nnd 1e», König darf eS tvagcn, euch zuni Tode zu führen." Ich aber will cs wagen," schrie mit zornbebend.r Stimme der. König, -„und die Berrälher müssen sterben!" Und Wladiwoj öffnete auf Bolcslaws Wink die Thüre des SaaleS, und herein stürmten des Königs Krieger und Knechte. Ein Schrei des Zornes entrang .sich den Lipvcn der Veriänini-.-t!:» im »ächstcn Augenblick aber waren die Gefangenen in die Mute ge nominell nz>d von den Krieger» anS dem Saale'geführt, zum T-ode! Wie betäubt blickten die zurückgebliebenen Ritter einandeb . an: die beiden t^eistlickjen aber, der Erzbischof von Gncfeii und' der BEckien StaniSians von Krakau, schrillen, das -Kreuz in den Hände»,;n Thüre hin, da aber wendete sich der Bischof g'egkaz den .König, und mit erhobener Stimme schlenderlc er ihm die Worte zii: Tn liast gewagt, Boleslaw, was lein König straflos darf! Hüid dich! Fürchte ' -den Zar» Gottes und die Rache der Kirche!" Einige Tage später befand sich der König in Leas Gemache: hier bei dein theucren Mädchen suchte er all die Unbjll zn vergessen, von der er in der letzten' Zeit so arg bedrängt gewesen. Lea wär nicht mehr das fröhliche, sonnige Kind anS den Tagen von. Kiew, und ei» düsterer Ernst umschattetefür gewöhnlich ihr Antlitz, wenn aber BolcSlaw bei ihr cintr'at, da verschwand ihre Traurigkeit, und st? mühte sich, de» geliebten König zn zerstreuen. Unten im Hose war cs jetztlaut geworden, nnd man vernäh»: lanteS, zorniges Reden. „Er hätte eS dennoch nicht thun dürfen," lief jetzt einer der Lürmende», „der König chälie eS nicht vergessen dürren, daß es Söhne Polens waren ..." „Uild Adelige!" rief ein Anderer dazwischen, „edlem Slam»: entsprossen ..." „Tic Hölle mit all ihren Helrershelsern muß dem Könige!\n Sinn verwirrt habe», daß er eS gewagt, die kEdle» hinrichten zn lasse»." ' ' „Vcrgcßl nicht," warf Estas Jaromir dazwischen, „daß Vagdan dein Könige anS Leben wollte, nüd der König, linr t^'leiches inn. Gleichem vergalt..." „Ja, und was einem jeden niederen Manne erlaubt ist : nch seiner , Haut zn wehren, daS werdet ihr, (edle Herren, dein Könige doch gewähren." „Ta ist natürlich Ritter Wladiwoj' rasch -dabei, den -König zu verthcidigcn," erscholl cs aus der Milte der Edlen, ^ie da Stil Burg Hose laut und schonungslos ihrer Entrüstung- Ausdruck gaben über die am Morgen desselben Tages statlgefundenc Himichtung. „Er hat ja gute» Grnnd dazu," meinte Höhnisch lackzend ein . Anderer, ..sist er ja das überhaupt der .Stadt geworden ..." „Ja, und auö diesem Grunde," cntgegncle halb scherzhaft der ucneruannte 'Wojwode, '„bitte ich die edlen 'Ritter, kein unnütz-- Geschrei zn beheben. Tie Sache ist int» einmal geschehen, so laßt Frieden sei». Ter König har'ü wahrlich um euch verdient." „Warum nicht gar," hohnlachte einer der Erbosten, „warum nickit gar, Herr Großwojwodc von Krakau! Undwenn's dem -König.' morgen nach dem Blute eines anderen der Edlen gelüstet, dann können auch wir unser Haupt dem-Henker überliefern!" „TaS ist thörichtcs Zcitg, was Ihr da redet," sagte der Graf von Roder sich zu dein Keifenden wendend, „wenn Ihr de» -König vcrrathen würdet, dan» tuüßie Euch allerdings. die gleiche Strafe' treffen; aber ich hoff', Ihr thnt's nicht, Ritter."