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Freies Blatt · 1895-09-29 · 182 (29.9.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
182 (29.9.1895)
Date
1895-09-29
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Freies Vlatt. „•.Wut, beim genug des edlen Poleiiblutes ist vergossen worden durch deinen König, -und' wir sind nicht gewillt,-solch wüthigeS Gcdalnen ruliig hijt;uncfimeit." „lind waS wollt Ihr thnn dagegen?" erscholl jetzt ganz in der '.',a!ie deS Sprechers eine Ltimme. „Was ich thnn will?" erwiderte dieser, und zornfnnkelnden Angesichtes wandte er sich zu dein Frager din: aber erschrocken fuhr er;iumf, denn vor ihm stand — der König! Doch sich anfrassciid, wollte er antworten, aber da »ahmen die Blicke deS Königs, die sich bis jcpt drohend aus daS Besicht deS sprechen geh,stet hatten, eine andere Richtung an. Das aber, worauf der König jetzt hinsah, war allerdings geeignet, die Anfinerkfamkeit Alker;u erregen, denn da kam den Berg beraus und in das Thor der Burg einreitend kein Anderer denn der russische Großfürst, Herr Jsaeslaw, mit einigen .Knechten und bepackten Maullbieren. Jetzt war er vor der Gruppe int Hofe angeloininen, und da den König selbst gewahrend, stieg er vom Pferde und nahte sich mir uiiterwürsigein (Ernste demselben. - ..Ibr, Herr öUaeSlaw? Tel,' ich recht?" frng erstaunt der König.. „Ibr 'ein recht,. Herr König," entgegnete mit nnlerwnrsigcr Gcberde der llcpsie. „wollt nur gnädigst'Euer ÜMre leihe», Herr König, und kören, was mich in meiner Nokh zu Euch führt." Ter König war ibm.vopangeschritten, und in seinem (Gemache körte er die Erzählung deS Russen an: wie er sich wieder aufS Neue eui'.ireit babe i>:it seinen Unlerlbanen, und wie diese verdamnilen Kiewer >'idi gegen;I'ti ausget.chni und ibm ebenso den (Gehorsam versagt hätten, irie das :: ssenial, >ro der -tapfere Boleslaw ibncn aber den Herrn zeig:: und sie den (''ehonam lehrte gegen den Flinten: jetzt sei er gari: i ei;a”eiT. denn seinen Sohn Ä'stislaw haben die tollwülhigen K::ne: er'cki.agen, „und mir," so t'chlost er, „iväre ein gleiches 2itre!\’.! rullui! geivorden, hätte ich mich nicht gefluchtet vor meinen B'.ud.'.n Lväioaiaw und Wiewolow, die mich rerralben, hieber zu mächtiger Herr König, um lind) anznfleben, daß Ihr mir l:l'r mit gleichem Beistände wie dazumal in .Kiew." ..Und au» daß du micch verraihest wie dazumal in Kiew." äffte llun Boleslaw nadi, „und aut daß du wie dazumal ntid> und die Biein.n morden ließen, wie es dir ja gelungen wäre, hätte mir ein cängei nidir deinen 'diänslid)en Biordplan enthüllt." ..o'l.rurl nidn, gnädigster Herr BoleSlaw, der'Jude, denen Tochter and) nnker?» angebliche» Berralb entdeckte, jener Jude war von 2mi:eit, denn »alt sich;u freue», daß Ihr, ein so mächligir Herr und König, seine Tochler mit End) nachmk. ans Euere KönigSbnrg, :er::ß er ssd) die Kleider, betete und ßanelg. kasteite sich und Pcrridjtete Buße uve 'ur eine Todle." ' ' . . lind dann, was geschah mit dem alten Mann?" forschte der Kon:.!, und lebbaneste Unruhe malle sich aut seinen Zügen. ' .. T anii machte er nch ans und ging nadi Palästina, um dort 'nr >.:ne Tochter zu bete». Nun, Herr König, Ihr seht, er war.von 2m»e», und was er iagie, war erlogen und vom bösen Teufel in 'ein verrücktes. He« gelegt. . ." „.viüdu nidn," gebot Boleslaw, dein bei des ttcunen lügnerifd>en t'ieken die Zornesadern auf der 2iirne anschwollen.' .. odi will ja nicht fluchen, aber ich bitt' Euch, fleh' Euch an,! t'r mir wi der zu meinem guten Rcchle. Ich habe Euch and) viel K"e''ibark.i!en milgebracht." > ,. T" >an Tdiäpe, sagst du? 's ist gut! Tie wollen wir uns n.l ine'.i, damit sie dir. nullt zu schwer fallen auf der Heimreise — du aber, Baierchen, trolle did> nur wieder nad> Hause in dein Kiew — der Polenlönig hat keine Hilfe mehr siir deinesgleichen." Einige Minuten später i'ah man den Russen, wie er von königliche» T -.euer» -ans der Burggeschafft und zur .Stadt hinäusgejagt wurde. Boleslaw mußte lachen, alS er die gekrümmte Gestatt des Groß-' 'n:sien taronkilcn iah. Bald aber vergaß er des kleinen Zwischcn- 'all s, er g.dadite jener 2eene im Burghöfe, und sein Herz war voll >.ngr::!tn: über d:e>'c undankbaren Edle», die ihm so lohnten, was er P.vn getian, die mit scheelen Blicken alle seine RegierniigSIbaten e;:i.-.dii-eteu und die .'S jetzt gar wagten, sich gegen ihn aufzulehiie» a.id H'N'.ichtnng der Hochvcrräther als einen königlichen Gewalt» a,l :n k-nnzetchnen. Und da hatte ja einer aus ihrer Milte, ein!nng:r 'Aaur, rocbtii die freche 2tir»e gehabt, ihm zu drohe», ihm, dem Könige: freilich waren si« nur laut und frech gewesen, als sie ttd) unbe'.au'dit wäbnien, und waren bei des Königs unerwartetem Eriche:»:» auiS Höchssc betroffen, aber wer weiß, wenn die plötzliche Ankun'k des Russen nid>t dazwisdien gekommen wäre, ob nicht der. oder jener L,:r Mißvergnügten es nicht am Ende dennoch gewagt hatte, t'.ui, dem Könige, seine Trohung ins Gesicht zu schleudern; und waS dann? O, dann würde er ihnen zeige», daß Boleslaw Ehrvbn,s Enkel ihre Macht nicht fürchte! In feiner ganze» furcht- Nr. tK‘2 baren Gewalt würde er sie unterdrücken und den trotzigen Basallen den Fuß auf den Nacken setzen, auf daß sie sich demüthigtrn und um Gnade bäten. _ (Fortsetzung folgt.) ' Ein cmfifemtftfd)er WiMrogr'ttpH. Tic noch <>is vor Kurzem verschämte Antisemilerei mancher Gelehrten oder gelehrt sich gehabender Herrschaften fängt nunmehr an allmülig das durchsichtige Lärvchen erborgten Anstandes und der Ehrenhaftigkeit abzulegen. Die Antisemiterei erweist Manchem ebenso gute Dienste, daß er ihrer gar nicht entralhen kann, und Manche», dient sie fast zur Grundlage seiner wisienschaftelnden Berechtigung. Es ist doch so einfad) und beguem für seine eigene geistige Unzulänglichkeit und Unfähigkeit, für seine Oberflächlichkeit und Unznverläfsigkeit die Juden verantwortlich zu machen oder von vyrnherein die Inden zu verketzern, um sid) gegen alle möglichen krilisdien Bedenken, die etwa ein Jude als Kritiker Vorbringen dürste, zu sd>ütze». Tliondi *tliis Im madnrss, lliere's nicthod in it (Ist dies and) Wahnsinn, so liegt doch Methode darin). Wenn aber ein Ehrist die kritisdje Sonde an das faule Machwerk eines AiitiscmitlingS anlegt,, so ist dies kein Ehrist mehr, sondern heißt kurzweg ei» Judenknecht. Ich besorge sehr, daß der Leidener Universitütsprofessor G. Schlegel, derzeit uiibestrilten der bedeutendste Sinologe Europas, auch in de» Ruf der Iudelik»ed>lfchafl gerathen wird, obgleich an seinem ed)ten Christenthnm ebenso wenig als an der Gediegenheit fritier hervorragenden mifsenfchaftliche» Pnblicatione» zu zweifeln ist. Er hat sid> nämlich die Freiheit genommen in dem eben erschienenen IV. Quartal- Hefte d.'S „Internalionalen Archivs für Ethnographie", B. VIII Leiden 1 auf Seite 177—1*0 in gut fünf Foliospalten eu petit einem solchen antisemitischen gelartthuendc» Antisemiten tüchtig die Lewiien zu lesen. Ein gewisser Fr. v. Weiickstern veröffe»tlid>te Heuer (bei Kegan Paul, Trend), Trübner ös Eo. in London): _A bil»lio!rr;i|p|iy of tlie .1 ajittiicse Kuipin'. ln-inzr n ('lassilied List >>l all Hooks. Ksmivs and Alafu; in Kiiioppan lanünaires relatinir to l)ai Xilioti. imidislicd in Knr>,>„>. Amcrira and in tlio Käst, ii’rom I8;7d—18‘d;.».“ Sd>legel weift dem Herr» Fr. v. Wenckstern handgreistid)e Sd>wi»deleien nad), so z. B. Anführung von.Namen und Titeln, die gar nicht existircn,. d. h. nicht in der angegebene» Form vorhanden sind. Fr. v. Wendstern cntsprad) der primitivste» Anförderung, die ma» an jeden Bibliographen stellen darf, nid)t, indem er öS unterließ, Einsicht in die beschriebenen Bücher zu nehmen, nni zum »lindesten Namen und Titel rid)lig zu verniirtc». Rod> seltsamer inulhet einen an Fr. v. Wenckstern'S Geständniß, daß er von der in deutschen Zeitschriften enthaltene»,. ans Japan bezüglid>en Literatur bantnt keinen Gebrauch gemachk, weil sie von Inden herrühre. „Id) kan» den Grund nicht einzehen," sagt Professor Sd)lcgel (S. 178), „aus >vcld)em der Bcrfasser .Aufsätze in Zeitschriften' auöid)ließt und besonders vermag id> seinen Ausfall gegen die deutsch jüdisd>en Zcitlingsschrcibcr nicht.billige», die seiner Behauptung nach einige Artikel aus gcschäftlicheti Absichten geschrieben hätten. Tie Deutschen schwelgen heutigentags in einem Zustande, den sic Antiscinilisiiiug benennen, der aber nid)ts anderes ist, als ein Jagdgcschrci der Trägheit und Berschwendun^Ssncht gegen semili)d>e Gesd>äststüchtigkeit und Sparsamkeit. Wir betrachten in den Niederlanden die Juden als einen sehr bedeutsanien Factor in der Bolköwirthschaft des Landes, und würden sie nur ungerne vermissen. Aus keinen Fall aber glauben wir, daß der aiitiscmikische Ausfall des Herrn v. Wenckstern hier angemeffen angebracht sei; denn wir stießen auf gar ansgezcichncte Aufsätze über japanische Angelegenheiten in deutschen Zeitschriften, wenngleich sie .durchtränkl mit polili)d)em oder religiösem Zeug oder geschrieben waren, um die gcsd)äftlicheii Bortheile jüdischer Zeitungsschreiber zu wahren?" Unter die jüdischen Zeitschriften rechnet Fr. v. Wenckstern auch die. Berhandluiigcit der Berliner anthropologischen Gesellschaft, in denen von Heine, Eramer, Hilgendorf, F. v. Rid)thofcn, Sichert, Iagor, Birchom und Anderen tüchtige Studien über Japan veröffentlicht worden sind. Professor Schlegel spricht der Wcnckstern'schen Leistung, die er mit cinem Antiquariatskatalog in eine Reihe stellt, jeden bibliographisch wissenschaftlichen Wcrlh ab, er wirft ihm Oberflächlichkeit und Unwissenheit, Lässigkeit und Unwahrheit vor, aber eines muß erihm lassen, Fr. v. Wenckstern ist ein Antisemit und ein auch als Plagiator, obwohl nur von Büchertilcln, eines Bergani würdiger Gesinnungsgenosse. Wie». Dt. K.

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