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Freies Blatt · 1895-09-29 · 182 (29.9.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
182 (29.9.1895)
Date
1895-09-29
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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feite ’> _.freies; .!l--.ni '.’.'i'-imu- L'raeti sie i» die leick-.ü-rihze» Worte aus: „C, ich bin noch Weib. jetzt will ich das Leben erst genießen." Frau Schnutz ist reu drei .hindern! Welch eine Peripecuve eiöffncl sich da. ans der Eru.l nng der .'lleinen von einer solchen »Mutier! Ter betrogene Ehemann kann stda auch gluekllch »reren, von 'einer Flau befreit worden teilt. Tie Treue und .'ien'chbeit der deut chen Frau, die Ehrlichkeit und Biederkeit des denlsche» Mannes — 'eilte sie wirklich dahin geschwunden sein? likein, wir glauben es m.•*;. Tao Ebedra>na Lenß Schiiuv ist nur ein EinzeliaU: das denlsche Bolk ist ui einem .»lerne »och gesund... Tie schmutzigen C.-V'tct)id)tcn fccr Familie Schnutz-Leuß sollen also ein ifiii',elfall teilt,, für den keine größere Gemeinschaft verantwortlich geniachi werben soll; den Juden gegenüber vertritt inan aber stets den Standpiinti, baß bie Schandthak eines Einzelnen der Gesauinitheit zur Van fallen innne. Jin Uebugen beweist die Siiiiultanität der Fälle Haiiiiuerstcin, Scdlaczek, Schnutz u. s. w., . daß die Lumperei zur 'Jlntiiemitcrei gehört, wie die Thron' zur herben Zwiebel, und daß der Fall Vciif; keineswegs der „EiüzelsaU" "ist, als den ihn Antisemiten gerne.bini'telleu möchten. Wicvcr eine katliolischc «UHögcbiuig widcr den Autistini- IlSIllllS. -ln die gegen den Änliseinitistiius gerichteten Kungebungen b o •JJiiiitdieiuT und »Przibramer Katholikentages reiht sich würdig der »B.ilau' kor jüngsi abgehalienen B i s ch o f s c o n f e r e n Z in Fulda a:°. Wie katholische. Zeitungen berichten, haben die . in Fulda' versailüil.Uen Bi'cho'e auch die antisemitische.Bewegung erörtert und b i e»' e 1 b e a 1 s eine a b s o l it t u ti dt r i ft 1 i di c gekennzeichnet. T:e beskebenben Schäden auf'socialem Gebiete seien einzig durch solche, l'.h'aßnabnien zu beseitigen, die sich im Nahmen der christlichen Religion l.lr.glen, niemals aber durch Ausbrüche des Rasen- und ReligionSlulü'es Tie Euratgeisilichkeik solle in diesem Sinuc auf die Gläubigen . iliill!.!' Hill Hochztik-östmlüllicil In Gelsen kirchen kam eö . zu lv:l''kiii Treuen vor dein Hanfe des israelitischen Bürgers I. Block, :e"'ri: T.einer ilueit Hochzeitstag feierte. Hunderte von Menschen ballen sich vor dein Haufe eingefunden und bombardirten es mit allen mogllchen it'egeiisiändeli, so baß bald keine einzige Scheibe'der ter Tlraße rugekehrten Fenster mehr ganz war. Sogar die Roll- » r.ou'ic» der Schaufenster wurden zerschlagen und die werthoollen Traegel'chelben zerkrümmert. Tabei wurde die Menge durch . >: l i > e ni i k i > di e H etzruse a n g e fe u e r t. Ta die Polizei viel zu 'chnachwar-, uni gegen den Pöbel etwas auSrichlen zu können, tauelie der Tumult bis gegen ’J Uhr RachlS. Gegen fünfzehn P r: ' o u e n i si »A n k k a g e wegen V a n d f r i ede u S b r n ch eS erhoben :v o r b e n Tie Untkrslichung hat bereits ergeben, daß der von den ein:''.'lniieu bereitete Tcanbal möglichst viel Unheil anrichlen sollte. Tuic Ajitabl Fiafchen, welche nach den Fenstern :e geworfen wurden, .n:i ui! az-enbe Flüfsigkelteu. Alllisrillil lind Alllirchlsk. In T onmu nd gingen feit längerer Ze:: bei der borkigen Polizelverwaltung' »nonnme Trohbriese ein. In b.:n isieu Fällen hieß es : „»Riede r mit d e in I u d e n p a ck. E S bi: A narchi e." „Rieder mit Len Steuern." „Gesängniß ll n b P o 11 z e l r e r w a ltu ng sollen in die Vu f t gesprengt ..B ombe n sollen gelegt werden." „Täninit- :-:ii: ’1: n 1; e ib e a ni I e sollen erhängt werd e'n" u. s. w. B:obe-. 1 atte man den Thstier nicht ernntteln können, doch ans einmal . .'f ui v.rgangencr Woche eine Skeuerrcclaniation ein, deren Schrift nnb T'.lllc genau Ulit denen der Trohbriefe übereinskimmke. Turch 'i? .lug.'siellien Rachfort'chuiizen wurde ermittelt, daß diese Trohbriese e r :it Torrmund wibneude Winkelconfnlent Franz Joses Brandt .'.."'chl lI'en nnb abget'andt halte. Terselbe wurde festgenommen und dem!,:::glicheII Getichtsg'sängnine 'zugeführt. Tic (sliristlilii Socialcii in Belgien, T-r social-demokratische '...'ist" bringt in feiner Rr .'!8 vom I!> d. M. einen bell;;Mrcrtl'.eii Artikel über „Tie Ehristlich-Socialen in Belgien", den . . vo>.i ebalklich unterer eigenen Meinung über so manche Tinge wiebergeben wollen, weil er scharf den Standpunkt kenn vi : t, »■;.- bie Soc al-Temokratie der sogenannten christlich-socialen B.a. .::i!!.z ' g-nüver cinninimt. Nachdem das socialistische Organ die Schic . ln!..i r-gulnr!, welche der bisherige Führer der belgischen eh'.l'iitch Socialen, Abi- T a eu o. gemacht, indem er auf den Rath der Bi'cheie und des Papiles hin seine oppositionelle Stellung gegen die .Elerica'.en aufgab, fahrt e» fort: f..ir..\t »ch uns die Frage auf: Woraus ist es zurückziisühreii, daß . b csi .e.i Ebriillrch Lc ialen in Belgien befahlen hat, sich der Oberhoheit . B'äiö'e;u lmtcciuetfen, während er .bat von den österreichischen Liechtensteni .tt »och nicht rcr'.angt bat? Ter polnische?. Stojalowski hinwieder l üßi »eine airistlich steiale Lppcsitioii mir einigen Monaten Gesängniß, »ud die v'.,i,''cheii Priester iveilern heute »och von den Aanzeln gegen seine Schriften. Blatt. Nr. 182. Wie koinint das? Au» die Sache liegt einfach io: In Belgien ist gegenivärlig die »Psassenpartei die Herrin der Situation, und als solche vergißt sie wie jede Kerrichende Partei die Zukunsi. Sie beutet die Herrscherstellung nach jeder Richtung hin bis zu den äußerste,i Coiisequenzen aus. Sie braucht die volksthiiinliche Werbekrast der christlich-sociale» Agitation eines Abbe TaenS nicht, wild doch den belgischen Bischöfen mit ihrem weltliche» Besitze sowie den übrigrn Capitaliste», die iininer frömmer werden und immer inehr i» sich enldecken, daß die Mutter skirche allein eS ist, ivelche die sociale"Qrdnung, die ein sorgen.- und arbeitsloses Leben für sie bedeutet — durch die christlich-sociale Agitation kein (sesallen erwiese». Tas Uiiaiigenehme mit dem Schaden derselben, meinen sie, sei größer als sie Rntzen schafft, indem sie die Arbeiterinasseii bis zu eincin gewisse» Grgde verhinberi, in social-deniokraiisches Fahrwasser überzugehe'n. Flugs wird der Papst angegangen, einzugreisen; er Ihut es, uud siehe, die Geistlichen, welche in christlich-socialer Spposition machen, kriechen zu strenze. Obwohl wir uns in Lesterreich nicht zu beklagen brauchen über den zu kleinen Emslnß der Clericaldn und Feudal-Conservaliven aus die Regieruiigsgeschäike, so ist diese Sorte von Polilikern doch nicht so mächlig wie iiioinenta» ihre Brüder in Belgien, weswegen sich auch der Papst gus daS Trängen der.stirchensnrsten nicht so kurzerhand .enlschließen konnte) die christlich-sociale Agitation eines l'. Scheicher und Eonsorlcn zu verdammen. Hier muß diese Agilation noch als Werbcinittel sür die Pläne der kalholischen »Politik diene», obwohl es auch bei uns nicht ohne Reibniigen zwischen den hohen reichen geistlichen Würdenträgern und den arinz» Capläne», die in Agiiaiio» stehe», abgeht. Man hält es in Wien sowie i» den »Provinzen für nothwendig, in der christlich-socialen »Partei den Strinnwellen der Social-Teinolralie einen Damm entgegenzusetzen. Rur in Galizien suhlt sich eine, hohe Geistlichkeit mit den Schlachzize» noch sicher in ihrem Besive und in ihrer Herrschaft, iveswegen man meint, »ngeniner gegen den christlich-sociale» I'. StojalowSki vorgehe» zu können. »Run, der Social-Temokralie Belgiens wird dieses Borgkhen der Bischöfe, wird das Einschwenken des Abbe Taens mit seinem geistlichen Anhänge ins Lager der Büchöse iiür »Rutzen bringen Tie Zersetzung der clericale» »Partei wird dadurch nicht anigebalien. Geradeso wie die belgischen Fabrikanten »ud'Geldlente, welche bis j'tzt liberal waren, »reisteulheils übergehen werden ins Lager der Fromme», weil diese die »Macht habe», so werden auch die »Arnieil unerbitilrch ins Lager der Social-Temokralie gedrängt, welche die einzige enlschiedene Bersechterin ihrer Interessen ist. Ter »Abbö Taens aber hat nur mit seiner sociale» und demokratiicheii »Agitation die Sache der llliramonlanen comproinitlirt. Tie sroininen »Arbeiter und .Kleinbauern, unter tvelche durch die christlich-sociale Agitalio» der Geist der llvzufriedenheit geworfen und genährt wurde, werden nun einsehen, daß ihnen die Geistlichen und sonstigen frommen Herren nicht helfen wollen und lönnen, und den letzten Schrill thu» — ins Lager der Social- Temokraiie. »Wege, wie in Belgien, schreitet auch die christlich sociale Lpposition bei li»s wie in anderen Staalen. So wie der »AiiliseiiiiiiSniliS, will auch sie das Bose für die Social-Temokralie, schafft aber daS Gute, indem sie Geister erweckt, die sie dann nicht bändigen und auch nicht befriedigen kann. »Rie wird diese »Parier erusthaft zu Gunsten der »Arbeiter cintreten; nicht einmal ein Steile lind »rag er noch so gerecht sein, wird von ihr unterstützt, weil dieser vielleicht dock den »Arbeitern Boriheile bringest könnle, welche vou de» llnternehinern un angenehm verspürt werden könnten. Ist ja der »Papst sogar in seiner socialen Encpklica gegen jeden Strike. Jede christlich-sociale »Politik kann demnach nur eiste h,„hallende, »Riemand ans die Länge der Zeit besriedigende sein; sie steht im Widerspruch mit den Jntereffen der reichen Rirchensürsten und sonstigen be gillerlkii Ficinineii und wird an dieirnr iniicren Widerspruche scheitern,- wie in »Belgien, so auch überall, wo sie auslritt. Man wird zugeben müssen, daß diese Ansichten deS socialistischen Berfassers den tlkagel auf den Kops treffen. Tiefe Perspective eines socialistischen »Parteiorganes gewinnt aber eine ganz besondere Bedeutung angesichts der eben abgelaufenen Wahlcainpagne in Wien. (jCfficicUcr Boykott.) Aus Petersburg wird uns geschrieben: Beim Bau der sibirischen Eisenbahn wurden ini vorigen Jahre ails Anordnung des Bauleiters Ingenieur Boschnjak auch Juden angestellt. Ebenso wurden die Lieferungen von Bauinaterialien für die Strecke Irkutsk jüdischen Unternehmern übergeben. Bauleiter Boschnjak ordnete dies deshalb an, weil er, wie er damals erklärte, die Juden, mit welchen er beim Bau der Jaroslawl-Bahn arbeitete, stets nur von der besten Seite kennen gelernt hatte. Thatsächlich führten die jüdischen Lieferanten die ihnen übergebenen Lieferungen gewissenhaft und billig ans, und die jüdischen Arbeiter erwiese» sich ebenfalls als fleißig, arbeitsam uud geschickt. Toch Alles dies nützte den Inden nichts, denn sie wurden soeben von jedweder Theilnahme an dem Bau der sibirischen Bahn entfernt. Wie der ofsicielle „Sibirskij Wjestnik" nämlich meldet, hat der Generalgouverneur von Irkutsk die Verfügung getroffen, Inden beim Bau der sibirischen Bahn »veder anzustelle», »och als Lieferanten oder Unternehmer zu verwenden. In "Folge dieser Verfügung publicirt Bauleiter Boschnjak im „Sibirskij Wjestnik" folgende Erklärung: „In Folge Aufforderung des Herrn Generalgouverneurs von Irkutsk sehe ich mich gezwungen, die

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