Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 182 (29.9.1895)
- Date
- 1895-09-29
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 1-2. I .'freies Statt. eite ratt) Fcichtingcr nahegelcgt wurde, bis zur Austragung seiner mehrfachen GerichtSangelegeuhciten den Club zu meiden. Fcickstinger erklärte darauf feinen Austritt. Ter' „wirthichaftl che" Club hat damit gewiß feine bedcutcrldste Kraft und schönste Zierde verloren. Wozu auch so hitzig? Feichtin'gcr ist doch nicht der erste Antisemit, welcher dem „römischen Rechte zum Opfer fällt". — Zn einer am 23. September staltgefundencn Pcrhandlung wurde Fcichtinger von der Polizei zu einer Geldstrafe von fünf«, zehn Gulden verurtheilt. Zwei Tage später hatte sich Feichtingcr in seiner Cigenschafl als Rcdactcur des „Grazer Extrablatt" gemeinsam mit srinem College» Gstirner vor den Geschworncn egen P e r b r c i t u n g beunruhigender falscher '.'lachrichten zu verantworte». Beranlafsung zur Erhebung der An- . tlagc bot folgende am 22. April im „Grazer Ertrablait" erschienene Tcpcschc: „Cin Privattclcgramm meldet ans Laibach, daß die Stadt durch einen neuerlichen Erdstoß vollständig in Trümmer gelegt wurde. C'cnauc Nachrichten fehlen noch"; ferner ein Artikel, der den Titel führte: „Ein neuer Erdstoß iy Laibach." Gstirner verantwortete sich * dahin, daß er daS Telegramm von einer verläßlichen Persönlichkeit erhalten habe, deren Rainen er aber verschweigen müsse. Wie sich nun hcrauSstctlte, war diese verläßliche Persönlichkeit ein T i c n st mann, der d i c N a ch r i ch t von einem Off i c i e r Sburschen erfuhr, dem sie w i c d c r die Köchin e i n e S H a n p t m a n n c S erzählt hatte. Bezüglich des jneriminirtcn Artikels behauptete Feichlingcr, daß er denselben von einer verläßlichen Persönlichkeit erhalten habe. Beide Angeklagte wurden übrigens freigesprochen. ZlIIll Hall Haillllierstcitl.) Ter Steckbrief gegen den abgängigen Antiscuntenhäuptling und mehrfachen Tcfraudantcn Hammcrstvin ist bereits erlassen. In Berliner politischen Kreisen erachtet man aber diese Maßregel für absolut aussichtslos, nachdem bekannt geworden, daß Hammerstcin schon im Anglist seine Reise ins fernere Ausland vorbereitet hatte. Ucbrigcns veilautct, daß alle Briefe, die von Hammerstcin seit einigen Wochen ciiiliefcn, inSg'esainmt von S i st r a n S dätirt wurden. Tort scheint somit Zcinand zu sein, der ihm atS Ber- »ultker dient. Möglicherweise dürfte es dadurch gelingen, seinen wirklichen. Aufenthalt' zu ermitteln. Bielfach verbautet, Hammerstein habe , ud) nach Griechenland gewendet, Ivo bekanntlich AuSlicfcrongSabmachunge» nicht bestehen. Andererseits will man ihm in Andermatk am Gotthard begegnet sein, als er eben mit einer Tarne die Re Alpe' bestieg. Ter reiselustige Antiscmitenhüupiliiig' ist übrigens eine viel gesuchte Persönlichkeit, Richt nur der Staatsanwalt, sondern auch daS Berliner Amtsgericht l fahndet nach ihm, da dem Abwesenden der Anklagebcschluß in der wider ihn vom soeial-demokratischen Abgeordneten Singer angestrengten Berlcumdungsklage nicht znqestcllt melden konnte. Bekanntlich hatte Haminerstei» während des BierboneotkS Singer beschuldigt, den Böyeott zu Spceulalionen in Branelci-Acticil mißbraucht zu haben. Tie Tivoli-Leute verwahren sich jetzt energisch dagegen, daß man für dic2umpercicnHami»cistein'S die Partei miivelautwortlich mache, während sie Hammcrstcin'S Buscnfrcnnde, dem. famosen Bricfschreiber Stöcker, eine Ehrenerklärung in aller Form erlhciklcn. Diesem schwillt darob wieder der Kamm. Cr sucht in seinem Blanc uiiicr wüsten Schimpfereien auf die Liberalen und Zu dcnjedc Geineiuichafk mit Hammerstcin abzuwälzen. Unter Anderem behauptet er, er habe wie viele Andere, wie seine nächsten Bcrwandicn und Freunde, Frcihcrrn v. Hamincrstcin bis zum Frühjahre für einen durchaus chrcnwerthen Mann gehalten, an dessen Schild kein Flecken hafte. Als er die erste Andeutung von Haniinerstein's Bergrhungc» Erhielt, sei er in demselben Augenblicke zu ihm geeilt, um die Wahrheit zu erfahren: Seitdem habe er, je nach dem Maße der Erkenntniß seiner Schuld, seine Beziehungen zu ihm als Freund und Seelsorger dazu verwendet, ihn zur Aufrichtigkeit zn mahnen und ihn .zu bewegen, daß er ans seine politischen Stellungen freiwillig verzichte. Tara», daß er in der „Krcuzzciiung" wie in der conservattven Partei völlig unhaltbar sei, habe er ihm von Anfang an keinen Zweifel gelassen. An die Wahr- . heit dieser Behauptungen glaubt Niemand in Berlin. Za, eS verlautet, daß weitere Bricfpnblieationcn bevorstehen, welche eclatant beweisen werde», daß man in der conscrvaliven Partei schon sehr lange über alle Lumpereien Haninicrstein'S unterrichtet war. Uevcrhaupt dürfte . das Füllhorn von „Enthüllungen" in diesem antisemitischen Panamino noch lange nicht erschöpft sein. (Antlscm im Conflict mit dcu Strafgesetzen.) Wie aus Breslau berichtet wird, ist der dort ylS antisemitischer Agitator übel berüchtigte Fritz Scdlaczek nach der Schwei; entflohen, nachdem gegen ihn die Untersuchung wegen schamloser Bewucherung von Gymnasiasten in etwa vierhundert Fällen eingeleitet wurde. Sein der Mitschuld verdächtiger Bruder Pauk wurde gleichfalls verhallet. Sedlaezek pflegte seit mehreren Zahreti geldbcdürfkige und leichtsinnige junge Leute, .zumeist Schüler höherer . Lehranstalten, in der schamlosesten Meise zu bewuchern. Tie durchschnittlich sechzehn Fahre allen, natürlich ganz gefchästSuuknitdigeu jungen Leute wurden durch berauschende (R-Iräiike' und durch die fortwährend wictzcrholie Anrede „Herr Toetor" in eine Stimmung versetzt, in der sie alles Mögliche ,zu unterschreiben bereit waren, und dann ging man ans Geschäft. Sedlaezek gab nicht clwabaarcS Geld zn hohen Zinsen, aber er verlauste „aus C'efälligkeil" allerlei Werthsachcn auf Credit. Freilich war dabei die Tiisercu; zwischen seiner . Tare und der der Pfandleiher, bei denen die jimgeu Leute hinterher mit den gekauften (Gegenständen vorsprachen, immer recht bedeutend. Manchmal auch versuchte Sedlaezek seinen jungen Freunden für erneu entsprechend anständigen Betrag Tinge anszurcden, die zwar leinen Mclall-, dafür aber einen umso bedeutenderen rultnihistorische» Werth hatten, wie eine alte japanische- Geiieralstittisorm, eilten K nokenstock aus den Urwäldern Zavas und dergleichen. Tte Zal-Iuna erfolgte durch Wechsel oder -Schuldscheine, und gleichzeitig ließ nch Sedlaezek, von-den Kunden eine Erklärung des Inhaltes verschreiben, daß ne''" bereits volljährig seien. Ten vorgcschriebenen Teil dr.-'er Erklärung pflegte er hiebei durch eine anscheinend zufällige Haudl-ew guug den Blicken der Unterzeichner zu entziehen.' Planche der tungen Lerne, pflegten mit den ans diese Weise erlangten Kostbarkeiirn ,.etne Zeiilang Staat zu machen: die-meisten aber lingeu sie;.v:; zum Pfandleiher und verjubelten den Erlös. Tie Rene kam ihnen uit später, iucf.it nun Sedlaezek seine Ansprüche aus den ScliMdlü.ü-t geltend ' machte; dann nämlich benützte er die wahrheitsiv.d'.i.'.en Majorcnnitätscrtlärungcn als Preffionsmittel. gegen die Eli--.n : Schuldner und erzwang ans diese Weise die Einlösung der Schure titel znm vollen Betrage oder wenigstens eine Abfindung. Schließlich kam der Onkel eines d»r>bewucherten Schüler hinter die ganze Sache nnd brachte sic zur Anzeige. Es sollen n > ch t weni ge e a i s e :.-iv a . vierhundert junge Leute er m-it I el f w.ord en sein, denen Sedlaezek in der ge sch i l d e r l e n . Wc i s e aps der Bei. leg c n hei t g ch o lfc n-ha t. Als pikantes Tek.til znni Falle Sedlazei verdient noch erwähnt zu werden, daß: ^dei der ersten Nachncht van der Flucht Sedlaczck's der ^Generalanzeiger" in Berlin.-eines der rüpelhaftesten Antisemikenbltker, über die „freche Zudenpitsse" hei fiel, welche wieder einmal gelogen habe: Sedlaezek habe stn r . eine - „(Geschäftsreise" gemacht, rvn der er bald zinücklehieif werde :e Ter - ' Berlcger und Rcdarteur des „(^iieralanzeigcr"- heißt Carl Sed . laczek- -— Lcnn ist auch der Malle jener netten Tante,- die einst mit 1 dem famosen Antisen itenhanpiling Hans Leus; ein Ltebesverhälin-ß! unterhielt, ihn dann wegen Meinendes ins HKfängniß brachte und selbst wegen des gleichen Berbrechens das Los des Geliebten theilei:- mußte, Tr. Sch nütz in Hannover, ein Opfer des römischen Rechtes geworden ES wurde wider ihn die- Untersuchung wegen ' U n kerschlag n n g nnd U n't er s ch la g u n g öffentlicher Uv : kund c n - cingcleitct und auch bereits der gerichtliche Beschluß gefaßt, j daö Hauplvcrfahren gegen ihn zu eröffnen. Tie A n k l ag e sch r i ': umfaßt hundert .Seiten. Herr Tr. Schnuy gehörte gleich L?nß zu den Leuchten! des Aiitisemjtismns. Znlercisaiit find 5le scntiinentalcn Bclrachtnngen, die ein nrlcuionischer Schmock zuni E.i.i- Schnutz Leuß im „Tentschen BolkSrccht" macht. Ec schreibt: . . I Wohl setten habe» »och in einein Ebediama der Beelltlnee mir d nnv .! rSattiu eine so erbärmliche ükolle getpitN. wie'in dem Falle Lenßr i'i -ii glaubt in die ite'sten Abgiüude' menschlicher Beiworfcudeil zn l-uNei-, weit» inan die Handlungsweise eines ÄanneS betrachtet, de» das B.-rnaaen der Wähler als einen -.nampser kür deiitlcheS Recht n»k d-em-che Zif.e-tu den Reichstag geianbi hat. . . ES ist die Äe'chichie von der „Treibcit" in der Ebe. die bikanntlich ein beliebter Borwurf der ntoderiikn dichter in. Le,iß -und Tr. Lchnntz waren die besten Freunde. Ter reinere tbat Alles für Leng, irres in seine» ^iräst,» sta.id — und der undankbare Freund betrog ihn mit 'einer Frau... .l Hätte eine gtnthvolle mächtige Leidenschaft well unheilvoller Tainoml die beiden Liebenden unaukdaltjatn ans die abschüssige Bahit des Berderbens getrieben, hätte Leng den Mntb gehabt, onen nnd ehrlich seinem Freunde daS ' - cheständniß seines Liebesverhältnisses zu Frau Lüinnv z!ri machen, wie ganz anders stände daS unselige Paar vor uns So aber wa» e« die Lust an derbrutalen, gemeine» Lunde, die Lust zu stinken, würde Friedrich Nietzsche tagen . .. lind noch rnebr! Als Lensi von dem betrogene» Eheinanne entlarvt ivnrd--. da verband er sich mit dessen Frau, die natürlich ans die Leite deS beliebten trat, und stellte sich als Belastungszeuge dem Ltadtdircetor Trainin zur Bersitgnng, welcher Tr. Lchnutz der llnt-rtchlagung amtlicher Aeten ' nnd Gelder be'chuldigt Hane ... Znsanier und abscheulicher kann ein Mann nicht handeln als Leuß, der eine wahrhaft teusliiche R itsiirirtheit an den Tag legte. Ein solcher ZanuSkops von Lhärakterlosigkeit ist cin seltenes Eremplar.Und Frau Tr. Zchnny? 'Run, sie zeigte sich ihres BersnhrerS würdig. 'Rach der Trennniig I