Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 182 (29.9.1895)
- Date
- 1895-09-29
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Nlat«, 5ci(e Ü ttr. I8‘2 iu'0 i;aralh\' ein, ebenst» rücksichtslos, wie sie einst stolz Mil!n!>i:nn ^uge &tö,ö'riffelo Me Miauten der edlen Ehrenbürger, der .S.iinvser für dns BürgerNmi» und, für die Rechte des Volkes cint'egrnben in ihre ehernen Tafeln/ - J>—t. > III, Cs war eininai ei» Valcr, der Halle drei Lohne. Ter ällcstc >?ar ein ivellcrsisier. arbeiliamer, stiller Man», der sich auf das Hansha!:,:, roritlffltdi verstand, beider Halle er eine» Fehler, nnd dieser Fehler war eigentlich eine große Tugend: er war zu be 'Melden und z« iriedferlig. Tas wolllc Vielen nicht gefallen, aber er luilUu nichl nach der «^»nN der Menge, Ihm genngle cs vei!a->?, haß er das ganze Verlranen feines lieben Valero genoß, der dn lniin V.nban des großen Hauswesens die Peilung der - fchwnaiasten Ang.-tegeiiheilcn übergeben Halle: und der wachere Lsbn!ei:e i:d> tnre Aufgabe auf das Znsricdenstell.ndsle. Ter zireualieiie Lahn war ein eigcnlhüinlicher Kauz Ter Halle im Nil'iaes- Vink. wie mail;u sagen vsiegt, zog Tag auf Tag ab das liebe aai'Ze Jahr in der Welt hei uni und irachlele, die Cr l'.agiiiüe 'eines Vaterhauses um galcs ö'eld an den Mann z» bringen. T-r V-ebisiand und e8is Ansehen des VaierhanfeS ge dielIeIi hiebei ve:!:eülich Was Wunder, wenn der Valcr feinen e'reilen' Lebi, r-.hi »linder lieb Halle als den erste» niid sich d". eib.r : elfr.!.:e, das: .beide Löhne in holder CiUlrachl lebten . ui d 'iw T.'.a i iid Ra.lu unermüdlich anürciiesten. das valerliche H eiiswe'...-: :.!i de. .! Hieb U! vergrößern. Teil drillen, den jüngsten L.’,:t. w.ist.!', '^.'-.lleii, wurmte es lief im Herze», 'iS er ,'ad. d.!': n rwei V: ei der »ich der besonderen O'nnsl des . V ::ers;:T’- -::;i n. w.chz end er >e.ne»s des Valero Madnworl über M war: zur ^'en.eiing »nd Einkehr e-rhallc» nulfttevfin ' 1. i l>: '..'i'-v'ch kann es eben nicht ertrage», das: es auf der Vö-.i v l. e : e'l. deshalb Hub der "drille Lohn ei» Lpie! ' d:s?e:n Hei.>nl»afe! '.'löst >o ge?:!, daß er ihm Beistand .■■■'’■ l.?tv;i'u Bruder verschwor sieb mit dem «Gesinde und b>:.:chz» d:s' de d.dis es wirklichglaubte, die beiden alleren V: .:d-. r -war.n u- ' n.ue Lonne, ichadiglen das väterliche Hans; :v > i>. v>-- . .:eii ' s Hausgesinde durch ihre Forderung nach ’ -'-.- 's » Ar>'.'!! i. >d w T'S leicklglänbige's arbeiisfanle, geniiß 'aü i-ge ^-'-i-.de :. ll-.'le sich zusammen. und mit Hachen, Treich iN.'.ib-, :i n. >. w. ruchie es eines schönen Tages gegen i I •. i n Brü 'j. um sie von Hans und 'Hof' zu jagen. T e ne:: webrr.-'i sich gegen das zuchtlose «fäesiiide, wie - : T .ld..>'es war in der Mehrheit, und die beiden braven -- V'.::ö,r rrsilich «^»»ahr. ihrem verlollerlen und verksni- -ii.irii 'Br-.ider zu nnterlieere». Ta kam gliichlicherweise der Valcr, - der ei--.-, ,.-..-ße 'si.i'e u'.'.leruomniei! halle, zur richligen Luinde . ch.-.e: M-: T. i-'i.-.üiii-.me rrieb er den mißralhene» Lohn und - r id.'.'g: s ,a Vaaren und.sagte zu den beiden wachere» i d eii'.. n gr. s:en Fehler deinril, das ihr, im T.i'v: --.'.i ..? e.'r. Recl'tiich'e:: und meine. euch allezeit sichere e, r>- sid-.neu Brnd-r uv.ter'chätzlei. Tas darf fürderhin ■ mehr 'rtivli-n, denn ich will Ruhe und Frieden habe» in d.in::-. Beihilfe, liebe stinder, so herrlich empor b -.-un;'i•>, d..s den A.ud aller meiner Nachbarn wecki!" -g'' II .- I1! e r i e i ch i f ch> e r Ä e a »II c r - .mir ^lotioloaio ,\'5> ^lntijudentbuins. : di i" dlIiiius:,!:-' genainn. ist nnbezweifeldar d '-ch''. i-v ista.'.e Bei ictcv .'irantbeit bandelt es »ich vor Allem ll.' es:-. Lnli'rcltiings^rüntc, die aus de» That'achen za - i >'vd I gil: nun auch > on der ilrankhiit Anliliidaisiiins, n "i.-.'. anstech.-'-.d ist. Tie Heilung hängt, wie bei >eder - 'ü ochst .v.'i, der Ve'iiiigiiug der Ursachen ab. .nie:'irüii-ige eär'cheiiiulig, dal; selbst sonst gute ' iii : .'in Aiiii'eniiiiSiiius sich nnmrirfcu laise», - J' Tiande unzahligem.'tle tu erfahren O'e ' '' ' ' T r>''.-ieie-:i, k:e .ieil Uabrhuudcrleii de» . - - -- - :-ii' . a . igei::w''l w...den ist. Lchon in. das >i indes- >' -: " d.s >»e-'-Heues mit des Hane's eingcträufelt. Ter \ '!y v. St. .'-s;.i i^uinvau beuichnel, als der leib- - " ■ - r.:x; an? car Verc-'ll,'N der Mitmenschen! u '» .' it r -H i r >ür ' adr unr j ' - ' - > - - 'SS :i. >g. r. «ittm.-r. auLgcht. Ta werden schauerliche,Geschichten erzählt von Blutabzapfung »nd Kiiidcrmord. Ta führt lAroßmütterchcii ihr Enkelkind »ach dc», Indenstein oberhalb Halb (Untcriiinlhal) und weist auf die grimmigen l^esichker der jüdischen Lchlächter, so daß den Kleinen ein Grane»! überkommt u»d er das Lchrcckbild nicht mehr losbringt. Da wird auf die Llationsjuden gewiesen, wie sie ihre Gesichter fratzenhaft vcr- - zerre», bis endlich Zweifel an der Menschheit dcS Israeliten aufrauchen. Zn alldem kommt noch ein sehr wichtiges Moment. Am! Ehatfreilag wird ei» Miffalc gebetet für die psili-Ii .kmln-i, damit , der Herr ihre p'-rli-lin jn-Inisn gnädig wende. WaS wird nun der 1 Priester, insbefonderc der froyime, bei diesen Worten denke»'? Er muß nnd wird dabei denke», daß die Kirche selbst in ihrer ^ithnrgic die Inden als i»Tli l<- N'-ns verabscheut, und so wird gerade der fromme . Monn iiol<*iis voli-ns Antisemit. An jedem Ircitag der Woche wird in de» Kirchen daö Frcitaggebcl verrichtet. Es beginnt mit dc» Worten: „ES sind Finstcrnissc l g-'worden, als die Juden de» Herrn Jesus gekreuzigt hatten." Lo j betet Jung und Alt i» der festen Meinung, daß die bösen Inden den Heiland ans Kreuz geschlagen, '.'inn ist cs allerdings richtig, daß die ,Inden jener Zeit den Tod des Herrn gefordert; aber die Iällnng ' des Todesiirthciles, %ic Hinansführnng zur stUchtstüttc und die Kreuz, guiig war Lache der Römer,' die ausschließlich das jns frladii be saßen. TaS stellt fest, gleichviel ob der. Brief dcS Pontius Pilatus a» Kaiser Tibcrinö echt ist oder nicht. Aber daran denken die Beter iiiäst, auch nicht daran, daß die Kreuzigung Christi schon vor mehr als l*HO Jahren geschehe» ist, daß man sohin billigcrwcise die heutige» Inden nicht für die Thal ihrer Vorfahren verantwortlich machen kann. . >Zch erblicke darin eine Hanpinrsache der Krankheit, der feind 'selige» Llimmiing, und bin überzeugt, daß deren Vcscitignng die erste ii»d 'wesiiiUichste Bedingung der Handlung ist. Tarnm verharre ich unerschütterlich auf meiner wiederholt aus gesprochenen Behauptung, daß nur durch Intervention d-r kirchliche» Amorität die Hanplanettc des Antisemitismus verstopft werden kan» : de»» die Krankheit kann nnr auf dem Wege, auf dem sic gekommen, gehoben werden. Würde der Papst offen und entschiede» die Lache als -Srankkeit bezcichncu, so würden alle Bcsscrgcstiinteii, namentlich die O'eistlicheii, sich autrasscn und ihrem Tbcrhauptc, äußerlich und innerlich, zustimme». Tann wären die Kreuz- und T.ncrzngc eines Rampolla ganz übciflnssig, zumal religiöse Fragen — »nd eine solche in der Aiitisciiiilismils trotz Protest der Fritsch »nb Eonsortcn — nicht »ach dem Lchcma weltlicher' Politik z» bcyaudcl» sind. Aber auch der Llaat ha-t zur Beseitigung dieser schmachvolle» Beule das Leine bciznrragcn. Wir verlange» von ihm »ichtö weiter, als daß er fest und.com'cqueut auf dem Bode» der LtaatSgrundgcletze stehe und »iiscreu jüdischen Miibürgcr» das gewähre, waS die Lraatsgriindgesetzc ihucu cinräumc». Genug des Z^avireuS und Koket tireuS mit de» Parteien. Siiirm '-ni'iik-! Tr Lchocpf. 2 ticolat 3ir>anoir>it)d? pitoaoip über vCln’iftontlnun und über die Juden. T,i- Raine, welcher, au der Lpitzc des Aussatzes prangt, ist der' Raine eines weltberühmten rninfchcn Chirurgen, weichem wir im vorige» Jahre durch die Vermittlung August Fischcr'S, dcS llcbersctzcrS seiner ..Z'el'ens-sragen", näher getreten sind. Wir lernen Pirogow in diesem seinen Tagebuche als einen „Fakir" der Selbstbeobachtung kenne», lind er ist dies durchaus »iäsi erst im Alter geworden, sondern cr liat diele überaus schwierige Kimst schon als blutjunger Man» gepflegt und verstanden. Er hat cs niemals über das Her; bringen könne», gedankenlos in den Tag hiueinznlebcn und einer herrschenden Strömung blindlings zu folge». .Sau» mau etwa strenger und schonungsloser mit sich ins Gericht gehe», als cs der neugebackene scchsundzwanzigjährige Professor der Chirurgie an der Universität zu Dorpat that? Weit entfernt davon, sich einer üiigetrubten Freude über seine glän;enbf Rnifhahil hinzngcbe», konnte er sich vielmehr der Erkenntniß nicht verschließe», wie viel ihm noch an Kenntnissen, Erfahrung und Sclbstbeherrschnug fehle, um ei» sactischer, nicht bloß ein nomineller Zkehrrr der Chirurgie zu sein. „Mir fehlte cs," erzählt der gcistcsfrische Greis, „nicht so sehr a» Gewissenhaftigkeit, als daß ich nicht hätte cinschcn sollen, welch eine iingehenre Berantwortung vor der Gesellschaft und vor sich selbst derjenige auf sich nehme, welcher, nachdem er durch daS ärzlliihe Tiplom ein gewisses Recht über?eben und Tod Anderer erhalten hat, nun auch »och die Verpflichtung erhält, dieses Recht Anderen zu übertragen.WaS hätte ich denn aber thnn sollen, nachdem ich einmal vom Schicksal in diese Laufbahn gebracht worden