Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 181 (22.9.1895)
- Date
- 1895-09-22
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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.freies Statt. Nr. 181. reite >> fdiiinil re. .Inn.'.'wenig aidiöpft als der Erfinduiigsgeist des Bruders oolmittt re», Rognia. vii trat zugleich gegen gute Bestallung von 3eiti .turta au die Stütze einer zahlreichen Bande von Mordl'ieniic'.!'. ivelche 'Wien und das ganze fand Oesterreich, and, Bayern tuldi immerwährende Feuersbrnnste und Räubereien in unaufhörliche Äugst. Roth und Schrecken setzten, und diese Mordbrennerei in allen .■'ieneidiiidieit fanden sortieren sollten, nur nicht in Etschland oder rüftitol, uni fidi nid)t selbst den Kriegsschauplatz zu verderben, auS- . tnoden und rn entvölkern. Diese schändliche Rotte bestand auS allein h.v'.yuio’eit ovfiitBel von ganz Europa, vorzüglich Schotten und Eng- . . tändei n, auch vielen Schweizern, ans lleberresten der von Matthias Eorvin ei.d.:eii gedeinnibigte» und meist zusaminengehaueiicii oder Hingerichteten ..'duvarteii Banden", die in allen europäischen Kriegen 'eine'so bedeutende Rolle gespielt batten, ans. lleberresten jener Rünberhorden, die iir.tev ,v;-ie&rid) IV einen sörnilichen Feudalstaat in Oesterreich ge- 'bildet batten, und von denen 'eben dieser Kaiser de» ,frieden erkaufte. Äbgcdankte O''ieiere waren an ihrer Spitze, auch ein paar welsche Dmniiiit.iue: und Barfüßer und ein (Geistlicher ans Granbünden; t:e i:ed) vom leizten Sch'.vabenkricge 14'J'ck her dein Kaiser, den D io. und Schwaben besonders aufsässigen Eiigadeiner spielten die'er greulichen Balide eine vonügliche Rolle. Eliristüchc Svciiilrcfonn in 3pauicn.i Der „Srciaiiitu", das Cd.i lpaniidien Soeialdeinolratie, wiederholt zur Illustration der el..:.:d; ',ee:,e eit ..•mv den Bericht eines Blattes, das zu den B.ui.d.reru der wd'>en l ehren Veos Xlll gehört: .In Montragndd -den anläßlich des Dan Eanetano F.stes an die Ärineu! aut eine sebr originelle Weife.vertheilt. Rad>dei» die arnien . :’.Vu l.:d si.y auf dein Marliplatze verfantinelk batten, warf nt an Bidti. die Vit’*:, damit IIe der (Geschickteste, der (Gewandteste oder : : Dt.i'.kste an'sing.. woraus 'ich ein entsetzliches Dchauipiel ergab. D Hnl'aetudeu kratzten, bitsen und schlugen std>, iiut t:- t l a'chen, wahr.-.-.d die Zuschauer, die dieser Schaustellung ' * ile, ds l-enrobiiteii, ans re-..eg, Hal'e lachten. Die stärksten unter - :: Vi. lihtrerteu vier .'der 'uns Brote und zogen mit ihnen lin D-. : r' a'. wabteud die armen Blinden^ die fabnien und die (Greife : d ::d davongingen, da sie and) nicht ein einziges r.ana.n können '" . Tils Billlinärchcil. lieber eine neue Bliitbeschnldigiing in Sid'e :> an fause weniger Monate, wird ans Irkutsk . Ä:n 7. Jul: «aß dort ein etwa neunjäbriges christliches b.'iel b.'i an' der Straße und hielt ein wenige Monate altes Kind im .1 Da '».werte «ich ihr eine unbekanine Frau und wußte ne zn . :r.a >. das Kind auf,einige Miunten;» überlassen und in ein v.:!F ::: g-.r n. Als das Mädchen wiederkam, war die' FraN mit dem Krude p'r'chwiitikeu. Dofort verbreitete man in der Stadt das (Gerücht, den ,d:- >>r:dDein' .christliches Kind gestohlen haben, um sein Blut ::: .eit ^voeefeii :» gebrandien". Saminiliche jüdiidie Frauen, n..ei:e .uif der Straße aufgegriffen werden tonnten, wurden zur Polizei \t! und dem Mädchen Vorgefühl, welches jedodi in keiner der- ' o a Kiudesräuberin wiedererkenneik konnte. Bei den niederen scheint es jedoch ausgemacht gewesen zu sein, daß nur .t:.. den Raub begangen haben könne, denn die Berbaflungen iid Dh.r »rranen dauerten auch noch 'während der folgenden Tage an. M:t:>:r.:re'!e begann d-w Böbcl die .luden auf der Straße zu mißlaue.::' und in den jüdischen Wohnungen die ,feilster zu demolireu, ebne daß da BeNzei es bindern konnte Die Aufregung der Manen legte üdt '.Nest dann ltodt nicht, als die Polizei vier Tage später durch n i:,n Znf.'..l einch r i st . i ch e iftau als d i e K i » d eS r ä u b e r i u '.u;: te!t. und verkostete. fetztere gestand nach anfänglichem feugiien - anelein. das Kind gestohlen zu haben, um es als ihr eigenes;u : iiieben, und zwar iveil ne, einem alten Bolksglaubcii zufolge, hierin . n, Mittel er blickte, das frühzeitige Äbsterben ihrer eigene» Kinder;u : .-.buten '»eiuiiicttloie Hetzer colpoititten das Märchen.vom Rituali.u'id iiitiner weiter und reiften den Pöbelhausen auf, an einem gerade j > 't e' :ii i dnd.'n rnsstschen Tveicvtage einen Judenkrawall in großem Maß-! stau, .11 >fum ('Hiicf ließ der Gouverneur durch öffentlichen ' .'i:'dl>.ag d -a wahren Dachverhalt bekannt geben und stellte den Ruhe-; ttou/ii;nai.".ch die strengste Bestrafung in Aussicht: die befürchteten j Er..",', sind k iin auch wirklich unterblieben. — Aus Aachen be-! i-ch'dt di: dort Drsdtd'.uende „Deutsche Bdestwacht" über den Bortrag, | d.'i! '!> gewisser Th. Jansen über „das jüdische Blutnnnterium" im! Be. ein .Ehri'tenschntz" am 3. Deptember gehalten hat: „Auf Grund! ge> Nichllicher Dhatiachen und specicll an der Hand der Proeesie von Trient i und Damasdus erbrachte der Bortragende in r,/4ftünbiger Rede den! Beweis, daß von den Juden Blutmorde thatsächlich verübt wurden i und Ebristenhlnt;u rituellen bis in unsere Zeit gebraucht ivird D ie leyten Morde an Ehrisienkindern unterzog Redner einer! scharfen, aber gerechten Kritik Die Bersam»ielt-'n statteten Herrn Jansen für seine sehr interessanten und lehrreichen Alisführnngen ihren Dank durch reichen Beifall ab; demfelbe» wurde noch besonders Ausdruck gegeben durch ein dreifaches kräftiges .Heil'!" — Welcher Unterschied besteht zwischen der Civilisation in Irkutsk und in Aachen? (Tic Zndciiausmcisungcn ans Wladiwostok.) Aus Peter-sbürg ivird uns geschrieben: Seinerzeit haben wir dem „Freien Blatte" beriäilet, daß daS Ministerium des Jiinern den Bcsd>lnß gefaßt hat, säiiimtstche in Wladiwostok lebende Jude» anszuweiien. Mit Rücksicht darauf jedoch, daß die HandelSkainmer und die Häfeneommifsioii von Wladiwostok sid; gegen die Ausweifnngen ausgesprochen haben, wurde die Ausführung des minfsterieUen Beschlusses auf unbesliminte Zeit verschoben. Nuiiniehr meldet der officicUe „Wladiwostok", daß dem Gouverneur von Wladiwostok der Befehl des Ministers des Jniicrii zngegangeii ist, süinmilidie in dieser Hafenstadt lebende Juden auSzuweisen. lim jedoch eine fernere Verschiebung der Answeisniig völlig unmöglich V>t machen» verfügte Herr Durnowo in seinem Befehle, daß „die Ausiveisung der Inden ans Wladiwostok ohne Berzng und ohne Berschiebiing durchgeführt werden Muß". Da in Wladiwostok mehr als dreilansend Juden leben, so kann man std) leielit vorstilleii, wie viele Eristenzen vernichtet werden. Ei» Ziidc als Ministcr am Hofc dcs iiioiigolischcii Fiirstcn Argllp.) Der bekannte russisdie Archäologe und Ethnograph Professor P. Boljakow, beridjtet in seinem in Kasan lüngst ersdiieneiien Werke: „Der Islam unter de» Mongolen, Jndutten und Ehineieii" über einen Jude», der in den Jahren bis I^'Jll als Minister des Fürsten Argup von der Biongolei lhätig war und einen wchl thuendui Einfluß ans die Einbürgernng von Red>t und Gerechtigkeit wie auf die Entwietliing der Künste im Klianate übte. Wir lesen darüber in dem Werke deruistsd>eit Gelehrten Folgendes: „Unter Argnp, dem Herridier der Mongolei, läge» die Gesdiicke, des Khanates in den Händen feines ersten Ministers, eines Juden, bjr früher feibarzt des Fürsten war. Fürst Argnp legte seinem ersten Minister den Titel .S:i«|-;i.l-,|;nil;ili- (Wohlfahrt des Reiches) bei, welchen der Jude übrigens vollkommen verdient hatte. Er war ein genialer Mann von großem Betstande »nd angenehmen Umgaiigsformeii. In einer kurzen Zeit bradite er iD-rdining in den d)aotiid)cit Zitstand der zerrütteten Finanzen. Die 'hodisteheiiden Diebe unerbittlich verfolgend, war Kuck-nck-ckniilnli stets benrebt, die Gereditigkeit eiiizubtiigern und sie vor jedwedem Mißbrauche;ti sdiüyeii. Er umgab sich mit Gelehrten, Dichtern und Künstlern, die er reid>lid> honorirte: kurz., tr war der fähigste Minister, de» die Mongolen jemals besaßen. Die Muselmaiien waren jedod, >»il der Herrschaft dieses Juden »»zufrieden, iveil sie d»rd> S:».!-;i<I-1liml;ili der Möglichkeit beraubt wurden, die ararische» (Gelder straflos zu stehle». Die verbreiteten deshalb das Gerücht, daß der jndisd>e Minister in Gemeinsd>ast mit dem Fürsten Argnp, der Heide war. beichlosten hätte, das Heidenlhnm im Khanate einzuführen. DaS .Gerücht fand Glaube», besonders bei den Mongolen, die darob erbost waren, daß der Bestehlnng des AerarS - und ,der Bestechlid>keit der Beqmten ein Ende gemad)t wurden. Unter solchen Umständeii erkrankte plötzlich Fürst Argup. Als er bereits im Dlerben lag, wurde tv»!-;id-'ia!iliili verhaftet nnd sogleich hingerichtet. In alle Enden des Khanates wurden Häsäier ansgesendet, um die Berwandten und die Freunde des Hingerichteten Beziers zu verhaften. Die Alle wurden gleichfalls eingekerkert und ihr Hab und Gut geplündert. Rachdem die Mongolen sich von ihren Feinden befreit hatten, begannen sie die im Khanate lebenden Juden mit großer Grausamkeit zu verfolgen." Enthält dieser Berid>t, eine Jllnstratio» der Ditten im Mittelalter, nicht auch viel Belehrendes für die Gegenwart? R. Go laut. (Lachvcrstäudillell-Urthcil^.» Herr Michael Singer, Herausgeber und Redaeteur der in 'Rew-')>ork erscheineitden Zeitschrift „Der Jude", holte bei den einzelnen Gouverneuren der Bereinigten Staaten von 'R'ordamerika deren Ansicht über 'die Juden ein. Darauf trafen bisher folgende Aeußerungen ein: John P. Altgeld, Gouverneur des Staates Illinois, schreibt: „Die Juden im Staate Illinois gehören zu den intelligentesten, unternehmendsten und arbeitsamsten fettteit unserer Bevölkerung. Sie verhalten sich loyal unseren Jnstitntioiien gegenüber, sie: sorgen für ihre Armen und Dürftigen und yind vorzügliche Bürger." — William MaeKinley, Gouverneur des Staates Ohio, erklärt, es bereite ihm „ein Bergungen sagen zu können, daß die Bevölkerung des Staates Lhio unsere jüdischen Mitbürger hochachte. Die Juden Ohios sind gesetzliebend nnd unternehmend und bilden ein werthvo-lles Element des Gemeinwesens. Sie sind stets bereit, gute Handlungen zu vollziehen und an Bewegungen für die allgemeine Wohlfahrt theilzunehmen." — Edmund N. M o rr i l l, Gouverneur deS Staates K a n s a ö, beantwortet die an ihn