Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 181 (22.9.1895)
- Date
- 1895-09-22
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/4886575-5439167-5441676--2216-4888612- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 1*1. ■ ° , * A' r c i e s genommen hätten? Ihre Kapnzinadc» sind ganz »ach dein gleiche» , Reccpte gearbeitet. i (Was iöflt der Schönercr da;»'?) Tic Sedanfcier, welche sonst nicht ohne schwere Bcrungliinpfttng der jüdischen Mitbürger verläuft, wurde i» Crefeld für den Obersten v. Karlowitz der Anlaß zu einer scharfe» Vcrurtheilung des Antisemitismus. In feinem Kaiscrtoaste beim großen Festbankett in der Stadthallc sagte der Oberst unter Anderem: „Wir wollen unser Her; erheben 'an dein herrlichen i Schauspiel deutscher Einigkeit, Pflichttreue und PatcrlandSliebe, das! gerade die Schlacht von Sedan nns bietet. Ta fragte keiner den , Andere»: Bist du Christ oder Jude, bist du Protestant oder Katholik? . Schulter an Schulter stand der Fabrikshcrr neben seinem Arbeiter, , und dieselbe feindliche (Granate traf den Edelmann wie de» Bauernsohn." WaS sagt Herr Schönerer, der sich am Schlachttagc von j Sxdan von seinen antisemitischen Buben angratnliren läßt, dazu? (Antiscm i»i Conslict mit den Strnfgcscßcn.) Tic „Cöslincr Zeitung" meldet: Wegen Erpressung zu d r c i M o n a t c n G e sänguiß wurde kürzlich ein Herr Grüncwald verurthcilt, wobei der StaatSunwalt sowohl wie der Vorsitzende des Berichtes daS Vcrsahrcn des Angeklagien als „ein geradezu gemeingefährliches, an Hochstapclci grenzendes Treiben" bczcichncte. Tiefer Herr Grüncwald ist derselbe, der bei her Ersatzwahl in unserem. Wahlkreise als einer der wüihcndstcn Agitatoren der Ahlwardt'schen Antisciuitenparlci —• für die bekanntlid) der für geistig krank erklärte Earl Paasch candidirte auftrat und sich als deren Borsitzendcn bczcichncte.. In viele» Beriainlnlltngcn konnte er mit dem Brustton der Ucberzcngnug nicht hoch genug die arische Arbeitsamkeit und Ehrlichkeit gegenüber dein scruitischen schwindelhaften »nd unproductivcn Handel preisen. — Tas Oberländcsgcricht Miln che» hat sich de» Borinstanzen angcschlossen, dnrch deren Spruch die Antiscinitenführer Wcngg und (Geißler wegen Verlcnnidung des israelitischen Kanfmänncs O-. Tictz zu drei Monaten Gcfängiiiß verurlheilt worden warci:. Sümmtliche tdcrichtsinstanzcn sprechen ans, daß die Angcklagi'en keinen Beweis für ihre im aiitiscmilischcn „Tenljcheu Bolksblatt" hartnäckig iest gehaltene Behauptung erbringe» könnten, Tietz liabc eine b'adneriu zur Erhöhung des angeblich unzurcichendc» EinkoniincnS auf unfill l.chen Nebenerwerb verwiesen. A»S A schaffe »bürg wird gemeldet, daß der Psalter Fritz von Mömbris am Freitag voriger Woche dem doitigcn Gefängniß cingclicserr woldcn ist. Es handelt sich ».in die Ilnterichlagnng von KirchenbaufondSgeldcrn von t^unzcnbach, IO.OUO Mark (nad, anderer Lesart 17.000 OJüutBei einer Bifiuztion d»rd> den Bezirksaintinann von Alzenau wurde der Fehlbetrag in der Casie entdeckt, und Pfarrer Fritz koi/nle sich über den , Verbleib der (Gelder »ickit mehr ausweise». Fetzt ist man sr.ilid) wollt darüber aufgeklärt, warum der Herr Pfarrer bisher immer so ent idiiedcn gegen de» fraglichen Kirchcnnruban sick> erklärt hat, Er war einer der glühciidsten Eiferer für „Religion, Sitte und Ordnung". tC'ille trcsfcndc Antwort.) Ter „Berliner Bör'enconrier" bringt die folgende interessante Mitthcilnng: Bor einiger Zeit wurde — wir ' wissen nick>t, vouweld>er Behörde — au vc> mögende preußische Pfänner ein Circulär vcrsck)ickt, in weldicm dieselben anfgesordcrl wurde», Beiträge für ei» Secinannshcim zu zcid>ncn. Taö Circulär erhielt and) ein namhafter Industrieller in der preußische» Lausitz, einer der ge- - aditctste» und wohlhabendsten Einwohncr der betreffenden Stadl. Tcm > Circulär war ein Fragebogen beigcsttgt. „■ Tie erste Frage lautete, ob j der Adressat sich bctheiligcn wolle, die zweite Frage ging dahin, mit j welcher Summe er fid) bclhciligcn wolle. Tic Antwort lautete: „Mit j 101)00 Mark " Welche Zinsen er daflir fordere? Antwort: „Keine."! Welchen Zeitpunkt er für die Zahlung seines Bcitraics bestimme? j Ankwort: „Denjenigen Tag, a n welchem b c i\ c v ft c Jude z n in Ofsicicr der Armee ernannt werden wird!" Wir geben die kleine Anekdote, für deren Wahrheit wir cinstchcn können, ohne jede» weiteren Commcntar. lFricdhofsschälldUllg.) Auf de», israelitischen Friedhose des Städtchens Grabow in Posen sind vor einiger Zeit zehn T'cichcnstcinc von ruchloser Hand von den Gräbern gewaltsam entfernt und umgeworfen worden; dabei sind zwei Stück zcrlrüinnicrt worden Ter Borstand der jüdische» Gemeinde in Grabow hat auf die Ermittelung der Missethäter eine Belohnung von 100 Mark ausgesctzk. Man glaubt diesen Act antisemitischer Rohheit mit einer vom dortigen evangelischest Seelsorger gehaltene», antisemitisch durchlränktcn Sonntags- Predigt in Verbindung bringen zu dürfen. Die Störung der Friedhofsruhe und Zsrtrümmcrung der Lcichcnsteine gehört bekanntlid, zu den Glanzleist.ungcn der antisemitisd)cn Thatpropaganda. •' (Bon der Reise. 1 Ei» Freund unseres Blattes schreibt uns von seiner Reise: „Ein nack) Ein siedeln in der Schweiz fahrender N l a I >. Seite 5. katholischer Geistlicher madstc zu mir folgende Aenßcrung: ,Tic Hctzcapläne in Ocsterreiä) schaden der kalholijd>cn Sad)c mehr, als ihr die ganze knnstlid,c Verbindung christlicher. Männer mit Antifeinilen und Deutsch Rationalen AOitzcu bringe» kan», aber mau ist bei ilincu mit Blindheit geschlagen. — Ans der Hotclterrasse zu V . . . spielte fid) zwischen mir und einem anderen Reisenden folgender Dialog ab: Ich: Sic haben nicht au der ul>I- 'i0,.'>k«> gespeist? . ' C r: Rein, es sind so viele Jude» dabei. * 0 ch: Sie könne» R'ccht habe», cs waren lauter seine, gebildete Menschen, id) sah keinen-einzigen Antisemiten an der Tafel." lA»S juöcurciltcr Zeit.) Unsere Berliner Abwchrcollegin ent nimmt de», „Ausland" (1S20, 3. 107 f , zwei nette Pröbchen altvenczianisdicr Slaatskunst. Ten .n->-,-r.ni>- ,-r><i>>->iiuw fonsilii iicccm". zufolge spielte fid) am 4. Jänner 1 “> 14 folgende Scene ab: Im Rath der Zehner und in Gegenwart der Häupter und der Weisen von beider Hand von der Stadt und von der Tcrraferma) wurde nachfolgender Antrag vorgelesen: Unterm >0. Tecembcr 1.010 bot der Bruder Johannes von R a g u >" a , des O rdenS der minderen Brüder, verschiddenc Gifte an, gegen wen mau immer davon Gebt and) »iad)cn wollte, l Tie Receple liege» dem geheimen Protokolle bei.) Ter Minorile, Brnder Johann von Ragusa, kam zu den erlauchten Herren Häuptern, nämlich zu Hicronnnius' Tnodo und zu Peter O.nerin, und erbot fid) dnrch gewisse linste: »reden, den man'wollte, ans dem Wege zu räumen, und er mlangt nach der ersten Probe 4:0<b> Tiicaten ,ähr.liche Provision ans lebenslang, i die sollen ich» baar ansgezählt werden, wenn er jene» ersten Versuch glücklid) vollbringe. Wollten die erlauchte» Herren seine sinnst noch serncrhin ge brandicn, so müßten sic ihm jedesnial criuus an der Provision erhoben, worüber sie schon insbesondere Übereinkommen würden Tie hohen Häupter find alsdann nad) gehaltener Bcrath'chlagnng mit allen Weifen beiderlei Hand und mit Einwilligung des durchlauchtigsten Herzogs übercingclommen, und haben zu ihm gesagt: Wenn er durch die Thal bewähre, was er ver'prochen, sic ihm auch leisten und batie» werden, was er verlangt und oben gcsdrricben steht. Und >o wurde . alsdann der sörniliche Rathichlnß gefaßt von alten Häuvtern »nd 'Räthen, außer T Andreas Trcviiano, Ritter: „Tag die gemadrte Verheißung von dem hohen Rath volllominen gencinigt st», uns ihm aufgctragen werde, hinzugehe» und seinen ersten Versuch sogleich an der Person des >i a i i e r s (Mariurilian!. zu niackieu" Al g stinu.il haben dafür .10, dawider 0, gar nicht 0. — Außer der P'orie :es hohen Raths wurde nod> die außerordentliche Credenz' ernbefolilen mit dein Eide: „Daß von Allem dem, was hier vorgegangen, weder dnrch Sdirifi, Worte, noch Winke, das Mindeste geäußert werde, daß. leiner mir dem Anderen davon spreche: ebensowenig mit jenen, welche dieser Bcrathung nid)t beigewolint haben, obgleich sie das :>eeck,t gehabt hätten, dabei zugegen zu sein" Tas Protokoll haben unterfertigt: Ter durd>la»d>tigste Hcrzp.g. lVeouhard boredau. Häupter: Ritter Zad>arias Gabriclli. Paul Anton Emiliani. Alois C'nmrui. Georg Pisani. A.dreas Trevi'ano Markus t^roi-g. Hieronrunns T>"epolo, Stephan Eonlarinil' 'Riclas Tonaw von den Lehnen. Christoph Manro. Alois Molino. Georg Eorneliv. Zacharias Tclfino. Franz Bragadin. Franz Foscari. Weise des .hohen. stentheS' Ritter Johann Trevisano. Anion Conduluier. Ritter Foscariui. Alois Prinli. - Bartolö de Mnsto. W c i s e d e r T e r r ag c r )i> a : Ritter .Tominik Benfedetii. Marcus de Molino. b'ocenz Pn.ola .Peter Omirie: Hieionhinns Tnodo. Johann Capello. Ter Herr älanzler Caspar von Bidna. RicolauS Aurelius. Albert Thesaldino »wliann Baptist Hadrian. Sohin verlangte der Bruder Johann von stragnia nodimalS vor den hohen Rath gelassen zu werden, und erbot sich, dann folgrndcriiiaßc» : „Braucht man mid), den roßsnlt a n ans .dem Wege zu räumen, so verlange ick) dafür ü0l> Tucaten. Sendet man mid) gegen den Markgrafen von Mnntna. in Allem Oo Tucaten. Für de» König von Spanien verlange ich Unkosten und Belohnung 1.00 Tucaten in Allem. Brand,» man mid, gegen den heiligen Vater, so kostet eö 100 Tucaten in Allem. Für den Herzog von Mahland in Allem »id>l mehr als «>0 Tucaten". Ucbcrhaupt, je weiter die Reise gehl und je mehr der Mann, dem cs gelten soll, die Mühe und Plage werth ist, die man sich um ihn gibt, desto schwerer fällt er auch ins l^eld... Aus dem Jahre 1.020 ist in den ..üooroti^ sPLTetissimis ccmsilii deecm" eine ähnlid,c Bcrathung v:rzcid,nct. Es handelte sich darum, sich dcS Connetable von Bourbon zu entledigen, was auch dieser Brüher Johann von Ragusa übe,nahm, aber nid,t vollbringen konnte. Die Gesd,ichtc nennt uns zwar an elf BergiftungSversud,e auf Akaxiinilian, die seine starke Natur und gewohnte Gegengifte fruchtlos machten, der Name dcS Bruders Johann kommt 'aber dabei nirgends vor. Allein damit war das Rüsthaus der furchtbaren geheimen Waffen, welche die. StaatSinquisitio» niemals ver-