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Freies Blatt · 1895-09-15 · 180 (15.9.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
180 (15.9.1895)
Date
1895-09-15
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 180. .freies Blatt. reite 8. Herzen der Edlen die Saat deö Hasses und des Verderbens! Vergessen waren all die kriegerischen Thctten deS Königs, vergesse» dessen ritterliches Wesen und die Freundschaft, mit der er ihnen stets entgegengekommen, vergessen all der Wohlstand, de» seine rnhnireichen Siege dem Lande gebracht, vergessen das Andenken all seiner Gutthate», und statt besten erhob die Schlange der Zwietrycht und'' deS HasteS ihr Haupt und bespritzte mit ihrem Geifer daS Bild des tapferen Königs! In kurzer Zeit war es Bogdan gelungen, einen ganzen Kreis Mißvergnügter um sich zu sammeln, die daS Gift von seinen Lippen sogen. Am Abend eines jeden Tages versammelten sich die Verschwörer in einem einsame» Hause, daS unbewohnt war und wo sie sicher waren vor Spähern oder vor Leuten, die der Zufall zu Mitwissern ihrer geheimen Pläne machen konnte. Hieher in diese dunkle, abseits voin regen Treiben der Stadt gelegene Gaste, kam Niemand, der ihnen, hätte gefährlich werden können; hier hatten das Elend und das Verbrechen ihre Schlupfwinkel, und der vermuinmten lichtscheue» Gestalten gab öS stets genug, -sobald eS . zu. dunkeln begann. Darum erregten denn auch die Verschworenen keiner lei Ansnierksamkeit, wenn sie eiligen Schrittes mit -gesenktem Antlitz zu dem Sammelplätze ihrer Zusammenkünfte gingen, zumeist kamen sie einzeln an und ent fernten sich auch lvieder getrennt, stets aber waren sie ohne Waste», um sich de» Anschein von harmlose» Spaziergänger» zu gebe». Bogdan hatte dies so angeordnet, und nachdem er daS Haupt der Verschwörung geworden, was ihm bei seiner von persönlichem Hasse eingegebenen Kühnheit leicht gelungen war, so fügten sich Alle leicht und willig seinen Befehlen. Heute waren die Verbündeten länger als sonst beisammen gebliebeä, und die Vreden, die sie führten, waren noeli wilder und erregter als sonst. Mit hochgerölheten Gesichtern und heftigen Geberde» sprachen sie in wirrem Durcheinander; einzelne standen in kleineren Gruppen und gestikulirten heftig, andere wieder saßen rings tu» die Tafel, an deren oberem Ende Bogdan von Dswieliee den Vorsitz führte, und während die Anderen sich in heftiger Erregung besanden und mit glühenden Wange» sprachen, war sein Gesicht aschfahl und alles Leben schien daraus entwichen; - die Auge» aber funkelte» und glühten in verderblichem Feuer. Jetzt war er ansgestande», und mit seiner blutlosen, knochigen Hand sich über de» nachischwarze» Bart hinstreichend, der sein Gesicht säst bis zu den Angen hin bedeckte, begann er zuerst - leise und jedes Wort scharf betonend z» sprechen; aber je weiter er kam, desto heftiger wurde» seine Geberden und desto lauter der Schall leiner Rede. Seine ohnedies unfreundlichen Züge »ahme» einen rinheimliche» Ausdruck an, und in seinen kleinen schwarzen Angen lohte es wie höllisches Feuer. Die Versammelten hatten sich »in ihn geschaart und folgten seinen Ausführungen mit steigendem Interesse. Jetzt hatte er geendet, und laut - und lohend wiederholten die Hörer seine letzten 'Worte: „Ja, er falle! BoleSlach, der Tyrann Polens, falle, falle!" Aber,da mischte sich noch ein anderer Ruf in daS tosende Stimmengewirr. Erst leise, dann immer lauter und vernehmlicher und dann anschwellend zu mächtigeni Gebrause und die Anderen überrüubend: „Boleskaw falle, und Bogdan werde unser König! Bogdan, König von Polen!" Bogdans Gesicht bedeckte sich mit geisterhafter Blässe, feine Augen svrühten, und mit seinen fieberhaft zuckenden Händen klammerte e.r sich an die Kante deS Tisches. Wie abwehrend streckte er den Tobenden die Hände entgegenj in seinen Augen aber strahlte der Triumph über den errungene» Sieg. „Bogdan sei unser König! Bogdan, König von Polen!" Aber da machte sich plötzlich ein dumpfes Geräusch bemerlbar, das immer näher, immer näher herankam und jetzt ganz deutlich zu vernehmen war.. Erschreckt waren die Verschworenen zusammengezuckt, und sie horchten mit gespannter Ansmerlsamkeit, ob sich das sonderbare Geräusch wieder vernehmen lasse in der sonst so stillen, menschenleeren Gaffe. Es mochte wohl sein, daß sie im Eifer der Rede;n laut geworden nnd daß Vorübergehende, aufmerksam gemacht durch diese» ungewöhnlichen Lärm in d.em einsamen Hause, vor demselben stehen geblieben waren und horchten, was chieS bedeute; ja gewiß, so war es und darum mirßte man jetzt doppelt vorsichtig sein nnd eine Weile regungslos verharre». Und wirklich trat nun an Stelle des vorangegangenen TobenS eine liefe Ruhe ein; nichts regte sich, und man hätte den Athemzng eines Jeden hören können, da —mitten in die alhemlose Stille hinein - - erscholl ein dröhnender Schlag an die Thnre, und im nächsten Augenblick flogen die Thürflügel weil auseinander, nnd mit wildem Geschrei stürmte ein Haufen Bewaffneter herein, an ihrer Spitze zwei Ritter mit geschlossenem Visir. Todtenbleich waren die Verschwörer aufgesprungen, und mit dem Ausdruck höchsten Entsetzens starrten sie, die Augen weit aufgerissen, auf die Eindringenden hin. „Verloren! Mein Gott! Verloren!" entrang eS sich ihren ängstet füllte» Herzen/ „Verralhen!" „Verloren!" Und ihre Hand zuckte »ach dem Gürtel hin, in dem sie de» Dolch verborgen hatten, aber da wurden sie auch schon umringt und ihre .Hände gebunden. ' * „Zittert ihr nun, feige Memmen," frug höhnisch lachend der größere der beiden .'Kittet', indem er an Bogdan hintrat, „bebst du nun und faßt dich ein Graue» an vor bem Tode, nnd hast doch nicht gezaudert nnd deine verruchte Hand hat nicht zurückgeschreckl vor de» Blntthaten, dir du Unmensch bei dir in Dswielioe angerichtet?" ..Wen» Ihr ein Ritter seid," sagte Bogdan, und seine ,Lippe» zuckten, „so macht ein Ende, tobtet mich, doch macht eS ratch!" »Ha, ha," lachte der -Anders, während die Bewasjnete» mit erhobenen Schwerter» vor den Verschworenen standen', „ich bin ein Ritter und wohl ans einem so edle» (Meid)leclttc' wie. dn, gnädiger Herr von Sswieliee! Aber ich will dich nicht tödren. Ich werde mich doch nicht an, der geheiligten Verso» d.s Königs vergreifen, nnd dn bist ja König, geworden, König von Polen ..." Finster wandte sich Bogdan ab,' »nd. lei» Wort kam ans seinen lest geschlossenen Lippen. „Ergreift ihn," gebot kurz der Ritter, „und haftet mir für. ihn, für den Minnientönig," setzte er laut anslachend hinzu: „morgen bringt ihn vor den König, die Anderen führt gleichsallS-in sicheren Gewahrsam. Gehl!" ' ' - Die Bewaffneten »abinen d'e Verschwörer in die Mille, und zwischen den Krieger» hindurch schritt-'» sie gelenkten Hauptes ans der Thüre. In dem einsamen Haufe aber , war eS stille geworden, und - in dein großen Raume,. der vordem von Menschen angenlllt gewesen, waren jetzt die beiden Ritter allein gUllieben. „Wladiw-oj," sagte der eine, indem er daS Visir lüstete, „Wladiwoj, dn bist mein guter Schntzgeist, und' fo lauge ich - alhme, werde ich deiner in Liebe nnd Tantbarkeit gedenken!" Wladiwoj ergriff die dargebotene Hand, und »eine Auge» ruhte» voll trendigen Stolzes auf dem Antlitze des — Königs.. Rasch wie ein Lausfener hatte sich in der Stadt das Gerücht von der des Nachts entdeckten Verschwörung verbreitet und versetzte die Bevölkerung von Kralan in ungeheure Aufregnug: an alten Ecken und Ende» sab man erregte Mensckirn, die in (Wnip'weii umher standen und daS Ereigniß besprachen, und ivährend .die Handwerker naidniederen Leute laut und. rückhaltlos ihrer Entrüstung Worte liehen und die adeligen Verschwörer sowiederen überhaupt, den doppel-' züngigen Bogdan, diesen heimtückischen Bv'ewicht, in den Abgrund der Hölle verwü.ischten, weil sie -den König verralhen wollten, beklagten die Edlen der Stadt zumeist .ihre unglücklichen Genosse», derer, wie ste wußten,- .nun kein gutes Los wartete. Am Hofe des Königs sprach mau gleichfalls von.nichts Anderem als von jenem gestrigen lleberialle,- von dem Erstarren der entlarvten Berräther und von dem klug auSgeionuenc» Vkane der Königlichen. Wer wohl jene beiden Ritter gewesen fern mockue». die an der Spitze der eindringenden Krieger stch befanden? Wohl wußten es viele unter de» Hofleuten, aber es warein strenger. Befehl eriheilt worden, darüber nichts zu verralhen. Zndem herrschte auch am Hose jetzt reges geschäftiges Treiben. Boten wurden'anscz^sandl, Herolde geninet, und allerorten regten sich geschäftige -Hände.' Der König ließ seine Herolde das Land durcheilen und die Edle», des Reiches, zu einer Versammlung am -Hofe einbernsrn, denn t'o erbilt/rl ihn auch das verräiherii'che Gebabreü von Bogdan und dechen Genossen batte, er wollte dennoch nicht allein icber lie zu. Gerichte sitzen, er wollte vielmehr, die Stimme des Landes, die -Stimme ganz Polens solle ihr Unheil fällen :!:>< Angesichte der" versammelte» Edlen des Reiches wollte der König das Verbrechen enthülle» und von ihnen dann das Verdaniuiungsllrlheil hören über die Frevler- (F-orlütznug folgt t ' 12Tid)fjü6ifdx5 Aincnnievs. Von .chit zu Heit wandern Rachrichten durch die Preff'e, die von der Verschwendungssucht »nd Verrücktheit amerikanischer Millionäre UnglanbljcheS erzählen. Längst stehen die wenigen jüdischen Großfinanziers nicht mehr in erster Reihe, wen» es sich um die Höhe des tinanziero ncmc menr iu erster Reihe, wen» eS t>ch um die Höhe des Besitzes handelt, und noch weniger in erster Reihe, wenn von den Auswüchsen deS Großeapitalismus die Rede ist, soweit sie sich Privatleben iu Verschwendung und Eorruption zeigen. H. Thirion hat vor einiger kurzer Zeig ei» lehrreiches und lesenS tu«! <4* i'iliiii- Vti* ttAmstiifielt •X.i.S ^htti tut

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