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Freies Blatt · 1895-09-15 · 180 (15.9.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
180 (15.9.1895)
Date
1895-09-15
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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rir. 180. freies liche Meinung ist bis zur Fieberhitze erregt, und auch an Telirien ffblt eS, bei Gott! nicht. Man braucht bloß de» Mnth und die «rast zu besitzen, n»> die Vorgänge in den antisemitischen Wählerversammlungen zu verfolge», und inan wird eingestehe», daß all die chronischen Nebel an unserem BollSkörper, welche man durch jahrelange Nachsicht »nd Nachlässigkeit förmlich züchtete, nun einen acuten »iid lebensgefährlichen Charakter annehme». Alle Beulen der HasseS, der Scheclsucht, der Verleumdung breche» aus. Tic Versammlungen, welche der antisemitische Mob »Möglich meist an mehrere» Enden /der Stadt zugleich veranstaltet, sink Orgien der Lüge und Verleumdung. Hier wird den Liberale» »achgesagt, sie hätle» die Tschechen mit 20.000 fl. bestochen, dort tritt ei» „zielbewußler" Antifemit aus, welcher von Tr. Richter ein Angebot von 200 fl. erhalten und selbstverständlich zurückgewicjen habe» will u. s, w. Alle« stellt sich natürlich als die reinste, »ackieste Erfindung heraus, die Lolporteure müssen ihre Lüge selbst als solche bezeichnen, »nd sie entschuldige» dieselbe euphemistisch alS „Tratsch", aber der „Tratsch" wird da»» weitexgetrage», und es gibt noch immer Tausende welche trotz aller öffentlichc» RichtigsteUnng de» notorischen Lügnern zujnbel». ihnen ihr Vertrauen sörmlich ausdrängen. Liechtenstein betonte wiederholt in /einen zahlreiche» Tauerredc», ganz Europa blicke dermalen ans Wie». Wenn der Mann jemals die Wahrheit sprach, so war es diesmal. „1a, ganz Europa blickt aus Wien und sieht erstaunt, wie wunderliche Früchte die politische Reise der Bürger dieser Stadl treibt, ganz Europa blickt neugierig ans uns »ud sicht mit mitleidigem Kopsschültel», wie mau politische Gegner behandelt, ivie inan beim Fenster in deren Versanimlunge» einsteigt, wie man ihnen die Thüren stürmt, sie am Spreche» hindert, »iedcitobt, mit Fäuste» u»d Slnhlbei ien prügelt, a n spuckt, bis in die Nebenzininier verfolgt und llnbeiheiligle hier und auf der Straße iniullirt. Ganz Europa sieht es, ivie man Leute — nicht „luden, sonder» Christen, welche den Mnth habe», sich gegen de» Aiilise^nilismns zu bekennen oder gar für die freisinnige Partei zu candidiren — boycoltirt, ge. 'chäsilich zugrunde richtet; ganz Europa schaut kopsschüttelnd zu, wie eine Partei, die an brutalem RadicaliSinuS nicht einmal von de» Anarchisten nberliofie» wird, Wallfahrten »ach Maria EnzerSdorf veranstaltet, im» für den Sieg ihrer verruchten Sache zu — bete», um in der Kirche ein Bild — Lueger's zu bekränzen; ganz Europa schaut verwniidert;«, wie sich Kirchen und Tiener der gjrche finde», welche eine» solche» ^candal nicht nur dulden, sondern sörder», wie die Geistlichkeit in den antiieinilischcn Veriainmlungcn eS den notorischeste» Beißclredner» vorzulhi^u .bestrebt ist und einen „Gebetslurnl" zu Gunsten der Antisemiten veranstaltet, Ja, »>en» das nicht Blasphemie ist, war ist eS dann? ganz Europa hat ein Recht, auf uns, auf diese» noch nicht dagewescnc» Scandal zu blicken, ober ganz Europa wird sich auch verachtend von n»S ab- »'enden, wenn wirklich der Geist der Rohheit und Gemeinheit i» tiefen Tagen siegen und der Wiener Gemeiuderalh eine antijeinilische Versaininlung werden sollte. «Ginc Ehrkilbeleidigiiiigsklage gegku Tr. Lueger.) Ter Candidat der 'reisinnigen Parteien für den drille» Wadlkörpcr des Bezirkes Wieden, Schuhinachcrnieister Franz L a c i u a, hat durch seine» Vertreter Tr. Alfred Mittler gegen Tr. Carl L n e g e r, welcher Herr» Lacina in einer am l d. M. in Margarethe» statlgesnndenc» Wählerversannnlung in ehrenrühiiger Weiie beschuldigte, daß er von de» Liberalen mir 30 fl. per Abend bezahlt werde,, die Ehren beleidig ungsklage beim Bezirksgerichte Wieden überreicht. Gegen daS „T e » t s ch e B o l k s b l a l t", welches die>e Rede reproducirlk, ivnrde die Preßklage eingeleilet. (Eine NkUk Bariante.» Mechaniker Schueider bat eine ganz neue Variante über das alte Märchen vom „jüdischen Riiualmord" ersunden, welche wohl aus alle noch nicht entmündigten Crelins bei he» GeincindcralhSwahleii ■ die erwünschte Wirkung lhn» wird. Ererzählte »änilich in einer Versammlung in AltmannSdors, daß die - ch ristlichen Kinder von de» Re- ' daclioneu der Judenblätter angeworbc» werden/ daß sie zuerst l die Blätter austragen müsse» und da»» rituell abgeschlachtel j werde»! Schneider vergaß seinen Zuhörer» niitzutheilen, ob die armen; Christenkinder kann auch von den genannle» Redacleuren aufgejpeist ,verheil, j Er will ofienbar der Phantasie ciu wenig Spielrauin lasten. l «.Schönerer als Bollbluk-Lefterreichcr.) Es schreibt uns ein Freund § unseres Blattes aus Waidhofen a. d. Thalia: Anläßlich der Gedenlfeier der; vom deutsche,, Volke im Jahre 1870 errungene» Siege läßt sich Herr Georg ' Schönerer allerhand Heil, Heilos und Hcilol« zusenden nud quiltirt dieselbe mit Gegeu-Heil, HeiloS und HeilotS. Nu», jedes Thicrchen hat sein Plaisirchen. Wie c« aber eigentlich mit der Theilnahme Schönerer'« am deulsch-sraiizösischciz .strieze bestellt war, weiß bis jetzt kein Mensch, und Herr Schönerer thäle gut daran, diese Lücke in der Rubmesgeschichte des deutschen Volkes dnrch einen wahrheitsgemäßen Bericht anSzusüllen. Ebensowenig wie der Aniheit Schönereram Siege von Sedan dürste die Thatiache betanut sein, daß Schönerer sich anno 1866 al» Vollblut-Oesterreicher »nd Preußenseind geririe. In der Zeit, da er freiwillig sein Reichsralh-mandat »iedergelegt hatte und über „einhelliges Bitten der Wähler" sich neuerdings um ei» Mandat bewaib, sprach er in einer Wählerversaininlung zu Groß-Göpfritz a. d. M. ungesähr Folgendes: „Im Jahre 1866 war ich mit einem prachtvollen Fuchs bei Königgrätz. Tie Preuße» rückte» Hera». Wäre ich ein Preußensreund gewesen, so hätle ich in Blatt. ' Seit» 7. einigen Munile» im preußischen Lager sein löiine». Ach ritt aber nicht hinüber, sondern in ineine Heii»»t," War das nicht eine palrioiische Großiha», daß Schönerer nicht ins preußische Lager litt? ' ' liüoil Uiiftttn Germanen.) Am «. Anglist fand z» Baltisch die Hauptversammlung de« Bundes der T e u z s ch e u 'R o r d m ä h r e u s statt, bei ivelcher e« auch zur Vorstandswahl kam. Unter den sechs Gewählten befinden sich auch folgende Urteutonen, die Herren CKiari, Czerny, Meliska und Odstrczil. Tiese Herren mit den urdentsch ktiiigeude» Raine» sind al'o Verfechter der Meinung, daß einer, der stöhn oder Leon lieißi — auch wenn seine Ahne» seit Jahrhunderte» mit den Teulichen lcbieu. — doch nie und »immer ei» Teulscher sei» könne. Ja,^Odstrczil kann nickt jeder heißen. Und. es wäre auch ein Unglück, denn,n»r die Wenigste» könnt,» dann ihren Rainen aussprechcn. . (Ein mißqliicklkS Gastspiel, l Am letzten Sonntag veraustalteie der amisemitische „T e ü l s ch e V o l k s v e r c i n für S ch l c i i e »" unicr der Am - presa seines ObinannlS, des entartete» 'Resten Hans stndlich'S, Tr. ström ine r, ein Gastspiel in A ä g-e r u d o r s. um den braven Aägerndorseru daS Evangelium de- AntiseiniliSinuS zu bringen. Ter anllscmiiiicke Lehrer Tomola ans Wien war eigens herbeigerufc» worden, >:i» als Anleiprel des „dentick-volk liche» Gedankens" zu sungire». Allein die Vtissian schlug leb!, und die Versammlung nahm einen iür die Anliskiniten leckt kläglichen Verla,»'. Rach Tomola'S Rede erhob sich uäinlich ein Israelit, Herr Poliak, welcher unter lebhafiei» Beifall gegen die Argumente Toinola'S ankainpiie, »nd ein Social Tcmokrat, Herr st o l l a r >' ch, welcher sich grnndüitzlich gegen den A.iillieuuliSnniS erklärte. 'Rach einem solchen Verlaus der Versaininlung solle» »uü die braven Aägerndorter erst recht von der Bedeutungslosigkeit der antiseniiuschen 'Wieiicr Amvorlwaare überzeugt sein. ». antisenülischeN blättern. lTaS „Vaterland" in Gefahr.» 'Wenn es iür die aiiii'einili'cken Preß Husaren, welche beständig über die „kärglichen Rergler" lameutircu, eiiieu Trost gebe» kan», so muß er in der Schadenfreude liege», zu sehe», daß es auch denienigen ihrer Coiicnrrenlen nicht besser geht, deren Patrone nickt zur Ver wandtickasl Schnniel Leb stohn'S, -onderu zu den „Erbiührei»" zählen Tie „Arbeiter-Zeitufig" war dieier Tage in der Lage, folgendes lehrreiche Säi-in stück zu veröfieniliche»: - ' Vertraulich. I', T. TaS Curatorinm der „V a t e r l a n d G c i > l'. f ch a f l" erlaubt sich, im An'chlnß ein „Proinemoria" obrzillezzeu, und knüpft daran die Bitte an die bisherigen Freunde und Gönner des Blaues, die mit dem heurigen Aahr ablausende» Subventionen nickt nur >ür die nächst,» drei /„ihre -.l8!»6 bis Ist!»8, gütigst crnellern zu wolle», foudern, ivo mög. lick, die Opferwilligkeit im Hinblick aus die dargclcgleu Velhäünisse durch „Erhöhung" der Jahrcsbeiliäge zu beihälige». t^s bandelt sich ,'aruin. die sch lende» 20.010 fl. auszubringeii, waS durch regere Theilnahme „aller" Anierestenken, »anienilick d u r ch H e r a » z i e h » u q >v e, t e r e r >! . eise mit kleine, en Zahrerbeiträgc» (zu 1» 20 bis .'!>> fl l keinesniegs als un erreichbares Ziel betrachtcl-werden kann. Wenn das Curaiorinni es auch nickt zu unterlassen gedenkt, a» eine größere Zalst von Gesinuungsgiionen zu appeUircn, welche heute noch dem llüiernetnneu s,rusteyc»> >o düiire bod, das gute Beispiel der allen Gönner und Gönnern,,len des Blaues iür das Schicksal de« „Vaterland" eiilschcidcnd iein. Ehe das Cüraiorluiü init .einein positiven Antrag vor die Generalver>aniuilu»g «ritt, welche auf de» Herbst diese» Jahresverschoben werden mußlc, will es »och eine» letzten Versuch mache», die drohende Evsn-. tualitäl der „Auilgssung" de? „Vaterland" zu vermeide». Wir wenden. uvS vertrauensvoll a» all-: Acne, welchen d:e Eehalinug des „Vater land" au? den in dem beiliegenden Pioineinoria eniivickelken Gründen wüu schenSwerth. ja geradezu uolkwendig erscheint. Von dein Resnliat der hleniit eingelciteten Lubscriplion wird e? abhänge», ob eS dein Blatte, welches >ei> mehr als 30 Jahren die katholisch roiiscrbalwcu Grundsätze eriolgreich vertrat, gegönnt sei» soll, die ihm obliegende vublicinische Ausgabe auch weite,hi» zu erfülle» oder nickt. TaS Blankett siir eine SubvenlioiiSeillärung ersuch.'» wir in den betrifienden Rubriken gesälligst auSzufnlle» und daun baldinögtichft (spätestens bis halben Lepteinber) att Se. 'Erccllenz Gegfcn Hans Ledebur «Prag, III. Waldste,»platz 3) einsende» z» wollen; wobei noch beincrki wird, daß aus demselben Formiilar auch mehrere Beitrillserklärnnge» erfolgen können (welche dann mit S. X. 1, 2, je. zu bezeichne» wären> TaSCnraioriui>i der „Vaterland - Gesellschaft" wäre sür die Anwerdniig »euer S»bvcnicnlen überaus erkenntlich. —Am August 1805. Franz Gras Falkenha» ». Alfred Fürst zu L i e ch l e » st c i ». Carl Graf B u g u o y Carl Prinz S ch w a r z e n b e r g. Carlos Fürst'C l a r q. Otto Gras Seren u i. Han- Gras Ledebur. Ferdinand Gras Spiegel. Zdenko Prinz L o b k o w i tz. Eduatd Gras P a l s s y. Ernst Gras S h l v a T ä r o li c a. ^Franij Freiherr v. W a l I e r S k i r ch e n. Wen» so glänzende 'Ranicu sich nicht scheuen, bei ein paar arnicn Cooperaioren und Betschwester» sür ihr Blättchen zu schnorren, soll man -etz da

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