Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 179 (8.9.1895)
- Date
- 1895-09-08
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Artus Start. Nr. 170. > Heutig d tStlDfltidläftt. i Tic arbtf ^traffammer öt* Berliner Land- ■ .vritttrt I ,t!v Bertttttttgstnstan; batte fi.li vorige Woche wieder einmal mit den des Atttitktnitensnbrers Tr. H e n t i g, königlichen Oberlehrers, iie'.tücn Diesmal klagte derielbe den Xantmann Reitthold Gehrke, den er 'da:<!.' tl'tt itt einer Beriammlnug des confervativeu BürgcrvereineS ..A'i ca d it" ctncu „Wucherer" genanm;» haben. lieber-das gerichtliche Nach- -r ei zu einer anti>ctniti>cben Bereitisvertantmlnttg wird berichtet: Gehrke be< ■ t an'angs, das Avoit „Wucherer" gebraucht zu haben, und gab nttr zu, 7.-•■ in de-, 'täglichen Versammlung gemgt habe, er könne mit einem Manne, ft.lt ifibft dee Wuchers bezichtige, nicht in einem Pereine zttt'ammen sitzen, rer Beklagte beriet sich darauf, daß Tr» Heutig in der bekannten Hangelsberger Ät'aire eine „Berichtigung" an das „Berliner Tageblatt" ge achtet, itnd dabei sttbü zugegeben babe, daß der tzocomotivsührer S ch e l i n g >t,r etn lbm gewahrtes Tarleben nicht nur die landesüblichen Zinsen gezahlt, v.Derti der At.ttt des Tr Heutig auch noch ein Ge'cheiik von 250 Mark gc= . trabt t babe Tie Berbandlnng endete vor dem Schöffengericht mit der auM vtech'.ttig dee Beklagten. TaS Schöffengericht nabm, wie sich aus dem Urtheil , .:b. riij-t 'tir etwte en au, daß die Bczeichnnng Wucherer gefallen sei, meittte are auch, daß der Beklagte'berechtigt gewest» sei, ans der „Berichtigung" des .tlugetv das beranSznle'cn. was er berausgeleten habe, da es doch, unter den eba altendet, Berbalti'i'ien eigenartig >>i, daß ein in einer ‘.'iotblage befindlicher : r n einem M.tatne von der rebcns'tellnng de» ei lagere tür ein Tarleben von Mark nicht nur die üblichen Z'N'eti, sondern noch eine Entschädigung von 1 Ma.'. genährt bade. Tr Heutig legte gegen, das erste llitbetl die Be" >ia. Er behanvtete unter Hinweis ans verschiedene Zeugen, daß der d- '.ag'e, d. ganz 'tinetnattiät gegen ibn wuble, ibu bet den verschiedensten Ge- . :.S „Wucherer" bezeichne: rabd. Zur Sache selbst bestritt er, daß sich d.dtnclii 'librer Lcheltug in einer 'Notbtage befunden babe. Er habe teiltiail'-n d Mark Sia-Itsv.lpiere mir übergeben, deren Berechnung - : d UN '..-ur:-: »uv;:-n Vertust.' gebracht hätte. Ta babe der ikoeomotiv «t, :• stetem r'lntriebe dle c Berlnue durch eine Ettt'chädtguna . .: IT> Mark aii'znbebetk '>'>'rtch:. 22,nn et in der „Berichtigung" von : i:.l .-.r ti. v vi das etn in der Erregung von ibtn begangener T > B.lt.erkiti!.' Bornt-enden, daß. er an» Siest Weist doch »eine : . irsrer.u't, dein •'> ldsttcher aufbürden wollte, widersprach der XlSger, d - die vom Be.sweitdert anszestcUte Berechnting nicht gmbieß. wonach die a-.'. r EdurtrerlN'te doch! ochnens 120 Mail betragen babe» würden. Ter B e ka.tr -.utt. ,taf; Tr. .Heutig ttt kein konservativen Bürgerverein i , Boi-tard.e d is rer >t: -b.r schwer gemacht und vielsa.1» :it beitigen Seenen B an.: -iiu,! ge.'»r'» babe. Er gebe nun zu, bet einer >'o:,1ten Scene am. - r v ’r d m T r Henttg das Wort „Böucherer" zngcrttscn zu baden : a ' - erst d-'chelet:, nachdem Tr' Heutig ..Berlenmderbande" gerufen' . T" 'i!’:i::itfii7tt Zeugen konnten nicht bestätigen, daß das Wort ..rr.-»' di:..! ges.'.lle» 'ei, ne erinnerteti »ch nur einer Redeflosket in der -r d-.ttl zu-.e.-eb.-nen Tot ui, die aber durch den ganzen Tonfall die 3°. de: Be.eidigung gezeigt! >be Zwei Zeugen betttt.delen, daß zunächst .der Boir.' .' •» Wuch-rs Mtd.'t erfolgt mit dann am ergangenen Zwischenruf erst, :r , irr.ul" 7,.^ wrtden 'ei. Rechtsann alt W ö > d l i n g, Bertretcr. des Bttr>.,'.I. 'aets. .t k.arie die ran dem Beklagten gebrauchte Redewendung auf all. ,T ll!e sttr b-:l :dtgen'. u äbtettd Rechtsanwalt W e r t K a u e r. Berzbeidtger - Bekrädkrtt. d es bestritt Tb Tr. Heutig Wu-cher getrieben habe oder Ulf. >'re. lurr juristisch minkestgnS zw't'elbast 'eint ein bäte aber lad l' d; . Tr H--t.:tg in »nner ..Berichtigung" selbst zugegeben, das Z'.t.testattdn-ß Wi-iets erblichen dürfen. Ter Gerichtsbof erachtete für fest» dder Bik.agte direkt den Borw'ur» des Wuchers erhoben babe ::: : »rach':,-:- auch r:e zneegebene Redewendung für beleidigend. Tas erste >r 'l'e-.l r.lttdd-"!a'lansg.bob'tt und der Beklagte zu 2b» Mark E'eldnrase :. et'.:, dl. :- nt.tstnu'ert.d'wurde . erückstchtigt, d.st: die in der „Bcrichttgutrg" dll.,1 d.n dl:.. kla.'len n sich s.-lbst -gdgebenc Tarstellung mindestens kehr unr. Nb::?,g>nuv: tr.’ti B.-rmutbungeu Tbttr und Tbor habe ."rer T :n chrioachl: er ..l'.de die Bnblioakiotlsbe'ttgttiß znamisTnütis^x'n 2Zlattl?rn. ,'li'ch eine . Blutschande' > T„T stdeutkche Rundschau" bruekl eine k : e a ..»:ll.-. Rti'rei'.lten'rlaitchens ab, welches einer Meldung, daß i ’■ \ ■ mit »f.- :st'.'ch'u 'Mädchen r: l 'vl bade», den 2lostctrszer'folgen! ’■' l: >»'-,-ch :.b:euk' T'e „Tstdeut'che Rundschau" bricht dann selbst; : ' 11’ mt* läßr stch' tust retnebmen: „Z.t'wobl, rcchl nen! 'Roch! - . . :. da! : Wtsien'cha'l über die besonderen vbnnschen Raren-! l > l All' nichts' inel'r verborgen geblieben ist und heilte d - - ' tt d.,»' b l 'einetij ans '.ttdtsch'bentt'cher Mi''chebe eni'prungeiten -de! . ..1 . . : d. :» ll... ". .r td;:tt:a'V, d r Teint entnvus wieder in nridl'l.l ll-!-■;■ .1; ,»m Bod'kommt Er ist wohl ein dringendes Bes.l.stl ü. 'aß st.: Ten'' ven aus. die Zudeitzncht verlegen, ohne zu fühlen, laß ll r che'.“'ti ein, .i'l.if.liat;tu '.'oberem Ttune bedeutet." Tie>'eS Web. klagen in Zut'ammenbattg damit, daß die „Ostdeutsche Rundschan" sehr ausfällig mil den Ebristlich-Zoctalen liebäugelt, weist darauf bin, daß Schönerer derzeit, wie es im antisemilischen Schnorrer-Jargon heißk. ein „kärglicher 2kcrgler" ist. Möchten den Herren W 0 l s, S e d l a k rc. reichliche Subsidien aus dem Rosenauer Replilienfonds zusließeu, so würden sie sich hitlen, thtem Wehklagen eine Form zu geben, welche der „beste Mann der Ostmark" mtßdeuten könnte. Wen würde c» Wunder nehmen, istenn sich Schönerer darüber äufbielle, daß man eine Mischehe als „Blulschande" binstcllt und sogar davon spricht, daß noch „beim Urenkel die Judennase, der Setnitenihptts wieder in ursprünglicher Pracht;»m Porschein komint"? Ganz Pohrlitz wüide die Enlrüsinng Schönerer'S nicht mtr begreislich finden, sondern auch lheilen. tRoch cinmal der „jüdische Aiohlcuring".) Der „Badische Volksb 0 l c" vom 24. August d. I. bringt, an Mit bekannten 'Artikel in der „Aireuz zcitung" sich anlehnend, eine Notiz, „Groß-Wucher" überschlieben, worin bebauplcl wird, daß die beiden Berliner Firmen Eäsar W 0 l l h e i in und Emanuel Friedländer von den 10 Millionen Tonnen Aioble, die Oberichlesien producirl, 6 bis 8', Millionen Tonnen in Händen hälten. Ticic Angaben sind schon längst isiehe Rr. 170 des „Freien Blattes") durch die osficiöie „Berliner Corretponden;" dahin richliggeslcllt worden, daß Lurch die beiden genannlkit Firmen von der geiantutleu Sicinkobstnsördernttg Obetschlesien« im Fahre 1804 mtr 'M Pcrcettt verkanfl wurden und daß eine solche Beiheiligung, so erheblich sie an stch auch sei, keineswegs binrciche, nm diesen Firme», selbst wenn sie einheitlich Vorgehen würden, die Bcherrschmtg der Preise zu erntöglichen. Bon dieser atnilichen Berichtigung nimmt ober der „Badische Bolksbote" keine Notiz,'sondern lügt forsch weiter. Tas ist die Presst, welche für Wahtcheil und Tcutichtbuni sichl! «Die Ncchlsprcchuiig uuü die Nacrnkhcarie.» Tie deutsche Recht'prechnttg scheint in Fällen, tvo es sich mit eine Petchöbnnttg oder Herabsctzttng von staalltch attcrkannlen Xirchen handelt, vollständig tut Finstetn zu lappen. Am 10. Mär; d. I. wurde, tvte wir teinerzeii des Näheren berichlrt, von der III. Strafkammer .deS Berliner Vandgericht:? I gegen den Redakteur des mittlerweile eittrstgangcnen Ablwatbl'ichen „Bund sch uh", itttttmebugen Mtlarbeiier de» Bötkel'schen „Teiltscheu BolkSrcchtes", .Herrn v. Mosch, die .stlage wegen Goiteslästernng und Beschimpsung von Etnrichlttttgen und Gebränchen der jüdischen Rcligionsgemeitischaft verhandelt, begangen durch einen am 22 'November v. F, in dem genannten Blatte utttcr der Ueberschrist: „Fst der Tod des xaistrS Älerander von Nnßtand ein talmndi'chcj Bcrbrechen?" erichietietten Artikel, in,ip,'Ichetn behauptet lvnrde, dasi Alexander III. von jüdischen Aerzlcn vergiftet worden sei, welche mit ihm „einen der mächtigsten und überzetigungstreuestett Zlntistmiten" auS lein Wege läumen wollten. Diese Tbat stehe mit der Borstellung, welche die fanatischen und abergläubischen Juden von der Mi'sion de? jüdischen Bolkes und von ihrem Gotte selbst haben, in Znsamtnenbang, wie ja bet vielen Fuden die Mrinung bestehe, daß der Gott desalten. Testaments ein besonderer „Fndcngolt" sei, der unter bestiintnicii Be. dittgltngen in ganz besonderer Weite sich den Zniereffen de» jüdischen Balles dienstbar mache. Tie llstrichtsverbandlnttg.führte zur Freisprechung, weil ivobl in verschiedenen Ausdrucken eine Golreslästernng zu erblicken, aber das Merkmal der be'chitnpstnden Acußerung nichl vorbanden sti. Eine Be ru r t b e i I n n g wegen B e i ch i in p f n n g von E i » r i ch t n n g e n u n d Geb rauche n der jüdischen N c l i g t 0 n » g e rn e i n s ch a f t könne nicht ertolgen, d a d e r A n g e l l a g t e a l S R a c e n A n t i f f 11t 11 nicktl f» i e j n d i s ch e. R e l i g i 0 n s g e in c i u i ch a f l, sondern d rc jndi'che :>t a c e habe treffen wolle n, eine Angabe, die durch den Artikel und durch die Perhandlung selbst nicht widerlegt sei. Gegen dieses llrtheit lvnrde von dem Oberstaatsanwalt Revision eingelegt mit der Begründung, daß die erstinstanzliche Entscheidung einen Verstoß gegen § lt»0 des St. G -B durch die Nichtanwendung desselben und Berkenittmg der Begriffe „beschimpfende Aenßerung" und „Beschimpfen von Einrichlnngen und Gebräuchen einer mit Eorporaiionsrcchteir versehenen Relig'ionsgesellichaft" bedeute. Der erkennende Richter habe diest Begriffe zu eng gefaßt, wenn er die in dem Artikel rntbalteuen Wendungen nicht atS beschiinvstnd erachte. Die Revisionsschrist führte eine Reihe von Eitaten ans dem Artikel, in denen Gott in betchitnvstnden 2lenßernttgen gelästert und die indische Religionsgemeinschaft beschimpst wird, an und gelangte deshalb zu dein Anträge auf Aiishebung des ersten Unheils, sowie Znrückverweisttng der Sache an dieselbe Fnstan; zur andenvcitigen Verhandlung mit Entichctdnng. Mit tiefer Revision batte sich vor Aittrzcni der zweite.Ktra' ienat des R.ichsgerichte» beschäftigt. Der Reichsanwalt stellte sich int Wesentlichen ans d.n Standpunkt des Oberstaatsanwalts und beantragte Aufhebung des Ge-aimmurlbeils. Der Strafsenat dagegen schloß sich in seinem Unheil inir znm Theil den-Änsfübntitgen der Revisionsschrist an. Er erklärte den ersten Tbetl der Revtnon für unziitressend und vermochte in dem Urtheil der Straskammer. insoweit keinen stiechtSirrthnin zu erblicken, als er bei der Frage der Gotteslästeruni das Merkmal der beschimpfenden Aeußernng als nicht vorhandcit an nimmt. Ter Voiderrichter habe, io sühne der Vorsitzende aus. in diesem Pnnttc durchaus ztilrefsend erkannt. Dagegen sei da« Unheil in seinem zweiten Theile tmotetut ansechlbar, alsder Vorderrichler eine Beschimpsnitg der jüdischen Reltgionszemein'chast deshalb nicht als vorhanden annimmt, weil der Angeklagte